Denkmal Franz Martin Schindler

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal von Franz Martin Schindler im Arkadenhof der Universität Wien, Arnold Hartig, 1930.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 143, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Theologen und Politiker Franz Martin Schindler (1847-1927) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Arnold Hartig (1878-1972) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Denkmal für Rudolf von Scherer am 13. Juni 1951 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal befindet sich im rechten Arkadengang an der Innenseite des Pfeilers der 2. Travée (Maisel 2007, Nr. 143). Einer rechteckigen Marmorplatte ist in der oberen Hälfte ein Portraitmedaillon aus Bronze eingeschrieben. Die untere Hälfte der einfachen Platte ist lediglich mit einer dreizeiligen und zentriert unter dem Medaillon angebrachten Inschrift versehen. Der Name, das Forschungsgebiet und die Lebensdaten des Portraitierten werden genannt: „FRANZ MARTIN SCHINDLER; PROFESSOR FÜR MORALTHEOLOGIE; 1847 – 1922“.

Die konkave Scheibe aus Bronze zeigt den Kopf und Ansatz des Oberkörpers des Theologen. Die Darstellung tritt stark aus dem kreisrunden Hintergrund heraus und verleiht dem Portraitierten somit Lebendigkeit und Unmittelbarkeit. Lediglich ansatzweise ist Schindlers Garderobe zu erkennen doch die feine und detailgetreue Ausarbeitung lassen keinen Zweifel an der traditionellen Tracht eines Kaplans. Der kurze Stehkragen sowie die Knöpfe und Leisten bestätigen die Profession des Portraitierten. Der Kopf Schindlers ist leicht nach rechts geneigt, sodass er in den Arkadengang hinein blickt. Das Gesicht ist glatt und prall wiedergegeben, was vermutlich auf die Körperfülle des Theologen zurückzuführen ist. Einige wenige stark ausgeprägte Falten charakterisieren die Mimik wobei die Augenpartie den Portraitierten sehr naturalistisch wiederzugeben scheint. Hochgezogene Augenbrauen und eine kleine, runde Brille personalisieren den Dargestellten und sind als starke Merkmale der Wiedergabe zu nennen. Ein hoher Haaransatz und markante Geheimratsecken verweisen auf ein höheres Alter und folglich Weisheit, wobei die akkurat zurück gekämmten Haare den Eindruck von Korrektheit vermitteln. Die leicht aufeinander liegenden Lippen neutralisieren den Ausdruck und gleichen die streng wirkende Augenpartie aus. Oberhalb der linken Schulter Schindlers hat der Bildhauer mit „A. HARTIG“ seine Signatur hinterlassen.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Martin Schindler war Moraltheologe, Seelsorger und Priester und prägte mit seinen Thesen zu den sozialen Fragen in der pluralistischen Gesellschaft die christlich-soziale Bewegung Österreichs maßgeblich. Schindler war ein klarer Gegner der Klassenkampftheorie und pochte stets auf die Menschenwürde. Sein politisches Engagement und die zunehmende Distanzierung vom konservativen Katholizismus hinderten ihn zwar innerkirchliche Ämter zu bekleiden, verhalfen Schindler allerdings zu zahlreichen Ehrungen wie dem Hofrathstitel und einer lebenslangen Mitgliedschaft im Herrenhaus des Reichsrates.

Entstehungsgeschichte

Abb. 3: Denkmal von Alfons Dopsch im Arkadenhof der Universität Wien, Arnold Hartig, 1930.
Abb. 4: Gedenktafel Karl Landsteiner, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 73, 1961 enthüllt, Abbildunsnachweis: Maisel 2007, S. 67.
Abb. 5: Gedenktafel mit Porträtrelief Gustav Riehl im Arkadenhof der Universität Wien, 1954 enthüllt, Abbildungsnachweis Universität Wien.
Abb. 6: Denkmal von Rudolf von Scherer im Arkadenhof der Universität Wien, Arnold Hartig, 1930.

