Denkmal Elise Richter: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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== Beschreibung ==
 
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Das Denkmal für Elise Richter besteht aus einem Relief, das aus der Patina der Wandfläche auf der Innenseite des Pfeilers herausgearbeitet ist. Die Künstlerin arbeitet dabei mit den unterschiedlichen Verwitterungsschichten der Fläche und schafft dabei ein Hell-Dunkel-Relief.
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Das Denkmal für Elise Richter, das von der Künstlerin Catrin Bolt stammt, befindet sich im linken Arkadengang auf dem ersten Arkadenpfeiler und trägt die Maiselnummer 155.
 
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Es besteht aus einem Relief, welches aus der Patina der Wandfläche herausgearbeitet wurde. Die Künstlerin nutzte dabei die unterschiedlichen Verwitterungsschichten der Fläche und gewann dadurch ein Hell-Dunkel-Relief mit drei Helligkeitsstufen, sodass "man fotografische Porträts zu einem Wandbild übersetzen" kann.<ref>https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551, aufgerufen am 22.01.2019.</ref>
"Durch teilweise Reinigung können drei Helligkeitsstufen sichtbar gemacht werden: die ursprüngliche Farbe der Wand, eine mittlere und die derzeitige, dunkle, die belassen wird. Durch diese Variationen kann man fotografische Porträts zu einem Wandbild übersetzen, die in Lebensgröße auf den Seitenwänden der Säulen des Arkadenhofs auf Augenhöhe angebracht werden. Die Idee hinter dieser Technik ist, die Ehrenmäler direkt in die Architektur und über Zeit entstandenen Schichten einzuschreiben und aus ihnen das Abbild herauszuarbeiten, als wäre es schon immer da gewesen."<ref>https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551</ref>
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Für das Denkmal wurde eine schwarzweiße Porträtfotografie von Elise Richter als Vorbild verwendet, die einer Fotopostkarte an ihre Schwester Helene Richter (1861-1942) aus dem Jahr 1905 entnommen ist.<ref>http://wbadmina.wienbibliothek.vss.kapper.net/bestaende-sammlungen/objekte-monats/objekte-monats-2015/objekt-monats-maerz-2015-elise-richter-150, aufgerufen am 22.01.2019.</ref> Richter sitzt zum Betrachtenden gewandt auf einem hinter ihrem Kleid zum Großteil verborgenen Sitzmöbel mittig in einem Innenraum – vermutlich einem Fotoatelier. Ihr Blick geht seitlich links an der Kamera vorbei aus dem Bild. Die Hände liegen im Schoß und halten locker ein Paar Handschuhe und einen schwarzen Schirm, dessen Spitze rechts den Teppichboden berührt. Richter trägt eine weiße Bluse mit schmalen dunklen Querstreifen und weiten Ärmeln, sowie einen schwarzen, ebenso weiten Rock. Unter diesem ragt die Spitze eines schwarzen Stiefels hervor. Weiter ist Richter mit einem dunklen, großen Hut, einer breiten dunklen Krawatte bekleidet und trägt eine lange Halskette.
 
