Denkmal Franz Serafin Exner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Das Denkmal Franz Serafin Exners im Arkardenhof der Universität Wien.
Lage des Denkmals, Nr. 33, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Signatur Powolnys unten rechts
Porträtplakette von Michael Powolny anlässlich Exners 70.Geburtstags 1919.
Einladung zur Festversammlung und Enthüllung des Exner-Denkmals am 23.1.1937.
Artikel in der Neuen Freien Presse vom 24.1.1937, Seite 6.
Artikel in der Wiener Zeitung vom 24.1.1937, Seite 5.

Das Denkmal für den Physiker Franz Serafin Exner (1849-1926) wurde von Michael Powolny (1871-1954) in den Jahren 1935/36 für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 23. Jänner 1937 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Bei dem Denkmal für Franz Serafin Exner handelt es sich um eine hochrechteckige Bronzeplakette mit herausgearbeitetem Reliefporträt. Die Platte ist an den Außenseiten dreifach abgetreppt, aus einem Guss gegossen und hat die Maße ca. 99 cm x ca. 65,5 cm. Optisch entsteht der Eindruck einer sich nach innen verjüngenden Plattenschichtung. Im untersten Drittel befindet sich eine plastisch herausgearbeitete Inschrift, die den Namen, die Tätigkeit und die Lebensdaten des Professors verrät: FRANZ EXNER / PROFESSOR / DER PHYSIK / 1849-1926.

Die oberen zwei Drittel der Platte zeigen das Profilporträt des Physikers vom Betrachter aus nach links. Exner ist mit einem Anzug bekleidet bis zur Brust dargestellt. Durch die Ausführung des Reliefs im Profil kann man eine leicht vorgelehnte Haltung erkennen. Die Blickführung weist in den Hof der Universität hinein. Die Signatur des Künstlers findet sich in der rechten, unteren Ecke des Denkmals.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Serafin Exner (1849- 1926) war ein österreichischer Physiker. Er wird von seinen Schülern als ein vielseitiger, hochgebildeter und kultivierter Physiker mit starken Visionen beschrieben. Er war Pionier in zahlreichen Gebieten der modernen Physik. Das Werk Exners lässt sich vier Fachgebieten zuordnen: Elektrizitätserzeugung durch galvanische Elemente, Luftelektrizität, Spektralanalyse und Farbentheorie.

Entstehungsgeschichte

Am 7. März 1936 stellt der Dekan Schweidler den Antrag zur Errichtung eines Denkmal für Franz Serafin Exner im Arkadenhof der Universität Wien in dem er erwähnt, dass dessen Vater der Philosoph Franz Exner sowie dessen Bruder der Jurist Adolf Exner bereits ein Denkmal im Arkadenhof hätten, und dass die für Exners 70.Geburtstag von Michael Powolny angefertigte Plakette sich als Modell eignen würde und Powolny auch bereit wäre den Auftrag anzunehmen. [1]

Am 12. März 1936 wird von fünfundzwanzig Professoren der philosophischen Fakultät der Antrag zur Errichtung eines Denkmals für Franz Serafin Exner unterzeichnet. Dieser Antrag ist Gegenstand der Senatssitzung vom 16. Mai 1936. [2] Der akademische Senat beschließt am 16. Mai 1936 die Errichtung eines Denkmales für Franz Serafin Exner im Arkadenhof, weiters wird die Causa dem Kunstausschuss übergeben dem man baldigst die von Powolny geschaffene Plakette zeigen soll. [3] Die Sitzung des Kunstausschusses findet am 13.Juni.1936 um 12 Uhr statt, besprochen werden die Denkmäler für Franz Klein (Jurist) und Exner sowie das Grabmal für Karl Luick. Der Kunstausschuss betrachtet den Gipsentwurf Powolnys für Exners Denkmal und nimmt ihn an, mit dem Vorbehalt, dass das Bronzerelief ohne Abstufungen direkt in die Säule eingelassen wird. [4] Als Aufstellungsort des Denkmals sucht der Kunstausschuss den Pfeiler gegenüber dem Denkmal für Josef Maria Pernter aus; das Denkmal Exners soll dem Pernters zugewandt sein. Der Oberbaurat Professor Leopold Bauer wird damit beauftragt mit Powolny über die Maße und die Ausführung einig zu werden. [5] Am 27.Juni.1936 nimmt der Senat das Besprochene zur Kenntnis und erteilt die Erlaubnis für das weitere Geschehen. Im Juli besichtigt Bauer mit Powolny den Aufstellungsort und bestimmt die Maße.

Für die Enthüllung des Denkmals kommt der 16. und der 23.Jänner 1937 in Frage, Schweidler und Meyer stellen einen Antrag für den 23. Jänner, da dies für den Festredner Benndorf und die Familie Exners günstiger wäre. Das Rektorat genehmigt den 23. Jänner 1937, es werden Einladungslisten erstellt und Einladungen gedruckt, es wird mit über 400 Gästen gerechnet. Die Kosten des Denkmals und dessen Enthüllung werden vom Institut für Physik und vor allem von seinem Schüler Haschek getragen. Das Bronzerelief wird Anfang Jänner auf dem Pfeiler angebracht. Die Festversammlung am 23. Jänner 1937 findet um halb eins im kleinen Festsaal der Universität Wien statt, der Dekan Hirsch leitet ein, anschließend folgt die Festrede Hans Benndorfs und danach eine Rede des Rektors Arzt. Im Anschluss wird das Denkmal im Arkadenhof feierlich enthüllt und in die Obhut der Universität übergeben. Die Festrede Benndorfs findet großen Anklang, sodass zahlreiche Exemplare an die Teilnehmer und Bibliotheken versandt werden müssen. [6]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Denkmal für Richard Wettstein von Westersheim, Hans Bitterlich, 1963 angebracht.
Denkmal für Richard Heinzel, Carl Kundmann, 1914 enthüllt.

