Denkmal Clemens Pirquet von Cesenatico

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Clemens Pirquet von Cesenatico
Lage des Denkmals, Nr. 134, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Clemens Pirquet von Cesenatico (1874-1929) wurde von dem Bildhauer und Maler Josef Riedl (1884-1965) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 23. Oktober 1962 enthüllt.

Beschreibung

Die Büste wurde aus Bronze gegossen und auf einem langen, schmalen Sockel aus Schnöllmarmor montiert. Die Büste, bestehend aus Kopf und dem oberen Drittel des Torsos, wurde sehr schlicht gehalten. Sein Kopf, wie sein Blick sind streng nach vorne gerichtet. Pirquet wird in einem einen Anzug mit Hemd und Krawatte dargestellt. Die Oberflächenstruktur der Büste ist glatt. Als Postament dient der Büste ein Sockel mit rechteckigem Grundriss, welche die Büste mit dem Boden verbindet. Der Sockel befindet sich direkt an der Wand, wodurch nicht alle Seiten des Denkmals dem Betrachter ersichtlich sind. Der Sockel ist, bis auf die vergoldete Inschrift, ebenfalls völlig schlicht gehalten und ornamentlos. Dadurch sticht die vergoldete Inschrift noch schneller ins Auge. Die Inschrift befindet sich im oberen Bereich des Sockels und lautet wie folgt: Clemens Freiherr von Pirquet 1874-1924 Schöpfer der Allergielehre.[1]

Notizen zur dargestellten Person

Er schrieb zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und prägte den Begriff der Allergie. Er zählt zu den Bahnbrechern der modernen Ernährung und erforschte viele Kinderkrankheiten. Pirquet war Mitglied des Obersten Sanitätsrats für Österreich, Gründer der Österreichischen Gesellschaft für Volksgesundheit, Präsident der Wiener Gesellschaft für Kinderheilkunde und Vorsitzender des Völkerbundkomitees für Säuglingsfürsorge in Genf.[2] Für eine ausführliche Beschreibung seines Schaffens und seiner Werke siehe: Clemens Pirquet von Cesenatico.

Entstehungsgeschichte

Das Professorenkollegium der Medizinischen Fakultät fasst am 18.05.1960 einstimmig den Beschluss, beim Akademischen Senat die Aufstellung einer Büste für Dr. Clemens von Pirquet im Arkadenhof der Universität Wien zu beantragen. In den USA wird 1960 ein Komitee gebildet, welches die Finanzierung der Büste eingeleitet hat.[3] Als "Clemens von Pirquet Memorial Fund" wird es von den Vorsitzenden Dr. A. Janeway, Professor of Pediatrics at Harvard Medical School,Dr. J. M. Baty, Professor an der Tufts University und Dr. R. Wagner, Professor an der Boston University, gegründet. [4] Zum damaligen Zeitpunkt stehen schon 40.000 $ zur Finanzierung des Denkmals zur Verfügung. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg war die Aufstellung einer Büste von Dr. Clemens Pirquet von Cesenatico geplant, für welche bereits finanzielle Mittel bereitstanden, allerdings wurde diese vom Nationalsozialistischen Regime beschlagnahmt und somit die Ausführung des Denkmals verhindert. Am 11. Juni 1960 wird die Aufstellung im Arkadenhof vom Akademischen Senat befürwortet, der Antrag wird einstimmig angenommen. [5] Für die Anfertigung wurde auf Empfehlung vom damaligen Direktor der Albertina, Dr. Benesch Otto, der Bildhauer Josef Riedl beauftragt. Für Riedl war dies bereits das zweite Denkmal, welches im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt wurde. Das Denkmal für Julius Tandler stammt ebenfalls von ihm. Kundratitz, Vorstand der Universitätskinderklinik und Mitglied des gebildeten Komitees sendet zunächst einen Entwurf an den Vorsitzenden des Kunstausschusses der Wiener Universität, Dr. Eichler. Im Entwurf war vorgesehen, die Büste aus Bronze gießen zu lassen und sie anschließend auf einen 1,40m hohen Marmorsockel zu montieren. Für das Bruststück des Denkmals war eine modische Kleidung vorgesehen.[6] Der Kunstausschuss lehnt diesen Entwurf ab mit der Begründung, dass dieser künstlerisch nicht befriedigt. Daraufhin wirde der Antrag auch vom Akadmischen Senat abgewiesen, welcher außerdem ankündigte vorläufig von der Aufstellung des Denkmals Abstand nehmen zu wollen, da bereits eine Büste von Prof. Pirquet von Cesenatico vor dem St. Anna Kinderspital aufgestellt wurde.[7] Nach lebhaften Einsprüchen von Seiten der Doktoren Kundratitz und Wagner, kommt es zu einer erneuten Abstimmung am 04.Juli 1961 bei der der Kunstausschuss ihre letzte Entscheidung revidiert, jedoch unter der Voraussetzung, dass die Stilisierung vereinfacht werde, ähnlich jener der Tandler Büste. Riedl hat sich zu diesem Zeitpunkt bereit erklärt, einen neuen Entwurf anzufertigen und vor allem die kritisierte modische Bekleidung abzuändern. [8] Im Juli 1961 wird der Antrag erneut vom Akademischen Senat angenommen. [9] In der Sitzung des Kunstausschusses im Mai des Folgejahres wird der Standort festgelegt. Die Medizinische Fakultät erklärte sich damit einverstanden.[10] Das Denkmal wurde am 23. Oktober 1962 enthüllt. Der Festvortrag wurde von Prof. Dr. Richard Wagner gehalten. [11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Denkmal Julius Tandler, 1956.

Josef Riedl hat auch die Büste von Julius Tandler, die ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt wurde, angefertigt. Die Büsten bestehen zwar aus unterschiedlichem Material, doch sind sie in der Gestaltung ähnlich. Bei beiden wird der Torso ohne Arme dargestellt. Bei Pirquet, wie auch bei Tandler ist der Kopf in der Frontalansicht dargestellt und bei beiden ist der Blick streng nach vorne gerichtet. Der strenge Ausdruck ist bei beiden auf die Stirnfalten zurückzuführen. Bei dem Denkmal für Tandler sind diese allerdings stärker ausgearbeitet worden. Im Allgemeinen wurde die Büste Tandlers feiner und detailreicher ausgearbeitet. Das Gesicht bei dem Tandler Denkmal besitzt mehr Ausdruckskraft als jenes von Pirquet.

Literatur

  • Czeike 1997: F. Czeike, Historisches Lexikon, Wien 1997, Band 4, S. 557.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007, S. 97.
  • Riedl 2005: Rupert Riedl, Leben und Schaffen des Bildhauers Josef Riedl. Eine Künstlerbiografie, Frankfurt am Main 2005.

Quellen

  • UAW Senat S 222.35.

UAW = Universitätsarchiv Wien

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 96.8, Z.1779 ex 1905/6.
  2. Czeike 1997.
  3. UAW Senat S 222.35, Z. 168 ex 1951/51.
  4. UAW Senat S 222.35, 1. Aktenstück, S. 2.
  5. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.2.
  6. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.4.
  7. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.5.
  8. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.7.
  9. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.9.
  10. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.17.
  11. UAW Senat S222.35, GZ. 339-1959/60, S.19.

Redigiert: Leo Czernin