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Im rechten Bildhintergrund ist eine angeschnittene Kommode mit ausladendem Dekor zu erkennen, die ebenso wie das Sitzmobiliar, auf dem Teppich steht, welcher den darunter liegenden Fliesenboden verdeckt.
Das Porträt zeigt Elise Richter sitzend in einem nicht näher definierten Raum. Sie trägt einen dunklen Hut, eine weiße Bluse mit feinen Punkten, dunkle Krawatte und dunklem Rock. In ihren auf dem Schoß liegenden Händen hält sie ein Paar Handschuhe und einen Schirm. Den Abschluss nach hinten bildet eine Vase mit Pflanzen, deren Blätter sich abzeichnen.
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Elise Richter wirkt auf dem Bild relativ ernst, es handelt sich bei der Fotografie jedoch auch um eine Privataufnahme. Im Vergleich zu dieser ist das Relief-Denkmal kontrastreicher und wirkt dadurch ausdrucksstärker auch weil die Porträtierte dem Betrachtenden etwa lebensgroß begegnet und somit über das ursprüngliche Format der Fotografie hinausgeht.
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Da nur die Helligkeitswerte der Wandoberfläche modifiziert wurden, wird die Materialität des Arkadenpfeilers in das Denkmal integriert. Die Verfugungen der Steinquader sind ebenso sichtbar, wie Unebenheiten und Beschädigungen derselben. Catrin Bolt verwies darauf, dass das Denkmal damit direkt in die Architektur eingeschrieben würde und es vielmehr aus dieser entstanden als ihr vorgelegt sei."<ref>https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551, aufgerufen am 22.01.2019.</ref>  
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Zum Schutz ist vor der bearbeiteten Wandfläche, mit wenigen Zentimetern Zwischenraum, eine Glasplatte angebracht. Im rechten unteren Bereich sind darauf der Name, die Profession, sowie Geburts- und Sterbejahr Elise Richters vermerkt.
  
 
== Notizen zur dargestellten Person ==
 
== Notizen zur dargestellten Person ==
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== Entstehungsgeschichte ==
 
== Entstehungsgeschichte ==
Die Universität Wien nahm das 650-Jahr-Jubiläum 2015 zum Anlass, das Denkmalensemble im [[Arkadenhof der Universität Wien]] um Ehrungen für Wissenschaftlerinnen zu ergänzen.
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Das Denkmal für Elise Richter entstand anlässlich der 650-Jahrfeier der Universität Wien und wurde am 30. Juni 2016 feierlich enthüllt. Neben Richter wurden sechs weitere Wissenschaftlerinnen mit Denkmälern geehrt: [[Charlotte Bühler]] (1893-1974), [[Marie Jahoda]] (1907-2001), [[Berta Karlik]] (1904-1990), [[Lise Meitner]] (1878-1968), [[Grete Mostny-Glaser]] und [[Olga Taussky-Todd]] (1906-1995).
 
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Die detaillierte Entstehungsgeschichte wird in einem gesonderten Artikel behandelt:
Im Herbst 2015 fand daher eine Ausschreibung zu einem zweistufigen Kunstwettbewerb statt, an dem sich zahlreiche KünstlerInnen beteiligten. Insgesamt gingen 33 vollständige Bewerbungsunterlagen bei der Jury ein. Diese bestand aus dem Rektor Heinz W. Engl, der damaligen Senatsvorsitzenden Gabriele Kucsko-Stadlmayer, der Professorin für Gendergeschichte Gabriella Hauch, dem Kunsthistoriker Prof. Michael Viktor Schwarz, der Landeskonservatorin für Wien Mag. Elisabeth Hudritsch, der Künstlerin und Professorin an der Akademie der bildenden Künste in Wien Mona Hahn, der Künstlerin Sofie Thorsen und dem Intendanten Peter Pakesch.
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[[Entstehungsgeschichte der sieben Denkmäler für Wissenschaftlerinnen 2016]]
 
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Aus den 33 Einreichungen wurden sieben KünstlerInnen eingeladen, Konzepte zur künstlerischen Gestaltung für die Ehrung von Wissenschaftlerinnen vorzulegen. Daraus wurden in einer zweiten Phase drei GewinnerInnen gewählt: Thomas Baumann, Catrin Bolt und Karin Frank.<ref>https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551</ref>
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== Kunsthistorischer Vergleich und Analyse ==
 
== Kunsthistorischer Vergleich und Analyse ==
Grundlage für das Porträt von Elise Richter war die undatierte Fotopostkarte aus dem Jahr 1905, auf der Elise Richter sitzend in einem Fotoatelier mit Hut, weißer Bluse, dunklem Rock gekleidet und mit Schirm in der Hand abgebildet ist. Sie schickte sie an ihre Schwester Helene Richter.<ref>http://www.wienbibliothek.at/bestaende-sammlungen/objekte-monats/objekte-monats-2015/objekt-monats-maerz-2015-elise-richter-150</ref>
 
 
Die Technik mit in dunklen und hellen Schichten aufgebautem Porträt wurde von Catrin Bolt auch bei dem [[Denkmal_Marie_Jahoda|Denkmal für Marie Jahoda]] verwendet.
 
