Denkmal Berta Karlik

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Thomas Baumann, Denkmal Berta Karlik, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 159, 2016 enthüllt.

Das Denkmal für die Physikerin Berta Karlik (1904-1990) wurde von dem Künstler Thomas Baumann (*1967) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 30. Juni 2016 enthüllt.

Beschreibung

Berta Karliks Denkmal, das vom Künstler Thomas Baumann (*1967) stammt, befindet sich hinten links im rechten Gang des Arkadenumganges zwischen den Arkadenpfeilern und trägt die Nummer 159.[1] Es setzt sich aus drei gläsernen Kuben zusammen. Auf dem untersten der Glaskuben ist der zweite liegend, der dritte senkrecht angeordnet. Der unterste ist auf einer schmalen Glasplatte mit demselben Grundriss auf einem rechteckigen Betonsockel montiert. Darunter befindet sich ein ebenfalls aus Beton bestehendes quadratisches Podest. Die Kanten der Kuben sind als gesplittete Bruchkanten geschliffen und entwickeln an den Eckpunkten eine markante Spitze.[2] Als Vorlage diente eine schwarzweiß Fotografie Berta Karliks, die durch die Bearbeitung der Glaskuben mit einer Lasergravur in diese eingebracht wurde und dem die drei Kuben in ihrer Anordnung und ihrem Ausmaß folgen. Dabei sind die nebeneinander befindlichen, oberen Kuben diejenigen, in die Berta Karliks Abbild graviert wurde; der untere Glaskubus ist auf diese Weise nur im oberen Teil bearbeitet worden. Die Innengravur lässt den Eindruck eines dreidimensionalen Körpers entstehen, sodass die Porträtierte in ihrer Erscheinung eine besondere Präsenz erhält. Die als knapp 50-jährige dargestellte Berta Karlik ist dabei zu sehen, wie sie konzentriert mit ausgestrecktem Arm auf Teile einer Versuchsanordnung weist, die in Brusthöhe vor ihr steht. Der Bildausschnitt zeigt Karlik bis knapp unterhalb der Schultern. Sie trägt einen weißen Laborkittel unter dem der Kragen einer Bluse und eine daran befestigte Brosche zu sehen sind. Die Szene ist ein Ausschnitt einer Fotografie aus dem Jahr 1953, entstanden im Radiuminstitut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.[3] Darauf zu sehen ist direkt rechts neben Berta Karlik die ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien von Baumann mit einem Denkmal geehrte Lise Meitner, an die die Erläuterungen Karliks gerichtet sind. Der Künstler stellte Karlik aus der Fotografie frei, übernahm jedoch einen Teil des Versuchsaufbaus, womöglich um eine Kontextualisierung zu ermöglichen. Auf der fotografischen Vorlage ist zu erkennen, dass sich beide Forscherinnen miteinander unterhalten. Dieser Aspekt entfällt durch die Auslassung Meitners und auch dadurch, dass Karlik sich gestisch und mimisch eher verhalten äußert. Vielmehr wirkt die Neuanordnung durch Baumann als Fokussierung auf Berta Karlik und ihre Tätigkeit als Wissenschaftlerin. Der Blick der Physikerin ist mit ihrer ausgestreckten Hand auf die vor ihr befindliche Anordnung gerichtet. Kompositorisch bilden die Hand und das Augenpaar in Bezug zueinander eine starke Polarität aus, die ein gewisses Gleichgewicht und eine Abgeschlossenheit – auch in Verbindung mit den Glaskuben – entstehen lässt. Die kompositorische und inhaltliche Verdichtung hin auf die Porträtierte wird durch den Schwebemoment, der durch zu großen Teilen in den oberen beiden Glaskuben ausgeführten Gravur und deren asymmetrischen Positionierung zueinander, ausgelöst. Durch die Lichtdurchlässigkeit des Glases und die dreidimensionale Wirkung der Gravur kann das Denkmal sowohl von der Hofseite, als auch von der Seite des Arkadenganges aus betrachtet werden, ist jedoch durch die Anbringung einer Metallplakette am Rande des Sockels, auf der Name, Geburts- und Sterbejahr eingestanzt sind und die auf der Seite zum Arkadenumgang hin angebracht ist, tendenziell ausgerichtet.

