Denkmal Constantin von Economo

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträtbüste im Arkadenhof der Universität Wien von Max Kremser 1966.
Lage des Denkmals, Nr. 139, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Die Porträtbüste des Psychiaters Constantin von Economo (1876-1931) wurde von dem Bildhauer Max Kremser geschaffen und war zunächst im Neurologischen Institut der Medizinischen Universität Wien aufgestellt. Auf Initiative der Medizinischen Fakultät wurde das Denkmal in den Arkadenhof der Universität Wien versetzt und am 3. Mai 1966 enthüllt.

Beschreibung

Die unterlebensgroße Marmorbüste zeigt Constantin von Economo mit einem in die Ferne schweifenden Blick. Aufgrund der geringen Größe wurde die Büste Economos, nicht wie die meisten anderen Büsten im Arkadenhof der Universität Wien auf einem Sockel platziert, sondern auf einer Konsole montiert. Um das Denkmal größer erscheinen zu lassen wurde hinter der Büste eine Marmorplatte befestigt. Constantin von Economo hat die Haare nach rechts gekämmt, das Kinn gehoben, die Lippen ansatzweise gespitzt und den Blick nach oben gerichtet. Der Marmor ist an den meisten Stellen poliert. Das Gesicht erscheint faltenlos und glatt. Haltung, Gesichtsausdruck und Blick vermitteln den Eindruck, als handele es sich um eine idealisierte Darstellung Economos.

Auffällig ist der harte Schnitt im unteren Teil der Büste. Dieser beginnt etwa fünf Zentimeter rechts und links des Halses und führt vertikal bis zur Höhe des Brustanfangs, wo ebenfalls die Büste abrupt beschnitten wurde. Obwohl die Büste die Illusion einer echten Person zu vermitteln versucht, bricht sie an dieser Stelle jenen Anschein. Mit diesem Schnitt, der an der Vorderseite durch das Stehenlassen der Materialdicke noch verstärkt wird, erhält das Objekt einen fragmenthaften Charakter. Als hätte der Künstler eine Schablone angelegt und Zentimeter für Zentimeter akribisch genau mit einem Lineal den Rest des Körpers von der Büste abgetrennt.

An der rechten Seite findet sich die Signatur des Bildhauers.

Notizen zur dargestellten Person

Bei der porträtierten Person handelt es sich um den berühmten österreichischen Psychiater Constantin von Economo. Dieser ist vor allem für seine Entdeckung der Europäischen Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica) und seinem Atlas der Zytoarchitektonik des menschlichen Gehirns bekannt.[1]

Entstehungsgeschichte

Constantin von Economo um 1920

Als am 11. November 1964 einige der Fakultätsmitglieder der Medizinischen Universität Wien einen Antrag zur Aufstellung einer Büste Economos stellten, waren Mediziner in ganz Österreich begeistert. Das Denkmal sollte vor allem an Constantin von Economos besonderen Leistungen in der Medizin erinnern und im September 1965 anlässlich des in Wien tagenden 8. internationalen Neurologen-Kongress' enthüllt werden.[2] Eigentlich hätte die fristgerechte, feierliche Präsentation des Denkmals keine weiteren Probleme darstellen sollen, da dieses schon zuvor im Neurologischen Institut der Medizinischen Universität Wien einen Platz hatte. Doch verhinderten einige Kleinigkeiten die Einhaltung des vorgeschriebenen Zeitplans.

