Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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[[bild:Maisel plan markiert 125.png|thumb||Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 125, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.<ref>Maisel 2007, S. 10.</ref>]]
 
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Das Denkmal von dem Bildhauer [[Otto König]] stellt den Physiologen [[Ernst Wilhelm von Brücke]] dar und wurde am 7. Jänner 1894 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
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Das Denkmal für den Mediziner [[Ernst Wilhelm von Brücke]] (1819-1892) wurde von dem Bildhauer [[Otto König]] (1838-1920) für den [[Arkadenhof der Universität Wien]] geschaffen und am 7. Jänner 1894 enthüllt.
  
 
== Beschreibung ==
 
== Beschreibung ==
[[Bild:P1020229.jpg|thumb|mini|250px|Abb. 3 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Detail der Vorderansicht, 1894]]
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[[Bild:P1020233.jpg|thumb||Abb. 3 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Detail der Ädikula mit der Halbfigur E.W.v.B. 1894]]
[[Bild:P1020233.jpg|thumb|mini|250px|Abb. 4 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Detail der Ädikula mit der Halbfigur E.W.v.B. 1894]]
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Das Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien wandseitig im rechten Arkadengang (Abb. 2).
Das Denkmal von Ernst Wilhelm von Brücke befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien an der Wand des rechten Arkadengangs, es ist das zweitletzte bevor dem Aufgang der Stiege 8. Nach der Einordnung Thomas Maisels, trägt es die Nummerierung 125 (Abb. 2).
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[[Bild:P1020231.jpg|thumb||Abb. 4 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Detail der Muse, 1894]]
[[Bild:P1020231.jpg|thumb|mini|250px|Abb. 5 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Detail der Muse, 1894]]
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[[Bild:P1020234.jpg|thumb||Abb. 5 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Seitenansicht, 1894]]
[[Bild:P1020234.jpg|thumb|mini|250px|Abb. 6 [[Otto König]], Denkmal [[Ernst Wilhelm von Brücke]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]], Seitenansicht, 1894]]
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Auf einer weißen Marmorverkleidung, erhebt sich eine Kanzel auf der der porträtierte Ernst Wilhelm von Brücke in einer bronzenen Halbfigur dargestellt wurde. Drei angedeutete Stufen führen zur Ädikular, im der der porträtierte Stehend dargestellt ist, die mit einem Giebel mit Voluten abschließt. Über diesem erhebt sich ein Gefäß, um das sich eine Schlange windet. Den Giebel umgeben zwei Pilaster korinthischer Ordnung, deren Apohygen auf einem Gesims ruhen. Darunter ist die Inschrifttafel angebracht, auf den in goldenen Lettern „ERNESTVS COVES DE BRUECKE NATUS BEROL I DIE VI IVN A M DCCCXVIIII MORTVVS VINDOBONAE DIE VII IAN A MDCCCLXXXXII IN HAC VNIVERSITATE PROFESSOR PHYSIOLOGIAE AD A MDCCCXXXXVIIII AD A MDCCCLXXXX.  
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Das auffällige Denkmal setzt sich aus mehreren Bestandteilen in unterschiedlichen Materialien zusammen. Der porträtierte Physiologe selbst ist in Bronze als Halbfigur ausgeführt. Ganz in der Tradition des Gelehrtenporträts ist Brücke standesgemäß im Sinne des Geistesadels gekleidet. Er trägt einen weiten Talar mit Pelzbesatz und auf dem Kopf ein Barett. Sein Blick wendet sich nicht dem Betrachter zu, sondern ist konzentriert auf seine Beschäftigung mit dem Mikroskop, das vor ihm steht. Seitlich, ebenfalls in Bronze, verweisen auf seine Forschungen in der Zellphysiologie und der Farbwahrnehmung.
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Gerahmt wird die Halbfigur von einer marmornen Ädikula, die im Hintergrund eine Nische mit Muschelmotiv ausbildet. Als Bekrönung des geschweiften Ädikulagiebels verwendete der Bildhauer das Motiv der Äskulapnatter mit Trinkschale, das auf Brückes Profession als Mediziner hinweist.
  
