Denkmal Franz Exner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1, Franz Exner Bueste im Detail.
Abb.2, Lage des Denkmals, Nr. 57, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3, Denkmal.
Abb.4, Denkmalgruppe Graf Thun-Exner-Bonitz.
Abb.5, Denkmal Gehänge.
Abb.6, Franz Exner.
Abb.7, Lithographie: Franz Exner.

Das Denkmal des Philosophen und Schulreformers Franz Exner (1802-1853) wurde von dem Bildhauer Carl Kundmann (1838-1919) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und gemeinsam mit dem Denkmal Leo Graf Thun und Hohenstein und dem Denkmal Hermann Bonitz am 24. Mai 1893 enthüllt.

Beschreibung

Die Büste von Franz Exner (Abb.1) ist Teil einer Denkmalgruppe, bestehend aus der ganzfigurigen Statue für Leo Graf Thun und Hohenstein und des ebenfalls als Büste ausgeführten Denkmals für Hermann Bonitz. Das Exner-Denkmal steht an der linken Seite dieser Gruppe in einer halbrunden Nische. Die im Wesentlichen auf den Kopf reduzierte Büste besteht aus weißem Marmor (Abb.3) und entspricht dem Typus einer Hermenbüste, jedoch ohne dem sich nach unten verjüngenden Pfeilerschaft.

Das Denkmal besticht durch den markant ausgeführten Kopf. Exners Kopf ist leicht nach rechts gerichtet, zeigt aber eine aufrechte Haltung. Die Augen sind hier nicht ausgeführt und so blickt das Denkmal leer in den Hof der Arkaden. Die dichten Locken sind streng zurückgekämmt, umrahmen das Gesicht und zeigen eine hohe Stirn mit zarten Falten und Adern. Der Hals zeigt ebenfalls sehr ausgeprägt die Sehnen und Adern. Es ist keine Kleidung dargestellt, nur der bloße obere Brustbereich. Knapp unter dem Brustansatz ist in großen Blockbuchstaben mit Goldfarbe die Inschrift angebracht: FRANZ EXNER. Die Inschrift wird fortgesetzt auf dem oberen Rand des Schaftes mit: A CONSILIIS AVLICIS 1848-1853, was sich auf die Schulreform bezieht und ist ein biographischer Hinweis, warum er in dieser Gruppenkonstellation aufgestellt ist. An der rechten Seite der Büste ist noch die farblose Gravur: C. KUNDMANN 1992 zu sehen.

Das Gehänge im oberen Drittel des Pfeilers (Abb.5) umschlingt mit einem reichhaltigen Blatt- und Früchtegebinde die Architektur. Es besteht unter anderem aus Maiskolben, lorbeerähnlichen Blättern, Granatäpfeln, Weintrauben und wird mit verschiedenen Bändern zusammengehalten. Das Denkmal hat eine Höhe von insgesamt 291 cm, die Büste selbst ist 80 cm hoch.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Exner wurde am 28. August 1802 in Wien geboren und starb am 21.Juni 1853 in Padua (Italien). Er war ein österreichischer Philosoph und Schulreformer. Von 1831 bis 1848 war er Professor der Philosophie in Prag, von 1845 bis 1847 Mitarbeiter an den Reformen des öffentlichen Unterrichtswesens und 1848 Ministerialrat im Unterrichtsministerium in Wien. Der von ihm weitgehend konzipierte "Entwurf der Grundzüge des öffentlichen Unterrichtswesens in Österreich" stellte die Weichen für die Entwicklung der österreichischen Bildungseinrichtungen bis weit in das 20. Jahrhundert.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal Franz Exners ist ein Teil der Denkmalgruppe mit Leo Graf Thun-Hohenstein und Hermann Bonitz. Ab Jänner 1889 trat das Denkmal-Kommite unter der Leitung von Geheimrat Dr. Franz Ritter von Miklosich zusammen, um die Ehrung der Bildungsreformer der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form von Denkmälern im Arkadenhof der Universität Wien vorzunehmen. Am 19. März 1890 erklärt der Minister für Cultus und Unterricht seine Bereitwilligkeit, die Kosten für die Herstellung dieser Denkmalgruppe in der Höhe von 16.000 Gulden zu übernehmen. Der Bildhauer Prof. Carl Kundmann wird mit der Herstellung beauftragt. Bei der Ausführung des Denkmals sollen für die Statue des Grafen Thun und für die beiden Büsten von Exner und Bonitz weißer Marmor verwendet werden. [1] In einem Brief vom 18. Juli 1892 gibt Carl Kundmann bekannt, dass die Statue des Grafen Leo Thun, sowie die Büsten von Exner und Bonitz bereits punktiert sind und die Fertigstellung in fünf bis sieben Monaten zu erwarten ist. Die Architektur ist mit Ausnahme des ornamentalen Teiles fertig und die beiden Büsten stehen in Laas in Arbeit.[2] In einem Brief vom 27. Februar 1893 ersucht der Minister für Cultur und Unterricht, ihm einen Entwurf der Inschriften vorzulegen, deren Genehmigung er sich vorbehalte. Am 29. März 1893 genehmigt der Minister die vorgelegten Inschriften.[3] [4]

