Denkmal Franz Anton von Zeiller

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1, Emanuel Pendl, Denkmal Franz Anton von Zeiller, 1891 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
Abb. 2, Lage des Denkmals, Nr. 6, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]
Abb. 3, Emanuel Pendl, Denkmal Franz Anton von Zeiller, Detail Inschrift, 1891 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
Abb. 4, Emanuel Pendl, Denkmal Franz Anton von Zeiller, Detail Büste, 1891 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Das Denkmal für den Juristen Franz Anton von Zeiller (1751-1828) wurde von dem Bildhauer und Maler Emanuel Pendl (1845-1927) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 26. April 1891 enthüllt.[2]

Beschreibung

Das Postament der Büste erhebt sich über rechteckigem Grundriss (Abb. 1). Die Basis des Sockels zeichnet sich durch eine dreifache Abstufung aus. Danach folgt der längsrechteckige, gerade Schaft mit der Inschrift, die den Dargestellten eigens benennt und charakterisiert. Diese nimmt beinahe die gesamte Fläche der oberen Hälfte der Frontseite des Säulenschafts ein. Man wählte für sie die Worte (Abb. 3):

FRANZ ANTON EDLER

VON ZEILLER

PROFESSOR DER RECHTE

1778 – 1802

HOFRATH DER OBERSTEN JUSTIZSTELLE

REDACTOR DES ALLGEMEINEN BÜRGERLICHEN

GESETZBUCHES

GEB 1751 GEST 1828

Den Abschluss bildet eine mehrfach abgestufte Platte, deren Seitenlänge in etwa der der Basis entspricht und somit in einem ausgewogenen Verhältnis in Erscheinung tritt.

Abb. 5, Emanuel Pendl, Denkmal Franz Anton von Zeiller, Detail Profilansicht, 1891 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Darauf steht die eigentliche Büste des Juristen Franz Anton von Zeiller (Abb. 4), die ihn als Halbfigur wiedergibt. Sie setzt allerdings nicht direkt am Postament an, sondern besitzt zusätzlich eine kleinere sockelähnliche Basis, die sich nach oben verjüngt. Diese zeigt eine Zierleiste mit vegetabilen, blattförmigen Formen sowie eine weitere mit ionischem Kyma. Die Frontseite dieser Basis ziert zusätzlich ein Wappen. Insbesondere aufgrund der hellen Farbigkeit des gesamten Sockels sowie der Büste ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild. Der Rechtsgelehrte wurde in zeitgenössischer Tracht dargestellt, die ihn zusammen mit dem ungarischen St. Stephans-Orden auf der Brust als einem höheren Stand zugehörig auszeichnet. Am linken Oberarm signierte der ausführende Künstler Emanuel Pendl sein Werk mit „E. Pendl“ (Abb. 6).

Abb. 6, Emanuel Pendl, Denkmal Franz Anton von Zeiller, Detail Signatur, 1891 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Seinen Kopf dreht der Jurist etwas nach rechts. Zugleich scheint er seinen Blick in die Ferne gerichtet zu haben und nicht auf einen Betrachter, der sich unmittelbar vor dem Denkmal befindet. Sein Gesichtsausdruck wirkt ernst und bestimmt. Franz Anton von Zeiller wird mit langem Haar dargestellt. Zusätzlich erkennt man in seinem Gesicht bereits einige Falten, die ihn als älteren Mann auszeichnen und möglicherweise zusätzlich die Lebenserfahrung und Weisheit des Rechtsgelehrten nach außen transportieren sollen.