Unter der Ädikular ist in Bronze lebensgroß eine Muse dargestellt, deren Arme die Inschrifttafel umrahmen, und in ihrer Rechten eine kleine Figur der Göttin Nike in die Höhe hebt und mit der linken einen Lobeerast hält. Der Körper der Muse scheint unter dem Denkmal gzu schweben und ihr Gewand ist dekorativ um ihre Gestalt drapiert. Neben ihr ist eine freistehende Inschrift zu lesen: „MAGISRTO SVAE ARTIS PRINCIPI AMICI ET DISCIPVLI CVM AUSTRIAE DIVERSIS PROVINCIIS TVM AMERICAE FOEDERATIS CIVITATIBVS CANADAQUE ANGLIA HOLLANDIA BELGIA UNGARIA GALLIA ITALIA GERMANIA RUSSIA HELVETIA SVECIA ORIVNDI PIETATIS ERGO D D.
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Unter dem Porträt ist folgende Inschrift angebracht: „ERNESTVS COVES DE BRUECKE NATUS BEROL I DIE VI IVN A M DCCCXVIIII MORTVVS VINDOBONAE DIE VII IAN A MDCCCLXXXXII IN HAC VNIVERSITATE PROFESSOR PHYSIOLOGIAE AD A MDCCCXXXXVIIII AD A MDCCCLXXXX.  
  
Hinter der Darstellung Ernst Wilhelm von Brücke ist ein Muschelelement angebracht, das noch mehr den Anschein einer gerade abgehaltenen Lehrtätigkeit des Physiologen auf der Kanzel unterstützt. Der Arzt selbst ist in einem großen Mantel mit Pelzbesatz gekleidet, bei dem darunter ein Anzug mit Fliege hervor sticht und sein Haupt schmückt eine Kopfbedeckung, die aussieht wie ein Barett. Ernst Wilhelm von Brücke hält den Kopf gesenkt mit einer konzentrierten Mimik und seine Hände sind über einem Mikroskop in einem Redegestus ausgestreckt. Über die scheinbar angebrachte Kanzel ist ein Tuch gelegt das über den Giebel hinaus fällt und den Blick des Betrachters auf die Inschrifttafel leitet. Dies wird zudem von dem Kopf der Muse unterstützt die sich ebenfalls ehrergiebig der Tafel zuwendet.  
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Wiederum in Bronze schwebt eine Muse von unten zum Denkmal und bildet mit ihren Armen einen Rahmen unter der Ädikula. In ihrer linken Hand hält sie einen Lorbeerzweig und in ihrer Rechten eine Statuette der Siegesgöttin Nike. Damit verweist sie auf den Ruhm des Mediziners. Neben ihr verweist eine Inschrift auf die Förderer dieses Denkmals: „MAGISRTO SVAE ARTIS PRINCIPI AMICI ET DISCIPVLI CVM AUSTRIAE DIVERSIS PROVINCIIS TVM AMERICAE FOEDERATIS CIVITATIBVS CANADAQUE ANGLIA HOLLANDIA BELGIA UNGARIA GALLIA ITALIA GERMANIA RUSSIA HELVETIA SVECIA ORIVNDI PIETATIS ERGO D D.
  
 
== Notizen zur dargestellten Person ==
 
== Notizen zur dargestellten Person ==
[[Ernst Wilhelm von Brücke]] (1819-1892) war ein Physiologe und ersten Rektor mit evangelischer Konfession der Wiener Universität.<ref> Maisel, T. (2007). Gelehrten Porträt in Stein und Bronze. Die Denkmähler im Arkadenhof der Universität Wien, Böhlau Verlag Wien/Köln/Weimar, S. 93.</ref> Brücke befasst sich mit physiologischen Vorgängen die an Bewegung, Verdauung und Reizweiterleitung beteiligt sind,<ref> Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.</ref> aber auch mit der Optik und der Farbenlehre im Grenzbereich zwischen Physik und Physiologie sowie mit medizinischer Chemie. Er gilt als Begründer der österreichischen Physiologen-Schule.<ref> Maisel, T. (2007). Gelehrten Porträt in Stein und Bronze. Die Denkmähler im Arkadenhof der Universität Wien, Böhlau Verlag Wien/Köln/Weimar, S. 93.</ref>
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[[Ernst Wilhelm von Brücke]] (1819-1892) war Physiologe und ersten Rektor mit evangelischer Konfession der Wiener Universität.<ref> Maisel 2007, S. 93.</ref> Brücke befasste sich mit den physiologischen Vorgängen, die an Bewegung, Verdauung und Reizweiterleitung beteiligt sind,<ref> Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.</ref> aber auch mit der Optik und der Farbenlehre im Grenzbereich zwischen Physik und Physiologie sowie mit medizinischer Chemie. Er gilt als Begründer der österreichischen Physiologen-Schule.<ref> Maisel 2007, S. 93.</ref>
  
