Denkmal Carl von Rokitansky

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Lage des Denkmals, Nr. 54, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Büste Carl von Rokitansky
Inschrift: NOVAE DISCIPLINAE ANATOMIAE PATHOLOGICAE CONDITOR MDCCCXXXIIII MDCCCLXXVIIII
Signatur des Bildhauers E. Alexius von Swoboda

Das Denkmal für den Pathologen, Philosophen und Politiker Carl von Rokitansky (1804-1878) wurde von dem Bildhauer Alexius von Swoboda (1849-1920) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 5. Juni 1898 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Carl von Rokitansky besteht aus einem, sich nach untenhin verjüngenden steinernen Podest in Pfeilerform mit der darauf gesetzten Büste Rokitanskys. In goldenen Lettern ist im Abakus des Podestpfeilers der Name des Mediziners eingraviert, darunter, im Kapitell wird in Latein seine universitäre Funktion als Pathologe von 1833 - 1879 angegeben: NOVAE DISCIPLINAE ANATOMIAE PATHOLOGICAE CONDITOR MDCCCXXXIIII MDCCCLXXVIIII. Der oberste Teil des Postaments, auf dem die Büste ruht,zeigt ein Relief mit einem Arrangement aus Lorbeerzweigen. Sie umgeben einen Kelch, aus dem eine Schlange zu trinken scheint. Dieses Attribut der griechisch-römischen Göttin Hygieia ist ein Symbol der Heilkunst.Die Lorbeeren sind bereits seit der Antike ein Zeichen für besondere Ehre und Auszeichnung. Rokitansky selbst ist stattlich dargestellt. Seine Haltung ist würdevoll, sein Blick ernst nach vorne und leicht nach oben gerichtet. Sein Abbild zeigt ihn als älteren Mann, denn sein Haupt zieren nur noch wenige Haare und auch sein Gesicht zeigt schon einige Falten. Seine Wangen säumt ein dichter Bart, der vor dem Kinn endet und in seine Koteletten übergeht. Seine Augen sind starr in die Ferne und leicht nach oben gerichtet. Dadurch blickt er seine Betrachter nicht an, sondern sieht über ihn hinweg, was auch durch die hohe Positionierung der Büste verstärkt wird. Sein Gesicht strahlt durch die schmalen Lippen und seinen Blick Ernsthaftigkeit und Würde aus. Seine Kleidung bestätigt den Eindruck, denn er trägt einen festlichen Anzug, ein elegantes Hemd darunter und eine Krawattenschleife um den Hals. Die Gesamtkomposition des Denkmals zeigt einen für die Geschichte der Universität und der Wissenschaft wichtigen Mann, der durch ein detailgetreues Abbild geehrt werden soll.

Notizen zur dargestellten Person

Carl von Rokitansky war Mediziner und Leiter des Pathologisch-Anatomischen Instituts, später Dekan der Medizinischen Fakultät und schließlich der erste frei gewählte Rektor der Universität Wien. Seine wissenschaftliche Tätigkeit und sein Bemühen, die Forschung im Bereich der Pathologie voran zu treiben sind heute noch sichtbar. So existieren noch etliche Präparate im Gerichtsmedizinischen Museum, die er selbst angefertigt hat.

