Denkmal Carl Braun von Fernwald

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal Karl Braun von Fernwald von Theodor Charlemont, enthüllt 1894.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 114, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Denkmal Carl Braun von Fernwald, Detail: Inschrift.
Abb. 4: Denkmal Carl Braun von Fernwald, Detail: linke Ecke.

Das Denkmal für den Mediziner Carl Braun von Fernwald (1823-1891) wurde von dem Bildhauer Theodor Charlemont (1859-1938) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7. Januar 1894 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 5: Denkmal Carl Braun von Fernwald, Detail: Tympanonfeld.
Abb. 6: Denkmal Carl Braun von Fernwald, Detail: Signatur Theodor Charlemonts.

Das Denkmal Carl Braun von Fernwalds (Abb. 1) misst 175 cm in seiner Höhe, 126 cm in seiner Breite und 7 cm in seiner Tiefe. Es gliedert sich in ein rechteckiges Hauptfeld und ein darüber anschließendes Giebeldreieck, diese Kombination erinnert an Epitaphien. Die Fläche des Hauptfeldes setzt sich aus dem Medaillon (ca. 70 cm Durchmesser) in der oberen Hälfte, und der darunter liegenden Inschriftentafel zusammen. Umrandet wird die Fläche von verzierenden Elementen aus Lorbeerzweigen in den Längsseiten und Blüten in den Ecken (Abb. 4). Die gesamte Tafel wird von Trägerkonsolen, die in 17 cm Höhe montiert sind, getragen. Diese Konsolen messen 25 cm in der Breite und 7 cm in der Tiefe, wobei ihre Oberflächen antikisierend mit Akanthusblättern geschmückt sind.

Das Giebeldreieck beinhaltet ein Tympanonfeld mit einem Wappen (Abb. 5), welches von geschwungenen Bändern umgeben ist. Ein Ziegenbock ziert das Wappenfeld, er scheint gerade einen Berg hinaufzusteigen.

Im Medaillon befindet sich der portraitierte Kopf des Gynäkologen Carl Braun von Fernwald. Er wird im Seitenprofil gezeigt. Braun von Fernwald trägt einen Vollbart sowie nackenlanges, zurück gekämmtes Haar, wobei der obere Kopfbereich kahl ist. Neben seinem geöffneten Mund spricht seine in Falten gelegte Stirn dafür, dass sich Braun in einem Akt des Sprechens oder Denkens befindet.

Den untere Teil der zentralen Fläche bildet das Inschriftenfeld (Abb. 3). Hier steht geschrieben: Carolus Rudolphus Braun Eques de Fernwald A Consiliis Aulicis Artis Obstetriciae et Gynaecologiae Professor Intra Annos MDCCCLVI et MDCCCXCI. NATUS A MDCCCXXIII OBIIT A MDCCCXCI. Frei übersetzt bedeutet dies: Carl Rudolph Braun Ritter von Fernwald, von fürstlichem Beschluss her festgelegt, Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie in den Jahren 1856 bis 1891, geboren 1823, gestorben 1891.

Notizen zur dargestellten Person

Carl Braun von Fernwald (* am 22.03.1823 in Zistersdorf, Niederösterreich, gestorben am 28.03.1891 in Wien) war ein österreichischer Gynäkologe. Er habilitierte sich 1853 für Geburtshilfe und wurde 1856 ordentlicher Professor und Vorstand an der geburtshilflichen Klinik in Wien. Sein Beitrag zur Forschung waren neue medizinische Instrumente und die Ablösung der Gynäkologie von der Chirurgie. Braun von Fernwald leitete den Umbau der Wiener Gebärklinik in eine zeitgemäße Klinik.[1]

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal zu Ehren Carl Braun von Fernwalds wurde 1893 auf Ansuchen der gynäkologischen Gesellschaft in Wien errichtet, deren damaliger Vorstand Dr. Rudolf Chrobak war. Die gynäkologische Gesellschaft beschloss das Denkmal Brauns vom akademischen Bildhauer Theodor Charlemont anfertigen zu lassen. Dies geht aus einem Brief der gynäkologischen Gesellschaft an den akademischen Senat hervor. [2]

Aus einem Brief an Otto Benndorf lässt sich erkennen, dass die artistische Commission forderte, die Inschrift in ihrer Form und ihrem Stil zu verbessern. [3] Erwähnenswert ist außerdem, dass Theodor Charlemont selbst gerne Änderungen am Denkmal vorgenommen hätte, die allerdings nicht ausgeführt wurden. In einem Brief an den akademischen Senat bittet er um die Bewilligung, das Marmorrelief im Profil gegen ein dreiviertel Relief in Bronze umtauschen zu dürfen. [4] Für diesen Zweck fertigte er ein „überlebensgroßes Portrait Relief in Dreiviertelansicht als Gipsmodell“ an. [5]

