Denkmal Ernst Fleischl von Marxow

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Emil Fuchs, Denkmal Ernst Fleischl von Marxow.
Abb. 2 Lage des Denkmals, Nr. 84, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal für den Physiologen Ernst Fleischl von Marxow (1846-1891) wurde von dem Künstler Emil Fuchs (1866-1929) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 16. Oktober 1898 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für den Physiologen Ernst Fleischl von Marxow ist in Form einer Plakette mit den ungefähren Maßen von 65 cm (Breite) x 98 cm (Höhe) x 3 cm (Tiefe) ausgeführt. Es befindet sich am Ende des rechten Arkadengangs an der Wand. Nach Maisel 2007 trägt das Bronzerelief die Nummerierung 84.[2] Das Bronzerelief, zeigt den Geehrten im Profil bis unter die Brust (ca. 47 cm x ca. 52 cm x ca. 8 cm), darunter die Form eines Schildes (ca. 61 cm x ca. 13 cm) eingearbeitet mit der Aufschrift: „Ernst v. Fleischl-Marxow, Professor der Physiologie, geb. zu Wien d. s. August 1846 gest. zu Wien d. 22. October 1891“. Das Bildnis zeigt Fleischl-Marxow elegant und zeitgenössisch gekleidet im Profil, wobei sein Oberkörper leicht nach vorne gedreht ist. Das Porträt wird eingefasst von einem Lorbeerzweig. Rechts über dem Dargestellten befindet sich ein medizinisches Gerät (Mikroskop?) auf einem Buch, beides Attribute, die auf seine Errungenschaften auf dem Gebiet der Physiologie verweisen. In den vier Ecken befinden sich angedeutet, getriebene Schraubköpfe, die aber nicht zur Befestigung, sondern als Zierschmuck dienen. Insgesamt erscheint die Oberfläche der Plakette sehr lebendig und weich modelliert. Interessant ist vor allem ein Detail des Hemdkragens, dessen Kragenecke aus dem Relief plastisch herausragt.

Notizen zur dargestellten Person

Ernst Fleischl von Marxow (1846-1891) war Physiologe und Erfinder von medizinischen Geräten. Er beschäftigte sich mit der physiologischen Optik, der Nervenphysiologie und der Lehre vom Blut. 1883 gelang ihm die Entdeckung der elektrischen Aktivität des Gehirns.[3]

Entstehungsgeschichte

Abb. 3 Emil Fuchs (Porträtrelief), Denkmal Ernst Fleischl von Marxow. Detail, seitliche Ansicht, Arkadenhof der Universität Wien, 1898 enthüllt; Abbildungsnachweis: Julia Kögl.
Abb. 4 Emil Fuchs (Porträtrelief), Denkmal Ernst Fleischl von Marxow. Detail, Namens- und Inschriftsschild, Arkadenhof der Universität Wien, 1898 enthüllt.

Das Denkmal wurde von Dr. Otto v. Fleischl-Marxow initiiert. Dieser richtet in einem Brief vom 01. 03. 1897 an den Rektor der Universität Wien die Bitte, ein von ihm in Auftrag gegebenes Relief von seinem Bruder Ernst Fleischl von Marxow bei seiner Fertigstellung in den Arkadenhof der Universität übertragen zu dürfen. Zudem wird in diesem Brief darum gebeten, man möge den ausführenden Künstler Emil Fuchs persönlich treffen um genaue Einzelheiten zu fixieren. [4]

Ein ganzes Jahr scheint diese Angelegenheit wohl geruht zu haben, da Otto Fleischl von Marxow sich mit einem Brief vom 08.05. 1898 erneut an das Rektorat der Universität Wien bezüglich der Aufstellung des Denkmals wendet. Aus diesem Anliegen kann man die Antwort des Rektors von 1897 heraus lesen, dass dieser mit der Überführung und Anbringung des Reliefs einverstanden wäre, wenn der Universität weder von der Produktion der Plakette noch von der Aufstellung Kosten entstünden. Dr. Fleischl von Marxow war mit dieser Forderung einverstanden und ersuchte im Schreiben vom 08.05. um die Erlaubnis den Leiter der artistischen Kommission Herrn Hofrat Professor Tschermak in Kenntnis setzen zu dürfen zu welchem Zeitpunkt das Relief in Wien ankommen würde. [5]

Daraufhin langte ein Antrag von Prof. Sigmund Exner auf Aufstellung und Enthüllung des Denkmals von Ernst Fleischl von Marxow in der artistischen Kommission ein. Prof. Exner war bei der Enthüllungsfeier des Reliefs am 16. Oktober 1898 anwesend und hatte „die Freundlichkeit, es zu übernehmen, einige Worte zu sprechen, welche die Bedeutung der Verewigten hervorheben werden.“ [6]

Des weiteren wurde in der Senatsakte hinsichtlich des Standortes vermerkt, dass "als Aufstellungsplatz für das Reliefbild des Physiologen Prof. Dr. Ernst Fleischl v. Marxow die im Arkandenhofe befindliche Wand links von der Bibliotheksthüre /:rechts vom Aret. Relief./ bestimmt wurde."[7]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 5 Emil Fuchs, Denkmal Ernst Fleischl von Marxow. Detail, Ziernieten am oberen Rand, Arkadenhof der Universität Wien, 1898 enthüllt.

