Denkmal Eugen von Böhm-Bawerk

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal für Eugen von Böhm-Bawerk im Arkadenhof.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 8, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Nationalökonomen Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) wurde von dem Künstler E. Delug geschaffen. Am 23. Juni 1950 wurde das Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Eugen von Böhm-Bawerk (Abb. 1) befindet sich am zweiten Arkadenpfeiler auf der von der Aula aus gesehen linken Seite des Hofes der Universität Wien, der so genannten Juristenseite (Abb. 2) [1]

Das Denkmal besteht aus einer hochrechteckigen 5 cm starken, beigefarbenen mit dunklen körnigen Einschlüssen versehenen, Marmortafel der Ausmaße 56 x 80 cm, in deren oberen Hälfte ein flaches Bronze-Medaillon von 30 cm Durchmesser mit dem Profil des Gelehrten als Hohlguss-Relief angebracht ist. Das Gesicht des Dargestellten ist zwar nach rechts gerichtet aber nicht streng profiliert, sondern leicht zum Betrachter gewendet. Die Hauptrichtung seines Blicks weist aufgrund der Platzierung des Denkmals in den Arkadengang.

Die Darstellung der Kopfpartie wirkt im Vergleich zu verfügbaren Porträts etwas gedrungen. Sie zeigt einen weise und gesetzt wirkenden Gelehrten in fortgeschrittenem Alter mit schwindendem Kopfhaar, nachdenklicher Miene, stark hervortretender Hakennase sowie Oberlippen- und kurzem Kinnbart. Im Schulterbereich ist der Kragen eines Professorentalars zu erkennen und im Halsbereich die für Böhm-Bawerk charakteristische Fliege. Alle Details - insbesondere Haar und Kinnbart - sind fein herausgearbeitet. Kaum erkennbar ist jedoch die extrem zart gefasste Brille des Dargestellten.

In der unteren Hälfte der Tafel sind der Name, die zwei bedeutendsten vom Geehrten ausgeübten Funktionen (Professor der Nationalökonomie, Finanzminister) sowie seine Lebensdaten (1851-1914) in Versalien eingemeißelt, die braun eingefärbt sind. Das Denkmal wurde vom ausführenden Künstler nicht signiert.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 3: Eugen von Böhm-Bawerk, Foto, in reifem Alter.

Eugen von Böhm-Bawerk (* 12. Februar 1851 in Brünn, † 27. August 1914 in Kramsach/Tirol) war ein bedeutender österreichischer Nationalökonom und Finanzminister (Abb. 3). Er war Anhänger der "Wiener Schule der Nationalökonomie" und gilt als der führende Kopf der österreichischen Kapitaltheorie.

Entstehungsgeschichte

Einem Antrag der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät folgend gab der Akademische Senat îm Jahr 1936 seine Zustimmung zur Errichtung eines Doppeldenkmals (!) für die beiden Nationalökonomen Eugen von Böhm-Bawerk und Friedrich von Wieser. Dieser Beschluss erfolgte 22 Jahre nach dem Ableben Böhm-Bawerks bzw. 10 Jahre nach dem Tod Wiesers.[2]

Diese Denkmalsidee kam jedoch nicht wie geplant zur Ausführung und es ist aus den vorhandenen Quellen aus dem Universitätsarchiv nicht zu entnehmen welcher Grund dafür vorlag (Finanzierungsfrage?, zunehmender Einfluss Deutsch-Nationaler Kräfte gegen die Wiener Schule?, Kriegswirren?, Nachkriegsmängel?). Die Denkmalidee für beide Professoren wurde erst in den frühen 1950er-Jahren wieder aufgegriffen, es wurden jedoch - entgegen dem ursprünglichen Plan - zwei getrennte Gedenktafeln geschaffen.

Zwischenzeitlich teilte die Fakultät Ende 1949 dem Rektor mit, dass die Herstellung der Portrait-Plakette für Böhm-Bawerk veranlasst worden sei, die in den Räumen des rechtswissenschaftlichen Instituts angebracht wurde und stellte gleichzeitig den Antrag auf Übertragung dieser Plakette in die Arkaden. Dazu empfahl die Artistische Kommission, die Bronze-Plakette mit einer Steintafel zu umrahmen. Die dafür entstehenden Kosten in Höhe von Schilling 800,- wurden je zur Hälfte von der Universität und aus Mitteln der Industrie gedeckt. [3] Am 23.06.1950 wurde das Einzeldenkmal für Eugen von Böhm-Bawerk im Arkadenhof feierlich enthüllt [4], das sich schließlich aus einer Portrait-Plakette und einer umrahmenden Marmorplatte zusammensetzt. Die Genesis dieses Denkmals umspannt somit einen Zeitraum von insgesamt 14 Jahren. Sie ist nicht lückenlos dokumentiert, da einige Archivalien des Rechtswissenschaftlichen Hauptinstituts während den Kriegswirren einem Brand zum Opfer gefallen sind.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Gedenktafeln können im Vergleich zu monumentalen Denkmälern und Büsten meist in einem etwas einfacheren künstlerischen Prozess und damit kostengünstiger hergestellt werden, sind aber ebenso dazu geeignet, die Nachwelt in gebührender Weise an die Verdienste des Geehrten zu erinnern. Die in Anbetracht der Bedeutung Böhm-Bawerks eher minimalistisch anmutende Darstellung des Geehrten in Form eines numismatischen Portraitmedaillons steht in der Tradition antiker Münzenbildbisse. Auf diesen Typus wird auch in den Denkmälern des Arkadenhofs nach der Schaffung des Böhm-Bawerk-Medaillons oftmals zurückgegriffen. Zu verweisen ist auf die Denkmäler für Adolf Merkl, Karl Landsteiner und Alfons Dopsch.

