Denkmal Eduard Albert

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Arthur Kaan, Denkmal Eduard Albert im Arkadenhof der Universität Wien, 1909.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 91, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Eduard Albert (1841-1900) wurde von dem Bildhauer Arthur Kaan (1867-1940) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 22. Oktober 1909 enthüllt.

Beschreibung

Abb.3: Arthur Kaan, Denkmal Eduard Albert im Arkadenhof der Universität Wien, Detail, 1909.

Das Denkmal für Eduard Albert befindet sich am Pfeiler der hintersten rechten Arkade im Arkadenhof der Universität Wien und wurde in Form eines Bronzereliefs ausgeführt.

Es besteht aus einer rechteckigen, am oberen Rand abgerundeten Platte in der Größe von 100 x 155 cm. Im unteren Bereich, der 27 cm hoch ist, sind auf ebener Fläche der Name Eduard Albert, sowie die Daten 1841-1900 und 1881-1900 sowie dazwischen der Text „Professor der Chirurgie“ in erhabenen Blockbuchstaben angeführt. Von links nach rechts beschreibt das erste Datum seine Lebensdaten, die zweiten Jahreszahlen geben den Zeitraum seiner Tätigkeit als Leiter der I. Chirurgischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus in Wien an.

Der Arzt ist als Halbfigur in Seitenansicht überlebensgroß dargestellt. Über seinem mächtigen Brustkorb wölbt sich eine, wie es scheint, fast zu enge Weste. Darüber trägt er den für Chirurgen der damaligen Zeit typischen weiten, offenen Ärztemantel, dessen Ärmel bis zu den Ellenbogen aufgekrempelt sind. Er wirkt dadurch bodenständig und zupackend. Das Relief ist sehr plastisch ausgeführt, Albert ragt aus der Reliefplakette hervor, sein rechter Oberarm tritt vor den linken Bildrahmen. In der rechten Hand hält er eine offensichtlich eben abgenommene Brille, die er in späteren Jahren bei Operationen benötigt haben muss. Die Hand wirkt sehnig, die Adern treten hervor. Mantel und Weste wirken sehr natürlich, Tragefalten sind zu erkennen, die Kragenecken sind leicht aufgebogen.

Im Hintergrund des Reliefs befindet auf der rechten Seite die Darstellung einer liegenden Frau in sehr zurückgenommener Reliefform, lediglich Kopf und Hals sind sichtbar. Sie liegt auf einem hohen Kissen, die Augen sind geschlossen, das offene Haar fällt seitlich herab. Da sie unbekleidet ist, scheint sie sich unmittelbar vor oder nach einer Operation zu befinden. Es könnte sich dabei auch um den Leichnam einer Frau handeln. Über ihr, ebenfalls im Hintergrund des Reliefs, werden zwei junge Männer dargestellt, beide in Anzug mit Fliege, wobei lediglich Kopf und Halsbereich ausgearbeitet sind, der restliche Oberkörper verflacht nach unten, wo sich der Kopf der Frau befindet.

Eduard Albert scheint gerade zu dozieren, seine linke Hand hält er angehoben, als wollte er dadurch die Wirkung seiner Worte unterstreichen. Die beiden jungen Männer sind offensichtlich seine Studenten, die ehrfürchtig seinen Worten lauschen. Albert galt nicht nur als einer der hervorragendsten Chirurgen sondern war auch einer der beliebtesten Professoren seiner Zeit. Bis zu 500 Studenten besuchten seine Vorlesungen, für die damalige Zeit eine enorme Anzahl. Das Denkmal zeigt ihn somit in seinen beiden bedeutendsten Positionen: als Chirurg und Lehrer.

Rechts unten, unterhalb des Kissens der Frau, ist das Werk mit A.Kaan Wien 1909 signiert (Abb.3).

Notizen zur dargestellten Person

Abb.4: Eduard Albert, 1880.

Eduard Albert (* 20.1.1841, Zamberk (Senftenberg), Böhmen, † in der Nacht vom 25. auf den 26.9.1900, ebenda), war ab 1881 bis zu seinem Tod Leiter der Chirurgischen Klinik in Wien, er war Chirurg, ein Vorkämpfer der Antiseptik und galt als hervorragender Lehrer und Diagnostiker.

Entstehungsgeschichte

Abb.5: Einladungskarte zur feierlichen Enthüllung des Albert-Denkmals, UAW.

Der Antrag für die Errichtung eines Denkmals für Eduard Albert wurde am 27.4.1907 von einem Professoren-Kollegium, dem Anton von Eiselsberg, Julius von Hochenegg, Emil Zuckerkandl, Gustav Riehl, Alexander Kolisko, Ernst Ludwig und Rudolf Chrobak angehörten, an den Akademischen Senat gestellt. Es wurde darauf hingewiesen, dass die damals erforderliche Frist von fünf Jahren nach Ableben des Geehrten bereits verstrichen war. Die Geldmittel für die Errichtung würden durch das Komitee gedeckt werden.[1]

Am 8. Juni 1907 informierte der Rektor den Dekan der Medizinischen Fakultät, dass der Akademische Senat die Aufstellung eines Albrecht-Denkmals genehmigt habe.[2]

Das Komitee beauftragte den Bildhauer Arthur Kaan mit der Anfertigung des Denkmals. Anfang Jänner 1909 war der Entwurf fertig und der Rektor lud die Mitglieder des Akademischen Senats zu einer Besichtigung des Modells in die Rektoratskanzlei und ersuchte um Entscheidung bezüglich des Aufstellungsplatzes.[3] Der Entwurf Kaans wurde von der artistischen Kommission am 29.1.1909 genehmigt. Wenig später erging ein Schreiben an Kaan, dass er sich wegen einiger Änderung am Denkmal mit Caspar von Zumbusch ins Einvernehmen setzen möge und er bezüglich des Aufstellungsortes einen Vorschlag an die Artistische Kommission machen solle.[4] Zumbusch war damals beratendes Mitglied der artistischen Kommission und hatte daher ein Mitspracherecht bei der Ausführung und Aufstellung des Denkmals. Kaan entschied sich kurz darauf in Absprache mit den Verantwortlichen für eine Anbringung am letzten Arkadenpfeiler.[5] Das fertiggestellte Denkmal war vor dem Abtransport Anfang Mai im Atelier Arthur Kaans, im neunten Wiener Gemeindebezirk, in der Währingerstraße 74, zu besichtigen.