Gedenktafeln in Reliefform sind im Vergleich zu monumentalen Denkmälern und Büsten kostengünstiger und schneller hergestellt, da der Schaffensprozess deutlich kürzer ist, sind aber gleichwertig, um der Nachwelt in gebührender Weise die Verdienste eines Gelehrten vor Augen zu führen.

Der Künstler Michael Powolny hatte schon einige Jahre vor der Ausführung des Denkmals im Arkadenhof eine Porträtplakette anlässlich Exners 70. Geburtstags angefertigt. Exner ist demnach auf dem Denkmal in seinem 71. Lebensjahr gezeigt. Beide Reliefs weisen zahlreiche Ähnlichkeiten auf. In beiden ist der Physiker im linken Profil, bis zur Brust und mit Anzug dargestellt. Einige wenige Unterschiede lassen sich dennoch feststellen. so weist die kleinere Reliefplakette anlässlich Exners 70. Geburtstag keine Vertiefungen auf, sondern ist flach, wodurch es einiges an Plastizität einbüßt. In der linken unteren Ecke ist beim früheren Werk ein Lorbeerzweig zu sehen, der in der Ausführung für den Arkadenhof weggelassen wurde. Das Schriftbild wurde dem prestigeträchtigeren Aufstellungsort angepasst, die Schrift ist größer, mit Serifen und näher zusammengerückt wodurch ein einheitliches Bild entsteht.

Als weiterer Vergleich bieten sich andere Porträtplaketten im Arkadenhof an: hier zum Beispiel das Denkmal für Richard Wettstein (1963 enthüllt) oder das Denkmal für Richard Heinzel (1914 enthüllt).

In beiden wird der Geehrte im Profilporträt innerhalb einer hochrechteckigen Bronzeplakette gezeigt. Auch wenn das Denkmal für Richard Heinzel bereits 1914 enthüllt wurde, ist der Germanist im Profilporträt bis zum Schulteransatz und mit Kleidung (Mantelkragen, Hemd) dargestellt. Das Denkmal für Richard Wettstein weist den Botaniker ohne Kleidung nur bis knapp unterhalb des Halses aus und erinnert stärker an eine antikisierende Darstellung. Alle drei blicken vom Betrachter aus nach links. Was alle drei Denkmäler ebenso eint, ist die Darstellung eines verdienten älteren Professors, sie alle tragen Bart und zurückgekämmtes Haar. Die unterschiedliche Modellierung der Reliefs weist auf ihre jeweiligen Künstler hin. Obwohl zwischen den Denkmalsenthüllungen (1914 / 1937 / 1963) mehrere Jahre liegen, weisen sie Parallelen in der Repräsentation des jeweiligen Professors auf.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof bekannt.

Quellen

UAW= Universitätsarchiv Wien

  • UAW, Senat S.91.4
  • UAW, Senat S.91.4, Antrag vom 7.3.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Antrag vom 12.3.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Amtsvermerk vom 12.3.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Brief an Schweidler vom 19.5.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Amtsvermerk vom 5.6.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Einladung zur Sitzung des Kunstausschusses vom 4.6.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Transskript der Sitzung vom 13.6.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Zusammenfassung für den Antragsteller vom 14.6.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Zusammenfassung der Entscheidungen Bauers und Powolnys vom 12.7.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Terminfindung vom 2.12.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Terminbestätigung vom 6.12.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Einladungsliste vom 15.12.1936
  • UAW, Senat S.91.4, Zusagen div. Professoren/ Familie vom 13.-19.1.1937
  • UAW, Senat S.91.4, Absagen div. Professoren vom 16.-20.1.1937
  • UAW, Senat S.91.4, Rechnung für den Blumenschmuck vom 25.1.1937 und Antrag an die Quästur zur Begleichung
  • UAW, Senat S.91.4, Dankesschreiben an Benndorf vom 25.1.1937
  • UAW, Senat S.91.4, Versandbitten der Festrede vom 24.1.-11.6.1937

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Gedenktafelenthüllung für Professor Franz Exner, in: NFP, 24.Jänner 1937, Seite 6 Spalte 3.
  • Wiener Zeitung: Die Gedenktafel für Professor Franz Exner, in: WZ, 24.Jänner 1937, Seite 5 Spalte 1-2.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat S.91.4, 7.3.1936
  2. UAW, Senat S.91.4, 12.3.1936
  3. UAW, Senat S.91.4, 19.5.1936
  4. UAW, Senat S.91.4, 13.6.1936
  5. UAW, Senat S.91.4, 14.6.1936
  6. UAW, Senat S.91.4, 11.6.37

Literatur

  • Thomas Maisel: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Wien / Köln / Weimar 2007.
  • Thomas Maisel: Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen. Wien 1990.
  • Hans Benndorf: Gedenkrede auf Franz Serafin Exner, aus Anlass der Enthüllung seines Denkmals in der Wiener Universität. Wien 1937.