Denkmal Franz Unger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Jakob Gruber , Bueste Franz Unger, Abbildungsnachweis: Institut für Kunstgeschichte, Unidam.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 32, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Botaniker Franz Unger (1800-1870) wurde von dem Bildhauer Jakob Gruber (1864-1915) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 14. Juli 1901 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Franz Unger zeigt ihn in Form einer Porträtbüste (Abb.1), welche aus Laaser Marmor angefertigt wurde. Das Denkmal befindet sich im linken Gang des Arkadenhofes der Universität Wien, rechts neben dem Aufgang zur Stiege VII. Die Büste ist über einem dreistufigen Sockelschaft auf einem schwarzen Mamorsockel mit quadratischem Grundriss platziert. Der Dargestellte wird als älterer Mann, dessen Haare kurz und leicht gewellt modelliert sind, gezeigt. Ein markanter Bart, der die Wangen und das Kinn ziert, ergänzt das Porträt des Botanikers. Die Haltung ist frontal zum Betrachter ausgerichtet mit leicht nach oben erhobenem Kopf. Er blickt mit ernstem Ausdruck im Gesicht in die Ferne. Der Bildhauer zeigt Franz Unger in zeitgenössischer Kleidung und individualisiert. Er trägt Rock, aufgeknöpfte Weste, Hemd und Halstuch. Die Signatur des Künstlers Jakob Gruber ist rechts an der Büste zu finden: „J. Gruber 1900“ (Abb.3).

Abb.3: Jakob Gruber, Detail Signatur, Abbildungsnachweis: Nadine Kraus.
Abb.4: Jakob Gruber, Denkmal Franz Unger, Detail Signatur, Abbildungsnachweis: Nadine Kraus.

Der hohe, reich profilierte Sockel besteht aus dunklem Marmor mit heller Maserung. Auf dem mittleren, hochrechteckigen Schaft zeigt sich die Inschrift in eingravierten, vergoldeten Lettern: „FRANZ UNGER 1800–1870 PROFESSOR DER BOTANIK AN DER WIENER UNIVERSITÄT 1849–1866“.

Das gesamte Denkmal hat eine Höhe von 238 cm und eine Grundfläche von 62 x 62 cm. Der schwarze Marmorsockel misst 148 cm und die Büste selbst 90 cm.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Unger (* 30.11.1800 Leutschach; †13.2.1870 Graz) war Doktor der Medizin sowie Professor für Botanik an der Universität Graz und Direktor des Botanischen Gartens in Graz. Franz Unger gilt als Begründer der Lehre der Pflanzenpaläontologie.

Entstehungsgeschichte

Am 9.12.1899 wurde von den Vertretern der naturhistorischen Fakultät in der Sitzung des Professoren Kollegiums der philosophischen Fakultät der Antrag zur Errichtung eines Denkmales für Franz Unger eingebracht. Dieses Denkmal sollte auf Staatskosten im Arkadenhof des Universitätsgebäudes errichtet werden. Weiters wurde die Bitte unterbreitet, anlässlich der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages des großen Naturforschers und langjährigen Ordinarius an der Universität Wien „Franz Unger“, dieses erhoffte Denkmal an diesem Gedenktag enthüllen zu können. Nachdem dieser Antrag vom philosophischen Professoren Kollegium einstimmig angenommen wurde, wandte sich der Dekan der Fakultät an den Akademischen Senat für die Genehmigung der Aufstellung des erbetenen Denkmales und an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht für die Übernahme der Mittel zur Ausführung des Denkmales.[1] Die artistische Kommission hat in ihrer Sitzung vom 2. Mai 1900 entschieden, dass das Unger Denkmal als Pendant zum Denkmal für Stephan Endlicher gesehen werden sollte, was eine ähnliche Sockelgestaltung erforderte. Der Fuß der Unger Büste sollte nur einfacher gestaltet werden als bei seinem Nachbar. Als Aufstellungsort wurde der linke Seitengang des Arkadenhofes gewählt.[2] Die Anfertigung des Unger Denkmales wurde vom k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht im Juni 1900 beim akademischen Bildhauer Jakob Gruber in Auftrag gegeben. Weiters wurde mit dem Bildhauer ein Honorar von 4000 Kronen für die fertig gestellte Büste aus Laaser Marmor und einem Sockel aus Serpentingestein vereinbart. Zusätzliche Kosten für die Überführung und Aufstellung der Büste an Ort und Stelle waren in diesem Betrag inbegriffen. Der Bildhauer musste sein geschaffenes Denkmal photografisch aufnehmen lassen und die Aufnahme inklusive Negativ dem Ministerium für Kultus und Unterricht übergeben. Das Ministerium war auch berechtigt zu einer eventuellen Reproduktion der Aufnahme.[3] Die Enthüllungsfeier des Unger Denkmals fand schließlich am 14. Juli 1901 im Arkadenhof der Universität Wien statt, bei der Prof. Dr. Julius Wiesner die Festrede hielt.[4]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Laut dem Akt aus dem Universitätsarchiv wurde eine formale Anpassung des Denkmals für Franz Unger an das Denkmal für Stephan Endlicher gewünscht.[5] Daher liegt ein Vergleich der beiden Denkmäler nahe.

Die Büste für Stephan Endlicher von dem Bildhauer Johann Kalmsteiner (Abb.5) ist ebenso in frontaler Ansicht ausgeführt und aus Laaser Marmor gefertigt. Eine am individuellen Porträt der jeweiligen Persönlichkeit ausgerichteten Darstellung kommt bei beiden Werken sehr wohl zur Geltung. Die Büste Endlicher weist die Züge eines Mannes mittleren Alters auf, was möglicherweise mit dem Alter des Dargestellten zusammenhängt. Der Botaniker Stephan Endlicher starb bereits mit 45 Jahren. Die Porträtbüste Franz Ungers (Abb. 1.) hingegen zeigt ihn als älteren Mann mit Bart, sein Gesicht ist gekennzeichnet von tiefen Falten und ausgeprägten Tränensäcken sowie markanten Augenlidern.

Abb. 5: Johann Kalmsteiner, Büste: Stephan Ladislaus Endlicher, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt am 4.7.1897, Abbildungsnachweis: Maisel 2007, Nr. 30.

Die Lithografie „Franz Unger“ (Abb. 6) so wie Ungers Büste des Bildhauers Jakob Gruber zeigen einen älteren Mann mit kurz gewelltem Haar. Ein markanter Bart, der Wangen und Kinn ziert, schmückt das Gesicht. In der Lithografie ist Unger im Seitenprofil gezeigt, die Büste im Arkadenhof hingegen zeigt ihn frontal ausgerichtet. Unger trägt auf der Lithographie auch eine Brille, die ihn als Gelehrten auszeichnet. Dieses Attribut fehlt in der Büste. Beide Werke weisen eine deutliche Ähnlichkeit in der Physiognomie des Dargestellten auf.

Abb. 6:Franz Unger, Lithographie von Josef Kriehuber, ©ÖNB.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Enthüllung des Denkmals innerhalb des Arkadenhofes bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat 96.10: Franz Unger Büste.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, Nr. 13244, 10.7. 1901, S. 4, Sp.3.

Einzelnachweis

  1. UAW, Senat, S 96.10, Nr. 1
  2. UAW, Senat, S 96.10, Nr. 3
  3. UAW, Senat, S 96.10, Nr. 5
  4. UAW, Senat, S 96.10, Nr. 8
  5. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 3

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

Weblinks


Nadine Kraus, Kerstin Hitzenhammer