Denkmal Friedrich von Wieser

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Denkmal für Friedrich von Wieser im Arkadenhof
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 12, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den österreichischen Nationalökonom Friedrich von Wieser (1851-1926) wurde von dem Bildhauer Rudolf Schmidt (1894-1980) für den Arkadenhof der Universität Wien gestaltet und am 15. März 1957 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Friedrich von Wieser befindet sich auf der so genannten Juristenseite des Arkadenhofs (linker Arkadengang) und besteht aus einer hochrechteckigen, 64 x 99 cm großen Bronzetafel. In der oberen Hälfte befindet sich das Porträt des Nationalökonomen seitlich im Profil im Typus der Imago Clipeata mit einem Durchmesser von 44 cm. Aus der konkaven Vertiefung tritt das Portrait-Relief des Gelehrten plastisch hervor. Der Rand der Eintiefung kann als Rahmen der strengen, nach links gerichteten Profilansicht gedeutet werden. Aufgrund der Platzierung des Denkmals ist der kritische und in sich versunkene Blick des Gelehrten zum Arkadenhof gewandt. Die dargestellte Persönlichkeit ist in bereits reiferem Alter mit schütterem Kopfhaar sowie buschigem Kinn- und Oberlippenbart portraitiert. Alle sonstigen Details des Portraits sind äußerst naturalistisch dargestellt und fein herausgearbeitet.

In der unteren Hälfte der Tafel sind der Name, seine Profession (Professor der Nationalökonomie, Handelsminister) sowie seine Lebensdaten (1851-1926) in konvexen Versalien eingegossen. Das Denkmal trägt vom ausführenden Künstler unterhalb des Porträt-Profils und noch innerhalb der Vertiefung eine Signatur in zart gravierten 5 mm großen Versalien: "RUDOLF SCHMIDT 1956".

Abb. 3: Denkmal für Friedrich von Wieser im Arkadenhof, Signatur

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 4: Friedrich von Wieser, Foto, s.d., in reifem Alter

Friedrich von Wieser (* 10. Juli 1851 in Wien, † 22. Juli 1926 in St. Gilgen) war ein bedeutender österreichischer Nationalökonom. Nach dem Studium der Jurisprudenz wandte sich Wieser - angeregt durch die bahnbrechenden Schriften des eben zur Geltung gelangenden Carl Menger - der Nationalökonomie zu und wurde gemeinsam mit diesem sowie dem gleichaltrigen Eugen von Böhm-Bawerk viel beachteter Vertreter neuer volkswirtschaftstheoretischer Denkansätze, der so genannten "Wiener Schule der Nationalökonomie". Wieser wirkte als Universitätsprofessor für politische Ökonomie in Prag (1884-1889) und Wien (1903-1926), war 1917-1918 Mitglied des Herrenhauses im Reichsrat und bekleidete in dieser Zeit auch das Amt des Handelsministers. Er ruht in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Wien-Dornbach.

Entstehungsgeschichte

Einem Antrag der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät folgend gab der Akademische Senat im Jahr 1936 seine Zustimmung zur Errichtung eines "Doppeldenkmals" für die beiden Nationalökonomen Friedrich von Wieser und Eugen von Böhm-Bawerk. Die Erstellung eines „Doppeldenkmals“ wurde damit begründet, dass die beiden Gelehrten ihre wissenschaftliche Pionierleistung in enger Verbindung miteinander vollbrachten. Somit standen sie auch durch die Bande lebenslanger Freundschaft einander persönlich sehr nahe. Deshalb bestand der Plan, ihnen die Anerkennung der Universität, deren Ruhm sie gemehrt haben, in der Form eines beide vereinigenden Bildwerkes, etwa eines "Doppelporträts in Relief", zuteil werden zu lassen.[1] Dieser Beschluss erfolgte 10 Jahre nach dem Tod Wiesers bzw. 22 Jahre nach dem Ableben Böhm-Bawerks.

