Denkmal Ferdinand von Arlt

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Hans Bitterlich, Denkmal für Ferdinand von Arlt, 1892-1896, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 80, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal für den Mediziner Ferdinand von Arlt (1812-1887) wurde von dem Bildhauer Hans Bitterlich (1860-1949) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 9. Juli 1896 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für den Augenarzt Ferdinand von Arlt besteht aus einer hochrechteckigen Plakette aus matter Bronze, die auf eine weiße Marmorplatte angebracht ist. Das Denkmal befindet sich heute an einem Pilaster in der nordwestlichen Ecke des Arkadenhofes (Maisel 2007, Nr. 80; Abb. 2). In der oberen Hälfte befindet sich das Porträt des Geehrten in Profilansicht (Abb. 1). Der Ausschnitt als nackte Büste, eine Reminiszenz an antike Darstellungstraditionen, ist poliert und setzt sich von der restlichen Bronzeplatte ab. Das Porträt wird außerdem von einer ovalen, konkaven Vertiefung in der Bronzeplatte gerahmt. Oberhalb dieser ovalen Einfassung befindet sich der wie auf anderen Denkmälern im Arkadenhof übliche Lorbeerzweig, während unter dem Porträt sich die Inschrift befindet. In Lettern steht hier: FERDINANDO EQUITI DE ARLT - OPHTHALMOLOGIAE PROFESSORI - SUAE ARTIS PRINCIPI - FLORENTIS SCHOLAE CONDITORI. Die Inschrift geht über eine simple Benennung des Dargestellten hinaus. Mit der Zeile OPHTHALMOLOGIAE PROFESSORI wird sein Beruf, Professor der Ophthalmologie, genannt. In der dritten Zeile wird er als der Erste in seiner Kunst beziehungsweise seines Faches geehrt und schließlich als Gründer einer aufblühenden Schule. Die Lebensdaten, die bei anderen Denkmälern im Arkadenhof zumeist genannt werden, wurden bei Arlt hingegen ausgelassen. Unterhalb des Nackens befindet sich die Signatur des Künstlers Hans Bitterlich.

Notizen zur dargestellten Person

Ferdinand von Arlts Verdienst liegt vor allem in der Entdeckung der Ursache der Kurzsichtigkeit. Er war außerdem ein bekannter Operateur, der neue Methoden für die Entfernung vom Augapfel, Linsen, sowie für Lidverwachsungen entwickelte.

Entstehungsgeschichte

Abb. 3: Zwei Entwurfsskizzen von Hans Bitterlich für das Denkmal von Ferdinand von Arlt, 1893.

Die Quellenlage zur Entstehungsgeschichte ist trotz der längeren Planungsphase eher dürftig dokumentiert, so dass die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte Lücken aufweist.

Nach den Akten im Universitätsarchiv ging die Initiative auf Arlts Nachfolger Ernst Fuchs zurück, der seinem Lehrer ein Denkmal im Arkadenhof widmen wollte. Er erklärte sich in einem Schreiben an den Rektor im März 1892 bereit, der Universität ein Medaillon zu schenken, jedoch unter der Bedingung, dass die Universität aus dem hierzu bestimmten Fond beiträgt. Zu diesem Zeitpunkt standen bereits die Form des Denkmals als Bronze-Medaillon und der Künstler Hans Bitterlich fest und dass es auf Kosten des Universitäts-Kredits gehen würde. Obwohl Fuchs in seinem Brief auf eine rasche Abwicklung drängte, ... da man nicht wissen kann, wie der Nachfolger sich zu dieser Sache verhalten würde.,[2] ist das Medaillon im September 1892 noch nicht vollendet.

Bitterlich schrieb nämlich an Fuchs im September 1892, dass er noch keine Summe für die Steinmetzarbeiten erhalten habe. Dies habe ihn an der Weiterarbeit gehindert, weil er sich für das Relief nach den Maßen der Steineinfassung richten müsse.[3] Hieraus geht also schon hervor, dass es von Anfang an geplant war das Bronze-Medaillon auf eine Marmorplatte anzubringen. Angesichts der Tatsache, dass Ernst Fuchs und Hans Bitterlich sich höchstwahrscheinlich privat kannten,[4] kann man davon ausgehen, dass die Form des Denkmals mündlich abgesprochen wurde. Als im Herbst Ernst Ludwig Rektor wurde, musste Fuchs, der den Vorgänger Adolf Exner noch auf eine rasche Abwicklung gedrängt hatte, seine Bemühungen jedoch von vorne anfangen.