Da die Gedenktafel Böhm-Bawerks weder signiert ist noch in den zugänglichen Dokumentationen Angaben über die Details der Auftragsvergabe zu fassen sind, kann der Name des ausführenden Künstlers nicht verlässlich nachgewiesen werden. Der zeitlich früheste Hinweis auf einen Künstlernamen kann dem „Kleinen Führer durch die Universität Wien“ von Franz Gall aus dem Jahr 1965 entnommen werden. Hier wird ohne nähere Quellenangabe ein ausführender Künstler namens E. Delug genannt.[5]. In seinem 2007 erschienen Werk „Gelehrte in Stein und Bronze“ nennt Thomas Maisel den gleichen Künstlernamen und bezieht sich dabei vermutlich auf Gall.[6]

Abb. 4: Ehrengrab für Böhm-Bawerk, Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 32A Nr. 52.

In allen aktuell verfügbaren biographischen Nachschlagewerken ist allerdings kein Künstler des Namens E. Delug aufgenommen. Hingegen ist in diesen Quellen ein Künstler mit zwar gleichem Familiennamen jedoch anderem Vornamen, nämlich „Alois Delug“, verzeichnet. Dieser ist jedoch bereits einige Zeit vor dem Enthüllungsjahr 1950 des Böhm-Bawerk-Denkmals, nämlich im Jahr 1930, verstorben und kommt daher für die Schöpfung des Denkmal-Medaillons nicht in Frage.

Dennoch könnte ein Zusammenhang insofern bestehen, als im „Österreichischen Künstlerlexikon“ von Rudolf Schmidt im Werkverzeichnis von Alois Delug der Eintrag „Grabmäler für Exz. Böhm-Bawerk u. die Familie Grüner auf dem Wr. Zentralfriedhof“ zu finden ist.[7] Dies ist ein verlässlicher Hinweis dafür, dass Alois Delug die auf dem Ehrengrab Böhm-Bawerks (Abb. 4) befindliche Bronze-Plakette ausgeführt oder zumindest den Entwurf dafür geliefert hat.

Abb. 5: Vergleich Portrait-Medaillons Böhm-Bawerk.

In Anbetracht der unmittelbaren Ähnlichkeit zum Medaillon am Denkmal in der Universität könnte geschlossen werden, dass das Denkmal-Medaillon der Darstellung am Grabmal nachgebildet wurde. Beide Medaillons haben einen Durchmesser von 30 cm und zeigen ein identisches Profil des Geehrten. Es drängt sich also die Vermutung auf, dass im Werk von Franz Gall [8] das Denkmal-Medaillon als Nachbildung des Grabmal-Medaillons interpretiert wurde und bei der Nennung der Urheberschaft möglicherweise ein redaktioneller Fehler (E. Delug statt A. Delug) unterlaufen ist. Dies würde bedeuten, dass als Urheber des Denkmal-Medaillons Alois Delug genannt werden müsste, der Ausführende dieser Nachbildung jedoch in den Hintergrund tritt. Diese Hypothese wird durch einen Vergleich beider Medaillons nachdrücklich unterstützt (Abb. 5), aus dem diese unmittelbare Ähnlichkeit erkannt werden kann, wenn man berücksichtigt, dass die Schärfe der Konturen am Grabmal-Medaillon durch witterungsbedingte Einflüsse aufgrund der langjährigen exponierteren Lage unter freiem Himmel gelitten haben muss.

Ob hingegen ein nicht "Biografie-würdiger" Künstler namens "E. Delug" (Nachfahre/Verwandter oder zufälliger Namensvetter von Alois Delug) tatsächlich das Denkmal-Medaillon geschaffen hat, konnte nach aktuellem Stand der Recherchen nicht geklärt werden.

Rezeption in der Presse (Auswahl)

  • Wiener Zeitung, 24. Juni 1950, S. 4: "Gedenkfeier für Eugen Böhm-Bawerk"
  • Die Presse, 24. Juni 1950, S. 3: "Ehrung Böhm-Bawerks"
  • Das kleine Volksblatt, 24. Juni 1950, S. 6: "Gedenkfeier für Prof. Eugen Böhm-Bawerk"

Einzelnachweise

  1. Denkmal-Nr. 8 lt. Maisel 2007, S. 10, 33
  2. UAW Senat S 222.9 Protokoll
  3. UAW Senat S 222.9
  4. UAW Senat S 222.9
  5. Gall 1965, S. 63
  6. Maisel 2007, S. 33
  7. Delug Alois (Johann, Josef), in: Rudolf Schmidt, Österreichisches Künstlerlexikon, Band 1, Wien 1980, S. 406-407, Spalte 2, Zeilen 48-50
  8. Gall 1965, S. 63

Quellen

  • UAW, Senat S 222.9

Literatur

  • Gall 1965: Franz Gall, Kleiner Führer durch die Universität Wien, Wien 1965
  • Kanz 1993: Roland Kanz, Dichter und Gelehrte im Portrait, München 1993
  • Keune 2000: Keune Angelika, Gelehrtenbildnisse der Humboldt-Universität in Berlin, Berlin 2000
  • Jordanova 2000: Ludmilla Jordanova, Defining Features, London 2000
  • Mühlberger 2007: Kurt Mühlberger, Palast der Wissenschaft, Wien/Köln/Weimar 2007
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze, Wien/Köln/Weimar 2007

Weblinks



Herbert Kreiser, Julia Kögl