  
== Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof ==
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Die Methode der Übersetzung einer Schwarzweißfotografie als Bild durch drei Tonwerte auf den Stein des Universitätsgebäudes wurde von Catrin Bolt auch bei dem [[Denkmal_Marie_Jahoda|Denkmal für Marie Jahoda]] angewandt. Zurückgeht diese Technik in ihrem Ursprung auf die Street Art Szene, in der sie unter dem Begriff des "Reverse Graffiti" bekannt ist und bei der durch partielle Reinigung von Oberflächen (Gebäude, Autos, etc.) ein Bild aus einer verschmutzen Fläche herausgearbeitet wird. Dabei werden meist Schablonen (Stencils) benutzt, die die Anbringung erleichtern. Inhalt der Reverse Graffiti sind neben bildlichen Darstellungen oft auch schriftliche Aussagen, die dann auch in den Bereich der Werbung fallen können.<ref>https://www.youtube.com/watch?v=gAxxRQXkcjg, aufgerufen am 26.01.2019.</ref> Im Bereich der traditionellen Gedenkkultur sind "Reverse Graffiti" weniger geläufig.
Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien gab es keine Ereignisse.
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Die mit dieser Technik verbundene Thematisierung des öffentlichen Raums schlägt sich auch in Catrin Bolts Werk nieder. Sie konnte bereits einige Male Projekte im öffentlichen Raum realisieren, so von 2013 bis 2015 mit "Lauftext Mahnmal" oder seit 2014 mit dem "Alltagsskulpturen Mahnmal" in Wien.
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Auch auf thematischer Ebene wird im Denkmal für Elise Richter die Frage nach der Öffentlichkeit beziehungsweise des Privatraumes durch die Anbringung einer ehemals privaten Fotografie mittels einer im öffentlichen Raum angesiedelten Technik gestellt. Wie auch beim [[Denkmal für Marie Jahoda]], wird durch den Einsatz einer Privataufnahme, die in Richters Fall von einer an ihre Schwester Helene adressierte Bildpostkarte stammt,<ref>http://wbadmina.wienbibliothek.vss.kapper.net/bestaende-sammlungen/objekte-monats/objekte-monats-2015/objekt-monats-maerz-2015-elise-richter-150, aufgerufen am 22.01.2019.</ref> ein unwillkürliches Näherrücken der Porträtierten an den konkreten Ort des Denkmals erzeugt. Anders als bei Jahoda schafft lediglich die Kleidung Richters, welche um die Jahrhundertwende getragen wurde, eine Distanz zum Hier und Jetzt. Richter wird in der damals zwar noch relativ professionell und gestellt wirkenden Atmosphäre einer Fotografieaufnahme gezeigt, tritt jedoch als Person hinter ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit hervor. Der Fokus richtet sich auf sie als Individuum, weniger als auf den Teilaspekt ihrer universitären Stellung. Dass es sich bei der Fotografie, um eine an Helene Richter versandte handelt, verweist auf die enge Beziehung, die die Schwestern pflegten und stellt nochmals den Aspekt der Privatheit in den Vordergrund.
  
 
== Literatur ==
 
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== Quellen ==
 
== Quellen ==
 
* http://gedenkbuch.univie.ac.at/index.php?person_single_id=33708
 
* http://gedenkbuch.univie.ac.at/index.php?person_single_id=33708
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* https://www.youtube.com/watch?v=gAxxRQXkcjg
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* https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551
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*  http://wbadmina.wienbibliothek.vss.kapper.net/bestaende-sammlungen/objekte-monats/objekte-monats-2015/objekt-monats-maerz-2015-elise-richter-150
  
 
== Rezeption in der Presse ==
 
== Rezeption in der Presse ==
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''Charlotte Reuß''
  
