Denkmal Ernst Späth

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Heinrich Zita Denkmal Ernst Späth im Arkadenhof der Universität Wien, Detail.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 41, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal für den Chemiker Ernst Späth (1886-1946) wurde von Heinrich Zita (1882-1951) geschaffen und am 13. Mai 1961 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Die etwa lebensgroße Porträtbüste zeigt Ernst Späth als einen Mann mittleren Alters. Der Dargestellte trägt Hemd mit Fliege, Weste und Jackett. Das Gesicht ist naturalistisch dargestellt. Die Gesichtszüge wirken durch die Falten und den markanten Leberfleck auf der Wange lebensnah. Die Augen sind mit unruhigen Konturen wiedergegeben und wirken dadurch recht lebendig. Obwohl sich die Büste auf Augenhöhe mit dem Betrachter befindet, scheint der Blick des Dargestellten mit ernstem Ausdruck ins Leere zu schweifen. Die Schulterpartie ist mit kurzen Armansätzen ausgebildet. Im Gegensatz zu der relativ glatten Oberfläche des Kopfes ist die Kleidung gröber bearbeitet und weist breitere Schraffuren auf, um den Eindruck einer anderen Materialität und Textur zu erzeugen. Ein schmuckloser Marmorsockel bildet die Basis für die Bronzebüste von Ernst Späth. Im oberen Bereich des Sockels befinden sich Name, Titel und Lebensdaten des Professors in schwarzen Lettern eingraviert. Der Übergang zwischen Postament und Büste ist hart. Die Büste schließt im Brustbereich völlig gerade ab und ist direkt auf dem geraden Sockel montiert. Auffällig ist, dass die Büste breiter als der darunter anschließende Sockel ist.

Notizen zur dargestellten Person

Ernst Späth war Chemiker und Professor an der Universität Wien. Er beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der organisch-chemischen Forschung in Österreich. Späth konzentrierte sich auf die Erforschung der Alkaloide und es gelang ihm, den molekularen Aufbau von 120 Pflanzenstoffen zu beschreiben.[2]

Entstehungsgeschichte

Abb. 4: Skizze Denkmal Ernst Späth.
Abb. 5: Einladung zur Gedenkfeier, 1961.

Wann genau Heinrich Zita die Porträtbüste von Ernst Späth, der am 30.9.1946 im Alter von 60 Jahren in Zürich gestorben ist, angefertigt hat, ist bislang nicht bekannt. Vermutlich entstand sie noch zu seinen Lebzeiten, wohl kurz vor seinem Tod.

Am 13.1. 1961 wird in einem Schreiben an den Hohen Akademischen Senat der Universität Wien von den Vorständen der Chemischen Institute der Philosophischen Fakultät berichtet, dass die Aufstellung eines Denkmals für Professor Dr. Ernst Späth beantragt wurde. Das Denkmal solle anlässlich des 75. Geburtstages von Ernst Späth errichtet werden. Der für diesen Antrag notwendige Beschluss des Professorenkollegiums soll in der Fakultätssitzung am 30.1. gefasst werden. [3] Der unterfertige Dekan erwähnt auch, dass für die Aufbringung der finanziellen Mittel gesondert gesorgt wird.[4]

In einem Brief vom 19.1. 1961 bittet der Vorstand des Organisch-Chemischen Institutes der Universität Wien, Prof. Dr. Friedrich Wessely, den Rektor der Universität Dr. Othmar Kühn, um finanzielle Unterstützung. Aus dem Schreiben geht hervor, dass Prof. Wessely bereits Offerte für die Anfertigung von Büste und Sockel eingeholt habe, die zusammen 13.200 Schilling ausmachen würden. Prof. Wessely ersucht nun das Rektorat 5.000 Schilling zur Errichtung des Denkmals im Arkadenhof beizusteuern.[5] Auf dieses Schreiben antwortete Rektor Kühn am 27.1.1961, dass er bereit ist, 5.000 Schilling aus dem Universitäts-Kanzleifonds für die geplante Errichtung des Denkmales zur Verfügung zu stellen. [6]

