Denkmal Ferdinand Lotheissen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Hans Bitterlich, Denkmal für Ferdinand Lotheissen, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1902.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 39, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3: Hans Bitterlich, Denkmal für Ferdinand Lotheissen, Schrägansicht.
Abb. 4: Denkmal Ferdinand Lotheissen, Detail, links, Lorbeerblätterzweig.
Abb. 5: Denkmal Ferdinand Lotheissen, Detail, rechts, Eichenblätterzweig.

Das Denkmal für den Romanisten, Kulturhistoriker sowie Literaturwissenschaftler Ferdinand Lotheissen (1833-1887) wurde von dem Bildhauer Hans Bitterlich (1860-1949) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 12. Jänner 1902 enthüllt.

Beschreibung des Denkmals

Bei dem Denkmal für den Romanist Ferdinand Lotheissen handelt es sich um eine querrechteckige Plakette mit einem flachen Reliefporträt aus Bronze (Abb. 1 und 3). Die Bronzeplakette schwingt nach oben in einen segmentgiebelartigen Bogen aus und ist auf einer rechteckigen Marmortafel mit zweifacher Profilierung am Rand montiert. Das Denkmal befindet sich an der Wand in der Mitte einer Blendarkade in einer Höhe von 1,92 Meter. Das Relief zeigt Lotheissen im Dreiviertelporträt. Sein Blick ist leicht nach rechts gerichtet, wobei die großen und weit geöffneten Augen keine Pupillen aufweisen. Markante Augenbrauen und eine hohe Stirn führen zum Haaransatz. Leicht gewelltes Haar bedeckt den Kopf und die Hälfte der Ohren und hohe Backenknochen lassen die Wange hohl einfallen. Sein Mund ist nahezu zum Sprechen bereit und wird vom Oberlippenbart umgrenzt, sowie auch ein längerer Kinnbart den Hals bedeckt. Die Bekleidung Lotheissens ist kaum erkennbar, da die Schultern links und rechts in den Hintergrund übergehen. Eine deutlich sichtbare gebundene Halsschleife lässt auf gut bürgerliche Kleidung entsprechend der Mode gegen Ende des 19. Jahrhunderts schließen, der Kragen des Anzugs ist schwach erkennbar.

Als Attribute finden sich auf dem Relief ein Lorbeerblätterzweig mit Früchten an der linken Seite (Abb. 4) und ein Eichenblätterzweig ebenso mit Früchten an der rechten Seiten (Abb. 5). Sie geben dem dunklen Relief mehr Lebendigkeit und bringen die antiken Symbole zum Ausdruck. Lorbeer steht als Symbol für besondere Auszeichnung, für Ruhm und Sieg. Eichenblätter deuten schon seit der Antike auf souveräne Macht und Treue. In Brusthöhe Lotheissens ist in erhabenen Buchstaben die Inschrift zu lesen: DR•FERDINAND LOTHEISSEN / GEB•1833 GEST•1887 / PROFESSOR•DER•FRANZOESISCHEN•SPRACHE•UND•LITTERATUR / 1881 - 1887.

Die Bronzeplatte hat eine Breite von 92 cm und eine Höhe von 63 cm sowie eine Stärke von 2 cm. Die untergelegte Marmortafel misst in der Breite 120 cm und in der Höhe 96 cm und hat eine Stärke von 5 cm.

Notizen zur dargestellten Person

Ferdinand Lotheissen (1833 - 1887), geboren in Darmstadt, war Professor für neuere französische Literatur und wurde 1872 gemeinsam mit Adolf Mussafia Vorstand des neu gegründeten Seminars für englische und französische Sprache an der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Am 15. Mai 1899 stellt der Vorsitzende des Komitees Dr. Friedwagner einen Antrag an "den hohen akademischen Senat der k. k. Universität Wien", ein Denkmal für den Verstorbenen Dr. Ferdinand Lotheissen im Arkadenhof aufstellen zu dürfen. Prof. Dr. Adolf Mussafia hatte schon zuvor diese Anregung vorgebracht, an die sich auch der Wiener neuphilologische Verein angeschlossen hatte.[1]

