Denkmal Franz Schuh

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Josef Beyer, Porträtbüste Franz Schuh (1804-1865), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 115, 1887.
Lage des Denkmals, Nr. 115, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Franz Schuh (1804-1865) wurde von dem Bildhauer Josef Beyer (1843-1917) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 30. Mai 1889 enthüllt.

Beschreibung

Josef Beyer, Denkmal Franz Schuh, Universität Wien, Arkadenhof, Foto G.Böhm-Nevole.
Josef Beyer, Porträtbüste Franz Schuh, Detail, Foto G.Böhm-Nevole.
Josef Beyer, Porträtbüste Franz Schuh, Detail, Foto G.Böhm-Nevole.
Josef Kriehuber (1800-1876), Franz Schuh, Lithographie, 1848, Wikipedia.
Franz Schuh (li) im Kreis seiner Kollegen.

Das Denkmal von Franz Schuh befindet sich wandseitig etwa in der Mitte der rechten Seite des Arkadenhofes der Universität Wien.

Die Porträtbüste wurde aus Tiroler Serpentin gefertigt und steht auf einem hohen schwarzen Marmorsockel. Sie zeichnet sich durch eine besondere Porträtähnlichkeit aus. Die Büste zeigt das hagere Gesicht Franz Schuhs, der mit prüfendem und ernstem Blick auf den Betrachter herabschaut. Er trägt eine seiner Zeit entsprechende Kleidung, mit Jacke, Weste, Hemd mit Vatermörder und Masche. Die Arme sind lediglich über die Schultern kurz angedeutet, die Büste führt schräg nach unten zusammen und schließt unterhalb des obersten Jackenknopfes völlig gerade ab. Sie ist auf einem rechteckigen, profilierten Piedestal aus gleichem Material wie die Büste befestigt, der Kopf des Dargestellten vom Betrachter aus gesehen leicht nach links gedreht. Das Werk ist signiert auf der rechten Schulter mit „Jos. Beyer“, auf der linken Schulter mit „fecit Wien 87.“

Der hohe Sockel besteht aus dunklem Marmor und ist dreigeteilt. Fuß- und Kranzgesims sind profiliert und aus schwarzem Marmor gefertigt, durch den sich wenige helle Schlieren ziehen. Der mittlere, hochrechteckige Teil besteht aus dunkelgrauem Marmor mit zahlreichen hellen Einsprengseln. Auf diesem befindet sich die lateinische Inschrift in eingravierten, vergoldeten Lettern: FRANCISVS SCHVH. CHIRVRGIAE PROFESSOR VINDOBONENSIS. INTRA ANNOS MDCCCXLI ET MDCCCLXV. NATUS IN OPPIDO SCHEIBBS A MDCCCIV OBIIT A MDCCCLXV.

Das gesamte Denkmal ist circa 240 cm hoch und hat eine Grundfläche von 60 x 60 cm. Die Höhe des schwarzen Marmorsockels beträgt 146 cm, Fuß und Kranzgesims sind 60 cm breit, der schmalere Mittelteil 45 cm. Die Büste selbst ist circa 75 cm hoch, die Höhe des Piedestals beträgt 19 cm.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Schuh (* 17. Oktober 1804 (Taufdatum) in Scheibbs, Niederösterreich - †22. Dezember 1865 in Wien) war ein österreichischer Chirurg und Wundarzt. Er gilt als einer der Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie. Er arbeitete eng mit dem Internisten Josef von Skoda und dem Pathologen Karl von Rokitansky zusammen und übernahm deren Erkenntnisse. So gelang es ihm unter anderem, die erste erfolgreiche Punktion des Herzbeutels im deutschen Sprachraum durchzuführen.

Entstehungsgeschichte

Einladungskarte zur feierlichen Enthüllung des Schuh-Denkmals.

Die Büste Franz Schuhs wurde vom Ministerium für Cultus und Unterricht in Auftrag gegeben. Bereits am 27. Oktober 1887 informiert das Ministerium das Rektorat der Universität Wien, dass die vom Bildhauer Josef Beyer angefertigte Büste Schuhs fertiggestellt, zu übernehmen und bis zur Aufstellung zu verwahren sei.[1] Die Übernahme wird von der Gebäude-Inspection der Universität Wien am 5. Jänner 1888 auch bestätigt, wobei der Name des Bildhauers mit J. Breyer angegeben wird.[2]

Das Denkmal wurde am 30. Mai 1889 um 12 Uhr gemeinsam mit jenem für Josef Hyrtl feierlich enthüllt. Zur gleichen Zeit wurden auch die Denkmäler für Gerard van Swieten, Josef Quarin und Andreas Josef von Stifft enthüllt, nachdem jenes für Rudolf von Eitelberger bereits eine Stunde davor eingeweiht worden war. Die Presse würdigte die Aufstellung der zahlreichen Denkmäler, die dem Arkadenhof der Universität Wien nun erst das richtige Gepräge gaben.[3]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Büste für Franz Schuh, 1889 enthüllt, ist eine der ersten, die im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt wurde. Das Denkmal wurde gleichzeitig mit jenem für den Anatomen Josef Hyrtl enthüllt und die beiden Büsten bildeten ursprünglich eine Einheit, da die Denkmäler in annähernd gleicher Größe und Gestaltung ausgeführt wurden. Sie stehen zwischen den Lisenen des dritten Blendbogens links vom Stiegenaufgang 8. Erst 1894 wurde das Relief des Gynäkologen Karl Braun von Fernwald zwischen den beiden Denkmälern an der Wand angebracht.

Die Büsten Hyrtls und Schuhs sind beide auf einem schwarzen Marmorsockel montiert, wobei der Mittelteil des Sockels für das Schuh-Denkmal mehr strukturiert ist als jener Hyrtls.

