Denkmal Carl Claus

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Carl Claus
Lage des Denkmals, Nr. 42, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Signatur Kauffungens am Denkmal Carl Claus

Das Denkmal für den Zoologen Carl Claus (1835-1899) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 18. Dezember 1907 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für den Zoologen Carl Claus ist als flaches Relief aus Marmor gestaltet. Es handelt sich hier um eine hochrechteckige, zweiteilige Tafel, welche auf einer schmalen Konsole steht. Auf dem unteren Teil der Tafel befindet sich die Inschrift: CARL CLAUS PROFESSOR DER ZOOOLOGIE UND VERGLEICHENDEN ANATOMIE MDCCCLXXIII - MDCCCXCVI. Diese in gold gefasste Inschrift hebt sich durch den Farbkontrast zur hellen Farbe des Marmos stark ab. Im oberen Teil des Denkmals befindet sich das Porträt des Geehrten. Dieses in eine ovale, konkave Vertiefung gesetzte Porträtprofil wird von einem profilierten Rahmen am äußeren Rand der Tafel eingefasst. Die Konturen des Gesichtes, des Bartes und der Haare sind sehr detailliert wiedergegeben. Zahlreiche individuelle Merkmale (hohe Stirn, dichtes Haar, spitze Nase und Vollbart) sind deutlich zu sehen. Der Blick richtet sich in die Ferne und unterstützt den Gesamteindruck eines weisen, älteren Gelehrten. Insgesamt erscheint das von Richard Kauffungen geschaffene Relief äußerst weich und bewegt modelliert. Rechts neben dem Hals befindet sich die Signatur des Künstlers "Kauffungen MCMVI".

Notizen zur dargestellten Person

Carl Claus war ordentlicher Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Universität Wien. Gemeinsam mit Karl Grobben verfasste er ein Lehrbuch über Zoologie.

Entstehungsgeschichte

Am 15. 12. 1904 schreiben Prof. K. Grobben und Professor Hatschek einen Brief an das Professoren Kollegium, in dem sie für den am 18. Jänner 1899 gestorben Professor Carl Claus, beim hohen akademischen Senat die Errichtung eines Denkmals in den Arkaden der Universität empfehlen. Es bildete sich ein Komitee bestehend aus Prof. K. Gobben, Prof. B Hatschek, Prof. K. Haider, Prof. A. Wierzejski, Prof. F. Pinter, Kustos L. Lorenz v. Loournau, Insepktor E. Graeffe und anderen Freunden und sammelte dafür eine Summe von 1200 Kronen. [1] Der Dekan der philosophischen Fakultät und das Professorenkollegium stimmten am 17.12.1904 dem Antrag zu. Der Rektor teilte dem Komitee mit, dass wenn die Summe für das Denkmal reichen würde nur mehr eine Prüfung betreffend der künstlerischen Eignung nötig sei. Wenn es jedoch an Geldmitteln fehle, müssen dem akademischen Senat die voraussichtlichen Kosten für die Errichtung des Denkmals vorgelegt werden. [2] Professor Grobben wurde mitgeteilt, dass der Senat 800 Kronen in Aussicht stellt, wenn das Denkmal als Medaillon vom Künstler Bayer hergestellt wird. [3] Am 20. April. 1905 bewilligte der Rektor die 800 Kronen neu. [4] Am 6. November des selben Jahres bewilligte ebenfalls das k. k. Ministerium die 800 Kronen für das Denkmal. Ein Modell 1:5 von Richard Kauffungen wurde dem Rektor und in weiter Folge der artistischen Kommission vorgelegt. Dr. Karl Grobben gab einen Vorschlag zur Einmauerung und zwar am Wandteil der Arkaden zwischen den Büsten des Freihern von Hye und der Denkmalplatte Professor Lotheissens.[5] Der Rektor genehmigte die Anbringung am Feld 24 des Juristentraktes. [6] Karl Grobben bittet den Rektor um die Flüssigmachung der 800 Kronen für den Künstler, der diese auch veranlasste. [7] Am 4. November 1906 teilte der Rektor dem Obmann der artistischen Komission mit, dass das Denkmal fertiggestellt ist und sich an den bestimmten Ort im Arkadenhof, zwischen den Büsten des Freiherrn v. Hye und der Denkmalplatte Prof. Lotheissens unverhüllt befindet. Das Honorar das Kauffungen zugesagt wurde, war jedoch immer noch nicht ausbezahlt und der Rektor bat die artistische Kommission um Hilfe für die Flüssigmachung der 800 Kronen. [8] Am 10. Februar 1907 wurde ein Rechnungbericht verfasst der die genauen Details über die Kosten des Denkmals aufzählt. Einnahmen: Beiträge durch Sammlung: 1325.90 K Zinsen: 98,24 K Staatlicher Betrag seitens des k.k. Ministeriums für Kultur und Unterricht: 800,00 K. = 2224,14 Kronen