Notizen zur dargestellten Person

Franz Anton von Zeiller war ein österreichischer Jurist und einer der bedeutendsten Vertreter des Vernunftrechts zur Zeit der Habsburgermonarchie. 1782 wurde er ordentlicher Professor für Naturrecht und Kriminalistik an der juridischen Fakultät in Wien.[3] Franz von Zeiller erlangte vor allem aufgrund seines Beitrags zum Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches für Österreich und die Deutschen Erblande (ABGB) Bekanntheit. Darüber hinaus gilt er auch als der Verfasser des ersten Teiles des Strafgesetzbuches von 1803 sowie als der Schöpfer der juridisch-politischen Studienordnung aus dem Jahr 1810.[4]

Entstehungsgeschichte

Bereits ein Jahr nach dem Tod von Franz von Zeiller überliefern Dokumente das Vorhaben, in der Universitätskirche ein Denkmal für den verstorbenen Juristen zu errichten. Das Gesuch ging von den Hofräten von Heß und von Plappart aus. Der Vorsteher der Universitätskirche befürwortet diese Idee und führte gegenüber skeptischen und ablehnenden Meinungen unterschiedliche Argumente an. Einerseits würde das Denkmal die Symmetrie der Kirche nicht stören, sondern zusätzlich vergrößern. Weiters wäre die notwendige Beseitigung eines Beichtstuhls unproblematisch, da auch ohne diesem genügend andere vorhanden wären. Zusätzlich hätte das Denkmal eine positive Vorbildwirkung.[5] Am 27. Oktober 1829 erfolgte bereits die Anfrage des Konsistoriums an die Niederösterreichische Regierung, die Aufstellung eines derartigen Denkmals zu genehmigen.[6] Diese lehnte allerdings 1832 den Antrag mit dem Einwand ab, sie sollen einen geeigneteren Platz suchen.[7]

Darauf favorisierten die beiden Hofräte von Plappart und Heß eine Aufstellung einer Büste für Franz von Zeiller im großen Universitätssaal. Ebenso erhielt dieser abgeänderte Plan Unterstützung vom Konsistorium. Dieses hielt den neu gewählten Platz vor allem deswegen für passend, da dieser bei allen Universitätsfeiern verwendet wird und gleichzeitig weitere schon in anderen Räumen vorhandene Büsten wie die von Gerard van Swieten, des Grafen Saurau sowie der Freiherren Andreas Josef von Stifft und Josef Quarin dort ihren neuen Aufstellungsort finden sollen.[8] Der Entwurf für das Denkmal für Franz Anton von Zeiller stammte von Joseph Klieber.[9] Allerdings wurde auch dieses Vorhaben von der Niederösterreichischen Regierung abgelehnt. Darüber hinaus bewilligte sie auch nicht die Aufstellung der anderen Gelehrten im großen Universitätssaal. Als Begründung wurden die unterschiedlichen Materialien der Denkmäler sowie die verschiedenen Ausführungen genannt, die das Gesamtbild beeinträchtigen würden. Empfohlen wurde hingegen die Aufstellung einer Büste des Kaisers, da die Räumlichkeit für diese deutlich besser geeignet wäre.[10]

Am 24. Februar 1890 wurde die Anfertigung zweier Konsolen aus Bardiglio-Marmor nach Entwürfen des Bildhauers Emanuel Pendl genehmigt. Eine davon war für die Büste für Joseph von Sonnenfels bestimmt. Die Kosten sollten von der k.k. nö. Statthalterei übernommen werden. Es wird in diesem Schreiben jedoch nicht näher darauf eingegangen, ob die andere Konsole ursprünglich für die Büste für Franz Anton von Zeiller bestimmt war.[11] Schon am 09. Mai 1890 wurde die bereits fertiggestellte Büste des Rechtsgelehrten abgeliefert und vorläufig in einem Depot, das sich gegenüber der Gebäude-Inspektions-Kanzlei befand, untergebracht.[12] Ab Juli 1890 ist jedoch überliefert, dass weiters ein Postament für das Denkmal angefertigt werden muss.[13] Die Gesamtkosten dafür wurden bei 180 Gulden angesetzt.[14] Eine Fertigstellung wurde bis Ende Februar 1891 vereinbart.[15] Diese Frist wurde seitens des Bildhauers eingehalten. Die letzte zu klärende Frage hinsichtlich des Denkmals betraf den Text der Inschrift. Darüber hinaus musste der ursprünglich gewählte Zeitpunkt der Enthüllung verschoben werden, da Professor Pfaff nicht in der Lage war, seine dafür vorgesehene Rede vor dem Beginn der Osterferien fertigzustellen.[16] Man einigte sich darauf, die Feierlichkeiten in der zweiten Hälfte des Monats April anzusetzen.[17]