 
== Entstehungsgeschichte ==
 
== Entstehungsgeschichte ==
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„Der hohe academische Senat hat über Ihren Antrag in der Sitzung vom 3. d. J. den Beschluss gefasst für die Enthüllung des Brücke Denkmals des Mittelteils jenes Bogens der Arkaden der (kein Aufgange) links von dem zum Buffet führenden Rings VIII liegt, zu den Stimmen, ferner der Aufstellung des Denkmals in der Form, wie die vorletzten Skizze zeigt, zu gestalten und die von der artistischen Commision progenirte Inschrift zu genehmigen“<ref>UAW, Senat S 93.13/1.</ref>
 
„Der hohe academische Senat hat über Ihren Antrag in der Sitzung vom 3. d. J. den Beschluss gefasst für die Enthüllung des Brücke Denkmals des Mittelteils jenes Bogens der Arkaden der (kein Aufgange) links von dem zum Buffet führenden Rings VIII liegt, zu den Stimmen, ferner der Aufstellung des Denkmals in der Form, wie die vorletzten Skizze zeigt, zu gestalten und die von der artistischen Commision progenirte Inschrift zu genehmigen“<ref>UAW, Senat S 93.13/1.</ref>
  
Der Senatsbeschluss ist in Kurrentschrift in einer sehr ausladenden Schriftart vom dem Rektor Ernst Ludwig festgehalten worden, die es schwer lesbar macht. Deshalb ist der Beschluss in einer Fotografie (Abb. 7) in den Darstellungen abgebildet, die vielleicht von einem Experten für Kurrentakten entziffern werden könnte. Ich selbst konnte bis auf den oben angeführten Satz, einigen Schlagwörtern und die Information, das der Künstler Otto König beauftragt wurde das Denkmal auszuführen, nur sehr wenig herauslesen. Eine sehr deutliche Information war jedoch das das Denkmal vor Braun-Fernwald enthüllt werden sollte, der bei der Enthüllungsfeier ausdrücklich zugegen sein sollte. Innerhalb des Senatakts findet sich auch eine genaue Abschrift der Inschriften, die auf dem Denkmal platziert werden sollten mit eingefügten Änderungen.<ref>UAW, Senat S 93.13/1.</ref> Der erste Satz des Senatsbeschlusses vom 09.03. 1893 verweist zudem auf eine Skizze, es ist dementsprechend anzunehmen das es eine lange Planungszeit gab, indem wahrscheinlich, das noch erhaltene Modell des Denkmals (Abb. 8, 9) besprochen und genehmigt wurde.
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In einem Brief der Exekutiv-Kommites zur Errichtung des Denkmals vom 03.07.1897 an den Rektor der Universität, wird deutlich, dass es von "Schüler, Fachgenossen, Freunden und Verehrern Ernst Wilhelm von Brückes" finanziert wurde.<ref>UAW, Senat S 93.13/1.</ref> Des weiteren wird in diesem Dokument gebeten, dass das Denkmal in den Besitz der Universität aufgenommen wird. Im Anhang des Schriftstücks sind die Namen der nationalen und internationalen Spender angeführt, unter denen sehr bekannte Namen wie [[Theodor Billroth]], [[Ernst Fuchs]], Familie Fleischl von Marxow (Verwandte von [[Ernst Fleischl von Marxow]]), [[Leopold von  Dittel]], [[Ferdinand von Hebra]], [[Ernst Ludwig]] und [[Sigmund Freud]] zu finden sind. Zusätzlich zu den genannten Professoren und Wissenschaftlern förderten jedoch auch andere wie der Wiener Buchhändler Braumüller und sein Sohn das Denkmal des Physiologen finanziell. Darüber hinaus unterstützten auch 12 medizinische Vereine und Gesellschaften die Errichtung des Denkmals für den berühmten Physiologen.
 
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In dem Brief der Exekutiv-Kommites zur Errrichtung des Denkmals vom 03.07.1897 an den Rektor der Universität, wird deutlich das es von "Schüler, Fachgenossen, Freunden und Verehrern Ernst Wilhelm von Brücke`s" finanziert wurde.<ref>UAW, Senat S 93.13/1.</ref> Des weiteren wird in diesem Dokument gebeten, das das Denkmal in den Besitz der Universität aufgenommen wird. Im Anhang des Schriftstücks sind die Namen der nationalen und internationalen Spender angeführt, unter denen sehr bekannte Namen wie [[Theodor Billroth]], [[Ernst Fuchs]], Familie Fleischl von Marxow (Verwandte von [[Ernst Fleischl von Marxow]]), [[Leopold von  Dittel]], [[Ferdinand von Hebra]], [[Ernst Ludwig]] und [[Sigmund Freud]] zu finden sind. Zu diesen renomierten Professoren und Wissenschaftler haben jedoch auch normale Bürger wie der Wiener Buchhändler Braumüller und Sohn das Denkmal des Physiologen finanziell unterstützt. Neben den 659 Unterschriften haben auch 12 medizinische Vereine und Gesellschaften den Bau des Denkmals für den berühmten Physiologen unterstützt.
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== Kunsthistorischer Vergleich und Analyse ==
 
== Kunsthistorischer Vergleich und Analyse ==
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Das Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke sticht unter den anderen in seiner Gestaltung heraus. Neben der herausragenden Größe ist besonders die Kombination aus unterschiedlichen Materialien bemerkenswert.
  