 
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Version vom 4. Februar 2019, 20:00 Uhr

Abb. 1: Catrin Bolt, Denkmal Elise Richter, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 155, 2016 enthüllt.
Abb. 2: Catrin Bolt, Denkmal Elise Richter, Detail der Wandfläche.
Abb. 3: Catrin Bolt, Denkmal Elise Richter, Detail der Wandfläche.
Abb. 4: Fotopostkarte von Elise Richter, undatiert, Wienbibliothek im Rathaus

Das Denkmal für die Romanistin Elise Richter (1865-1943) wurde von der Künstlerin Catrin Bolt (*1979) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 30. Juni 2016 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Elise Richter, das von der Künstlerin Catrin Bolt stammt, befindet sich im linken Arkadengang auf dem ersten Arkadenpfeiler und trägt die Maiselnummer 155. Es besteht aus einem Relief, welches aus der Patina der Wandfläche herausgearbeitet wurde. Die Künstlerin nutzte dabei die unterschiedlichen Verwitterungsschichten der Fläche und gewann dadurch ein Hell-Dunkel-Relief mit drei Helligkeitsstufen, sodass "man fotografische Porträts zu einem Wandbild übersetzen" kann.[1] Für das Denkmal wurde eine schwarzweiße Porträtfotografie von Elise Richter als Vorbild verwendet, die einer Fotopostkarte an ihre Schwester Helene Richter (1861-1942) aus dem Jahr 1905 entnommen ist.[2] Richter sitzt zum Betrachtenden gewandt auf einem hinter ihrem Kleid zum Großteil verborgenen Sitzmöbel mittig in einem Innenraum – vermutlich einem Fotoatelier. Ihr Blick geht seitlich links an der Kamera vorbei aus dem Bild. Die Hände liegen im Schoß und halten locker ein Paar Handschuhe und einen schwarzen Schirm, dessen Spitze rechts den Teppichboden berührt. Richter trägt eine weiße Bluse mit schmalen dunklen Querstreifen und weiten Ärmeln, sowie einen schwarzen, ebenso weiten Rock. Unter diesem ragt die Spitze eines schwarzen Stiefels hervor. Weiter ist Richter mit einem dunklen, großen Hut, einer breiten dunklen Krawatte bekleidet und trägt eine lange Halskette. Im rechten Bildhintergrund ist eine angeschnittene Kommode mit ausladendem Dekor zu erkennen, die ebenso wie das Sitzmobiliar, auf dem Teppich steht, welcher den darunter liegenden Fliesenboden verdeckt. Elise Richter wirkt auf dem Bild relativ ernst, es handelt sich bei der Fotografie jedoch auch um eine Privataufnahme. Im Vergleich zu dieser ist das Relief-Denkmal kontrastreicher und wirkt dadurch ausdrucksstärker auch weil die Porträtierte dem Betrachtenden etwa lebensgroß begegnet und somit über das ursprüngliche Format der Fotografie hinausgeht. Da nur die Helligkeitswerte der Wandoberfläche modifiziert wurden, wird die Materialität des Arkadenpfeilers in das Denkmal integriert. Die Verfugungen der Steinquader sind ebenso sichtbar, wie Unebenheiten und Beschädigungen derselben. Catrin Bolt verwies darauf, dass das Denkmal damit direkt in die Architektur eingeschrieben würde und es vielmehr aus dieser entstanden als ihr vorgelegt sei."[3] Zum Schutz ist vor der bearbeiteten Wandfläche, mit wenigen Zentimetern Zwischenraum, eine Glasplatte angebracht. Im rechten unteren Bereich sind darauf der Name, die Profession, sowie Geburts- und Sterbejahr Elise Richters vermerkt.

