Denkmal Franz von Miklosich

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Franz von Miklosich, Arkadenhof der Universität Wien.
Lage des Denkmals, Nr. 55, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Denkmal Franz von Miklosich, Arkadenhof der Universität Wien.
Denkmal Franz von Miklosich, Arkadenhof der Universität Wien.
Inschrift: LIT. SLAV. PROF. PRINCEPS MDCCCXXXXIX-MDCCCLXXXV.
Gravur des Bildhauers Johann Scherpe.
Entwürfe zur Inschrift des Miklosich-Denkmals.

Das Denkmal für den Slawisten Franz von Miklosich (1813-1891) wurde von dem Bildhauer Johann Scherpe (1855-1929) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und 1897 enthüllt.

Beschreibung

Der Bildhauer Johann Scherpe entwirft das Denkmal für den slawischen Philologen Franz von Miklosich sehr groß und in hellem Stein. Der lange, schlanke Sockel, der sich nach unten hin verjüngt, um dann in einem breiteren Podest abzuschließen, ähnelt dem Denkmal Carl von Rokitanskys sehr stark. Auch hier erinnert die Form an eine Säule, auf der obenauf die Büste platziert ist. In goldenen Buchstaben ziert die Schlichte Aussage „LIT. SLAV. PROF. PRINCEPS. MDCCCXXXXIX-MDCCCLXXXV.“ den oberen Bereich des Sockels. Der Name des Slawisten befindet sich bereits auf der Büste selbst. Sein Vorname ist mit „FR.“ abgekürzt. Das Abbild ist bis zum oberen Teil der Brust gearbeitet. Miklosich ist mit freiem Oberkörper dargestellt, wodurch die Knochen und Muskulatur des Oberkörpers angedeutet sind. Diese Darstellungsweise findet sich auch in der näheren Umgebung im Arkadenhof wieder, wie beim Denkmal Franz Exner und dem Denkmal Hermann Bonitz und erinnert sehr stark an die Antike. Auf dem übertrieben muskulösen Nacken ruht der Kopf des Philologen. Er ist zu seiner rechten Seite hin gedreht und leicht angehoben. Der Hals zeigt Zeichen des Alters, denn es sind einige Falten und schlaffere Hautstellen zu sehen. Den Mund, der über einem ausgeprägten Kinn liegt, verdeckt ein großzügiger und dichter Schnauzbart. Auch das Gesicht zeigt Spuren des Alters, was durch einige Falten um die Nase und die Augen hervorgehoben wird. Letztere sind sehr lebendig dargestellt, zumal die Pupille als auch der Glanz darin detailliert herausgearbeitet sind. Dies verleiht dem Abbild mehr Lebendigkeit und ist ein Zeugnis für die genaue Arbeit Scherpes. Über den Augen befinden sich kurze, aber buschige Augenbrauen. Sie sind leicht hochgezogen, was nicht nur durch die Stirn angedeutet ist, sondern was auch dem Blick Miklosichs mehr Lebendigkeit verleiht. Die Haare des Slawisten sind in üppigen Locken beinahe ungeordnet dargestellt und enden knapp über den großen Ohren. Durch die Haltung des Kopfes und dem Blick in die Ferne, wirkt Miklosich, als wäre er in seine Gedankenwelt eingetaucht und hänge einer Idee oder einer Problemlösung nach. Aufgrund der antiken Darstellungsweise und der nachdenklichen Mimik ist dieses Denkmal als Gelehrtenportrait einzuordnen.

Notizen zur dargestellten Person

Franz von Miklosich wurde am 20. November 1813 in Pichelberg bei Luttenburg, Slowenien geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, aber auch Philologie an der Universität Wien. Mit der Zeit verbrachte er viel Zeit mit dem Studieren der slawischen Philologie und wurde der erste Professor für slawische Philologie an der Universität Wien. Seine wichtigsten Leistungen bezogen sich unter anderem auf die vergleichende Grammatik und das Verfassen des ersten etymologischen Wörterbuchs der slawischen Sprachen. Miklosich starb am 07. März 1891 in Wien.[1]

