Denkmal Der Muse reicht's

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1.: Schattensilhouette vom Kastalia-Brunnen ausgehend.

Das Kunstprojekt Der Muse reicht's von Iris Andraschek (*1963) ist das jüngste Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien. 2009 gewann Andraschek mit dieser Installation einen ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Ehrenmal, das für die zahlreichen weiblichen Wissenschafterinnen der Universität errichtet werden sollte, deren Verdienste bisher nicht gewürdigt wurden. Damit stellt das Projekt einen kritischen Gegenpunkt zu den - mit einer Ausnahme - ausschließlich für Männer errichteten Denkmälern dar.

Beschreibung

Abb. 2.: Sockel 1, Zeichnung, In: Andraschek 2009, S. 88.

Das Kunstwerk zeigt eine große Schattenintarsie aus dunkelgrauem Granit, die sich über den gepflasterten Hofteil erstreckt. Die Frauensilhouette misst ca. 28 Meter in der Länge und 9 Meter in der Breite, ist in selbstbewusster Pose dargestellt und reckt die zur Faust geballte rechte Hand in die Höhe. Bei der Umsetzung des Projektes wurden Teile des hellgrauen Steinbodens entfernt und anthrazitfarbige Granitpflastersteine in die richtige Form geschnitten und eingepasst. Ausgangspunkt der Arbeit ist der zentral gelegene Kastalia-Brunnen (siehe: Denkmal Kastalia-Brunnen) und damit die einzige Frauenfigur im Arkadenhof. Es wirkt so, als hätte die Muse Kastalia nach einem jahrhundertlangen Stillsitzen plötzlich den Entschluss gefasst aufzubegehren und auf das Versäumnis der Nicht-Ehrung weiblicher Wissenschafter aufmerksam zu machen. Diese Aussage unterstreichen die Inschriften zweier Sockel, die neben der Schattenfigur an der Freitreppe zur Aula aufgestellt sind. Mit ihren Maßen von 135x132 Zentimeter und einer Höhe von 38 Zentimeter ergänzen die beiden anthrazitfarbigen Granitsockel das Kunstprojekt.

Auf Sockel 1 sind der Projekttitel, das Entstehungsjahr, die Künstlerin und folgende Inschrift eingezeichnet: "ERINNERUNG AN DIE NICHT STATTGEFUNDENEN EHRUNGEN VON WISSENSCHAFTERINNEN UND AN DAS VERSÄUMNIS, DEREN LEISTUNG AN DER UNIVERSITÄT WIEN ZU WÜRDIGEN."

Die Inschrift von Sockel 2 wurde ein Jahr nach der Errichtung hinzugefügt: "AUS DEM SCHATTEN TRETEN DIE, DIE KEINEN NAMEN HABEN."

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 3.: Edith Sauer posiert für das Kunstprojekt von Iris Andraschek, In: Andraschek 2009, S. 31.

Bei der dargestellten Muse handelt es sich nicht um eine bestimmte Person. Die Figur setzt sich aus den Silhouetten zahlreicher Universitätsmitarbeiterinnen und Wissenschaftlerinnen zusammen, die sich im Rahmen des Kunstprojektes in selbstbewusster Pose haben fotografieren lassen. Auch historische und zeitgenössische Frauendarstellungen sollen Andraschek als Anhaltspunkt für ihre Installation gedient haben.[1]

Entstehungsgeschichte

Obwohl die Universität Wien bereits 1365 gegründet wurde, dauerte es über 600 Jahre bis Frauen das Recht zu studieren erlangten. Seit 1897 leisten weibliche Studierende einen gleichwertigen Beitrag zur Wissenschaft. Zum heutigen Zeitpunkt liegt der Prozentsatz weiblicher Studierender sogar bei über 60 Prozent. Nach der Eröffnung des Hauptgebäudes, im Jahr 1884, entwickelte sich der Arkadenhof zu einer Ruhmeshalle für bedeutende Wissenschaftler. Unter 154 Denkmälern befindet sich allerdings nur ein einziges Monument für eine Frau (siehe: Denkmal Marie von Ebner-Eschenbach). Um diesem Umstand entgegenzutreten, wurde, nach mehreren Initiativen seit den 1990er Jahren, ein Kunstwettbewerb der Bundesimmobiliengesellschaft ausgeschrieben, an dem sich neben Andraschek auch Ricarda Denzer, Ursula Hübner, Zilla Leutenegger, Bele Marx und Sophie Thorsen beteiligten.[2] Als Begründung für die einstimmige Entscheidung Andraschek zu beauftragen, schrieb die Jury (Mitglieder: Katharina Blaas, Mona Hahn, Susanne Holler-Mündl, Johann Jurenitsch, Paul Katzberger und Eva-Maria Höhle):

"Das Projekt besticht durch seine formal sehr reduzierte Einfachheit in der Idee, eine Bodengestaltung in Form einer Schattenfigur zu installieren. Der Schatten steht als Synonym für die Wissenschaftlerinnen im Schatten ihrer Institutionen, die beschrifteten Sockel thematisieren diesen Status quo."[3]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 4.: Sockel 2 mit Inschrift

Der Begriff Muse stammt ursprünglich aus der griechischen Mythologie und wurde in der "Theogonie" des griechischen Dichters Hesiod überliefert.[4] In diesem Werk werden die neun Töchter des Göttervater Zeus und der Quellgöttin Mnemosyne als Gefährtinnen Appolls beschrieben, der als Gott der schönen Künste über sie herrscht. Im Zuge der neuzeitlichen Begeisterung für die Antike, entwickelte sich der Begriff zu einem Sinnbild für Frauen, die Männern als Inspirationsquelle dienen. Der Titel "Der Muse reicht's" bezieht sich somit direkt auf das vom Kastalia-Brunnen repräsentierte unemanzipierte Frauenbild. Ein weitere Kritik an einer Reduzierung der Frau auf ihre inspirierende Aura und ihren Körper, enthält die androgyne Gestaltung der Figur. In dem Andraschek kein prototypisches Bild einer Frau zeigt, betont sie die Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Abb. 5.: Schattensilhouette vom Kastalia-Brunnen ausgehend, In: Andraschek 2009, S. 78.

Abgesehen von einer Ergänzung der Inschrift des zweiten Sockels im Jahr 2010, wurde seit der Aufstellung keine Veränderung vorgenommen.

Rezeption in der Presse

Literatur

  • Posch 2012: Herbert Posch, Kunst & Zeitgeschichte | Erinnerung – Gedenken – Universität, in: Linda Erker u.a., Hg., Update! Perspektiven der Zeitgeschichte, Zeitgeschichtetage 2010, Innsbruck u. Wien 2012, 708–733
  • Andraschek 2009: Iris Andraschek, Der Muse reicht's, Universität Wien, Arkadenhof, Wien 2009.
  • BIG|Bundesimmobiliengesellschaft 2009: BIG (Hg), Der Muse reicht's | The Muse has had it. Iris Andraschek, Universität Wien, Arkadenhof, Wien 2009
  • Hesiodus 1997: Hesiodus, Theogonie. Werke und Tage, München 1997.

Einzelnachweise

  1. Andraschek 2009, S.93.
  2. http://www.big-art.at/projekt.de.53.wettbewerb-arkadenhof-universitaet-wien-2009.htm
  3. http://www.big-art.at/projekt.de.53.wettbewerb-arkadenhof-universitaet-wien-2009.htm
  4. Siehe: Hesiodus, Theogonie. Werke und Tage, München 1997

Weblinks

Darstellungen


Julia Guger