Denkmal Friedrich Becke

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Denkmal Friedrich Beckes im Arkadenhof der Universität Wien.
Lage des Denkmals, Nr. 29, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mineralogen Friedrich Becke (1855-1931) wurde von dem Bildhauer André Roder (1900-1959) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und anlässlich des 25. Todestages des Mineralogen im Zuge einer Gedenkfeier am 18. Juni 1956 enthüllt.

Beschreibung

Die Gedenktafel besteht aus einem Bronzerelief, das den Dargestellten halbfigurig zeigt. Er ist in nachdenklicher Pose mit seiner rechten Hand am Kinn abstützend dargestellt. In der anderen Hand hält er einen Stein, als Attribut, das auf seine Profession als Mineraloge und Petrograph hinweist. Die Arme stützen sich auf einen Vorsprung aus Stein, der wie ein Pult wirkt und nach vorne schräg abfällt. Gekleidet ist der Dargestellte in einem eleganten Anzug, sein Gesicht ist mit markanten Zügen versehen und scheint nachdenklich auf den Betrachter zu blicken. Am Reliefgrund ist eine Landschaftsdarstellung mit Bergen auszumachen. Außerdem ist das Relief mit 2 seitlichen, schmalen pilasterartigen Bronzeteilen versehen, die bis kurz über die Schultern des Dargestellten reichen und als zusätzliche Rahmung dienen. Das Relief ist in Stein eingelassen, der sich farblich gut an den Steinpfeiler anpasst, auf dem die Tafel angebracht ist. Der Name, das Fachgebiet und die Lebensdaten sind in den Stein graviert und mit goldener Farbe hervorgehoben.

Notizen zur dargestellten Person

Friedrich Becke (* 31. Dezember 1855 in Prag; † 18. Juni 1931 in Wien) war ein österreichischer Mineraloge und Petrograph. Er war Rektor der Universität Wien und von 1911-1929 Generalsekretär der Wiener Akademie der Wissenschaften, außerdem Präsident der Volkshochschule „Volksheim“ in Wien.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal wurde durch die Österreichische Mineralogische Gesellschaft und einer Subvention des Bundesministeriums für Unterricht finanziert. Im Vorfeld wurde ein Modell durch André Roder erstellt, das dem Kunstausschuss bereits im März des Jahren 1956 vorgezeigt wurde.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Unmittelbar gegenüber befindet sich das Denkmal des Mineralogen Gustav Tschermak von Seysenegg, das sich hervorragend für einen Vergleich der beiden Darstellungen eignet. Auffallend hierbei sind auf den ersten Blick die Größe und die Art der Fertigung. Tschermak ist als Flachrelief in Form eines Münzbildnisses gestaltet und zeigt das Gesicht des Mineralogen in seinem rechten Profil und den oberen Teil der Schulterpartie. Er trägt eine Brille, einen langen Bart und einen Anzug. Im Gegensatz zu Becke lässt nichts, außer der Inschrift unter dem Relief, auf seine Professur als Mineraloge, schließen. Friedrich Becke ist hingegen deutlich durch sein Attribut, dem Stein in seiner linken Hand, als Mineraloge zu erkennen. Er stützt sich mit seinem linken Arm und dem rechten Ellenbogen ab und wirkt als wäre er in Gedanken versunken. Die Inschrift, die auf einer hochformatigen Marmorblatte unterhalb des Reliefs eingeschrieben ist, enthält wie auch jene von Becke den Namen, die Professur und das Lebensdatum. Möglicherweise kannte der Bildhauer André Roder Raffaels Schule von Athen, die Philosophenschule, und stellte so den Rückbezug der antiken Gelehrten her. Wurden die Philosophen der Antike wie Vorbilder verehrt, war es vielleicht auch Roders Absicht, Becke auf die gleiche Stufe zu stellen, zu denen die Betrachter vor allem aber die Studenten aufblicken können. Ein weiterer Bezug Roders könnte Rodin gewesen sein, für den die griechische Antike ein wichtiger Einfluss war.

Ereignisse nach der Aufstellung im Akadenhof

Das Denkmal Friedrich Beckes im Arkadenhof der Universität Wien.

Direkt nach der Aussendung der Einladungen zur Gedenkfeier und Enthüllung des Reliefs langte beim Hohen Akademischen Senat ein Brief des damaligen Inhabers der Lehrkanzel für Mineralogie und Petrographie Prof. Hans Leitmeiers ein. Dieser kritisierte das Relief dahingehend, dass es dem Dargestellten in keinster Weise ähnle „Die aufzustellende Bronze hat weder den inneren noch den äußeren Ausdruck von Beckes Persönlichkeit zu vermittelnde Eigenschaften“. Daraufhin antwortete der Senat, dass der Kunstausschuss das Relief reichlich geprüft und als völlig geeignet empfunden hätte und, dass auch mehrere ehemalige Kollegen des Dargestellten das Relief für sehr ähnlich befunden haben. Die Kritik kann wahrscheinlich darauf zu gründen sein, dass Leitmeier nicht als Festredner ausgewählt wurde, worüber er sich auch gründlich in seinem Brief beschwert.

Quellen

  • UAW, Senat S 304.50, Personalbogen.
  • UAW, PH PA 979.
  • UAW, Senat S 222.30.
  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 44.

Rezeption in der Presse

  • Artikel über die Enthüllung und Gedenkfeier des Denkmals, in: Wiener Zeitung, Nr. 149, 19. Juni 1956, S. 5.

Samantha Foki, Kerstin Hitzenhammer