Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 125, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal für den Mediziner Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) wurde von dem Bildhauer Otto König (1838-1920) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7. Jänner 1894 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3 Otto König, Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke im Arkadenhof der Universität Wien, Detail der Ädikula mit der Halbfigur E.W.v.B. 1894

Das Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien wandseitig im rechten Arkadengang (Abb. 2).

Das auffällige Denkmal setzt sich aus mehreren Bestandteilen in unterschiedlichen Materialien zusammen. Der porträtierte Physiologe selbst ist in Bronze als Halbfigur ausgeführt. Ganz in der Tradition des Gelehrtenporträts ist Brücke standesgemäß im Sinne des Geistesadels gekleidet. Er trägt einen weiten Talar mit Pelzbesatz und auf dem Kopf ein Barett. Sein Blick wendet sich nicht dem Betrachter zu, sondern ist konzentriert auf seine Beschäftigung mit dem Mikroskop, das vor ihm steht. Seitlich, ebenfalls in Bronze, verweisen auf seine Forschungen in der Zellphysiologie und der Farbwahrnehmung. Gerahmt wird die Halbfigur von einer marmornen Ädikula, die im Hintergrund eine Nische mit Muschelmotiv ausbildet. Als Bekrönung des geschweiften Ädikulagiebels verwendete der Bildhauer das Motiv der Äskulapnatter mit Trinkschale, das auf Brückes Profession als Mediziner hinweist.

Unter dem Porträt ist folgende Inschrift angebracht: „ERNESTVS COVES DE BRUECKE NATUS BEROL I DIE VI IVN A M DCCCXVIIII MORTVVS VINDOBONAE DIE VII IAN A MDCCCLXXXXII IN HAC VNIVERSITATE PROFESSOR PHYSIOLOGIAE AD A MDCCCXXXXVIIII AD A MDCCCLXXXX.

Wiederum in Bronze schwebt eine Muse von unten zum Denkmal und bildet mit ihren Armen einen Rahmen unter der Ädikula. In ihrer linken Hand hält sie einen Lorbeerzweig und in ihrer Rechten eine Statuette der Siegesgöttin Nike. Damit verweist sie auf den Ruhm des Mediziners. Neben ihr verweist eine Inschrift auf die Förderer dieses Denkmals: „MAGISRTO SVAE ARTIS PRINCIPI AMICI ET DISCIPVLI CVM AUSTRIAE DIVERSIS PROVINCIIS TVM AMERICAE FOEDERATIS CIVITATIBVS CANADAQUE ANGLIA HOLLANDIA BELGIA UNGARIA GALLIA ITALIA GERMANIA RUSSIA HELVETIA SVECIA ORIVNDI PIETATIS ERGO D D.“

Notizen zur dargestellten Person

Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) war Physiologe und ersten Rektor mit evangelischer Konfession der Wiener Universität.[2] Brücke befasste sich mit den physiologischen Vorgängen, die an Bewegung, Verdauung und Reizweiterleitung beteiligt sind,[3] aber auch mit der Optik und der Farbenlehre im Grenzbereich zwischen Physik und Physiologie sowie mit medizinischer Chemie. Er gilt als Begründer der österreichischen Physiologen-Schule.[4]

Entstehungsgeschichte

Senatsbeschluss von 9.3.1893 eingebracht von Prof. Sigmund Exner: „Der hohe academische Senat hat über Ihren Antrag in der Sitzung vom 3. d. J. den Beschluss gefasst für die Enthüllung des Brücke Denkmals des Mittelteils jenes Bogens der Arkaden der (kein Aufgange) links von dem zum Buffet führenden Rings VIII liegt, zu den Stimmen, ferner der Aufstellung des Denkmals in der Form, wie die vorletzten Skizze zeigt, zu gestalten und die von der artistischen Commision progenirte Inschrift zu genehmigen“[5]

In einem Brief der Exekutiv-Kommites zur Errichtung des Denkmals vom 03.07.1897 an den Rektor der Universität, wird deutlich, dass es von "Schüler, Fachgenossen, Freunden und Verehrern Ernst Wilhelm von Brückes" finanziert wurde.[6] Des weiteren wird in diesem Dokument gebeten, dass das Denkmal in den Besitz der Universität aufgenommen wird. Im Anhang des Schriftstücks sind die Namen der nationalen und internationalen Spender angeführt, unter denen sehr bekannte Namen wie Theodor Billroth, Ernst Fuchs, Familie Fleischl von Marxow (Verwandte von Ernst Fleischl von Marxow), Leopold von Dittel, Ferdinand von Hebra, Ernst Ludwig und Sigmund Freud zu finden sind. Zusätzlich zu den genannten Professoren und Wissenschaftlern förderten jedoch auch andere wie der Wiener Buchhändler Braumüller und sein Sohn das Denkmal des Physiologen finanziell. Darüber hinaus unterstützten auch 12 medizinische Vereine und Gesellschaften die Errichtung des Denkmals für den berühmten Physiologen.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke sticht unter den anderen in seiner Gestaltung heraus. Neben der herausragenden Größe ist besonders die Kombination aus unterschiedlichen Materialien bemerkenswert.

Das Bildnis des evangelischen Gelehrten ist das einzige im Arkadenhof, das durch die Bekleidung mit Talar und Barett auf die traditionellen Gelehrtenporträts in der Malerei oder im besonderen auf die Rektorenbildnisse der Universität Wien anspielt.

Quellen

UAW, Senat S., Artistische Kommission: Fertige Denkmäler A-G (1886-1955), S. 93.13 Brücke, Ernst, Denkmal im Arkadenhof, 1893-1894 (Akt).

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. Maisel 2007, S. 93.
  3. Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.
  4. Maisel 2007, S. 93.
  5. UAW, Senat S 93.13/1.
  6. UAW, Senat S 93.13/1.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 50.

Weblinks

Darstellungen


Julia Kögl