Am 30. Jänner 1901 berichtet die "Neue Freie Presse": Der akademische Senat der Wiener Universität hat eine dem Denkmalausschuss vorgelegte Skizze des zu errichtenden Lotheissen-Denkmals genehmigt. Die Ausführung hat der Verfasser dieses Entwurfes, Bildhauer Hans Bitterlich, der Schöpfer des Gutenberg-Denkmals, übernommen.[2]

Am 6. März 1901 wurde vom Rektor die Bewilligung unterzeichnet und der Bildhauer Hans Bitterlich hatte sich bereit erklärt, die Herstellung des Denkmals zu übernehmen.[3] Eine Liste zeigt das Verzeichnis der Spender, deren gesammelten Beträge für die Finanzierung des Denkmals verwendet wurden.[4]

Enthüllungsfeier

Bereits am 9. November 1901 erfolgt die Aufstellung und Montage an der Wand des linksseitigen Arkadenganges der Universität Wien. Die feierliche Enthüllungsfeier wurde für den 12. Jänner 1902 festgesetzt und im Festsaal der Universität mit einer Festrede von Univ.-Prof. Dr. Mathias Friedwagner aus Czernowitz eröffnet.[5] Friedwagner war ein Schüler Lotheissens und betonte dessen Wirksamkeit als Forscher und Lehrer und seine zusätzliche Tätigkeit als vortrefflicher Schriftsteller und Journalist mit zahlreichen Beiträgen wie Feuilletons in der "Wiener Abendpost". Der Rektor Hofrat Dr. Jakob Schipper vermerkte die Entschiedenheit Lotheissens, für das Studium der lebenden Sprachen an Gymnasien einzutreten. Hofrat Schipper sieht auch in dem matt gehaltenen Relief von Hans Bitterlich eine symbolische Bedeutung: " Das neusprachige Studium verlange nach Luft und Licht, ähnlich, wie das Kunstwerk Bitterlichs, das matt gehaltene Relief, das nur durch die entsprechende Platzierung die richtige Beleuchtung erfährt."[6]

Neben zahlreichen Gästen waren sein Sohn, Dr. Georg Lotheissen, Privatdozent der Chirurgie an der Universität Innsbruck und seine Tochter, Frau Sophie Necker, geb. Lotheissen, mit ihrem Gemahl, dem Schriftsteller Dr. Necker anwesend. Nach dem Absingen zweier Strophen des "Gaudeamus" besichtigte die Festversammlung die Gedenktafel und die Porträtähnlichkeit des Reliefbildnisses wurde allgemein gerühmt. Vertreter des akademisch-romanischen Lesevereins und der Wiener neuphilologischen Vereine legten Kränze beim Denkmal nieder.[7] [8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Hans Bitterlich, der dieses Porträtrelief geschaffen hat, kam aus der Meisterklasse Caspar von Zumbusch. Bitterlich stand im Einfluss des Naturalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts und er kann im Rahmen der naturalistischen Richtung als Vertreter des impressionistischen Flügels betrachtet werden. In der Porträtplastik wird das Vibrieren des Lichtes auf der weich modellierten Oberfläche zum Selbstzweck. Bei der Darstellung ist Bitterlich bemüht, die Gesichtszüge durch Licht zu beleben und Lichtreflexe spielen eine primäre Rolle. Bitterlich erreicht den Höhepunkt dieser Bestrebungen im Reliefbildnis des Ferdinand Lotheissen - bei dem das Unbestimmte nicht nur im Lichte selbst seine Ursache hat, sondern auch in der skizzenhaften, andeutungsvollen Handschrift des Bildhauers und in der "Auflösung" der Gestalt im Hintergrund.[9]

Die Bedeutung des Lichts, die Bitterlich diesem Porträtrelief beigemessen hat, ist auch einem Schreiben aus dem Denkmalakt des Universitätsarchivs Wien zu entnehmen. In diesem Schreiben übermittelt der Rektor der Universität Wien als Obmann der artistischen Kommission das Gesuch um Anbringung des Lotheissen-Reliefs im "philosophischen" Trakte des Arkadenhofes (also auf der rechten, nördlichen Seite). Der Rektor verweist aber auf einen früheren Akt, in dem kein bestimmter Platz jedoch Wünsche bezüglich der Beleuchtungseffekte geäußert wurden.[10] Das Denkmal wurde aber dennoch auf der linken Seite des Arkadenhofes, also gegenüberliegend, im "juristischen" Trakt angebracht. Die Lichtreflexe bewirken hier für den Betrachter die gewünschte Stimmung, was in der Schrägansicht zum Ausdruck kommt (Abb. 3).