Das Denkmal von Ernst Wilhelm von Brücke ist ein sehr besonderes unter den vielen Reliefs und Büsten Gelehrter Männer des Arkadenhofs der Universität Wien. Nur wenige von Ihnen erhielten ein großangelegtes Monument, mit so vielen Verweisen auf das eigene Leben und Werk. Ebenfalls erstaunend sind die große Detailgenauigkeit von dem Porträtierten und die große Kreativität, die eingesetzt wurden um diesen gebührend zu ehren.
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Das Bildnis des evangelischen Gelehrten ist das einzige im Arkadenhof, das durch die Bekleidung mit Talar und Barett auf die traditionellen Gelehrtenporträts in der Malerei oder im besonderen auf die Rektorenbildnisse der Universität Wien anspielt.
 
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Zum Vergleich gibt es die Denkmäler von Theodor Billroth und Franz Stefan, deren Gestaltung ähnlich gelöst wurde, beide Wissenschaftler sind Halbfigürig mit den Symbolen, die auf ihr Schaffen verweisen, in einer Ädikula mit Dreiecksgiebel abgebildet. Sowohl dieses architektonische Element, wie auch die halbfigürliche Darstellung sind sehr gut mit dem Denkmal Ernst Wilhelm von Brückes zu vergleichen. Ebenfalls auffallend ist die kreisrunde Behandlung des Hintergrunds der drei Plastiken, die einen Verweis auf eine Kanzel darstellt. Alle drei Denkmäler haben die Aufgabe den Dargestellten wie auf eine Theaterbühne zu erhöhen und einen kleinen Ausschnitt aus dessen Leben, so lebendig als möglich, zu veranschaulichen.
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Dennoch muss festgehalten werden, dass das Denkmal von Ernst Wilhelm von Brücke durch die zwei verschieden eingesetzten Materialen, und der stärkeren Hinwendung an den Betrachter ein viel größerer dekorativer Charakter innewohnt. Auch ist die Verwendung von einer lebensgroßen Muse einzigartig, die fast schon barock anmutend das Motiv der Renaissance-Ädikula als klassisches Gelehrtendenkmal auflockert.
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== Quellen ==
 
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== Darstellungen ==
 
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Bild:1554572_753685648008134_2753332168020871984_n.jpg|Abb. 7 Fotografie des Senatbeschlusses vom 09.03.1893.
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Bild:1554572_753685648008134_2753332168020871984_n.jpg|Abb. 6 Fotografie des Senatbeschlusses vom 09.03.1893.
Bild:Bruecke Medizin.jpg|Abb. 8 Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke im Physiologischen Institut der medizinischen Universität Wien.
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Bild:Bruecke Medizin.jpg|Abb. 7 Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke im Physiologischen Institut der medizinischen Universität Wien.
 
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Aktuelle Version vom 24. Oktober 2014, 12:14 Uhr

Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 125, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal für den Mediziner Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) wurde von dem Bildhauer Otto König (1838-1920) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7. Jänner 1894 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3 Otto König, Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke im Arkadenhof der Universität Wien, Detail der Ädikula mit der Halbfigur E.W.v.B. 1894

Das Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien wandseitig im rechten Arkadengang (Abb. 2).

Das auffällige Denkmal setzt sich aus mehreren Bestandteilen in unterschiedlichen Materialien zusammen. Der porträtierte Physiologe selbst ist in Bronze als Halbfigur ausgeführt. Ganz in der Tradition des Gelehrtenporträts ist Brücke standesgemäß im Sinne des Geistesadels gekleidet. Er trägt einen weiten Talar mit Pelzbesatz und auf dem Kopf ein Barett. Sein Blick wendet sich nicht dem Betrachter zu, sondern ist konzentriert auf seine Beschäftigung mit dem Mikroskop, das vor ihm steht. Seitlich, ebenfalls in Bronze, verweisen auf seine Forschungen in der Zellphysiologie und der Farbwahrnehmung. Gerahmt wird die Halbfigur von einer marmornen Ädikula, die im Hintergrund eine Nische mit Muschelmotiv ausbildet. Als Bekrönung des geschweiften Ädikulagiebels verwendete der Bildhauer das Motiv der Äskulapnatter mit Trinkschale, das auf Brückes Profession als Mediziner hinweist.

