Denkmal Franz Klein (Jurist)

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Hermann Haller, Porträtbüste Franz Klein.
Lage des Denkmals, Nr. 68, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Juristen Franz Klein (1854-1926) wurde von dem Bildhauer Hermann Haller (1880-1950) angefertigt und befand sich zunächst im Besitz der Familie Friedländer. Josef Friedländer und sein Sohn Otto Friedländer stifteten die Büste für den Arkadenhof der Universität Wien, wo das Denkmal am 5. Juni 1937 enthüllt wurde.

Beschreibung

Der Sockel des Denkmals, ein vierseitig freistehendes Büstenpostament, wurde in Osliper-Stein angefertigt. Es handelt sich nicht um den ursprünglichen, er wurde eigens in Hinblick auf die Aufstellung im Arkadenhof angefertigt. Der gesamte Sockel wurde matt geschliffen. Das Postament besteht aus zwei Teilen. Die obere Platte wurde mit dem Schaft des Sockels aus einem Stück gearbeitet, weist jedoch eine geringere Längen- und Breitenabmessung auf.[1] Dieser steht auf einem zweifach abgestuften unteren Teil des Postaments. Die Breite des Schaftes beträgt 36 cm.[2] Die gravierte Inschrift des Postaments wurde zusätzlich echt vergoldet.[3] Sie gibt dem Betrachter des Denkmals bereits einen Hinweis auf die Bedeutung des Rechtsgelehrten: „Franz Klein 1854 - 1926 Erneuerer der bürgerlichen Rechtspflege Österreichs Anreger sozialer Reformen im Rechtswesen K.k. Justizminister“.

Hermann Haller, Porträtbüste Franz Klein (Jurist), Detail, Inschrift, 1984 im Arkadenhof der Universität Wien (Nr. 68) enthüllt.
Hermann Haller, Porträtbüste Franz Klein (Jurist), Detail, Profilansicht, 1984 im Arkadenhof der Universität Wien (Nr. 68) enthüllt.

Die ausgearbeitete Porträtbüste beginnt an der Brust des Rechtsgelehrten. Unterhalb setzt sich jedoch der nicht figürlich ausgearbeitete Stein fort, sodass es wirkt, als wäre hier noch ein Teil des Steinblockes stehen gelassen worden, aus dem der Künstler den Juristen geschaffen hat. Der Dargestellte trägt vermutlich eine Art Anzug, man erkennt den Beginn der Krawatte sowie den Kragen eines Hemdes und einen Teil eines Sakkos. Zwar wurde Franz Klein frontal auf den Sockel gesetzt, seinen Kopf dreht er jedoch etwas nach links. Sein eher strenger Blick ist in die Ferne gerichtet. Dies wirkt einerseits nachdenklich, die in Falten gelegte Stirn drückt jedoch zusätzlich Bestimmtheit aus. Der Jurist wurde weiters mit kurzem Haar und Schnurrbart dargestellt. Die Profilansicht zeigt, dass die Büste grundsätzlich allansichtig gestaltet wurde, wobei die Hauptschauseite zweifelsfrei festgemacht werden kann.

Hermann Haller, Porträtbüste Franz Klein (Jurist), Detail, Signatur, 1984 im Arkadenhof der Universität Wien (Nr. 68) enthüllt.

Die Helligkeit der gewählten Materialien bewirkt ein durchwegs harmonisches Gesamtbild, in dem keine markanten Farbkontraste auftreten.

Unterhalb der linken Schulter, dort wo der Oberarm weiterführen würde, findet man zusätzlich die Signatur des verantwortlichen Künstlers Hermann Haller. Es handelt sich dabei um seine Initialen, zwei in einander geschachtelte Großbuchstaben „H“.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Klein (Jurist) war ein österreichischer Jurist und Politiker, der von 1854 bis 1926 gelebt hat. Bekanntheit erlangte Klein insbesondere mit der Reform der Zivilprozessordnung. Nach Ende des Ersten Weltkriegs nahm er 1919 als Mitglied der österreichischen Delegation an den Friedensverhandlungen von Saint-Germain teil.[4] Aufgrund seiner Leistungen in den Bereichen der Wohnungsreform sowie der Jugendfürsorge wurde er am 11. 4. 1924 zum Ehrenbürger von Wien ernannt.[5]