Die Feierlichkeiten zur Denkmals-Enthüllung fanden am 22. Oktober 1909 um 12 Uhr im kleinen Festsaal der Universität statt. Für die Feier waren die üblichen Vorbereitungen getroffen worden: Die Gebäude-Inspection in Kenntnis gesetzt, Blumenarrangements bestellt (um 40 Kronen) und insgesamt 1000 Einladungskarten für die Feierlichkeiten gedruckt.[6]

Die Feier schloss mit dem üblichen Gaudeamus, das vom Akademischen Gesangsverein vorgetragen wurde.[7]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Porträt des Arztes hat große Ähnlichkeit mit dem Dargestellten, wie man zum Beispiel einer Darstellung um 1880 entnehmen kann (Abb. 4). Unterstrichen wird dies durch seine leicht gewellte üppige Haartracht und seinen markanten Bart.

Das Denkmal für Eduard Albert ist in seiner Ausführung mit keinem anderen des Arkadenhofes der Universität Wien zu vergleichen. Die meisten Reliefs zeigen lediglich den Kopf oder eine Büste des Dargestellten und sind mit wenigen Ausnahmen als reine Seitenreliefs dargestellt. Selbst wenn es sich, wie zum Beispiel beim Denkmal für Anton von Eiselsberg, um ein halbfiguriges Relief handelt, ist es mit keinen Attributen oder zusätzlichen Personen versehen. Eine geradezu szenisch wirkende Darstellung wie bei Eduard Albert findet sich an keinem der Monumente. In dieser Hinsicht vergleichbar ist es noch am ehesten mit dem Denkmal für Theodor Billroth. Ein Zusammenhang kann allerdings kaum gegeben sein, da Billroth Albert nicht schätzte. Das von Zumbusch im Jahr 1897 geschaffene Monument stellt den Chirurgen sowohl als Lehrenden auf einer Kanzel, als auch als Arzt im entsprechenden Mantel und mit Skalpell dar.

Arthur Kaan, hatte sich zum Zeitpunkt der Herstellung dieses Denkmals von seiner ursprünglich im historistischen Stil angefertigten Plastiken gelöst und sich der Secession angenähert.[8] So hatte er unter anderem gemeinsam mit Joseph Maria Olbrich zwei Monumente geschaffen (das Denkmal für Kaiser Franz Joseph im Stadtpark von Baden bei Wien und das Grabmal für die Familie Klarwill am Döblinger Friedhof). Er hatte sich von der monumentalen Darstellung entfernt und sich der verinnerlichten zugewandt, in der er das psychologische des Dargestellten zum Ausdruck bringen konnte. „Artur Kaan hat den berühmten Chirurgen in ähnlicher Weise verkörpert, genauso wie er mit seinem gütigen Antlitz unter uns wandelte und ihn glücklicherweise nicht in klassischer Monumentalität wiedergegeben.“[9] Die aktive Haltung Alberts, seine ausdrucksstarke Gestik und die im Hintergrund ehrfurchtsvoll lauschenden Schüler unterstreichen den Gedanken dieser Darstellung.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal wurde bereits 1909 an jener Stelle angebracht, an der es sich auch heute noch befindet (Plan Arkadenhof, Nr. 91) und es sind keine Berichte über Beschädigungen bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW Akademischer Senat S 93.1., 27.4.1907.
  2. UAW Akademischer Senat S 93.1., Z 1858, 8.6.1907.
  3. UAW Akademischer Senat S 93.1., Prot. 934, 21.1.1909, Schreiben vom 26.1.1909.
  4. UAW Akademischer Senat S 93.1., Prot. 934, 21.1.1909, Schreiben vom 6.2.1909.
  5. UAW Akademischer Senat S 93.1., Prot. 934, 21.1.1909, Schreiben Kaans vom 15.2.1909.
  6. UAW Akademischer Senat S 93.1., Prot. 185, 7.10.1909.
  7. Neue Freie Presse, S. 4.
  8. Griesser-Stermscheg 2009, S. 100.
  9. Griesser-Stermscheg 2009, S. 100, Anm. 380.

Quellen

  • UAW Akademischer Senat S 93.1.

UAW = Universitäts Archiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Enthüllung des Albert-Denkmals, in: Neue Freie Presse, 22. Oktober 1909, Abendblatt.
  • Wiener Zeitung: Enthüllung des Albert-Denkmals, in: Wiener Zeitung, 22. Oktober 1909, Abendausgabe.

Literatur

  • Dehio Wien 2003: Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt, Horn/Wien 2003, S. 602-608.
  • Griesser-Stermscheg 2009: Martina Griesser-Stermscheg, Buntmetall und elektrische Glühbirnen. Die Kirchenausstattung der Donaufelder Kirche im Zeichen des Wiener Sezessionismus, Wien 2009.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität, Wien 1934. Nr. 65, S. 109.

Gabriele Böhm-Nevole, Angelina Illes, Leo Czernin