Denkmal Eduard von Hofmann

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Michael Drobil, Denkmal für Eduard von Hofmann, 1947, Arkadenhof der Universität Wien, Quelle: Unidam.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 127, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Eduard von Hofmann, Repronegativ nach Foto, ©ÖNB.
Abb. 4: Ehrengrabmal von Eduard von Hofmann, Signiert V. Saff. fec., Zentralfriedhof, Wien.
Abb. 5: Ehrengrabmal von Eduard von Hofmann (Detail), Signiert V. Saff. fec., Zentralfriedhof, Wien.
Abb. 6: Michael Drobil, Denkmal Josef Maria Pernter, 1932-1935, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 7: Denkmal Max Hussarek von Heinlein im Arkadenhof der Universität Wien, Abbildungsnachweis: Katharina Dirnberger

Das Denkmal für den Gerichtsmediziner Eduard von Hofmann (1837-1897) wurde von dem Bildhauer Michael Drobil (1877-1958) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 14. Juni 1947 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Die Gedenktafel für Eduard von Hofmann besteht aus einer rechteckigen, reich geäderten Marmorplatte im Hochformat. Hofmann wird fast im Profil gezeigt, was der Tradition des Gelehrtenporträts entspricht. Ungewöhnlich ist eher der knappe Ausschnitt seines Kopfes, der seinen Hals bis zum stilisierten Kragen zeigt. Ungewöhnlich auch deshalb, weil der Ausschnitt des Halses nicht wie das Gesicht im Profil zu sehen ist und der Kopf des Gerichtsmediziners somit verdreht erscheint. Beim Denkmal für Rudolf Chrobak von Edmund Hellmer, bei dem Drobil studiert hatte, verhält es sich ähnlich. Die Gesichtszüge Hofmanns auf dem Relief kommen denjenigen auf der undatierten Fotografie (Abb. 3) am nächsten: Der Vollbart mit Schnurrbart, das große Ohr, als auch die hoch gekämmten Haare wurden übernommen.

Die Inschrifft nennt in goldenen Großbuchstaben den Namen Hofmanns, die genaue Bezeichnung seiner Professur und der Zeitraum seiner Tätigkeit:
EDUARD R. v. HOFMANN
PROFESSOR FÜR GERICHTL. MEDIZIN
1875 – 1897

Dieses Denkmal besticht in erster Linie durch seine Materialität. Die zahlreichen Adern und Flecken im hellen Marmor erzeugen eine polychrome Oberfläche, die den ästhetischen Reiz der Gedenktafel ausmacht.

Notizen zur dargestellten Person

Eduard von Hofmann (1837-1897) ist einer der wichtigsten Forscher der Gerichtsmedizin. Er verhalf seinem Beruf zu mehr Ansehen in Justiz und Wissenschaft. Sein Werk "Lehrbuch der gerichtlichen Medizin" wurde in vielen Ländern verbreitet und erlebte etliche Auflagen. Außerdem ließ er das Institutsgebäude für Gerichtsmedizin ausbauen und vergrößerte erheblich dessen Sammlung an Präparaten.

Entstehungsgeschichte

Im Juni 1946 wurde dem akademischen Senat der Universität Wien eine Anfrage zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren von Professor Eduard Ritter von Hofmann vorgelegt, da im folgenden Jahr dessen 50. Todestag begangen werden sollte.[1] Der Wunsch, Hofmann zu seinem 50. Todestag mit einem Denkmal zu ehren, entstand noch zur Zeit des nationalsozialistischen Regimes. Im November 1945 erinnerte der Rektor der Universität Prof. Ludwig Adamovich das Dekanat an dieses Vorhaben.[2] Sein Engagement erklärt sich mit der Verwandtschaft mit Hofmann, dessen Enkelin die Gattin Adamovichs war. Der Antrag, den die Professoren Reuter, Chiari und Schönbauer von der medizinischen Fakultät stellten, wurde am 6. Juli 1946 einstimmig angenommen.[3]

Professor Adamovich sprach daraufhin mit dem Bildhauer Michael Drobil, der zur Herstellung des Denkmals hinzugezogen werden sollte. Der Künstler wurde gebeten, einen Entwurf anzufertigen und diesen der Kunstkommission der Universität zu übermitteln, damit diese ihre Zustimmung erteilen oder Änderungen vorschlagen könnten.[4] Dem Kunstausschuss wurden einige Plätze zur Aufstellung des Denkmals vorgeschlagen. Als ein möglicher Ort wurde auf der rechten Stirnseite der drittletzte Pfeiler vorgeschlagen, mit der Begründung, dass die Rhythmik der sich bereits dort befindenden Kunstwerke nicht gestört und zudem noch eine Lücke geschlossen werden würde. Außerdem würde sich Hofmanns Denkmal gleich in der Nähe anderer Mediziner befinden. Als andere Möglichkeit wurde an der gleichen Stirnseite der fünfte Pfeiler genannt. An diesem Platz hätte es sich Billroths Denkmal gegenüber gesehen.[5] Prorektor Meister, der den Vorsitz über den Kunstausschuss innehatte, entschied sich für den letztgenannten Aufstellungsort.[6]

