Denkmal Erwin Schrödinger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2 Lage des Denkmals, Nr. 112, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3 Signatur von Ferdinand Welz.

Das Denkmal für den Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger (1887-1961) wurde von Ferdinand Welz (1915-2008) bereits 1973 für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen. Nach einigen Verzögerungen wurde es am 2. April 1984 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal aus weißem Marmor zeigt Erwin Schrödinger leicht idealisiert und überlebensgroß. Schrödinger ist in mittlerem Alter abgebildet, was an dem zurückweichenden Haar und der gerunzelten Stirn zu erkennen ist. Die tiefliegenden Augen blicken starr, auch die Züge um den Mund wirken leicht verkniffen. Schrödinger weist außerdem ein sehr markantes Profil auf, welches ihm, in Kombination mit der leicht vorgeneigten Haltung, etwas Adlerhaftes verleiht. Der Porträtierte trägt eine Anzugsjacke und ein leger geöffnetes Hemd. Ferdinand Welz entschied sich Schrödinger ohne Brille darzustellen. Sein Ziel war es vermutlich wissenschaftliches Können und Gelehrtentum darzustellen.

Der Oberkörper ist querrechteckig und schließt direkt an einen Sockel von ca. 39,5 x 28,5 x 146 cm an. Welz signiert seine Büste auf der rechten Seite in der unteren rechten Ecke. (Abb. 3) Am Sockel sind der Name und die Lebensdaten Schödingers plastisch eingemeißelt und darunter die nach ihm benannte Schrödinger-Gleichung in vergoldeten Chiffren eingraviert.

Notizen zur dargestellten Person

Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger (*12. August 1887 in Wien-Erdberg; † 4. Januar 1961 in Wien) war ein österreichischer Physiker und Wissenschaftstheoretiker. Schrödinger gilt als einer der Begründer der Quantenmechanik und erhielt für die Entdeckung neuer produktiver Formen der Atomtheorie gemeinsam mit Paul Dirac 1933 den Nobelpreis für Physik. Sein Denkmal befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Abb. 4 Denkmal Hans Kelsen.
Abb. 5 Einladung zur feierlichen Aufstellung des Denkmals am 2.4.1984

Am 27.10.1971 stellte der Dekan der Philosophischen Fakultät, im Namen des Professorenkollegiums des Instituts für theoretische Physik, den Antrag auf ein Standbild für den 1961 verstorbenen Erwin Schrödinger. [1] Die Professoren hatten bereits am 8.10.1971 um die Errichtung eines Denkmals angesucht. [2] Am 10.12.1971 trifft beim Dekan der Philosophischen Fakultät ein Schreiben aus dem Rektorat ein, es verkündet, dass der Akademische Senat in der Sitzung vom 1.12.1971 der Aufstellung eines Standbildes für Erwin Schrödinger im Arkadenhof zugestimmt habe. Dem Brief liegen die Richtlinien für die Aufstellung eines Denkmals im Arkadenhof bei. Weiters wird erinnert, dass die Fakultät die finanziellen Mittel eigenständig aufbringen muss und, dass die Auswahl des Künstlers und des Aufstellungsortes des Denkmals mit der Kunstkommission abzuklären sei. [3]

Am 19.10.1973, fast zwei Jahre später, traf die Information ein, dass das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung bereit sei, die Kosten für das Denkmal zu übernehmen. [4] Die Aufstellung des Denkmals wird in die Hände von Professor Pietschmann gelegt, der sich bereit erklärt hatte sich darum zu kümmern. Ihm wird der bisherige Schriftverkehr zu diesem Thema übermittelt. [5] Am 28.11.1973 findet eine Sitzung der Kunstkommission statt, Ferdinand Welz ist ebenfalls anwesend. Neben den beiden Hauptpunkten der Kommission, der Aufstellung des Schrödinger Denkmals und der des Trubetzkoy Denkmals, entwickelt sich eine lebhafte Debatte über die Praxis der Aufstellung der Denkmäler im Arkadenhof, die Kommission möchte neue Richtlinien erlassen und alle Denkmäler prüfen. [6] Die Kunstkommission wendet sich auch an den Akademischen Senat, am 29.11.1973, und fordert von nun an immer von Beginn eines Denkmals an, in die Entscheidungen eingeweiht zu sein, da ihnen oftmals bereits fertige Kunstwerke oder fertige Entwürfe gebracht werden. [7] Am 29.11.1973 wird auch der Fakultät das Ergebnis der Sitzung verkündet, Ferdinand Welz ist auf Wunsch des Ministeriums bereits dabei das Denkmal auszuarbeiten; die Kommission kommt überein, dass sie gemeinsam mit Professor Pietschmann und dem Künstler die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten durchgehen und sich auf eine Fassung einigen werden. [8]