Entstehungsgeschichte

Am 05. Juni 1898 wurde das Denkmal von Carl von Rokitansky gleichzeitig mit dem von Josef von Skoda enthüllt. Der Akademische Senat der k.k. Universität hatte bereits 1894 beschlossen, eine Büste des Mediziners aufzustellen. Sie sollte entweder aus Laaser Marmor oder Carraramarmor gestaltet werden. Alexius von Swoboda wurde mit Anfertigung dieses Denkmals beauftragt. Er hat für das Denkmal einschließlich des Aufbaus ein Honorar von 1600 Gulden erhalten, wobei 800 Gulden für das Postament vorgesehen waren. Swoboda ist ein Bildnis von Rokitansky, das sich im Zimmer des Rektors befunden hat, überlassen worden. Am 11. Februar 1896 hat der Bildhauer es bereits gegen ein Revers erhalten. Im gleichen Zeitraum hat der Senat beschlossen, den Sockel nicht aus Laaser Marmor, sondern aus einem ähnlichen, gelblichen Stein erbauen zu lassen. Nachdem die Universität entschieden hatte, dass die Büste Rokitanskys in einer Nische im südlichen Teil des Arkadenhofs untergebracht werden sollte, wurde Swoboda beauftragt,das Denkmal in der gleichen Größe wie das des Slawisten Franz von Miklosich herzustellen. 1897 war die Büste fertiggestellt, das Lieferdatum des Sockels wurde für Mitte Januar des Folgejahres anberaumt. Nach dessen Fertigstellung sollte er von der Gebäude-Inspektion zur Aufbewahrung übernommen werden. Anfang April 1898 fiel Professor Ebner ein Fehler auf, den die Inschrift des Denkmals betrifft. So sollte es nicht PATHALOGICAE sondern PATHOLOGICAE heißen. Dieses Missgeschick ist sogleich beseitigt worden. Die gesamte Inschrift CAROLVS ROKITANSKY NOVAE DISCIPLINAE ANATOMIAE PATHOLOGICAE CONDITOR MDCCCXXXIIII MDCCCLXXVIIII wurde von Professor Eduard Albert verfasst. Am 05. Juni 1898 hielt Professor Weichselbaum die Festrede anlässlich der Enthüllung des Denkmals.[1]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Vergleich man mit einer Porträtfotografie von 1874 fällt auf den ersten Blick die Ähnlichkeit zwischen dem Dargestellten und seinem Denkmal auf. Bei näherer Betrachtung kann man dann einige Unterschiede sehen. Die Kopfform ist bei der Büste rundplastischer, als es auf dem Bildnis des Mediziners scheint. Da sieht sein Schädel flacher und eckiger aus. Bei seinem Abbild aus Stein ist die Stirn ausgeprägter gewölbt und der Kopf wirkt ein wenig schmäler und dadurch länger. Auch die Augenpartie ist bei dem Denkmal anders gestaltet. So sind seine Augen ein wenig größer. Seine Nase ist der der Fotografie sehr ähnlich, doch auch beim Mund hat Swoboda die obere Lippe ein wenig vergrößert, sodass er nicht zu schmal wirkt. Rokitanskys Bart ist weit weniger füllig als er auf der Büste scheint. Dort wirkt er beinahe weich und liegt in leichten Wellen am Kinn an. Im Gegensatz dazu sieht sein Backenbart am Foto struppiger aus und reicht auch nicht so weit hinunter zum Kragen. Im Kleidungsstil des Mediziners hat sich Swoboda an die zeitgenössische Mode gehalten.Im Allgemeinen hat Swoboda die Ähnlichkeit, die strengen Gesichtszüge und den ernsten Blick gut eingefangen, auch wenn er an einigen Stellen Veränderungen vorgenommen hat, um das Gesamtkonzept der Büste zu verbessern. Unklar ist, ob - wie in den Quellen genannt - dem Bildhauer als Grundlage für sein Werk das Rektorenbildnis Rokitanskys von Anton Einsle (1852/53) zur Verfügung gestellt wurde, das sich heute im Archiv der Universität Wien befindet.Er hätte auch auf die Medaille von Anton Scharff zurückgreifen können, die 1874 anlässlich des 70. Geburtstages des Mediziners entstand. In diesem Jahr schuf Viktor Tilgner eine Marmorbüste Rokitanskys, die Swoboda sicher kannte. Das Original befindet sich heute im Wiener Institut für Geschichte der Medizin, Josephinum. Rokitansky selbst ließ vier Kopien davon anfertigen.Die Ähnlichkeit zu Swobodas Büste ist nicht zu übersehen. Allerdings verkürzt dieser die Büste weiter oben im Brustbereich und an den Armansätzen durch gerade Schnitte, sodass ein stärker geometrischer Kontur entsteht. Auch glättet er die bei Tilgner so lebendig wirkende Oberfläche. Die Büste wirkt dadurch strenger und distanzierter.Im Büstenausschnitt der Skulptur von Swoboda sehr ähnlich ist die Gipsbüste im Vortragssaal des Hauses der Ärzte in der Frankgasse, 1090 Wien. Das im selben Jahr wie für Rokitansky im Arkadenhof errichtete Denkmal für Josef von Skoda wirkt wie ein Pendant. Die Büste sitzt auf einem ähnlichen sich nach unten verjüngendem Pfeilerpodest auf und vertritt den naturalistischen Porträttypus des späten Historismus.


Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Quellen

UAW, Senat, S 95.19 Rokitansky, Carl Frh. v., Denkmal im Arkadenhof, 1893-1898 (Akt).

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat, S 95.19 Rokitansky, Carl Frh. v., Denkmal im Arkadenhof, 1893-1898 (Akt).

Literatur

Herbert Matis, Der Wissenschafter Carl von Rokitansky: Pathologe-Philosoph-Politiker, in: Helmut Rumpler/Helmut Denk (Hg.), Carl Freiherr von Rokitansky, Wien/Köln/Weimar 2005, S. 33 – S. 38.
Ottokar Rokitansky, Carl Freiherr von Rokitansky (1804-1878), Das Lebensbild eines großen Österreichers, in: Helmut Rumpler/Helmut Denk (Hg.), Carl Freiherr von Rokitansky, Wien/Köln/Weimar 2005, S. 15-28.

Weblinks

Galerie


Magdalena Fleming, Hanna Sumislawska-Glessner, Leo Czernin