Am 2. Mai 1893 gibt Prof. Carl Kundmann dem Rektorat bekannt, dass er das Monument für den Grafen Thun bereits versetzt habe und ersucht in diesem Zusammenhang vor Aufstellung der Statue und der beiden Büsten die Wände des Oktogons neu auszumalen.[5]

Die feierliche Enthüllung der Denkmalgruppe Graf Thun-Exner-Bonitz wurde in Verbindung mit der 42. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Wien für den 24. Mai 1893 festgesetzt. Hofrat Prof. Dr. Ritter von Hartel listete in seiner Eröffnungsrede die Verdienste der drei zu feiernden Männer auf und verwies auf die Reform des öffentlichen Unterrichts. Nach dieser Rede und den Begrüßungen suchte die Versammlung den Arkadenhof auf wo die feierliche Enthüllung der Denkmalgruppe stattfand.[6] Heute befindet sich das Denkmal von Franz Exner im süd-westlich gelegenen oktogonalen Eckraum der Arkadengänge (Abb.2).

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Büste von Franz Exner wurde im Zusammenhang mit den beiden anderen Denkmälern errichtet, nicht nur um dem Professor der Philosophie zu gedenken sondern auch um die Neuorganisation der Gymnasial- und Universitätsstudien zu ehren.

Enthüllt wurde das Denkmal 1893 im Arkadenhof der Universität Wien im süd-westlich gelegenen oktogonalen Eckraum. Jedoch gibt es Fotos, die zeigen, dass es zuvor auch schon wo anders aufgestellt worden ist (Abb.6). Auf diesen ist es freistehend vor einer hellorangen Wand, die mit Weinranken überwuchert ist, zu sehen; Es handelt sich hierbei jedoch womöglich um eine Kopie der Büste. Vor allem bei näherer Betrachtung der Haarpartie ist die unterschiedliche Modellierung auffallend. Möglicherweise kannte der Bilderhauer die Büste im Arkadenhof und nahm sie als Vorbild oder umgekehrt. Die Büste im Arkadenhof ist mit Sockel und Schaft direkt an der Wand angebracht, wohingegen die andere Büste frei zu stehen scheint. Weiters lässt das Foto erkennen, dass die Büste nicht überkuppelt ist, aber keine Spuren der Witterung aufweist, was wiederum auf eine spätere Aufstellung schließen mag. Die eingravierte Inschrift ist farblos und ohne Vergoldung. Wo und wann das Denkmal von Exner in dieser Art und Weise fotografiert wurde, geht aus den Akten des Universitätsarchivs nicht hervor. Sie dienen aber als Beilage von der Festrede zur Enthüllung der Denkmalgruppe Graf Thun-Exner-Bonitz. Also könnte man annehmen, dass diese Gruppe gemeinsam von Beginn an einem anderen Platz enthüllt wurde.

Wie bei dem Denkmal von Bonitz ist auch die Darstellung von Exner hier sehr idealisiert. Der Philosoph wird als junger, kräftiger Mann dargestellt; mit vollem Haar und ernster Mimik. Wie eine heroische junge Götterfigur blickt er gemeinsam mit seinem Kollegen in den Arkadenhof. Doch trotz dieser überzeichneten Darstellung findet man einen gewissen Wiedererkennungswert in dieser Büste. Vergleicht man sie beispielsweise mit einer anderen Ausführung des Gelehrten (Abb.7), erkennt man ebenso hier die dichte Lockenpracht wieder. Und auch die Gesichtszüge, sowie die zarte Nase und die vollen Lippen lassen sich in der angeführten Lithographie wie auch im Denkmal ausmachen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Aufstellung des Denkmals bekannt.

Quellen

UAW, Denkmalakt Leo Thun Hohenstein, Franz Exner, Hermann Bonitz, Signatur: Akt Senat S 96.9.

Rezeption in der Presse

Wiener Zeitung: Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, in: Wiener Zeitung, 24. Mai 1893, Seite 25 - 27.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 96.9, Brief: Minister für Kultur und Unterricht an Denkmal-Comité, 19. März 1890.
  2. UAW Senat S 96.9, Brief: Carl Kundmann an Ministerium für Kultur und Unterricht, 18. Juli 1892.
  3. UAW Senat S. 96.9, Brief: Minister für Kultur und Unterricht an Rektorat, 27. Februar 1893.
  4. UAW Senat S 96.9, Brief: Minister für Kultur und Unterricht an Rektorat, 29. März 1893.
  5. UAW Senat S 96.9, Brief: Carl Kundmann an Rektorat, 2.Mai 1893.
  6. WZ vom 24. Mai 1893, Seite 25 - 27.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.



Marie Theresa Mundigler, Kerstin Hitzenhammer