Denkmal Friedrich Hasenöhrl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Detailaufnahme des Friedrich Hasenöhrl Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien
Lage des Denkmals, Nr. 77, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Physiker Friedrich Hasenöhrl (1874-1915) wurde von dem Bildhauer Franz Seifert (1866-1951) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und wurde am 10. Dezember 1922 enthüllt.

Beschreibung

Inschrift des Denkmals

Das Denkmal des Friedrich Hasenöhrl besteht aus einer rechteckigen, hochformatigen roten Marmorplatte. Im oberen Bereich der Marmorplatte befindet sich eine kleine rechteckige, schmucklose Konsole, an der der abrupt abgeschnitte Kopf des Hasenöhrl frontal geradeaus platziert ist. Darunter befindet sich eine gut erkennbare, in goldenen Lettern gemeißelte Inschrift mit folgendem Inhalt: „Dr Friedrich Hasenöhrl, Professor der theoretischen Physik 1907-1915, Geb. in Wien am 30. Nov. 1874, Gefallen bei Folgaria am 7. Okt. 1915.“

Der Kopf des Friedrich Hasenöhrl wurde direkt an der marmornen Konsole, die aus der Marmorplatte im Hintergrund ragt, platziert. Hasenöhrls Blick ist starr gerade aus in die ferne Zukunft gerichtet. Die naturgetreue Einarbeitung jeder Falte macht auf den Betrachter einen äußerst naturalistischen Eindruck. Das Kopfhaar ist hingegen nicht im Detail wiedergegeben sondern in groben Partien eingemeißelt.

Der eben erwähnte abrupt abgeschnittene Kopf lässt darauf hindeuten, wie Friedrich Hasenöhrl möglicherweise im Krieg gefallen ist. Leider lassen sich hierfür keine genauen Belege finden.

Notizen zur dargestellten Person

Friedrich Hasenöhrl (* 30. November 1874 in Wien; † 7. Oktober 1915 in Vielgereuth, Welschtirol) war ein österreichischer Physiker.

Entstehungsgeschichte

Gesamtaufnahme des Friedrich Hasenöhrl Denkmal

Die philosophische Fakultät Wien beschloss im Jahr 1921 für den im Krieg gefallenen Professor der theoretischen Physik, Dr. Friedrich Hasenöhrl, ein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien zu errichten und betraute die Unterzeichneten mit den vorbereitenden Schritten. Nach Eingang der zunächst notwendigen Mittel traten dieselbigen mit dem Bildhauer Franz Seifert in Verbindung. Dieser fertigte 1922 prompt eine Skizze des Denkmals, welche nach dem Urteil von Hasenöhrls Witwe und ein paar seiner Freunde die Züge des Verewigten in treffender Weise wiedergibt. Der Kopf sollte in dunkler Bronze auf rotem Marmorgrund ausgeführt werden. In der endgültigen Umsetzung verzichtete man allerdings aus unklaren Gründen auf den Bronzekopf und führte diesen ebenfalls in Marmor aus.[1] Am 10. Dezember 1922 wurde das Denkmal im Arkadenhof enthüllt.[2]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Im Gegensatz zu monumentalen Denkmälern, mit prächtigen Sockeln und spielerischer Detailarbeit mag dem Betrachter das Friedrich Hasenöhrl Denkmal eher spärlich erscheinen. Dennoch übermittelt es durch seine massive Marmorplatte einen sprichwörtlich erschlagenden Eindruck.

Franz Seifert bemüht sich in diesem Denkmal abermals ohne diverse Verschönungen das wirklich Wichtige in das Auge des Betrachters zu rücken – das Erscheinungsbild des Dargestellten. Obwohl der Kopf des Dargestellten ungewöhnlich abrupt abgeschnitten ist haben wir stilistisch ein äußerst naturalistisches Abbild von Hasenöhrl, was durchaus typisch für Seiferts Bildnisse ist. Obgleich wir auch idealisierte Bildnisse von Seifert vorfinden ist doch der Großteil von seiner Skulpturen und Büsten in seinem Entwicklungsprozess über all die Jahre hinweg von außerordentlichem Naturalismus geprägt.

Einen vergleichsweise ähnlich naturellen Eindruck bietet uns die Portraitbüste des Julius Tandler, gefertigt von Josef Franz Riedl im Jahr 1956. Das Julius Tandler Denkmal besitzt zwar einen ausgeführten Oberkörper steht dem Friedrich Hasenöhrl Denkmal was detailgetreue Ausarbeitung der Gesichtszüge, Haarpartien bzw. in diesem Fall sogar Kleidung angeht um nichts nach.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Aufgrund mutwilliger Zerstörung musste das Friedrich Hasenöhrl Denkmal noch im darauffolgenden Jahr wiederhergestellt werden. Einem Brief vom 8. März 1923 des Bildhauers Seifert an das Rektorat ist zu entnehmen, dass sich die Kosten des Carrara Marmors auf 2.000.000 Kronen belaufen haben. Er merkte dabei an, dass diese Summe bloß seine Selbstkosten darstellten und er den hierzu benötigen Marmor kostenlos zur Verfügung stellte. [3]

Quellen

  • UAW Senat S 88.35

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, 10.12.1922, Nr. 20926, S. 9. [1]
  • Kleine Volkszeitung, 10.12.1922, Nr. 330, S. 4. [2]

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Meister 1934: Meister, Richard: Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Wien 1934.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 88.35, Z.978 ex 1921/22, 27. Juni 1922.
  2. Neue Freie Presse, 10.12.1922, Nr. 20926, S. 9.
  3. UAW Senat S 88.35

Galerie


Simone Eilmsteiner, Sabine Panzer