Die Denkmaltafel wurde im Rundbogenfeld links von der Treppe montiert. Diese befindet sich in der Mitte des Traktes auf der rechten Seite, wobei die Blickrichtung vom Eingang zum Hof ausgeht. Anfangs wurde die Denkmaltafel fälschlicherweise an der für das Brücke-Denkmal vorgesehenen Stelle (Abb. 2, Maisel: Nr. 125) angebracht. Für die finanziellen Mittel der Restaurierung der Mauer, an der schon Ziegel beschädigt worden waren, musste das Komitee des Braun Denkmals aufkommen. [6]

In der Sitzung des akademischen Senates vom 18. Dezember wurde beschlossen, dass die Enthüllungsfeier in den Weihnachtsferien des Jahres 1893/94 erfolgen würde. Die Dekoration erfolgte, wie aus einem Schreiben des Rektors an die Gebäudeinspektion hervorgeht, auf eine für die Universität gewohnte Weise. Hierfür wurde die Blumenhandlung Ferdinand Stumpf beauftragt.[7] Das fertige Denkmal wurde dem Rektor am 7. Januar 1894, gemeinsam mit dem Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke, dessen Mentor Sigmund Exner war, übergeben.[8]

Am selben Tag fand auch die Enthüllungsfeier beider Denkmäler um 12 Uhr Mittags im Arkadenhof der Universität Wien statt. Geladen waren, neben persönlichen Gästen der Obmänner der jeweiligen Denkmmalkommitees, unter anderem die medizinische Fakultät, Mitglieder des akademischen Senates, Dekanate der juristischen, philosophischen und theologische Fakultät, das Unterrichtsministerium, die medizinische Akademie und andere.[9]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7: Carl Rudolf v. Braun-Fernwald, J. Löwy, o. J., Lichtdruck, 28,5 cm x 20,5 cm.
Abb. 8: Denkmal Carl Claus von Richard Kauffungen, enthüllt 1894.

Das Denkmal zeigt den Kopf des Gynäkologen Carl Braun von Fernwald (Abb. 1) als Relief in einem Medaillon liegend, im Seitenprofil, welches dekorativ von Ornamenten umrahmt ist. Brauns charakteristischer Bart steigert den Wiedererkennungswert des Arztes. Auch seine Mimik, die aus dem leicht geöffneten Mund und den Falten auf seiner Stirn entsteht, evozieren ein realistisches Erscheinungsbild. In einem Vergleich des Denkmals mit einer Fotografie (Abb. 7) wird die Ähnlichkeit deutlich. Sowohl der Bart, als auch die Frisur wurden vom Bildhauer aufgenommen und naturalistisch verarbeitet. Es lässt sich jedoch ein kleiner Ansatz von Idealismus erkennen, da Braun von Fernwald im Porträt des Marmorreliefs in seiner gesamten Erscheinung schlanker wirkt und auch seine Nase etwas kleiner gehalten ist. In der Fotografie sieht man Teile seiner Kleidung, einen statusbetonenden Anzug mit Hemd, während das Porträt des Reliefs mit dem Hals des Arztes endet. Die Anzeichen seiner wissenschaftlichen, medizinischen Tätigkeit beschränken sich also auf die repräsentativen Ausschmückungen des Denkmals. Das Motiv des Lorbeerzweiges wird, wie vorhin erwähnt, in die Umrandungen der Ehrentafel aufgenommen, während der obere Bereich des Denkmals von einem stehenden Ziegenbock im Tympanon abgeschlossen wird.

Vergleicht man das Denkmal Braun von Fernwalds mit jenem welches von dem Bildhauer Richard Kauffungen zu Ehren Carl Claus' (Abb. 8, Abb. 2, Maisel: Nr. 42) geschaffen wurde, lassen sich Ähnlichkeiten erkennen. Zunächst befindet es sich ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien. Der Ausschnitt des Porträts ist beinahe identisch, auch der Dermatologe und Astrologe wird im Seitenprofil, jedoch von links gezeigt. Er scheint sich, genau so wie Braun von Fernwald, in einem Denk- oder Sprechakt zu befinden. Auch sein Bart und die Haare erinnern an Brauns äußeres Erscheinungsbild. Die Verarbeitung wirkt im Vergleich zum Marmorrelief jedoch etwas härter. Sehr auffällig ist der unterschiedliche Stil der beiden Denkmäler. Während sich Kauffungen in seinem Denkmal auf das Profil und die Inschrift beschränkte, gestaltete Theodor Charlemont das Denkmal in aufwendiger Art und Weise. Das Profil des Arztes ist in ein Medaillon gefasst, während Claus' Profil ohne weitere Verzierungen einen Teil der Steinplatte bildet. Die Verzierungen, sowie das aufgesetzte Giebelfeld und die stützenden Konsolen verstärken zwar den ehrenhaften Status des Denkmals, lenken jedoch, verglichen zu Claus' Abbild vom wesentlichen Teil, nämlich dem des Porträts, ab.