Die Enthüllungsfeier der Büste für Franz von Zeiller fand schließlich am 26. April 1891 um 12 Uhr mittags im kleinen Festsaal der „k. k. Universität Wien“ statt.[18] Für lange Zeit unbemerkt blieb der Irrtum, dass fälschlicherweise "Franz Alois Edler von Zeiller" als Inschrift am Postament angebracht wurde, da der richtige Name des Juristen "Franz Anton Felix von Zeiller" war. Dies wurde erst 1934 korrigiert, als Zeillers Urenkel Graf Karl Bienerth darauf aufmerksam machte.[19]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7, Anton Siegl, Franz von Zeiller, Porträt, 1810.
Abb. 8, Joseph Klieber, Entwurf einer Büste für Franz Anton von Zeiller für den großen Universitätssaal, 1832 (?).

Im Vergleich mit einem von Anton Siegl geschaffenen Porträt (Abb. 7) von 1810, das Franz Anton von Zeiller zeigt, bemerkt man eine sehr große Ähnlichkeit in Bezug auf das Aussehen sowie die Kleidung des Juristen bei der Büste im Arkadenhof der Universität Wien. In beiden Darstellungen trägt der Gelehrte dasselbe Gewand, auch der Orden auf seiner Brust scheint derselbe zu sein. Darüber hinaus ähnelt sich die Wiedergabe der Frisur. Auch der eher strenge Blick und die bereits vorhanden Falten wiederholen sich in beiden Werken. Die größte Abweichung stellt die Kopfhaltung des Rechtsgelehrten dar. Während Franz Anton von Zeiller in der Büste eher in die Ferne blickt, scheint der Kopf des Juristen im nicht näher datierten Porträt stärker nach unten geneigt zu sein.

Darüber hinaus bietet sich ein Vergleich der Büste im Arkadenhof der Universität Wien mit dem für den großen Universitätssaal von Joseph Klieber geplanten Denkmal (Abb. 8) an. In beiden Fällen wurde der für eine Porträtbüste typische Ausschnitt gewählt, der den Oberkörper des Juristen zeigt und etwas unterhalb der Brust ansetzt. Während beim älteren Entwurf weitgehend auf Arme verzichtet wurde, entschied man sich beim Denkmal im Arkadenhof einen Teil der Oberarme darzustellen. Dieser Abschnitt der Büste ist gegenüber all den anderen Denkmälern im Arkadenhof sehr markant. Keine andere Büste in der Runde ist unter der Brust rund abgeschnitten und formt gleichzeitig einen eigenen sehr geraden Abschluss der Schultern aus. Ein weiterer Unterschied zu der Darstellung für den Universitätssaal zeigt sich in der Kleidung. So wurde die ausgeführte Figur in zeitgenössischer Kleidung dargestellt, für das für den großen Universitätssaal geplante Denkmal war jedoch eine antikisierende Toga vorgesehen, die mit zahlreichen Falten um den Oberkörper des Juristen gewickelt werden sollte. Auch fehlt der ungarische St. Stephans-Orden. Zusätzlich wirkt Zeiller im Entwurf für den großen Universitätssaal deutlich jünger als bei der ausgeführten Büste im Arkadenhof, da weniger Gesichtsfalten und die Oberflächengestaltung viel glatter vorgesehen waren. Darüber hinaus sind keine besonders ausgeprägten physiognomische Ähnlichkeiten zu bekannten Darstellungen Zeillers erkennbar.