Hans Bitterlich übersandte dem Rektorat im Februar 1893 schließlich zwei Entwurfsskizzen für die marmorne Steineinfassung (Abb. 3). Der Rahmen besteht bei beiden Entwürfen aus rotem Salzburger-Marmor. Die Unterschiede beruhen in erster Linie im oberen Abschluss. Bei Entwurf Nr. 1 wird über den roten Rahmen ein weißer Marmor-Fries eingeschoben, bei Entwurf Nr. 2 hingegen schlägt Bitterlich einen einfacheren Volutengiebel vor. Die Kosten für beide Entwürfe würden 250 fl. betragen. Die Entscheidung für eines der beiden Entwürfe, so Bitterlich, würde je nach Wirkung des Modells ausfallen.[5]

In einem Schreiben des Rektors im März an das Unterrichts-Ministerium, erklärte jener, dass Fuchs der Universität eine Bronze-Duplik von einem Porträtrelief Arlts, das er selbst besitze, schenken werde. Dies jedoch unter der Bedingung, dass die Einrahmung und die Aufstellung aus öffentlichen Geldern bezahlt werden. Offensichtlich wollte Fuchs nicht sein eigenes Relief verschenken, sondern eine Duplik, die Bitterlich noch herstellen musste.[6] In diesem Schreiben erbat der Rektor außerdem um die Auszahlung der Summe von 250 fl. für die Einrahmung und Aufstellung an den Künstler auszuzahlen.[7] Dieser Bitte wurde am 13.6.1893 stattgegeben.[8]

Einen Monat später beschloss die artistische Kommission dem Arlt-Denkmal als Aufstellungsplatz den Pfeiler, wo die Hebra-Büste steht, links von dem Eingang zur Bibliotheksstiege zu geben. Dieser Aufstellungsplatz entspricht dem heutigen und scheint auch keine Umstellung im Laufe der Zeit erfahren zu haben.[9]

In den Akten des Universitätsarchiv ist betreffend das Denkmal von Arlt eine größere Zeitlücke festzustellen. Erst im November 1894 findet sich ein Schreiben des Rektors an die artistische Kommission, in der er um eine Äußerung bezüglich der Änderungen der Skizze bat.[10] Welche Änderungen gemeint waren, ist nicht dokumentiert.

Daraufhin scheint die Vorbereitungen für das Arlt-Denkmal in den Hintergrund geraten zu sein. Ob dies auf den Künstler oder das Rektorat zurückzuführen ist, bleibt aufgrund der unausreichenden Quellenlage nicht nachvollziehbar. Erst im Oktober 1895 wird die Planung wieder neu aufgerollt. Rektor Anton Menger setzte sich in Kontakt mit Bitterlich und bemühte sich um eine Erneuerung des 1893 vom Unterrichtsministerium gewährten, jedoch bereits verfallenen Kredits für die Einrahmung und Aufstellung des Denkmals. Ob dieser Kredit wieder erneuert wurde, bleibt offen. Auf jeden Fall war die Gedenktafel Arlts im Dezember 1895 fertiggestellt und Bitterlich stellte dem Rektorat eine Rechnung von 250 fl aus. [11]

Im Mai 1896 wurde die Tafel aufgestellt, jedoch bis zur Enthüllungsfeier am 9. Juli 1896 verhüllt, zu der Ernst Fuchs die Gedenkrede hielt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 4: Hans Bitterlich, Denkmal Ferdinand Lotheissen, 1902 enthüllt, und für Richard Wettstein von Westersheim, 1963 angebracht, im Arkadenhof der Universität Wien

Hans Bitterlich hat für den Arkadenhof der Universität Wien mehrere Denkmäler geschaffen. Hierzu zählen das Relief für Ferdinand von Arlt, aber auch zwei weitere für Ferdinand Lotheissen und für Richard Wettstein von Westersheim (Abb. 4). Diese drei Reliefs zeigen die Vielseitigkeit Bitterlichs bei der Gestaltung von Denkmälern auf. Während er Arlt im Profil zeigte und ihn durch die Polierung der Bronze von der restlichen Platte absetzte, ist Lotheissen im Viertelprofil auf einer querformatigen Bronzeplatte zu sehen, das in der Oberflächenbehandlung keine Unterschiede aufweist. Wettstein wird wie Arlt im Profil gezeigt, seine Gesichtszüge und seine Umrisse sind jedoch sichtlich weicher gestaltet als beim Denkmal Arlts. Dessen Relief, das früheste von den drei, gibt die Gesichtszüge besonders scharf wieder.

Abb. 5: Fotografie von Ferdinand von Arlt und Porträt-Medaillon von Arlt am Gebäude des ehemaligen Allg. Poliklinikum (Mariannengasse 10).