Entstehungsgeschichte

1893 stellt Professor Adolf Exner in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der artistischen Kommission den Antrag, eine Büste des verstorbenen Wissenschaftlers Franz von Miklosich im Arkadenhof der Universität Wien zu errichten. Er will damit eines der wichtigsten Mitglieder der philosophischen Fakultät ehren. Dem Antrag wird in der Sitzung des akademischen Senats am 07. März desselben Jahres stattgegeben. Es werden Vorlagen zur Herstellung der Büste vorgelegt, wie unter anderem ein Bild, eine Medaille, die von Professor Trautenhayn angefertigt wurde, sowie eine Radierung von Michalek, die in der Akademie für Wissenschaften aufbewahrt worden ist.[2] Der Rektor teilt dem Obmann der artistischen Kommission mit, dass die Kosten für die Büste auf die Kunstkredite zu übernehmen wären.[3] Das Ministerium beauftragt am 02.02.1895 (Erlass Ziffer 29.210) den Bildhauer Johann Scherpe mit der Herstellung des Miklosich-Denkmals. Dies wird vom Rektor an den Künstler übermittelt. Außerdem soll die Büste in der südlichen Nische des Arkadenhofs aufgestellt werden. Dort stehen bereits Denkmäler für Thun, Exner und Bonitz, zu denen das Miklosich-Monument hinzugefügt werden soll, um die Zugehörigkeit zu der Gruppe an Gelehrten zu betonen. Es wird von Scherpe ein Kostenvoranschlag und Entwurf für den Sockel verlangt. Die Entscheidung über die Inschrift wird von der artistischen Kommission unter Professor Tschermak getroffen.[4] Das Ministerium für Kultus und Unterricht teilt dem Rektorat mit, dass die Büste in Laaser Marmor 1. Qualität oder Carrara Marmor gearbeitet werden soll. Außerdem wird für das Material, die Arbeiten und die Aufstellung ein Honorar von 1.600 Gulden bereitgestellt. Die Fertigstellung solle innerhalb eines Jahres ab Erhalt des Auftrages gelingen.[5] Am 26. Juli 1895 wird mitgeteilt, dass das Modell für die Büste fertiggestellt wäre und daher ein Betrag von 800 Gulden zu zahlen wäre.[6] Nach einigen Monaten wird eine einfachere Ausführung des Sockels beschlossen.[7] Im Februar des folgenden Jahres schickt der Bildhauer einen Kostenvoranschlag für den Sockel der Miklosich-Büste und Steinproben an die artistische Kommission. Der Preis beläuft sich inklusive Modellierung, Gehänge und Gipsabguss auf 960, 810 oder 720 Gulden.[8] Dies wird vom Rektor dem Ministerium unterbreitet. Es gibt die Möglichkeit, den Sockel aus Giallo Antico di Sienna gelb (450 Gulden), lichtem Urbano (300 Gulden) oder Grisignano granito (210 Gulden) zu gestalten. Für die jeweilige Modellierung würden dann noch 510 Gulden anfallen. Die artistische Kommission beschloss, nachdem sie die Steinproben begutachtet hatte, den Sockel aus lichtem Urbano mit Gehänge herzustellen. Dies haben sie in ihrer Sitzung am 13.03.1896 beschlossen und erbitten die Zustimmung des Ministeriums.[9] Am 21. Mai 1896 erhält das Rektorat der Universität Wien ein Schreiben des Ministeriums, dass Scherpe die zweiten 800 Gulden nach Übergabe der Büste erhalten solle.[10] Einige Monate später wird Vatroslav v. Jagic mit dem Verfassen einer Inschrift für die Büste beauftragt.[11] Dieser wird von der artistischen Kommission ein weiteres Mal 1897 aufgefordert, die Entwürfe bereitzustellen.[12]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal Franz Miklosichs sieht den wenigen Fotografien und Bildern, die es von ihm gibt, kaum ähnlich. Seine Haare sind zwar ebenso füllig und üppig, allerdings glatt und nicht gelockt. Hier hat Scherpe sicherlich das antike Vorbild herangezogen und deswegen Locken stilisiert. Die Augenbrauen sind ebenfalls dicht, doch nicht so kurz, wie es bei der Büste zu sehen ist. Auch auf den Fotografien Miklosichs ziert sein Gesicht ein dichter Schnauzbart, der seinen Mund beinahe gänzlich verdeckt. Trotzdem ist er nicht so lang und voll wie Scherpe ihn modelliert hat. Kinn, Nase und Ohren hat der Künstler sehr lebensgetreu getroffen und auch die Augen sowie der Blick darin, wurden von ihm erfasst und in der Büste umgesetzt. Das Werk ist nach der Vorstellung eines Gelehrtenportraits idealisiert worden, trotzdem gibt es einige Züge im Gesicht, die Miklosichs Aussehen wiedergeben.

Das Denkmal Franz Exners ist dem von Miklosich in seiner Ausführung sehr ähnlich. Beide abgebildeten Figuren sind nackt und im antiken Stil dargestellt. Auch auf Exners Büste steht sein Name, allerdings ist dieser nicht abgekürzt, wie der Miklosichs. Die Haare der beiden Wissenschaftler sind lockig stilisiert und die Gesichter idealisiert, wobei das bei Exner stärker zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz zu ihm hat der slawische Philologe mehr Falten im Gesicht und wirkt dadurch älter. Scherpe ist in seiner Ausführung der Büste wesentlich detaillierter vorgegangen, da er sogar die Augen fein herausgearbeitet und ihnen dadurch mehr Lebendigkeit verliehen hat. Beide Büsten sind gelungene Gelehrtenportraits, in deren Umgebung noch andere ähnliche Denkmalausführungen stehen. Daher wird man in dieser Nische des Arkadenhofs beinahe in die Antike zurückversetzt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Quellen

Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze, Wien/Köln/Weimar, 2007. UAW Senat S 95.9: UAW Senat S 95.9 Miklosich, Franz v., Denkmal im Arkadenhof, 1893-1897 (Akt)

Rezeption in der Presse

Leider ist über die Rezeption in der Presse nichts bekannt.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S.58.
  2. UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors, Wien 07.03.1893.
  3. UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors an den Obmann der artistischen Kommission, Wien 24.11.1984.
  4. UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors, Wien 19.02.1895.
  5. UAW, Senat S 95.9, Minister für Kultus und Unterricht an das Rektorat, Wien 02.02.1895, Ziffer 29.210.
  6. UAW, Senat S 95.9, Ministerium für Kultus und Unterricht, Ziffer 29210, Wien 26.07.1895.
  7. UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors an Scherpe, Wien 10.11.1985.
  8. UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors an die artistische Kommission, Wien 12.02.1986.
  9. UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors an das Ministerium für Kultus und Unterricht, Wien 18.03.1986.
  10. UAW, Senat S 95.9, Brief des Ministeriums an das Rektorat, Ziffer 12638, Wien 21.05.1896.
  11. > UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors an Jagic, Wien 16.11.1896.
  12. > UAW, Senat S 95.9, Brief des Rektors an den Dekan der philosophischen Fakultät, Wien 26.01.1897.

Magdalena Fleming, Kerstin Hitzenhammer