Ausgaben Denkmal: 2085,00 K Eskontoabzug 0,28 K Heliogravüren des Denkmals für den Bericht: 90,00 K Aufruf: 11,00K Versand des Aufrufs: 13.00 K Bericht: 14.50 K Versand des Berichts 10,36 K = Gesamt: 224,14 Kronen [9] Am 18. Dezember 1907 wurde zum Anlass der Aufstellung von den Denkmälern Dr. Carl Claus und Dr. Albrecht Schrauf eingeladen. Festredner waren Dr. B Hatschek und Dr. F. J. Becke.[10]

Ereignisse nach der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof sind keine Ereignisse bekannt.

Rezeption in der Presse

  • Wiener Zeitung: Aufstellung der Denkmäler Dr. Carl Claus und Dr. Albrecht Schrauf, in: WZ, 19. Dezember 1907, Seite 11 Spalte 3.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Hans Bitterlich, Denkmal für Ferdinand Lotheissen, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1902.
Richard Kauffungen, Porträtbüste: Josef Seegen (1822-1904), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 72, 1910 enthüllt, Abbildungsnachweis: Universität Wien.
Carl Claus
Carl Claus Steininger, August.UAW

Das Relief für Carl Claus lässt wenig Ähnlichkeiten mit dem benachbarten Denkmal Ferdinand Lotheissen von Hans Bitterlich erkennen. Für beide Persönlichkeiten wurde eine Reliefdarstellung gewählt, doch handelt es sich bei dem Denkmal Lotheissens nicht um Marmor sondern um Bronze. Dargestellt ist Lotheissen ungleich Claus im Viertelprofil. Die Verarbeitung von Gesichtszügen Haupt-und Barthaar fällt bei Kauffungens Claus viel schematischer und allgemeiner aus, ohne jedoch die physiognomische Eigenheiten des Dargestellten zu vernachlässigen, wohingegen man bei der Betrachtung Bitterlichs Lotheissen beinahe vermuten könnte einzeln herausgearbeitete Haare zu sehen. Die heraustretenden Adern auf der Stirn des Gelehrten und sein strenger Blick verleihen ihm etwas amposantes, fast angsteinflössendes. Das gänzlich anders gewählte Format und die florale Umrahmung Lotheissens stehen hier ebenfalls im Gegensatz zu Claus klassisch-schlicht gehaltener Refliefplatte. Es fällt schwer, die stilistischen Eigenheiten einer Reliefplatte mit der einer Büste zu vergleichen, doch kann man an der sich ebenfalls im Arkadenhof befindlichen durch Kauffungen gearbeiteten Büste für Josef Seegen durchaus die gleiche Handschrift des Bildhauers erkennen, so zum Beispiel schemenhafte Verarbeitung von Haupt- und Barthaar, oder der "in die Ferne schweifende", melancholische Blick.

Quellen

  • Senat 93.16

Einzelnachweise

  1. Senat 93.16, Nr. 1803, 1904.
  2. Senat 93.16, Z.1830 ex 1904/5.
  3. Senat 93.16.27./3. 1904/5
  4. Senat 93.16.Z 112.17.1905
  5. Senat 93.16.Z2369. 1906
  6. Senat 93.16.Z2369 ex 1905/6
  7. Senat 93.16.Z742 ex 1906/7
  8. Senat 93.16.Z742 ex 1906/7
  9. Senat 93.16.Z1238,1907
  10. Senat 93.16.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth,Wien,Basel 1934.
  • Olga Stieglitz (u.a.), Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942): Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule, Frankfurt 2008. Digitalisierte Version auf Google Books

Evelyn Haspl, Leo Czernin