Denkmal Friedrich Jodl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Friedrich Jodl
Lage des Denkmals, Nr. 66, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Denkmal Friedrich Jodl, Gesamtansicht.

Das Denkmal des Philosophen, Historiker und Kunsthistorikers Friedrich Jodl (1849-1914) wurde von dem Bildhauer Hans Mauer (1879-1962) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 4. Mai 1924 enthüllt.

Beschreibung

Signatur auf Friedrich Jodl Büste

Die aus weißem Carrara-Marmor gearbeitete Portraitbüste Jodls ist auf einem quaderförmigen Postament aus Stein angebracht. Ein gerader Schnitt am Ansatz des Schlüsselbeines markiert die Grenze zwischen der Marmorbüste und einem zwischen ihr und dem Sockel gefügten zusätzlichen Piedestal, das den Kopf des Philosophen stützt. Bei dem Postament handelt es sich um einen glatten, vorne segmentförmigen Sockel aus Stein mit beiderseitiger Wiederkehr. Im oberen Drittel der Frontseite befindet sich eine Inschrift in schlichten goldenen Lettern: "Dr. Friedrich Jodl, Professor der Philosophie, 1849-1914“.

Der Kopf des Dargestellten ist sachte nach links gedreht und die Gesichtszüge Jodls sind weich modelliert. Das Gesichtsfeld ist äußerst naturalistisch wiedergegeben. Seine Haare und sein markanter Schnurrbart wurden allerdings in gröberen Schraffuren herausgearbeitet. Der Ausdruck des Dargestellten spiegelt eine denkende Miene wieder, die nur allzu typisch für den analysierenden Philosophen war.

Wenn man die Büste von der Seite betrachtet lässt sich folgende eingemeißelte Signatur des Künstlers erkennen: „H. Mauer 1909“. Es bedarf noch weiterer, ausführlicherer Forschung im Universitätsarchiv Wien, um herauszufinden, warum das Jahr 1909 auf der Büste verzeichnet wurde und nicht das Jahr an dem die Büste fertig gestellt wurde.

Notizen zur dargestellten Person

Friedrich Jodl wurde 1849 als Sohn einer Beamtenfamilie in München geboren. Mit 31 Jahren habilitierte er sich schließlich zum Professor der Philosophie.

Nach einem Lehraufenthalt an der Universität in Prag erhielt er 1896 einen Lehrstuhl an der Universität Wien. Jodl war außerdem Mitglied der Akademie der Wissenschaften und bekleidete von 1903 bis 1912 die Position des Obmanns in der Wiener Philosophischen Gesellschaft.[1]

Entstehungsgeschichte

Am 7.Juli 1923 beantragten die Professoren Wettstein, Diener, Becke, Arnim, Reisch und Reininger der philosophischen Fakultät Wien erstmals beim akademischen Senat der Universität Wien die Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen Professor Friedrich Jodl. Das Ansuchen wurde vom Senat bewilligt und der Künstler, der mit der Errichtung des Denkmals betraut werden sollte, schnell gefunden. Dem Wiener Bildhauer Hans Mauer sollte die Ehre der Fertigung des Denkmals zuteil werden.

Ein halbes Jahr später, am 17. Jänner 1924, war die aus Carrara-Marmor gefertigte Büste bereits vollendet und sollte nun samt Sockel an einen geeigneten Platz in den Arkaden der Universität Wien geschafft werden. Die ursprünglich von der Witwe geforderte Nische zwischen dem Hartl Denkmal und der Bibliotheksstiege war nicht mehr frei, eine Umstellung sämtlicher Denkmäler stand aber offensichtlich in Planung, weshalb vorläufig ein provisorischer Aufstellungsplatz für die Büste gewählt wurde. [2]

Anfang Februar desselben Jahres wurde die fertige Büste inklusive Sockel in ein Depot der Universität gebracht, die Transportkosten übernahm das Rektorat.[3] Einen Monat später fand eine Vorbesichtigung des Denkmals durch alle Mitglieder der artistischen Kommission statt, wobei unter anderem auch der Standort der Büste abgesegnet wurde.

Bereits am 4. Mai 1924 fand die feierliche Enthüllung des Denkmals in den Arkaden der Universität Wien statt. Die Festredner waren Dr. Robert Reininger und Dr. Wettstein. Unter den anwesenden Gästen befand sich zudem Bundespräsident Dr. Michael Hainisch.

Ereignisse nach der Denkmalenthüllung

Am 14.1.1932 bat die Witwe Jodls, Margarethe Jodl, die artistische Kommission den Schriftzug auf dem Postament des Denkmals tiefer eingravieren zu lassen, da sie befürchtete, der bisherige Schriftzug würde mit der Zeit unleserlich werden. Der akademische Senat befand daraufhin am 8. März, dass das Postament dieser Büste so zart sei, dass die Schrift nicht wie gewünscht größer ausfallen könne.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Denkmal Karl Anton von Martini

Ein nahestehender Vergleich bietet sich aus dem unmittelbaren Aufstellungsumfeld der Jodl-Büste an: das ebenfalls von Hans Mauer errichtete Martini Denkmal. Hans Mauer errichtete das Denkmal für Karl Anton von Martini in den Jahren 1912-1917, also kurz vor der Fertigung des Friedrich Jodl Denkmals.

Obgleich wir beim Jodl Denkmal, im Gegensatz zum Denkmal des Martini, nur den Kopf bis zum Schlüsselbein ausarbeitet haben, ist die Oberflächenbehandlung beider Denkmäler sehr ähnlich. In beiden Fällen sind die Gesichtszüge weich herausmodelliert. Sowohl das Deckhaar Martinis als auch der Schnurrbart Jodls heben sich durch eine weniger detaillierte Oberflächenbearbeitung von den naturalistisch ausarbeiteten Gesichtern beider Büsten hervor.

Die Unterschiede liegen im Wesentlichen in der Darstellungsform. Die Büste Jodls befindet sich auf einem Postament, wodurch unmittelbare Nähe zum Betrachter geschaffen wird. Diese Darstellungsform schafft ein modernes Erscheinungsbild, welches dem 20. Jahrhundert entsprechen sollte. Bei der Darstellung Martinis hingegen, handelt es sich um eine in ein Oval an die Wand fixierte Büste, die durch den steinernen Rahmen umso mehr den Betrachterraum entrückt erscheint. Hierbei handelt es sich um eine klassische, neo-barocke Komposition, welche zu dieser Zeit nur mehr spärlich Anwendung fand.

Quellen

  • UAW Senat S 88.41
  • UAW Senat S 94.12

Einzelnachweise

  1. BÖRNER 1911
  2. Sitzung der artistischen Kommission am 17.Jänner 1924, in: UAW Senat S 88.41
  3. Brief an Margarethe Jodl am 9. Februar 1924, in: UAW Senat S 88.41

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Wilhelm Börner, Friedrich Jodl. Eine Studie. Mit einer Charakteristik Friedrich Jodls als Anhang von Hugo Spitzer, Stuttgart 1911.

Weblinks


Ana-Teresa Czernin, Sabine Panzer