Das Porträt Arlts im Medaillon am Fries des ehemaligen Allg. Poliklinikums in der Mariannengasse scheint sich als Vorlage auf die undatierte Porträtfotografie von Arlt (Abb. 5) zu stützen, ist sogar gespiegelt fast ident (man vergleiche zum Beispiel den Verlauf von Arlts Fliege). Während der unbekannte Künstler des Medaillons - sich auf eine fotografische Vorlage stützend - bemüht war den Ophthalmologen so realitätstreu wie möglich wiederzugeben, hat Bitterlich ihn bei dem Porträt auf der Gedenktafel des Arkadenhofs idealisiert wiedergegeben. Nicht in der Professorenkleidung ist Arlt zu sehen, sondern nackt in Gestalt einer Büste - ein Rückgriff auf antike Darstellungsformen. Physiognomische Veränderungen in der künstlerischen Umsetzung lassen sich aufgrund von fehlenden Fotografien im Profil schwer feststellen. Das Ohr wurde jedoch in der Größe sichtlich zurückgenommen, was wohl Bitterlich für eine Profildarstellung vorteilhafter erschien.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Aufstellung bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat 92.2, Brief von Fuchs an den Rektor, 26.3.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben von Ernst Fuchs an den Rektor Adolf Exner, 21.5.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an den Gebäude-Inspektor, 24.5.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Brief von Hans Bitterlich an Ernst Fuchs, 8.9.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an Fuchs, 30.9.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Brief von Ernst Fuchs an den Rektor Ernst Ludwig, 8.10.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an Bitterlich, 12.10.1892.
  • UAW, Senat 92.2, Brief von Bitterlich an den Rektor mit zwei Entwurfsskizzen, 25.2.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Gebäude-Inspektors an den Rektor, 25.2.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an den Obmann der artistischen Kommission, 27.2.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an das Unterrichts-Ministerium, 7.3.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben der N.Ö. Statthalterei an den Rektor, 13.6.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an den Gebäude-Inspektor, 19.6.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an Fuchs, 19.6.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an Obmann der artistischen Kommission, 19.6.1893.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an Obmann der artistischen Kommission, 8.11.1894.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an Bitterlich, 9.10.1895.
  • UAW, Senat 92.2, Brief von Bitterlich an den akademischen Senat, 16.10.1895.
  • UAW, Senat 92.2, Brief des Rektors an Obmann der artistischen Kommission, 16.11.1895.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an den Gebäude-Inspektor, 11.12.1895.
  • UAW, Senat 92.2, Brief von Fuchs den Rektor, 20.5.1896.
  • UAW, Senat 92.2, Schreiben des Rektors an den Gebäude-Inspektor, 21.5.1896.
  • UAW, Senat 92.2, Entwurf für eine Einladungskarte.
  • UAW, Senat 92.2, Entschuldigungsbrief für die Abwesenheit des Ministers für Cultus und Unterricht, 6.7.1896.

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, 23.6.1896, Morgenblatt, Nr. 11434, S. 5. [1] (zuletzt aufgerufen am 7.9.2014)
  • Neue Freie Presse, 9.7.1896, Abendblatt, Nr. 11449, S. 1-2. [2] (zuletzt aufgerufen am 7.9.2014)

Neben einer Zusammenfassung der erschienen Gäste und einer ausführlicheren Wiedergabe der Gedenkrede gibt der Artikel die Information, dass die lebenswahre künstlerische Ausführung der Gedenktafel Arlts Anerkennung fand.

  • Wiener Abendpost, 9.7.1896, Nr. 156, S. 2. [3] (zuletzt aufgerufen am 7.9.2014)

Auch hier eine Zusammenfassung der Feier. Ernst Fuchs betonte in der Gedenkrede die Einfachheit und Schlichtheit des Reliefs, sowie Arlt selbst im Leben gewesen sei.

  • Die Presse, 21.7.1896, 46. Jahrgang, Nr. 199, S. 10.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. UAW Senat 93.2, Ernst Fuchs an den Rektor, 26.3.1892.
  3. UAW Senat 93.2, Hans Bitterlich an Ernst Fuchs, 8.9.1892.
  4. Fuchs schreibt dem Rektor, dass er Bitterlich zuhause besucht habe aber ihn nicht angetroffen habe. UAW Senat 93.2, Ernst Fuchs an den Rektor, 26.3.1892.
  5. UAW Senat 93.2, Hans Bitterlich an das Rektorat, 25.2.1893.
  6. Dies würde auch erklären, warum Bitterlich in seinen Entwurfsskizzen vom Februar dem Relief an sich, also dem Hauptgegenstand, weniger Aufmerksamkeit widmete und sie nur rasch andeutete, während er die Steineinrahmungen präziser erfasste.
  7. UAW Senat 93.2, Der Rektor Ernst Ludwig an das Unterrichtsministerium, 7.3.1893.
  8. UAW Senat S 93.2, N.Ö. Statthalterei an das Rektorat, 13.6.1893.
  9. Meister 1934, Nr. 55.
  10. UAW, Senat 93.2, Schreiben des Rektors an die artische Kommission, 8.11.1894.
  11. UAW, Senat 93.2, Schreiben des Rektors an den Universitäts-Gebäude-Inspektor E. Heinrich, 11.12.1895.

Literatur

  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 71.
  • Meister 1934: Meister, Richard: Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Wien 1934, Nr. 55.

Weblinks


Cigdem Özel, Julia Kögl