Denkmal Anton Menger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Büste von Anton Menger, Richard Kauffungen, 1919 enthüllt
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 14, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Juristen Anton Menger (1841-1906) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 10. Juli 1919 enthüllt.[1]

Abb. 3: Detailansicht der Inschrift des Anton-Menger-Denkmals
Abb. 4: Signatur von Richard Kauffungen am Menger-Denkmal mit Datierung

Beschreibung

Das Denkmal für Anton Menger befindet sich im linken Teil des Arkadenhofes der Universität Wien zwischen Haupteingang und dem Aufgang der ersten Stiegen in diesem Trakt, dort wo sich die Juristen Denkmäler befinden. Laut Maisel 2007 hat es die Nummer 14 (Abb. 2). Freistehend und auf einem Sockel platziert, präsentiert sich die Porträtbüste dem Betrachter. Der gerade Sockel ist schlank und quer-rechteckig gehalten in seiner Grundform. Als unterer Abschluss dienen ihm ein schmaler und breiter Vorsprung, welche vollkommen im rechten Winkel gehalten sind. Auch der Sockelschaft zeigt sich schlicht und ist, bis auf die goldene Inschrift: "Anton Menger 1841 - 1906. Professor der Rechte 1875 - 1899", schmucklos (Abb. 3). Abgeschlossen wird das Postament der Büste durch drei zurückspringende Elemente im Material. Die untersten Zwei folgen hierbei dem Schema des Sockels, während der oberste Rücksprung als einziger eine kleine Rundung aufweist. Durch diese sehr vereinfachten und klaren Stilelemente wird ein zurückhaltendes und puristisches Ergebnis erzielt, welches in keinster Weise den Betrachter von der Büste ablenken will. Auf dem geraden Abschluss des Sockels steht die Büste Anton Mengers ohne für das freie Auge erkennbare Befestigung. Gefertigt wurde sie aus hellem Marmor. Der Dargestellte wurde vom Künstler bis zum Brustbereich ausgeführt, der Oberarm- und Schulterbereich wurde jedoch nicht vollständig ausgeführt, sondern durch einen klaren Schnitt begrenzt. Der Jurist zeigt sich dem Betrachter im fortgeschrittenen Alter. Die Kleidung ist weicher und nicht so detailliert ausgeführt wie der Kopf, welcher sich stark ausgefertigt und realistisch präsentiert. Menger entzieht seinen Blick durch eine Drehung ins Dreiviertel Profil. Trotzdem ergibt sich eine starke Präsenz, da die Augen sehr detailliert und lebensnah ausgeführt sind. Während man bei anderen Details im Gesicht, wie etwa dem Bart oder den Haaren, weichere Konturen vorfindet. Die Büste wurde in Großbuchstaben an ihrer, vom Betrachter aus gesehen, linken Seite vom Künstler mit "R.Kauffungen MCMXIX" signiert (Abb. 4). Anhand der Skizze von Richard Kauffungen kann man erkennen, dass er das Denkmal ganz nach Entwurf ausführte (Abb. 7 und Abb. 8).

Abb. 5: Linke Seitenansicht der Anton-Menger-Büste
Abb. 6: Rechte Seitenansicht der Anton-Menger-Büste

Notizen zur dargestellten Person

Anton Menger (* 12.09.1841, Maniów, Galizien; † 6.02.1906, Rom, Italien ) war ein österreichischer Jurist, Sozialtheoretiker und politischer Schriftsteller. Er habilitierte 1872 an der Universität Wien, wurde in der Folge zum außerordentlichen Professor ernannt und danach zum ordentlichen Professor. Von 1895 bis 1896 war er Rektor der Universität Wien. Er verfasste zahlreiche Schriften mit juristischem und soziologischem Hintergrund. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählt "System des österreichischen Zivilprozesses" und die "Neue Staatslehre". Bekannt wurde er auch durch seine eigenwilligen und sozialpolitischen Ansichten, außerdem war er Hof- und Gerichtsadvokat, sowie Reichratsabgeordneter.

Entstehungsgeschichte

Bereits am 30.Oktober 1909 wurde von der Wirtschafterin Mengers, Anna Schäffer, welche er auch in seinem Testament bedacht hatte, der Antrag auf ein Denkmal für Anton Menger gestellt.[2] Dieser musste jedoch vom damaligen Rektor Heinrich Swoboda abgelehnt werden, da die Errichtung eines Denkmales erst fünf Jahre nach dem Tod des Gefeierten vorgenommen werden durfte.[3] Aufgrund eines gemeinschaftlichen Antrages der Professoren Rernatzik, Gruenberg, Menzel, Schey, Sperl und Stooss wurde bei der ordentlichen Vollsitzung vom 7. Dezember 1918 beschlossen, dass Anton Menger im Arkadenhof der Universität auf der Juristenseite ein Denkmal erhalten solle. Begründet würde die Notwendigkeit in einem Brief. In diesem wurde Menger als Leitbild für die juristische Fakultät genannt. Seine wissenschaftliche Bedeutung wurde besonders hervorgehoben. Außerdem übergab er der Universität seine Bibliothek, die viele seltene Schriftstücke beinhaltete. Um diese in ihrer Vollständigkeit Instand zu halten, hinterließ er ein Vermögen.[4] Am 13. Dezember 1918 wurde der Antrag in der Sitzung des akademischen Senats angenommen.[5] Der Auftrag erging an Richard Kauffungen, welcher sich verpflichtete die Fertigstellung bis zum 15. Juli 1919 zu gewährleisten.[6]