Notizen zur dargestellten Person

Elise Richter (1865 - 1943) war Romanistin an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und habilitierte hier 1905 als erste Frau.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Elise Richter entstand anlässlich der 650-Jahrfeier der Universität Wien und wurde am 30. Juni 2016 feierlich enthüllt. Neben Richter wurden sechs weitere Wissenschaftlerinnen mit Denkmälern geehrt: Charlotte Bühler (1893-1974), Marie Jahoda (1907-2001), Berta Karlik (1904-1990), Lise Meitner (1878-1968), Grete Mostny-Glaser und Olga Taussky-Todd (1906-1995). Die detaillierte Entstehungsgeschichte wird in einem gesonderten Artikel behandelt: Entstehungsgeschichte der sieben Denkmäler für Wissenschaftlerinnen 2016

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Methode der Übersetzung einer Schwarzweißfotografie als Bild durch drei Tonwerte auf den Stein des Universitätsgebäudes wurde von Catrin Bolt auch bei dem Denkmal für Marie Jahoda angewandt. Zurückgeht diese Technik in ihrem Ursprung auf die Street Art Szene, in der sie unter dem Begriff des "Reverse Graffiti" bekannt ist und bei der durch partielle Reinigung von Oberflächen (Gebäude, Autos, etc.) ein Bild aus einer verschmutzen Fläche herausgearbeitet wird. Dabei werden meist Schablonen (Stencils) benutzt, die die Anbringung erleichtern. Inhalt der Reverse Graffiti sind neben bildlichen Darstellungen oft auch schriftliche Aussagen, die dann auch in den Bereich der Werbung fallen können.[4] Im Bereich der traditionellen Gedenkkultur sind "Reverse Graffiti" weniger geläufig. Die mit dieser Technik verbundene Thematisierung des öffentlichen Raums schlägt sich auch in Catrin Bolts Werk nieder. Sie konnte bereits einige Male Projekte im öffentlichen Raum realisieren, so von 2013 bis 2015 mit "Lauftext Mahnmal" oder seit 2014 mit dem "Alltagsskulpturen Mahnmal" in Wien. Auch auf thematischer Ebene wird im Denkmal für Elise Richter die Frage nach der Öffentlichkeit beziehungsweise des Privatraumes durch die Anbringung einer ehemals privaten Fotografie mittels einer im öffentlichen Raum angesiedelten Technik gestellt. Wie auch beim Denkmal für Marie Jahoda, wird durch den Einsatz einer Privataufnahme, die in Richters Fall von einer an ihre Schwester Helene adressierte Bildpostkarte stammt,[5] ein unwillkürliches Näherrücken der Porträtierten an den konkreten Ort des Denkmals erzeugt. Anders als bei Jahoda schafft lediglich die Kleidung Richters, welche um die Jahrhundertwende getragen wurde, eine Distanz zum Hier und Jetzt. Richter wird in der damals zwar noch relativ professionell und gestellt wirkenden Atmosphäre einer Fotografieaufnahme gezeigt, tritt jedoch als Person hinter ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit hervor. Der Fokus richtet sich auf sie als Individuum, weniger als auf den Teilaspekt ihrer universitären Stellung. Dass es sich bei der Fotografie, um eine an Helene Richter versandte handelt, verweist auf die enge Beziehung, die die Schwestern pflegten und stellt nochmals den Aspekt der Privatheit in den Vordergrund.

Literatur

  • Christiane Hoffrath, Bücherspuren. Das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im „Dritten Reich“, Köln 2009.

Quellen

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551, aufgerufen am 22.01.2019.
  2. http://wbadmina.wienbibliothek.vss.kapper.net/bestaende-sammlungen/objekte-monats/objekte-monats-2015/objekt-monats-maerz-2015-elise-richter-150, aufgerufen am 22.01.2019.
  3. https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551, aufgerufen am 22.01.2019.
  4. https://www.youtube.com/watch?v=gAxxRQXkcjg, aufgerufen am 26.01.2019.
  5. http://wbadmina.wienbibliothek.vss.kapper.net/bestaende-sammlungen/objekte-monats/objekte-monats-2015/objekt-monats-maerz-2015-elise-richter-150, aufgerufen am 22.01.2019.

Charlotte Reuß