Der Antrag für ein Denkmal für Franz Martin Schindler wurde vom Professorenkollegium der katholisch-theologischen Fakultät in der Sitzung vom 14. November 1950 beschlossen.[1] Daraufhin wurde der Antrag vom Dekan der Fakultät, Prof. Arnold am 25. November 1950 dem Akademischen Senat vorgelegt, wobei dieser die Anbringung von Reliefs von Franz Martin Schindler und Rudolf von Scherer beantragte. Der Senat begrüßte den Vorschlage erbat allerdings eine „ausführliche Würdigung“ der beiden Theologen vorzulegen. Dekan Arnold versandte ebendiese am 09. Dezember 1950 an den hohen akademischen Senat der Universität Wien, wo die zweiseitige Würdigung Schindlers am 13. Dezember einging.[2] Bereits fünf Tage darauf, in der 3. Sitzung des Akademischen Senats am 18. Dezember 1950 wird der Antrag Arnolds für beide Reliefs zugestimmt.[3] Am 30. Dezember 1950 informiert der Rektor Gabriel Prof. Arnold über die Zustimmung des Senats und legt dem Dekanat nahe, von nun an mit der Universität-Gebäudeverwaltung und dem Kunstausschuss zu verhandeln.[4] In einer Abschrift von Rektor Gabriel an den Dekan Arnold vom 29. Jänner 1951 tauchen neue Details auf, die beide Denkmäler betreffen. So hat der Kunstausschuss am 25. Jänner 1951 nicht nur der Errichtung zugestimmt, sondern man einigte sich auch auf die vorgelegte Skizze für Bronzemedaillons von Medailleur Arnold Hartig. Der Ausschuss räumte allerdings ein, dass man die fertigen Gips- oder Tonmedaillons noch einmal besichtigen wolle und erst dann den Bronzeguss in Auftrag geben möchte. Gabriel bat Dekan Arnold in diesem Schreiben außerdem, Hartig von dieser Entwicklung zu informieren.[5]

In der 4. Sitzung des Akademischen Senats, am 1. Februar 1951, wird der Bericht des Vorsitzenden des Kunstausschusses von Prorektor Prof. Meister verlesen, woraufhin sowohl der Antrag betreffend die Bronzemedaillons für Scherer und Schindler zugestimmt wird, als auch jener des Wagner-Jauregg Denkmals, das wie erstere 1951 enthüllt wird. Eine Abschrift aus dem Sitzungsprotokoll des Kunstausschusses liegt dem Sitzungsprotokoll bei, wo folgende Details besprochen werden. Die Platzierung soll im zweiten Pfeilerdurchgang beim Denkmal von Prof. Werner stattfinden und Medailleur Hartig wird vorgeschlagen. Zudem entscheidet man sich für Untersberger Marmor für die Steinplatten auf denen die Medaillons montiert werden sollen. Die Reliefs betreffend entflammte eine Diskussion über die Ansicht der Portraitierten, ob Frontal- oder Profilansicht vorteilhafter wäre. Prof. Müllner wies auf das „äußerst gelungene Pernter-Denkmal“ hin, das en face dargestellt ist. Der Ausschuss entschied sich einstimmig für Hartigs Skizze und bat um die bereits erwähnte Vorabbesichtigung der Gipsabgüsse.[6]

Am 19. März 1951 fand die Besichtigung der Tonabgüsse der Denkmäler Schindlers und Scherers im Atelier Hartigs statt und alle Anwesenden, unteranderem Prorektor Meister, Bildhauer Müllner (Denkmal Julius Wagner-Jauregg), Bildhauer Swoboda und der Dekan Arnold kamen einstimmig zum Schluss, dass „Hartig den Anforderungen und Erwartungen voll [entspreche]“.[7] In einem Schreiben Meisters an das Rektorat der Universität Wien vom 22. März wurde ebendies bestätigt, und, dass die Ausführung der Denkmäler nun endgültig an Hartig vergeben ist. Überdies ging man von einer raschen Fertigstellung aus und setzte die Enthüllung für Mitte Juni 1951 an.