Für eine ausführlichere Beschreibung seines Schaffens und seiner Werke siehe: Franz Klein (Jurist)

Entstehungsgeschichte

Am 07. März des Jahres 1936 erfolgte der Beschluss einer Kommission bestehend aus ordentlichen Professoren der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät, den Antrag auf Errichtung eines Denkmals für Franz Klein im Arkadenhof der Universität Wien zu stellen.[6] Schon am 16. Mai 1936 wurde dieser vom akademischen Senat genehmigt.[7] Der Senatspräsident Dr. Josef Friedländer und sein Sohn Dr. Otto Friedländer wollten der Universität diese Büste widmen. Da ein Denkmal eigens für diesen Aufstellungsort errichtet werden sollte, dachte man zunächst daran, drei Künstler einzuladen, die ihre Entwürfe vorlegen sollten.[8] Allerdings befand sich bereits eine Büste im Besitz der Familie des Senatspräsidenten Friedländer.[9] Darauf hin wurde diese besichtigt und für geeignet empfunden. Wie Professor Hupka mitteilte, handelte es sich um eine von Hermann Haller ausgeführte Büste.[10]

Porträt Franz Kleins, o. A., 11. 05. 1919, in: Wiener Bilder.
Stefan Schwartz, Franz Klein, Gedenkmedaille, 1914.

Vom Kunstausschuss stammte der Vorschlag, das Denkmal an der Innenseite der ersten Säule rechts vom Eingang des Juristentraktes aufzustellen.[11] So herrschte einerseits zwar Einigkeit über die Wahl der Büste, andererseits fehlte noch ein geeigneter Sockel. Dieser Frage nahm sich Baurat Professor Leopold Bauer, ein Mitglied dieses Kunstausschusses, an. In einem Schreiben an die Rektorats-Kanzlei der Wiener Universität im Juli 1936 sprach er sich für die Verwendung von Osliper-Stein aus dem Burgenland aus. Diesbezüglich führte er sowohl ökonomische als auch ästhetische Argumente an. So würde es sich zum einen um im Vergleich billiges Material handeln, da die Transportkosten aufgrund der Nähe des Steinbruchs relativ gering gehalten werden können. Zum anderen würde Osliper-Stein wetterfest sein und in kurzer Zeit seine Farbigkeit an die der Steinpfeiler der Universität anpassen. Darüber hinaus verwies Professor Bauer auch auf die Tafel für Ebner-Eschenbach, die aus demselben Material besteht.[12]

Bestellt wurde der Sockel schließlich bei der Wiener Steinmetzfirma Eduard Hauser. Allerdings gab es für die Gestaltung auch strikte Vorgaben. So musste das Postament aus zwei Teilen hergestellt werden. Die obere Platte, die 8 cm hoch sein sollte, musste mit dem Schaft des Sockels aus einem Stück gearbeitet werden. Der lange Schaft sollte weiters mit dem unteren Teil des Sockels mit Dollen verbunden sein. Dies würde bessere Stabilität gewährleisten. Gleichzeitig wurde der Vorschlag von Professor Bauer angenommen und so entschied man sich für eine Herstellung in Osliper-Stein. Wert wurde darauf gelegt, dass der Sockel weder Lasen noch Ausbesserungen mit Kitt aufweist.[13] Als Frist wurde seitens der Universität Wien der 20. September 1936 angesetzt.[14]

Die ursprünglichen Kosten des Sockels betrugen 240 Schilling und wurden von der Wiener Juristischen Gesellschaft übernommen.[15] Aufgrund der Anbringung der Inschrift erhöhte sich diese Pauschale allerdings auf 295, 85 Schilling.[16]