Notizen zur dargestellten Person

Berta Karlik (1904-1990) war Physikerin und für die Entdeckung von drei Isotopen des Elementes 85, Astat, in den natürlichen radioaktiven Zerfallsreihen verantwortlich. Sie lehrte seit 1937 am Institut für Radiumforschung der Universität Wien und war von 1947 bis 1974 dessen Leiterin.[4]

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Berta Karlik entstand anlässlich der 650-Jahrfeier der Universität Wien und wurde am 30. Juni 2016 feierlich enthüllt. Neben Karlik wurden sechs weitere Wissenschaftlerinnen mit Denkmälern geehrt: Charlotte Bühler (1893-1974), Marie Jahoda (1907-2001), Lise Meitner (1878-1968), Grete Mostny-Glaser (1914-1991), Elise Richter (1865-1943) und Olga Taussky-Todd (1906-1995). Die seit langem geforderte Ehrung von Wissenschaftlerinnen wird in einem gesonderten Artikel behandelt: Entstehungsgeschichte der sieben Denkmäler für Wissenschaftlerinnen 2016

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Ähnlich wie auch bei einigen der 2016 eingeweihten Denkmälern im Arkadenhof, zog Thomas Baumann für das Denkmal Berta Karliks eine Fotografie als Vorlage heran. Diese zeigt Karlik gemeinsam mit Lise Meitner, die jedoch nicht in das Denkmal mit übernommen wurde. Die Ausblendung der Umgebung Karliks funktioniert in der Übersetzung in die Glasgravur auf inhaltlicher Ebene, da Karliks Geste und ihr Blick nicht ins Leere verlaufen, sondern von dem Versuchsaufbau, der übernommen wurde, aufgefangen werden. Inwiefern das Freistellen einer Person und dem damit einhergehenden Verlust des Gesamtkontextes zu bewerten ist, etwa ob damit eine Fokussierung erlaubt, oder eher eine Beschneidung des eigentlichen Zusammenhanges erfolgt, bleibt dem_der Betrachter_in selbst überlassen. Baumann bezieht sich in den Materialien, die er für Berta Karliks Denkmal benutzt hat, nach eigenen Aussagen auch auf ihr Tätigkeitsfeld. So verbindet er Glas und die Bearbeitung der Bruchkanten in gesplittete mit dem Gebiet der Radioaktivität, sowie den Einsatz des Lasers zur Innengravur als Instrument generell mit der Physik.[5] In der Verbindung der Eigenschaften der Fotografie als einem relativ präzisen Medium und dem Glas als transparentem und klar artikuliertem Bildträger, liegt eine Stärke in der Aussage des Denkmals, welches die Geehrte sehr sachlich darstellt. Ebenso ermöglicht die Dreidimensionalität der Lasergravur zusammen mit der Lichtdurchlässigkeit des Glases die Einbettung des Denkmals in seine Umgebung und eine Kommunikation mit dieser. Die Lasergravur findet im Bereich der Denkmalgestaltung in dieser Dimension wenig Verwendung und wird eher im Marketing, als Werbegeschenk, und im Privaten, sowohl in Form von Bildern als auch als Schrift genutzt. Sowohl für Berta Karliks als auch für Lise Meitners Denkmal wurde mit Lasergravur und Glas gearbeitet, was für Denkmäler eher ungewöhnlich ist. Eine Ausnahme bildet ein von dem Künstler Dani Karavan (*1930) geschaffenes Werk mit dem Titel “Grundgesetz 49“ (1997-2000) im Bereich des Bundestages in Berlin, das aus einer Glaswand besteht, in die der Gesetzestext der 19 Grundrechtsartikel des deutschen Grundgesetzes gelasert ist.[6]

Quellen

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. Die Nummerierung der Denkmäler des Arkadenhofes wurde von Thomas Maisel 2007 eingeführt und nachfolgend im Jahr 2017 ergänzt. (vgl. Ingeborg Schemper-Sparholz/Martin Engel/Andrea Mayr/Julia Rüdiger (Hg.), Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa, Köln/Weimar/Wien 2017, S. 381-386.)
  2. https://medienportal.univie.ac.at/uniview/wissenschaft-gesellschaft/detailansicht/artikel/die-denkmaeler-sind-ein-guter-anfang/, aufgerufen am 02.12.2018.
  3. https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-frauen-vom-berliner-schloss-wie-akademikerinnen-die.976.de.html?dram:article_id=393627, aufgerufen am 20.12.2018.
  4. http://lise.univie.ac.at/physikerinnen/historisch/berta-karlik.htm, 27.07.2016
  5. https://medienportal.univie.ac.at/uniview/wissenschaft-gesellschaft/detailansicht/artikel/die-denkmaeler-sind-ein-guter-anfang/, aufgerufen am 17.01.2019.
  6. https://www.danikaravan.com/portfolio-item/germany-grundgesetz-49/, aufgerufen am 18.01.2019.

Charlotte Reuß