Im 6. Sitzungsprotokoll des Akademischen Senats, am 5. Mai 1951 gab der Rektor Gabriel als Termin für die Enthüllung der Denkmäler den 13. Juni 1951 an.[8] Kurz darauf informierte der Rektor den Dekan Arnold über das Datum[9], woraufhin gemeinsam Entwürfe für die Einladungen gestaltet, die Gedenkfeier für 11 Uhr vormittags im Sitzungssaal des Akademischen Senats und die darauffolgende Enthüllung im Arkadenhof beschlossen wurden.[10] [11] Rektor Gabriel und Dekan Arnold luden Bundeskanzler Figl, alle Bundesminister, sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik und Kirche zu den Feierlichkeiten ein.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7: C. Pietzner, Franz Martin Schindler, 1909, UAW.

Das Portraitmedaillon von Arnold Hartig reiht sich stilistisch und formal in die Darstellungstradition des Bildhauers ein, hat er doch fünf derartige Denkmäler (Alfons Dopsch, Karl Landsteiner, Gustav Riehl und Rudolf von Scherer) für den Arkadenhof der Universität Wien erschaffen. Allen gemeinsam sind Format, Größe, Proportion des Medaillons zum hellen Hintergrund und die Signatur des Medailleurs. Unterschiedliche Ansichten ermöglichen eine Zweiteilung der Denkmäler. Dopsch, Landsteiner und Riehl sind im Profil, deutlich flacher und feiner wiedergegeben, wobei Scherer und Schindler frontal bzw. in Dreiviertelansicht dargestellt sind. Das 1951 enthüllte Portrait des Moraltheologen weist wie alle fünf Arbeiten eine minimalistische Inschrift zentriert unter dem Medaillon auf, die Namen, Forschungsbereich und Lebensdaten wiedergibt. Beide Reliefs von Schindler und Scherer sind mit Blick in den Arkadenhof modelliert und ähneln sich sehr in der Ausarbeitung. Wohl auch weil der gleiche Auftraggeber, die katholisch-theologische Fakultät, dahinter steht. Man war offensichtlich um Zusammengehörigkeit und Kontinuität der Arbeiten bemüht. Im Gegensatz zu Landsteiner und Riehl fällt die glänzende Bronze dieser beiden Portraits auf, sowie, dass das Denkmal des Letzteren als einziges der fünf von Hartig eine feine Rahmung der Marmorplatte aufweist. Eine schwarz-weiß Fotografie des Theologen von C. Pietzner[12] unterstreicht den Realitätsgehalt in Hartigs Darstellung. Auch hier ist Schindler in theologischer Kaplanstracht mit kleiner, runder Brille aufgenommen, was den Wiedererkennungswert des Theologen beachtlich steigert. Die Mimik des Dargestellten ist in beiden Portraits sehr ähnlich, allerdings erscheint Schindler im Portraitmedaillon mit dichterem Haar und strengerem Gesichtsausdruck. Durch die formal idente Ausarbeitung, Signatur und Proportion der fünf Denkmäler Hartigs erschließt sich ein konstantes Gesamtwerk der für den Arkadenhof geschaffenen Portraits.