Die Enthüllungsfeier des Denkmals für Franz Klein erfolgte am 05. Juni 1937 um 12 Uhr mittags im kleinen Festsaal der Universität Wien.[17]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Eine ähnliche Physiognomie zeigt ein Porträt Franz Kleins vom 11. 05. 1919 (Vgl. Wiener Bilder). Diese Ähnlichkeit der beiden Darstellungen lässt vermuten, dass es sich um keine völlig idealisierte, sondern um eine wirklichkeitsnahe Umsetzung im Denkmal handelt. Dennoch lassen sich in der Ausarbeitung der Büste Unterschiede erkennen, die nicht allein aufgrund der unterschiedlichen Medien auftreten. Beispielsweise weicht die Frisur des Juristen im Denkmal vom Porträt von 1919 etwas ab. So ist das Haar an der Skulptur in dickere Strähnen gekämmt, während die einzelnen Haare im Porträt deutlich feinere Züge aufweisen. Des weiteren trägt Franz Klein (Jurist) im Denkmal einen Seitenscheitel. Dieser ist im Porträt der Wiener Bilder allerdings nicht erkennbar. Darüber hinaus wurden im Denkmal des Arkadenhofs die einzelnen Falten, insbesondere an den Augenpartien und die Tränensäcke, kräftiger ausgearbeitet. Dies kann darin begründet sein, dass die Skulptur den Rechtsgelehrten in fortgeschrittenerem Alter zeigt. Weiters trägt dies beim Juristen des Arkadenhofs zu einem strengeren Gesichtsausdruck bei. Abgesehen davon sind zugleich zahlreiche Übereinstimmungen erkennbar: der geschwungene Haaransatz, der ebenfalls geschwungene Schnurrbart, die ovale Kopfform und auch der Anzug mit Hemd und Krawatte wurde übernommen.

Der Jurist trägt einen Seitenscheitel sowie einen für sich charakteristischen Schnurrbart und vergleichende Kleidung, die in der Gedenkmedaille von Stefan Schwartz von 1914 ebenfalls umgesetzt werden.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat, S 91.7, Schreiben an das Professorenkollegium der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien vom 24.01.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Schreiben an den Rektor der Universität Wien Univ. Prof. Dr. Oswald Menghin vom 16.03.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Schreiben an den Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät Univ.-Prof. Dr. Ludwig Adamovich vom 18.05.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Amtsvermerk vom 04.06.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Sitzung des Kunstausschusses des akademischen Senates vom 13.06.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Schreiben an den Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät Univ.-Prof. Dr. Ludwig Adamovich vom 16.06.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, undatiertes Konzept für die Bestellung eines Sockels für das Denkmal Prof. Franz Klein.
  • UAW, Senat, S 91.7, Anbot für den Sockel vom 22.07.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Schreiben an den Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät vom 04.09.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Fristvermerk für die Herstellung des Sockels vom 20.09.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Schreiben des Rektors der Universität Wien vom 18.11.1936.
  • UAW, Senat, S 91.7, Rechnung für den Sockel vom 18.01.1937.
  • UAW, Senat, S 91.7, undatierte Daten betreffend Dr. Franz KLEIN.
  • UAW, Senat, S 91.7, undatierte Einladung zur Enthüllungsfeier des Franz Klein-Denkmals.

Rezeption in der Presse

Leider ist über die Rezeption in der Presse nichts bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat, S 91.7, undatiertes Konzept für die Bestellung eines Sockels für das Denkmal Prof. Franz Klein.
  2. UAW, Senat, S 91.7, 04.09.1936.
  3. UAW, Senat, S 91.7, Rechnung für den Sockel vom 18.01.1937.
  4. Maisel 2007, S. 65
  5. Czeike 1994, S. 526.
  6. UAW, Senat, S 91.7, 16. März 1936.
  7. UAW, Senat, S 91.7, 18.05.1936.
  8. UAW, Senat, S 91.7, 24.01.1936.
  9. UAW, Senat, S 91.7, 04.06.1936.
  10. UAW, Senat, S 91.7, 13.06.1936.
  11. UAW, Senat, S 91.7, 13.06.1936.
  12. UAW, Senat, S 91.7, 16.06.1936.
  13. UAW, Senat, S 91.7,undatiertes Konzept für die Bestellung eines Sockels für das Denkmal Prof. Franz Klein.
  14. UAW, Senat, S 91.7, 20.09.1936.
  15. UAW, Senat, S 91.7, 18.11.1936.
  16. UAW, Senat, S 91.7, Rechnung für den Sockel vom 18.01.1937.
  17. UAW, Senat, S 91.7, undatierte Einladung zur Enthüllungsfeier des Franz Klein-Denkmals.

Literatur

  • Czeike 1994: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994, S. 526.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Weblinks

Es sind keine Weblinks bekannt, die sich auf das Denkmal für Franz Klein beziehen.


Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Kerstin Hitzenhammer