Am 7. Februar teilt der Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Wien mit, dass in der Sitzung vom 31.1.1961 einstimmig beschlossen wurde, beim Hohen Akademischen Senat der Universität Wien die Aufstellung der erwähnten Büste zu beantragen.[7] Aus einem Schreiben der Kunsthandwerklichen Werkstätte und Bronzewarenerzeugung Josef Hammer geht hervor, dass die Firma mit der Herstellung der Porträtbüste samt Marmorsockel beauftragt wurde. Eine Skizze von Büste und Sockel legte Josef Hammer dem Schreiben an Prof. Dr. Fritz Eichler, vom 9.3.1961 bei (Abb.2). In dem Schreiben wird erwähnt, dass die Büste von dem verstorbenen Bildhauer Prof. Zita stamme und nun von der Werkstätte Hammer aus Bronze gegossen wurde. [8]

Am 25. März teilt der Kunstausschuss seine Zweifel bezüglich der bereits gegossenen Büste mit. Der Ausschuss übt Kritik an der formalen Gestaltung und empfiehlt eine Aufstellung im Institut. [9] Am 25. April 1961 berichtet jedoch der Vorsitzende des akademischen Senates, dass der Kunstausschuss auf Grund der Tatsache, dass von Heinrich Zita auch das bereits 1949 enthüllte Denkmal für Rudolf Wegscheider stammt, nachträglich doch zugestimmt habe, das Denkmal im Arkadenhof aufzustellten. [10] Am Samstag, dem 13. Mai 1961 um 11:00 fand im Zuge der Gedenkfeier für Prof. Dr. Ernst Späth die Enthüllung des Denkmals im Arkadenhof statt (Abb.3). [11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Bezüglich des Denkmals von Ernst Späth (Abb. 1), ist die Tatsache wichtig, dass der Entwurf von Heinrich Zita stammt, jedoch der Guß von Josef Hammer ausgeführt wurde. Heinrich Zitas Streben war es, in seinen Porträtbüsten das Wesentliche und Charakteristische einer Person darzustellen. Als Vergleich lässt sich hier die lebensnahe Porträtbüste von Rudolf Wegscheider heranziehen, die ebenfalls von Zita geschaffen wurde (Abb.6).

Die beiden Büsten ähneln einander in ihrem Gesamteindruck. Beide Büsten ruhen auf einem schlichten hellen Sockel, der einen Kontrast zu der dunklen Bronzebüste herstellt. Der helle Marmorsockel ist in beiden Fällen schlicht gestaltet. Beide Männer tragen einen bürgerlichen Straßenanzug und nichts deutet auf ihre Tätigkeit hin. Sowohl bei Weigscheider, als auch bei Späth, ist der Kopf in Frontalansicht dargestellt. Bei beiden Büsten sind die Gesichtsfalten und die teilweise erschlaffte Haut, naturalistisch dargestellt. Das Gesicht ist bei beiden fein und detailreich ausgeführt, hingegen ist in beiden Fällen die Oberfläche des Gewandes gröber und mit breiteren Schraffuren gestaltet. Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass die Büste von Ernst Späth etwas feiner ausgeführt wurde. Die naturalistische Gestaltungsweise zieht sich demnach durch Zitas Schaffen.

Heinrich Zita war mit dem künstlerischen Impuls, der von Frankreich ausgegangen war, konfrontiert. Auguste Rodin war demnach Heinrich Zitas großes Vorbild. Die geistige Auseinandersetzung mit Rodin prägte sein Schaffen. „Plastik wurde eigenständige Darstellung, die Nachahmung der Natur wurde wichtigstes Anliegen. Nicht Schönheit, nicht glückhaftes Dasein wurde Gegenstand der Darstellung, sondern der Kampf der Seele gegen äußere und innere Belastung. Statt Schönheit wurde Wahrheit gefordert.“ [12]

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. [1]. Website des Austria Forums. Abgerufen am 2.12.2013
  3. UAW, Senat 222.37,1
  4. UAW, Senat 222.37,2
  5. UAW, Senat 222.37,3
  6. UAW, Senat 222.37,4
  7. UAW, Senat 222.37,5
  8. UAW, Senat 222.37,6
  9. UAW, Senat 222.37,8
  10. UAW, Senat 222.37,11
  11. UAW, Senat 222.37,10
  12. Schörner 1987, S. 29

Quellen

UAW=Universitätsarchiv Wien

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Schörner 1987: Georg Schörner (Hrsg.), Der österreichische Realismus am Beispiel eines Künstlerlebens, Wien 1987.

Weblinks


Veronika Preisinger, Julia Kögl, Martin Engel