Die Darstellungen selbst sind von annähernd gleicher Größe, beide aus hellem Stein ausgeführt und frontal zum Betrachter gerichtet, die Köpfe leicht zur Mitte gedreht, also einander zugewendet. Während Schuh in zeitgenössischer Kleidung dargestellt ist, ist der Mantel Hyrtls wie eine antike Toga um seinen Oberkörper geschlungen, was den Eindruck eines Gelehrten verstärkt. Da Schuh zu Lebenszeit in Österreich nicht geehrt wurde, trägt er zum Unterschied von Hyrtl auch keine Orden. Ebenso weisen keinerlei Attribute auf seinen Beruf hin, die Büste ist sehr neutral gehalten und könnte jede Art von Wissenschaftler oder Politiker darstellen. Die Darstellung Schuhs ist realistisch ausgeführt, sie entspricht den von ihm erhaltenen Abbildungen. Wenngleich auch seitens der Presse bekrittelt wurde, dass das Abbild jenen kaustischen Humor Schuhs vermissen lässt, der ihm zu eigen war,[4] stellt der Gesichtsausdruck des Dargestellten durchaus Gesichtszüge eines Zynikers dar. Die Ausführung selbst ist ruhig und klassizistisch und unterscheidet sich von dem barock-bewegten Stil des zeitgleich arbeitenden Bildhauers Viktor Tilgner.

Im Unterschied zu Hyrtls Büste, die zusätzlich die Aufschrift J. Hyrtl trägt, was auf eine geplante Aufstellung in einem anderen Rahmen hinweisen könnte, befindet sich die Aufschrift am Schuh-Denkmal lediglich am Marmorsockel.

Die überlebensgroße Büste Franz Schuh im alten AKH im Hof I, von Alexander Mailler wurde 14 Jahre vor der Aufstellung im Arkadenhof der Universität Wien, im Jahr 1875, enthüllt. Sie zeigt den Chirurgen in der selben Kleidung wie er im Arkadenhof der Universität Wien dargestellt ist und lässt darauf schließen, dass der Bildhauer Josef Beyer die Büste im AAKH kannte. Er trägt wieder eine Jacke, Weste, Hemd mit Vatermörder und eine Fliege. Im AAKH sind die Arme der Büste nur ein wenig angedeutet, schräg abgeschnitten und nicht ausmodelliert wie im Arkadenhof der Universität Wien. Die Büste im AAKH befindet sich auf einem breiteren Sockel. Im ehemaligen Allgemeinen Krankenhaus wurde Schuh wegen seiner Bedeutung als Chirurg bereits früher geehrt. Auf der linken Schulterschmalseite ist die Signatur und das Enthüllungsdatum der Büste zu erkennen „Mailler 1875“. Da die Büste im AAKH im Freien platziert ist, sind Abnutzungserscheinungen aufgrund der Umwelteinflüsse erkennbar.


Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Heute befindet sich das Denkmal von Franz Schuh zwischen denen des Gynäkologen Carl Braun von Fernwald (1823-1891) von Theodor Charlemont, 1894 enthüllt und der Büste des Dermatologen Moriz Kaposi (1837-1902) von Johannes Benk, die 1908 enthüllt wurde. Das Denkmal Kaposis befand sich ursprünglich und zumindest bis 1934 im hinteren Bereich des Arkadenhofes an Stelle des heutigen Wagner-Jauregg-Denkmals (Nr. 87).[5]

Bei der Enthüllung am 30.Mai 1889 befand sich die Büste Schuhs an gleicher Stelle wie heute, allerdings zwischen den Denkmälern von Gerard van Swieten (heute Nr. 36 auf der linken Seite des Arkadenhofes) und von Josef von Quarin (heute Nr. 124). Zwischen Schuh- und Quarin-Denkmal wurde 1910 jenes für den Internisten Hermann Nothnagel (1841-1905) von Richard Kauffungen enthüllt. Die Büste Kaposis wurde erst nach 1934 zwischen die Denkmäler Schuh und Nothnagel versetzt.[6]

Quellen

  • UAW Senat S 95.23: Schuh, Franz, Denkmal im Arkadenhof, 1887-1888.
  • UAW PH GZ 666: Einladung zur Denkmalenthüllung in den Arkaden der Universität Wien von Prof. Dr. Josef Hyrtl und Prof. Dr. Franz Schuh, 23.5.1889.

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Dt. Volksblatt: Ein Fest in der Universität, in: Deutsches Volksblatt, 31. Mai 1889, Nr. 146, I. Jg., S. 2. [1]
  • Die Presse: Aus dem Arkadenhof der Universität, in: Die Presse, 30. Mai 1889, 42. Jg., Beilage zu Nr. 148, S. 13-14.
  • Neue Freie Presse: Feier in der Universität, in: Neue Freie Presse, 31. Mai 1889, Nr. 8896, S. 3. [2]
  • Vaterland: Enthüllungsfeier im Universitätsgebäude, in: Das Vaterland, 31.Mai 1889, XXX Jg., Nr. 148, S.3. [3]

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 95.23, Protokoll Nr. 591, 27. Oktober 1887.
  2. UAW Senat S 95.23, Protokoll Nr. 1294, Zahl 349, 5. Jänner 1888.
  3. Die Presse 1889, S. 13.
  4. Die Presse 1889, S. 14.
  5. Meister 1934, S. 105.
  6. Meister 1934, S. 115.

Literatur

  • Dehio Wien 2003: Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt, S. 602-608.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007, S. 105.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 111.

Darstellungen


Gabriele Böhm-Nevole, SoSe 2013