Abb. 9: Carl Braun von Fernwald, Medaille am Gebäude des ehemaligen Allg. Poliklinikums.

Ein Portrait von Carl Braun von Fernwald findet sich auch an dem Fries des ehemaligen Poliklinikums in Wien, Mariannengasse 10 (Abb. 9) zwischen Hochparterre und erstem Stock. An dieser Stelle werden zwölf weitere, also insgesamt dreizehn Majolika-Medaillons der Vorstände der Wiener Allgemeinen Poliklinik angebracht. Sie sind in Relieftechnik ausgeführt. Gewidmet ist der Fries den ehemaligen Lehrern und zugleich Vertretern der 2. Wiener Medizinischen Schule.[10] Das Medaillon Braun von Fernwalds besteht aus seinem Kopf und den Schultern, sowie seinem Geburts- und Sterbedatum. Der Gynäkologe ist mit leicht zur Seite gewendetem Profil dargestellt, wobei sein Blick in die Ferne schweift. Sein voluminöser Bart und die Halbglatze sind ebenso wie bei dem Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien ausgeführt. Im Bildnismedaillon am Fries des Poliklinikums trägt er konservative hochgeschlossene Kleidung. Carl Braun von Fernwalds Gesichtszüge an den beiden Aufstellungsorten sind sehr ähnlich.

Abb. 10: Skizze zur Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal des Gynäkologen befindet sich an der im Plan von Meister gekennzeichneten 76. Stelle des Arkadenhofes der Universität Wien. In Thomas Maisels Plan des Arkadenhofes (Abb. 2), nimmt das Denkmal die Position 114 ein und befindet sich damit zwischen den beiden Büsten des Anatomen Josef Hyrtl (113) und des Chirurgen Franz Schuhs (115). Dies bedeutet, dass sich der Ausstellungsort des Denkmals nicht verändert hat.

Auch eine Skizze bestätigt diese Aussage (Abb. 10). Sie zeigt die Gedenktafel in vereinfachter Darstellung. Auf dem Inschriftenfeld ist in großen Lettern „BRAUN“ markiert. Neben der Tafel befinden sich die eben erwähnten Denkmäler, die ebenfalls durch Großbuchstaben erkenntlich gemacht wurden. Alle drei Denkmäler befinden sich in einem angedeuteten Tympanonfeld. Die Zeichnung zeigt – trotz ihrer Skizzenhaftigkeit – schon ausgeprägte Merkmale des Denkmales. Hier wären die vorhin beschriebenen Lorbeerzweige und Blüten zu erwähnen, als auch die Verzierungen an der Tafel innerhalb des Tympanonfeldes. Der Ziegenbock ist jedoch noch nicht im Feld zu erkennen.

Quellen

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse Nr. 10551, Abendblatt: 8. Jänner 1894: Kleine Chronik, Denkmalenthüllungen an der Universität: Enthüllung des Denkmals Carl Braun Ritter von Fernwald und Ernst Wilhelm Ritter von Brücke, S. 1.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 87.
  2. UAW, Senat S. 93.11, Brief der gynäkologischen Gesellschaft an den akademischen Senat, 7. Januar 1894.
  3. UAW, S.93.11, Brief an Otto Benndorf, 14.07.1893.
  4. UAW, S 93.11, Akte 7, 10.Juni 1893.
  5. UAW, Theodor Charlemont in einen Brief an den akademischen Senat, nach dem 18. Juni 1893.
  6. UAW, S 93.11, Akte 3, Brief des Rektors an Herrn Prof. Dr. Adolf Exner, Obmann der artistischen Commission Wien, 4.10.1893.
  7. UAW, S. 93.11, Rechnung von Ferdinand Stumpf Akte 5, 7. 1. 1893.
  8. UAW, S 93.11, Akte 1364, 3 Laden zum Protokoll 12.3.
  9. UAW, Senat S. 93-11, Akte 6.
  10. Emmerich Deimer (Hg.), Chronik der Allgemeinen Poliklinik in Wien: im Spiegel der Medizin- und Sozialgeschichte, Wien 1989, S. 22.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien u.a. 2007.

Autor: ?, Verena Sulzbachner