Bitterlich hat für den Arkadenhof der Universität Wien insgesamt sieben Denkmäler geschaffen. Dazu zählen auch das Porträtrelief für den Chirurgen und Augenarzt Ferdinand von Arlt (Abb. 6) sowie das Denkmal Richard Wettstein von Westersheim (Abb. 7). Die Reliefs für Ferdinand von Arlt und für Wettstein sind auf einer hochformatigen Platte ausgeführt, Lotheissen hingegen auf einer querformatigen Platte. Arlt und Wettstein werden im Profil dargestellt und zeigen strengere Gesichtszüge. Auf der durchmodellierten Oberfläche entsteht bereits bei Arlt ein Netz von Lichtreflexen, dieser Effekt wird bei Lotheissen noch weiter intensiviert. Arlt ist im Profil mit strengen Gesichtszügen dargestellt und sein Kopf hebt sich deutlich vom Untergrund ab, im Unterschied zu Lotheissen, der im Viertelprofil mit weichen Gesichtszügen zu sehen ist und mit dem Hintergrund mehr verbunden ist und sich nahezu in den Hintergrund auflöst.[11] Bei Arlt schmückt bloß ein Lorbeerzweig das Denkmal im oberen Bereich, bei Lotheissen hingegen sind links ein Lorbeerzweig und rechts ein weiterer Zweig mit Eichenblättern angebracht.

Beim Bronzerelief Lotheissens ist eine unmittelbare Ähnlichkeit zu einer Fotografie festzustellen (Abb. 8). Das Foto Lotheissens ist ebenso im Viertelprofil, sein Blick nach rechts gerichtet, Kopfhaare und Barthaare sind nahezu identisch, ebenso sind die Gesichtszüge und ansatzweise die Kleidung der Fotografie auf dem Relief (Abb. 9) nachmodelliert.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Lotheissen-Denkmals sind keine Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW (= Universitätsarchiv Wien) Denkmalakt Ferdinand Lotheissen, Signatur: Akt Senat S 95.6.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Bericht über den Plan ein Denkmal für Ferdinand Lotheissen zu errichten, in: Neue Freie Presse, 30. Jänner 1901, Seite 4.
  • Neue Freie Presse: Aufstellung des Lotheissen-Denkmals in der Universität, in: Neue Freie Presse, 9. November 1901, Seite 5.
  • Neue Freie Presse: Lotheissen-Feier in der Universität, in: Neue Freie Presse, 13. Jänner 1902, Seite 3 - 4.
  • Wiener Zeitung: Lotheissen-Gedenkfeier. Enthüllung der Gedenktafel, in: Wiener Zeitung, 13. Jänner 1902, Seite 4 - 5.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 95.6.
  2. NFP 30. Jänner 1901, ANNO-Historische Zeitschriften.
  3. UAW Senat S 95.6.
  4. UAW Senat S 95.6, Abschrift aus 1901/02.
  5. UAW Senat S 95.6, Einladungskarte.
  6. NFP, 13. Jänner 1902, S. 3 - 4.
  7. WZ, 13. Jänner 1902, S. 4 - 5.
  8. NFP, 13. Jänner 1902, S. 3 - 4.
  9. Pötzl-Malikova 1976, S. 17 - 19.
  10. UAW Senat S 95.6.
  11. Pötzl-Malikova 1976, S. 19.

(UAW = Universitätsarchiv Wien) (NFP = Neue Freie Presse) (WZ = Wiener Zeitung)

Literatur

  • Dehio Wien 2007: DEHIO-Handbuch Wien, I. Bezirk - Innere Stadt, S. 602 - 608.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.
  • Pötzl-Malikova 1976: Maria Pötzl-Malikova, Die Plastik der Ringstraße. Künstlerische Entwicklung 1890 - 1918, Wiesbaden 1976.

Weblinks

Galerie


Christa Dobrzanski, Michaela Pilat