Bezüglich des von Klieber geplanten Sockels für das Denkmal für die Alte Universität zeigt sich insbesondere die Ähnlichkeit mit dem Sockel für das Denkmal Andreas Josef von Stifft.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung der Büste im Arkadenhof der Universität Wien sind abgesehen von der Änderung der Inschrift von "Franz Alois von Zeiller" in "Franz Anton von Zeiller" im Jahr 1934 keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, nicht unterzeichnetes Konzept vom 23.10.1829.
  • UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, Anfrage um Genehmigung an die Niederösterreichische Regierung für ein Grabdenkmal vom 27.10.1829.
  • UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, Mitteilung der Niederösterreichischen Regierung vom 18.04.1832.
  • UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, Anfrage um Genehmigung an die Niederösterreichische Regierung für eine Büste vom 10.05.1832.
  • UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, Mitteilung der Niederösterreichischen Regierung vom 25.05.1832.
  • UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, Ablehnung durch die Niederösterreichische Regierung die Zeiller-Büste aufzustellen, 15.01.1833.
  • UAW, Senat, S 96.15, Rektor der k.k. Universität an Dr. August E. Vogl, 07.11.1888.
  • UAW, Senat, S 96.15, Rektor der k.k. Universität an Adolf Exner, 08.03.1890.
  • UAW, Senat, S 96.15, Mitteilung der k.k. Universitäts-Gebäude-Inspektion, 09.05.1890.
  • UAW, Senat, S 96.15, Rektor der k.k. Universität an Adolf Exner, 13.05.1890.
  • UAW, Senat, S 96.15, Rektor der k.k. Universität an Adolf Exner, 03.07.1890.
  • UAW, Senat, S 96.15, k.k. nö. Statthalterei an das Rektorat der k.k. Universität Wien, 08.01.1891.
  • UAW, Senat, S 96.15, Universitäts-Gebäude-Inspektor an das Rektorat der k.k. Universität, 19.01.1891.
  • UAW, Senat, S 96.15, Rektor der k.k. Universität an die artistische Commission, 03.03.1891.
  • UAW, Senat, S 96.15, Rektor der k.k. Universität an die artistische Commission, 23.03.1891.
  • UAW, Senat, S 96.15, Einladung zur Enthüllungsfeier der Büste für Franz von Zeiller am 26.04.1891.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse 1889: Notiz über das neue Doppeldenkmal für Johann von Oppolzer und dessen Sohn Theodor, das von Tilgner entworfen wurde. Es wird auch eine Büste von Franz von Zeiller im Arkadenhof der Universität aufgestellt werden, die Pendl entworfen hat, in: Neue Freie Presse, 9059, 12.11.1889, S.1, Sp. 2.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. UAW, Senat, S 96.15, Einladung zur Enthüllungsfeier der Büste für Franz von Zeiller am 26.04.1891.
  3. Von Wurzbach 1980, S. 283.
  4. www.austria-forum.org
  5. UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, nicht unterzeichnetes Konzept vom 23.10.1829.
  6. UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, 27.10.1829.
  7. UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, 18.04.1832.
  8. UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, 10.05.1832
  9. UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, 25.05.1832.
  10. UAW, AT-UAW, CA 1.0.639, 15.01.1833.
  11. UAW, Senat, S 96.15, 08.03.1890.
  12. UAW, Senat, S 96.15, 09.05.1890.
  13. UAW, Senat, S 96.15, 03.07.1890.
  14. UAW, Senat, S 96.15, 08.01.1891.
  15. UAW, Senat, S 96.15, 19.01.1891.
  16. UAW, Senat, S 96.15, 03.03.1891.
  17. UAW, Senat, S 96.15, 23.03.1891.
  18. UAW, Senat, S 96.15, Einladung zur Enthüllungsfeier der Büste für Franz von Zeiller am 26.04.1891.
  19. Neschwara 2006, S. 285-286.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Wien 1934.
  • Neschwara 2006: Christian Neschwara, "...kein Rechtsgelehrter Österreichs hat sich so ungetheilten Ruhmes im In- und Auslange zu erfreuen gehabt, wie er!". Zur Geschichte des Zeiller-Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, in: Markus Steppan/Helmut Gebhardt, Zur Geschichte des Rechts. Festschrift für Gernot Kocher zum 65. Geburtstag, Graz 2006, S. 277-290.

Weblinks



Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Michaela Pilat