Diese Denkmalsidee kam jedoch nicht wie geplant zur Ausführung. Aus diesem Grund wurde lange Jahre nach dem ursprünglichen Beschluss auf Veranlassung des Instituts für Wirtschaftswissenschaften - nachdem 1950 bereits eine Gedenktafel für Böhm-Bawerk geschaffen worden war - im Jahr 1957 ein Einzeldenkmal für Friedrich von Wieser im Arkadenhof enthüllt.

Einem Sitzungsprotokoll des Kunstausschusses vom 14.1.1957 ist zu entnehmen, dass das Relief als künstlerisch einwandfrei und für die Anbringung im Arkadenhof als geeignet befunden wurde. Als Anbrinungsort wurde der dritte Pfeiler im Juristentrakt ausgewählt - und zwar die Schaufläche gegenüber dem Relief für Prof. Hussarek. Das Relief wurde so angebracht, dass Wieser in den Garten blickt, damit die Beleuchtung optimal zur Geltung käme.[2]

Die Genesis dieses Denkmals umspannt somit einen Zeitraum von insgesamt 21 Jahren. Weshalb letztendlich kein "Doppeldenkmal" sondern zwei einzelne Denkmäler erstellt wurden, lässt sich aus vorhandenen Quellen nicht bestimmen.[3]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 5: Portrait Friedrich von Wieser, s.d., in höherem Alter

Gegenüber monumentalen Denkmälern und Büsten können Gedenktafeln meist in einem etwas einfacheren künstlerischen Prozess und damit kostengünstiger hergestellt werden, sind aber ebenso dazu geeignet, der Nachwelt in gebührender Weise die Verdienste des Geehrten vor Augen zu führen. Das Porträtmedaillon Friedrich von Wiesers erinnert an die Tradition antiker Münzenbildbisse. In der Gedenktafel sind Medaillon und rahmende Tafel in einer Einheit verschmolzen. Diese Gestaltungsart ist auch bei anderen Denkmälern des Arkadenhofs vorzufinden, wofür beispielhaft auf die Denkmäler für Karl Schenkl und Leopold von Dittel verwiesen werden kann.

Von den verfügbaren Porträts des Gelehrten kommt die Radierung des Porträtmalers und Grafikers Ferdinand Schmutzer (1870-1928) der Darstellung an der Gedenktafel am nächsten (Abb. 5), auch wenn der Gelehrte mit anderer Blickrichtung und üppigerem Kopfhaar dargestellt wurde. Dem Künstler ist es in der Radierung gelungen, Wieser mit gutmütigem und warmem Gesichtsausdruck wiederzugeben, welche Mimik nach einhelliger Meinung seiner Zeitgenossen seinem Naturell entsprach, das ihn sein ganzes Berufsleben lang begleitete und das auch in seinen vielfältigen musischen Vorlieben seinen Ausdruck fand.

Rezeption in der Presse (Auswahl)

  • Die Presse, 16. März 1957, S. 7: "Wieser-Denkmal in der Universität"
  • Das kleine Volksblatt, 16. März 1957, S. 5: "Denkmal für Professor Wieser"

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 91.5, Antrag vom 25.1.1936 eines Professorenkollegiums an die Fakultät
  2. UAW Senat S 222.32, Protokoll vom 14.1.1957 des Kunstausschusses
  3. UAW Senat S 91.5, Mitteilung vom 5.6.1936 des Rektors an den Kunstausschuss

Literatur

  • Gall 1965: Franz Gall, Kleiner Führer durch die Universität Wien, Wien 1965
  • Kanz 1993: Roland Kanz, Dichter und Gelehrte im Portrait, München 1993
  • Keune 2000: Keune Angelika, Gelehrtenbildnisse der Humboldt-Universität in Berlin, Berlin 2000
  • Jordanova 2000: Ludmilla Jordanova, Defining Features, London 2000
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze, Wien/Köln/Weimar 2007
  • Mühlberger 2007: Kurt Mühlberger, Palast der Wissenschaft, Wien/Köln/Weimar 2007

Quellen

  • UAW S 91.5
  • UAW S 222.32

(UAW: Archiv der Universität Wien)


Herbert Kreiser, Sabine Panzer