Nachdem der Antrag vom akademischen Senat der Universität recht rasch genehmigt wurde, zog man die zuständige Kunstkommission hinzu, um sich über den Zustand des Werkes ein Bild zu machen. Für die längere Verzögerung war vor allem der fälschlich angenommene Sockel des Denkmals verantwortlich. Als dieser aber nicht zu finden war, riet die Kunstkommission, eine Konsole anstelle eines Sockels in Auftrag zu geben. Aufgrund der kleinen Maßen der Büste vermag dieser Ratschlag als durchaus nachvollziehbar erscheinen. Des weiteren entschloss man sich dem Denkmal einen Platz an der Sirnwandwand der rechten Arkade in der Universität zu geben. So verging fast ein weiteres Jahr, bis die Büste mit neuer Rückenwandplatte und Konsole, geschaffen von der Steinmetzfirma Eduard Hauser, endlich enthüllt werden konnte. Die feierliche Gesellschaft traf sich deshalb am 3. Mai 1966 um 11 Uhr, um anschließend einige Stunden später einer Gedenksitzung im Josephinum beizuwohnen.[3]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Josef Müllner, Denkmal Julius Wagner-Jauregg, 1951 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Im Unterschied zu vielen anderen Büsten im Arkadenhof der Universität Wien ist das Werk vom Bildhauer Max Kremser anstatt auf einem rechteckigen Sockel, auf einer Konsole befestigt. Vergleicht man die Büste mit Fotografien Economos, erkennt man rasch eine hohe Ähnlichkeit. Einzig allein die etwas spitzzulaufende, modelierte Gesichtsform und das makellose Gesichtsbild weisen auf eine leicht idealisierte Darstellung hin.

Das Denkmal für Economo erinnert an das von Josef Müllner für Economos Lehrer Julius Wagner-Jauregg geschaffene Denkmal. Bei beiden handelt es sich um aus weißem Marmor geschaffene Büsten. Wagner-Jauregg ist wie Economo unbekleidet, mit modellierter Schulterpartie und figürlich hingegen nicht gestalteter Brustpartie. Kremsers Economo ist jedoch bei weitem idealisierter. Augenbrauen, Bart und Falten sind weit weniger detailreich herausgearbeitet. Doch lässt der Gesamteindruck vermuten, dass der relativ unbekannte Kremser das Werk Müllners nicht nur kannte, sondern vielleicht, zeitlich wäre dies möglich, sogar bei Müllner Unterricht erhielt, der ein annerkannter Professor der Bildhauerei war. Interessant wäre dann die Parallelität des Schüler-Lehrer Verhältnisses.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Die Büste befand sich ursprünglich im Neurologischen Institut der Universität Wien und wurde 1966 im Auftrag des Instituts in den Arkadenhof verlegt. Beschädigungen an der Büste sind nicht bekannt

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S.99.
  2. UAW: Senat S 222.42, 26.11.1964.
  3. UAW: Senat S 222.42, 26.6.1966.

Quellen

  • Archiv der Universität Wien: PA RA 9982, Economo, Konstantin, 1928.06.03-1928.06.09 (Akt). (Signatur: PH RA 9982/Schachtelnummer: 103)
  • Archiv der Universität Wien: Senat S 222.42, Obersteiner, Heinrich / Economo, Constantin von: Aufstellung von Marmorbüsten im Arkadenhof der Universität Wien, 1964.11.26-1966.06.16 (Akt). (Signatur: Senat S 222.42/Schachtelnummer: 562)
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrten Porträt in Stein und Bronze, Die Denkmälder im Arkadenhof der Universität Wien. Wien/Köln/Weimar 2007, S. 99.

Literatur

  • Economo 1932: Constatnin von Economo, Constantin Freiherr von Economo (Autobiographie), Wien 1932.
  • Haas 2002: L. F. Haas, Neurological stamp, Constantin von Economo, in: Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry, Bd. 73, S. 81.
  • Pilleri 1959: Georg Pilleri, Eintrag zu Constantin von Economo, in: Neue Deutsche Biographie Band 4., Berlin 1959, S. 306-307. (digitalisierte Version)
  • ÖBL 1956: Eintrag zu Constantin von Economo (1815-1950) in: Österreichisches biographisches Lexikon und biographische Dokumentationen, Wien Bd. 1 1956, S. 215. [PDF-Version]
  • Tshisuka 2005: Barbara I.Tshiskuka, Eintrag zu Constantin von Economo in: Enzyklopädische Medizingeschichte, Werner Gerabek/Bernard D. Haage/u.A. (Hg.), Berlin 2005, S. 333. [digitalisierte Version]
  • Triarhou 2006: L.C. Trarhou, The signalling contributions of Constantin von Economo to basic clinical and evolutionary neuroscience, in: Brain Research Bulletin, Bd: 69, S.223-243.

Weblinks

Redigiert: Leo Czernin