Im September 1946 überbrachte Drobil seinen Entwurf der Universität. Er wurde bis zur Begutachtung durch die Kunstkommission im Zimmer des Rektors aufgestellt.[7] Am 21. September beschloss dieser, nachdem er und Reuter den Denkmalsentwurf als ausgezeichnet gelungen[8] angesehen hatten, dass ein Gutachten des Kunstausschusses nicht mehr von Nöten und Drobil mit einer Ausführung in Marmor zu beauftragen sei.[9] Im Protokoll der 18. Sitzung des Akademischen Senats vom 10. Mai 1947 wurde mitgeteilt, dass die Gedenktafel für Hofmann vollendet wäre. Daher beschloss der Senat, dass die Enthüllungsfeier für den 14. Juni 1947 angesetzt werden sollte. Hierfür wurde Professor Reuter als Redner ernannt, da er der letzte noch lebende Schüler Hofmanns war.[10]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass der verdrehte Ausschnitt der Büste an das Denkmal für Rudolf Chrobak von Edmund Hellmer erinnert. Vergleichbar ist auch, dass beide Denkmäler ein Monolith sind: sowohl Tafel als auch Porträt sind jeweils aus einem einzigen Stein. Drobil, dessen Oeuvre in der kunsthistorischen Forschung bisher unbearbeitet bleibt, war ein Schüler von Hellmer. Jedoch stechen die Unterschiede zwischen den beiden Denkmäler deutlicher hervor. Während Hellmer sich noch um eine realitätsnahe Wiedergabe der Physiognomie bemühte, stilisierte Drobil diese eher.

Auf dem Wiener Zentralfriedhof befindet sich noch heute das Ehrengrabmal für Hofmann (Abb. 4), an dem ein bronzenes Porträtmedaillon (Abb. 5) angebracht ist. Das Gesicht im strengen Profil ist kantiger modelliert und erweckt durch seine ziselierte Ausführung eher den Eindruck von einer vergrößerten Medaille. Drobil zielte beim Denkmal im Arkadenhof hingegen auf die Herausarbeitung der Volumen aus dem Stein ab. Ein Gestaltungsmittel, das er auch für seine beiden anderen Denkmäler im Arkadenhof (Abb. 6 und 7), verwendete.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Quellen

  • Konzept eines Schreibens des Rektors Adamovich an den Dekan der medizinischen Fakultät, 17.11.1945, UAW, S 222.1.
  • Konzept eines Schreibens des Rektors an den Dekan der medizinischen Fakultät, 22.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Konzept eines Schreibens des Rektors an den akademischen Senat, 29.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Richtlinien des Akademischen Senats betr. Aufstellung eines Denkmales für einen Professor in den Arkaden der Universität, vom 30. Juni 1926, UAW, S 222.1.
  • Konzept eines Schreibens des Rektors an Michael Drobil, 7.7.1946, UAW, S 222.1.
  • Brief vom Vorsitzenden des Kunstausschusses, Richard Meister, an das Rektorat, 7.7.1946, UAW, S 222.1.
  • Auszug aus dem Protokoll über die 30. Sitzung des Akademischen Senats, 13.7.1946, UAW, S 222.1.
  • Brief von Richard Meister an das Rektorat, 11.7.1946, UAW, S 222.1.
  • Konzept eines Schreibens des Rektors an Richard Meister, 18.9.1946, UAW, S 222.1.
  • Auszug aus dem Protokoll über die 33. Sitzung des Akademischen Senats, 21.9.1946, UAW, S 222.1.
  • Brief von Richard Meister an das Rektorat, 23.9.1946, UAW, S 222.1.
  • Protokoll über die 18. Sitzung des Akademischen Senats der Universität Wien am 10. Mai 1947, UAW, S 222.1.
  • Brief aus dem Bundesministerium für soziale Verwaltung an das Rektorat, 7.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Einladungsliste, UAW, S 222.1.
  • Einladung an den Bundesminister für Unterricht, Felix Hurdes, 10.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Einladung an den Bundesminister für soziale Verwaltung, Karl Maisel, 10.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Einladung an den Bundesminister für Justiz, Josef Gerö, 10.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Konzept eines Schreibens an die Universitäts-Quästur, 12.6.1946, UAW, S 222.1.
  • Quittung für den Kranz bei der Enthüllungsfeier, Juni 1947, UAW, S 222.1.
  • Absage von Alfred Stix, leitender Direktor der staatlichen Kunstsammlungen in Wien, für die Enthüllungsfeier, 11.6.1947, UAW, S 222.1.
  • Konzept eines Schreibens an die Universitäts-Quästur, 14.6.1947, UAW, S 222.1.

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

Eine Rezeption beziehungsweise eine Rezension des Denkmals in der Presse ist nicht bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, S 222.1, Antrag des Dekans an das Rektorat, 28.6.1946.
  2. UAW, S 222.1, der Rektor Ludwig Adamovich an das Dekanat der medizinischen Fakultät, 17.11.1945.
  3. UAW, S 222.1, Auszug aus dem Protokoll, 6.7.1946.
  4. UAW, S 222.1, Konzept eines Schreibens des Rektors an Michael Drobil, 7.7.1946.
  5. UAW, S 222.1, Brief vom Vorsitzenden des Kunstausschusses, Richard Meister, an das Rektorat, 8.7.1946.
  6. UAW, S 222.1, Auszug aus dem Protokoll über die 30. Sitzung des Akademischen Senats, 13.7.1946.
  7. UAW, S 222.1, Konzept eines Schreibens des Rektors an Richard Meister, 18.9.1946.
  8. Name="21.9.1946">UAW, S 222.1, Auszug aus dem Protokoll über die 33. Sitzung des Akademischen Senats, 21.9.1946.
  9. UAW, S 222.1, Auszug aus dem Protokoll über die 33. Sitzung des Akademischen Senats, 21.9.1946.
  10. UAW, S 222.1, Hofmann, Eduard Ritter von: Errichtung eines Denkmals, 1945.11.17 - 1947.06.18 (Akt).

Literatur

Maisel 2007 : Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, Nr. 127.

Weblinks

Eintrag im Austria-Forum (zuletzt aufgerufen am 24.8.2014)


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