Das Denkmal für Ernst Fleischl von Marxow fällt gegenüber anderene Reliefs im Arkadenhof durch eine gröbere Behandlung der Oberfläche auf, besonders tritt in der Gestaltung aber die Verwendung von Nieten (Abb. 5), die nicht mit der Anbringung des Reliefs zu tun haben, hervor. Hierbei handelt es sich um ein Stilelement das besonders um die Jahrhundertwende immer öfters eingesetzt wurde. Diese Applikationen, die ursprünglich bei Fabriksgebäuden oder Bahnhöfen wirkliche Funktion hatten, traten in Wien um 1900 als Zierelement hervor. Sie wurden z.B. bei der Wiener Stadtbahn von Otto Wagner vermehrt eingesetzt, die im selben Zeitraum wie das Relief von Emil Fuchs in Wien entstand. Interessant ist, dass diese nicht nur an den oberen Enden auf dem Relief von Ernst Fleischl von Marxow angebracht wurden, sondern weitere zwei Nieten symbolisch das Schild mit der Namensinschrift halten (Abb. 4).

Ornamental eingebunden ist auch das Motiv des Lorbeerzweiges,der über dem Kopf des Geehrten den Reliefgrund füllt. Zwar wird dieses Element zu Verherrlichung einer Person auf mehreren Denkmälern im Arkadenhof verwendet, jedoch meist als kleines Beiwerk. Als Vergleich kann man das nur zwei Jahre zuvor entstandene Bronzerelief des Ferdinand von Arlt des Bildhauers Hans Bitterlich (Abb. 6) heranziehen, bei dem der Lorbeerast, als gerade mal ein Viertel der Bronzeplatte Platz erhält. Anders ist dies bei dem Relief von Ernst Fleischl von Marxow (Abb. 1), bei dem die Heil- und Gewürzpflanze im oberen Teil des Denkmals einen Raum von gut zweidrittel der Gesamtfläche in Anspruch nimmt. Zudem wird der Lorbeerast stärker plastischer hervor gearbeitet und um das Haupt des Dargestellten herum gelegt. Dies verweist auf die eigentliche historische Verwendung des Lorbeerkranzes als rühmliche Auszeichnung.

Die Jugendstilelemte des Denkmals von Ernst Fleischl von Marxow sind genau geplante und eingesetzte Mittel einer damals neu aufkommenden Kunstströmung, die der Künstlers Emil Fuchs höchstwahrscheinlich kannte und in gewisser Weise rezipierte.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme sollte im November 1938 die „Langemarck“-Feier durch NS-Studenten im Arkadenhof stattfinden. Im Zuge der Vorbereitungen wurden willkürlich Denkmäler für Professoren, die nach NS-Kriterien als „jüdisch“ eingestuft wurden, beschädigt, mit Farbe beschmiert oder umgestürzt. Darunter auch das Denkmal für Ernst Fleischl von Marxow. In der Folge einer Überprüfung betreffend der Konformität der dargestellten Professoren mit den NS-Rassegesetzen, ließ die Universitätsleitung unter Rektor Fritz Knoll Denkmäler abtragen und in Depots lagern.[8]
Alle beschädigten und entfernten Denkmäler konnten nach Kriegsende und nach ihrer Wiederherstellung im Jahr 1947 wieder im Arkadenhof aufgestellt werden.

Quellen

UAW, Senat S 93.26 7 Fleischl v. Marxow, Ernst, Denkmal im Arkadenhof, 1897-1898 (Akt)

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. Maisel 2007, S. 50.
  3. Maisel 2007, S. 72.
  4. UAW, Senat S 93.26 7.
  5. UAW, Senat S 93.26 7.
  6. UAW, Senat S 93.26 7.
  7. UAW, Senat S 93.26 7.
  8. Maisel 2007, S. 15.

Literatur

  • Graf 1994: Otto Antonia Graf, Otto Wagner. Das Werk des Architekten 1860-1902, Band 1, zweite Auflage, 1994 Wien, S. 134-249.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 50.

Weblinks


Anna Angela Libal, Sibylle Zelger, Julia Kögl