Unter dem Porträt ist folgende Inschrift angebracht: „ERNESTVS COVES DE BRUECKE NATUS BEROL I DIE VI IVN A M DCCCXVIIII MORTVVS VINDOBONAE DIE VII IAN A MDCCCLXXXXII IN HAC VNIVERSITATE PROFESSOR PHYSIOLOGIAE AD A MDCCCXXXXVIIII AD A MDCCCLXXXX.

Wiederum in Bronze schwebt eine Muse von unten zum Denkmal und bildet mit ihren Armen einen Rahmen unter der Ädikula. In ihrer linken Hand hält sie einen Lorbeerzweig und in ihrer Rechten eine Statuette der Siegesgöttin Nike. Damit verweist sie auf den Ruhm des Mediziners. Neben ihr verweist eine Inschrift auf die Förderer dieses Denkmals: „MAGISRTO SVAE ARTIS PRINCIPI AMICI ET DISCIPVLI CVM AUSTRIAE DIVERSIS PROVINCIIS TVM AMERICAE FOEDERATIS CIVITATIBVS CANADAQUE ANGLIA HOLLANDIA BELGIA UNGARIA GALLIA ITALIA GERMANIA RUSSIA HELVETIA SVECIA ORIVNDI PIETATIS ERGO D D.“

Notizen zur dargestellten Person

Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) war Physiologe und ersten Rektor mit evangelischer Konfession der Wiener Universität.[2] Brücke befasste sich mit den physiologischen Vorgängen, die an Bewegung, Verdauung und Reizweiterleitung beteiligt sind,[3] aber auch mit der Optik und der Farbenlehre im Grenzbereich zwischen Physik und Physiologie sowie mit medizinischer Chemie. Er gilt als Begründer der österreichischen Physiologen-Schule.[4]

Entstehungsgeschichte

Senatsbeschluss von 9.3.1893 eingebracht von Prof. Sigmund Exner: „Der hohe academische Senat hat über Ihren Antrag in der Sitzung vom 3. d. J. den Beschluss gefasst für die Enthüllung des Brücke Denkmals des Mittelteils jenes Bogens der Arkaden der (kein Aufgange) links von dem zum Buffet führenden Rings VIII liegt, zu den Stimmen, ferner der Aufstellung des Denkmals in der Form, wie die vorletzten Skizze zeigt, zu gestalten und die von der artistischen Commision progenirte Inschrift zu genehmigen“[5]

In einem Brief der Exekutiv-Kommites zur Errichtung des Denkmals vom 03.07.1897 an den Rektor der Universität, wird deutlich, dass es von "Schüler, Fachgenossen, Freunden und Verehrern Ernst Wilhelm von Brückes" finanziert wurde.[6] Des weiteren wird in diesem Dokument gebeten, dass das Denkmal in den Besitz der Universität aufgenommen wird. Im Anhang des Schriftstücks sind die Namen der nationalen und internationalen Spender angeführt, unter denen sehr bekannte Namen wie Theodor Billroth, Ernst Fuchs, Familie Fleischl von Marxow (Verwandte von Ernst Fleischl von Marxow), Leopold von Dittel, Ferdinand von Hebra, Ernst Ludwig und Sigmund Freud zu finden sind. Zusätzlich zu den genannten Professoren und Wissenschaftlern förderten jedoch auch andere wie der Wiener Buchhändler Braumüller und sein Sohn das Denkmal des Physiologen finanziell. Darüber hinaus unterstützten auch 12 medizinische Vereine und Gesellschaften die Errichtung des Denkmals für den berühmten Physiologen.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke sticht unter den anderen in seiner Gestaltung heraus. Neben der herausragenden Größe ist besonders die Kombination aus unterschiedlichen Materialien bemerkenswert.

Das Bildnis des evangelischen Gelehrten ist das einzige im Arkadenhof, das durch die Bekleidung mit Talar und Barett auf die traditionellen Gelehrtenporträts in der Malerei oder im besonderen auf die Rektorenbildnisse der Universität Wien anspielt.

Quellen

UAW, Senat S., Artistische Kommission: Fertige Denkmäler A-G (1886-1955), S. 93.13 Brücke, Ernst, Denkmal im Arkadenhof, 1893-1894 (Akt).

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. Maisel 2007, S. 93.
  3. Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.
  4. Maisel 2007, S. 93.
  5. UAW, Senat S 93.13/1.
  6. UAW, Senat S 93.13/1.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 50.

Weblinks

Darstellungen


Julia Kögl