Zu Franz Martin Schindler hat sich ein Porträt im Archiv der Universität Wien erhalten. Es zeigt ihn in leicht nach links gedrehter Frontalansicht, der Blick führt in Richtung Betrachter. Er ist hier in einer dunklen Sutane mit Mozetta dargestellt, der schmale weiße Kragen des Kollars ist noch unter dem geknöpften Stehkragen mit geschwungener Bordüre erkennbar. Im direkten Vergleich mit seinem Denkmal lassen sich hier einige Parallelen nachweisen. In beiden Darstellungen wird Schindler in der Sutane und mit Brille gezeigt (Kragen, Kollar, Bordüre der Mozetta ähneln sich sehr stark). Auch die Mimik des Gesichts wirkt annähernd gleich, lediglich sein Haar ist im Porträtmedaillon noch ausgeprägter vorhanden, als in der Fotografie. Dies könnte darauf hinweisen, dass er im Denkmal um einige Jahre jünger gezeigt wird. Hartig kannte eventuell das Foto von 1909 und konnte sich in seiner Gestaltung des Theologen daran orientieren.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • "UAW, Senat S 222.16", Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates, 25. November 1950.
  • "UAW, Senat S 222.16", Brief von Dekan Arnold an den hohen akademischen Senat der Universität Wien, 9. September 1950.
  • "UAW, Senat S 222.16", Auszug aus dem Protokoll über die 3. Sitzung des Akademischen Senates, 18. Dezember 1950.
  • "UAW, Senat S 222.16", Brief von Rektor Gabriel an seine Spektabilität den Herrn Dekan der Kath.-Theol. Fakultät, 30. Dezember 1950.
  • "UAW, Senat S 222.16", Abschrift des Briefes von Rektor Gabriel an den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950, 29. Jänner 1951.
  • "UAW, Senat S 222.16", Auszug aus dem Protokoll über die 4. Sitzung des Akademischen Senates, 1. Februar 1951.
  • "UAW, Senat S 222.16", Einladung von Rektor Gabriel an Prof. Muellner zur Besichtigung des Medaillon-Entwurfes von Hartig, 20. März 1951.
  • "UAW, Senat S 222.16", Aktenvermerk vom Obmann des Kunstausschusses der Universität Wien, Meister, 22. März 1951.
  • "UAW, Senat S 222.16", Auszug aus dem Protokoll über die 6. Sitzung des Akademischen Senates, 5. Mai 1951.
  • "UAW, Senat S 222.16", Brief von Rektor Gabriel an seine Spektabilität den Herrn Dekan der Kath.-Theol. Fakultät, 8. Mai 1951.
  • "UAW, Senat S 222.16", Einladung des Rektors Gabriel und des Dekans Arnold zur Gedenkfeier für die Professoren Schindler und Scherer am 13. Juni 1951, 1951.
  • "UAW, 106.I.2618", Fotografie Schindlers von Carl Pietzner, 1909.

UAW: Universitätsarchiv Wien

Einzelnachweise

  1. Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates am 25. November 1950, UAW Senat S 222.16.
  2. Brief von Dekan Arnold an den hohen Akademischen Senat vom 9. September 1950, UAW Senat S 222.16.
  3. Auszug aus dem Protokoll über die 3. Sitzung des Akademischen Senates am 18. Dezember 1950, UAW Senat S 222.16.
  4. Brief von Rektor Gabriel an den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950, UAW Senat S 222.16.
  5. Abschrift des Briefes von Rektor Gabriel an den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950 am 29. Jänner 1951, UAW Senat S 222.16.
  6. Auszug aus dem Protokoll über die 4. Sitzung des Akademischen Senates am 1. Februar 1951, UAW Senat S 222.16.
  7. Einladung von Rektor Gabriel an Prof. Muellner zur Besichtigung des Medaillon-Entwurfes von Hartig am 20. März 1951, UAW Senat S 222.16.
  8. Aktenvermerk vom Obmann des Kunstausschusses der Universität Wien, Meister vom 22. März 1951, UAW Senat S 222.16.
  9. Auszug aus dem Protokoll über die 6. Sitzung des Akademischen Senates vom 5. Mai 1951, UAW Senat S 222.16.
  10. Brief von Rektor Gabriel an seine Spektabilität den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 8. Mai 1951, UAW Senat S 222.16.
  11. Einladung des Rektors Gabriel und des Dekans Arnold zur Gedenkfeier für die Professoren Schindler und Scherer am 13. Juni 1951, UAW Senat S 222.16.
  12. Fotografie Schindlers von Carl Pietzner, 1909, UAW 106.I.2618.

Literatur

  • Hartig 1964: Arnold Hartig, Aus meinem Leben. Vom Bauernjungen zum Künstler. Erlebnisse mit Porträtierten Persönlichkeiten. , Wien 1964.
  • Prokisch 2005a: Bernhard Prokisch, Der Nachlass des Medailleurs Arnold Hartig (1878–1972), in: Mitteilungsblatt 30/2005, hg. v. Inst. f. Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, S. 20-31.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.