Am 22.4.1975 teilt der Dekan dem Akademischen Senat mit, dass die Professoren der theoretischen Physik in einer Sitzung am 15.3.1975, für eine Aufstellung des Schrödinger Denkmals im Institut für theoretische Physik gestimmt haben. [9] Die Professoren hoffen auf eine Aufstellung vor dem Jahr 1976, in dem sich die Entdeckung der Schrödinger-Gleichung zum 50. mal jährt. [10] Der Akademische Senat tagt im Juni, und beschließt die Aufstellung des Schrödinger-Denkmals im Institut für theoretische Physik, es wird eine Umsiedelung in den Arkadenhof in Aussicht gestellt, sobald dieser umgestaltet ist. [11] Am 9.6.1976 wird das Schrödinger-Denkmal schließlich am Institut für theoretische Physik aufgestellt. [12]

Am 9.6.1982, beinahe 10 Jahre später, ersuchen die Professoren der theoretischen Physik um Übersiedelung der Büste in den Arkadenhof. [13] Der Akademische Senat beschließt am 28.10.1982 einstimmig die Übersiedelung. [14] Es folgt eine Begehung des Arkadenhofes um eine geeignete Position für das Denkmal zu finden. Es erscheint eine Positionierung neben der Büste von Ludwig Boltzmann am einfachsten und besten. [15] Es erfolgen erste Kostenvoranschläge von Kunsttransportern. Am 19.5.1983 trifft ein Schreiben im Rektorat ein, welches erläutert wesshalb die Aufstellung des Denkmals neben Boltzmann eine schlechte Idee ist. Mit zahlreichen Fotos und Skizzen belegt, wird gezeigt wieso eine Aufstellung in der 4.Arkade neben Pirquet und Krafft-Ebing besser wäre. [16] Am 19.3.84 erfolgt endlich der Transport des Denkmals in den Arkadenhof. [17] Am 2.4.1984 erfolgt die feierliche Aufstellung des Schrödinger Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien. [18]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Ferdinand Welz hat neben dem Schrödinger Denkmal noch weitere Denkmäler für den Arkadenhof geschaffen, darunter auch das Denkmal für Hans Kelsen, das mit dem Schrödingers verglichen werden kann. (Abb. 4) Beide Denkmäler wurden im Jahr 1984 im Arkadenhof aufgestellt. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass die Schrödinger-Büste gut zehn Jahre älter ist. Für die Arbeiten von Ferdinand Welz ist charakteristisch, dass er die Porträtierten überlebensgroß und mit sehr markanten Gesichtszügen darstellt. Bei der Ausführung von Nase und Augenpartie sind Ähnlichkeiten zu finden, ebenso bei den Haaren. Es ist davon auszugehen, dass dieser ungewöhnlich geradlinige Stil mit markanten Profilen daher stammt, dass Welz Medailleur war, und es gewohnt war mit klaren Linien und Formen zu arbeiten.

Quellen

UAW= Universitätsarchiv Wien

  • UAW, Senat S.222.52, Antrag vom 27.10.1971.
  • UAW, Senat S.222.52, Antrag vom 8.10.1971.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief des Rektorats vom 10.12.1971.
  • UAW, Senat S.222.52, Notiz vom 22.10.1973.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 22.10.1973.
  • UAW, Senat S.222.52, Sitzungsprotokoll vom 28.11.1973.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief an den Senat vom 29.11.1973.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief an die Fakultät vom 29.11.1973.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief der Professoren vom 28.1.1975.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief an den Senat vom 22.4.1975.
  • UAW, Senat S.222.52, Sitzungsprotokoll vom 1.7.1975.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 9.6.1976.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 9.6.1982.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 12.11.1982.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 29.4.1983.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 19.5.1983.
  • UAW, Senat S.222.52, Brief vom 14.3.1984.
  • UAW, Senat S.222.52, Einladung für den 2.4.1984.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat S.222.52, 27.10.1971.
  2. UAW, Senat S.222.52, 8.10.1971.
  3. UAW, Senat S.222.52, 10.12.1971.
  4. UAW, Senat S.222.52, 22.10.1973.
  5. UAW, Senat S.222.52, 22.10.1973.
  6. UAW, Senat S.222.52, 28.11.1973.
  7. UAW, Senat S.222.52, 29.11.1973.
  8. UAW, Senat S.222.52, 29.11.1973.
  9. UAW, Senat S.222.52, 22.4.1975.
  10. UAW, Senat S.222.52, 28.1.1975.
  11. UAW, Senat S.222.52,1.7.1975.
  12. UAW, Senat S.222.52, 9.6.1976.
  13. UAW, Senat S.222.52, 9.6.1982
  14. UAW, Senat S.222.52, 12.11.1982
  15. UAW, Senat S.222.52, 29.4.1983.
  16. UAW, Senat S.222.52, 19.5.1983.
  17. UAW, Senat S.222.52, 14.3.1984.
  18. UAW, Senat S.222.52, 2.4.1984.

Literatur

  • Thomas Maisel: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Wien / Köln / Weimar 2007.
  • Thomas Maisel: Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen. Wien 1990.
  • Dieter Flamm: Ansprache zur Enthüllung einer Büste von Erwin Schrödinger, Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien 1977.

Weblinks

Darstellungen


Julia Kögl, Martin Engel