Am 10. Juli 1919 wurde das Denkmal im kleinen Festsaal der Universität Wien im Zuge einer Feier enthüllt.[7]

Abb. 7: Entwurf von Richard Kauffungen für das Denkmal Anton Mengers

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Bereits kurz nach der Enthüllung wurde das Denkmal in diversen Zeitungen mit „treffender Ähnlichkeit“ gelobt.[8] Der nach links gedrehte Blick erinnert an das Denkmal Adolf Exner bei dem Hans Bitterlich das selbe Motiv gewählt hat. Jedoch scheint Mengers Blick gegenwärtiger zu sein und nicht soweit in die Ferne zu schweifen, wie es bei Exner der Fall ist. Der Vergleich mit der Büste Exners bietet sich auch noch, wenn man das Verhältnis der Ausfertigung von Bekleidung und Kopf betrachtet. Bei beiden Büsten ist die Kleidung der Juristen weniger detailliert, die Gesichter jedoch sind lebensnah und sehr realistisch.

Abb. 8: Gesamtansicht und heutige Aufstellungssituation des Menger-Denkmals

Ereignisse nach der Aufstellung im Arkadenhof

1938 wurde die Büste Anton Mengers und die einiger anderer Professoren auf Geheiß des damaligen Rektors Fritz Knoll entfernt und in ein Depot verlagert. Grund hierfür war der im Vorfeld der „Langemarck“-Feier im November 1938 erfolgte vandalistische Akt an Denkmälern durch Studenten der NS-Partei. Dabei wurden willkürlich Denkmäler für Professoren, die nach NS-Kriterien als „jüdisch“ eingestuft wurden, beschädigt, mit Farbe beschmiert oder umgestürzt. Aus Angst vor irreparablen Schäden und als Ergebnis einer Überprüfung der Konformität der dargestellten Professoren mit den NS-Rassegesetzen kam es zur Abtragung von insgesamt sechzehn Denkmälern. Im Jahre 1947 wurden die beschädigten und entfernten Denkmäler wieder im Arkadenhof aufgestellt.[9]

Quellen

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S.15 + 55.
  • UAW, Senat 88.19, 30.10.1909.
  • UAW, Senat 88.19, 8.11.1909. Notiz über den Antrag zur Aufstellung einer Büste von der Wirtschafterin Mengers.
  • UAW, Senat 88.19, 7.12.1918 und UAW, Senat 88.14, 12.12.1918. Antrag der Professoren zur Errichtung des Denkmals.
  • UAW, Senat 88.19, 21.12.1918. Bewilligung des Antrages für Die Aufstellung durch den Akademischen Senat.
  • UAW, Senat 88.19, 9.5.1919, Brief von Richard Kauffungen an den Rektor zur Besprechung der Aufstellung der Büste.
  • UAW, Senat 88.19, 30.5.1919. Brief des Rektors an Kauffungen zur Inschrift des Sockels und zur Aufstellung der Büste.
  • UAW, Senat 88.19, undatierte Briefe des Rektors zur Enthüllung des Denkmals und zu den Vorkehrungen die bis dahin noch getroffen werden müssen.
  • UAW, Senat 88.19, 28.7.1919.

(UAW = Archiv der Universität Wien)

Rezeption in der Presse

Es wurde in zahlreichen Zeitungen über die Aufstellung und Enthüllung des Menger-Denkmals geschrieben. So zum Beispiel in der Neuen Freien Presse, der Wiener Mittagspost, dem Neuigkeits-Weltblatt, der Wiener Abendpost, der Wiener Mittagszeitung, der Republik oder dem Deutschem Volksblatt.[10] Die Artikel beschränkten sich auf den Bericht über die Aufstellung und gehen nicht weiter auf die Büste oder den Dargestellten ein.

  • Neue Freie Presse, Abenblatt, 11.Juli 1919.
  • Wiener Abendpost, 11.Juli, 1919.
  • Wiener Mittagspost, 11.Juli 1919.
  • Wiener Mittagszeitung, 11.Juli 1919.
  • Wiener Stimme, 11.Juli 1919.
  • Deutsches Volksblatt, 12. Juli 1919.
  • Die Republik, 12.Juli 1919.
  • Neuigkeits-Weltblatt, 12.Juli 1919.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S.10.
  2. UAW, Senat 88.19, 30.10.1909.
  3. UAW, Senat 88.19, 8.11.1909.
  4. UAW, Senat 88.19, 12.12.1918.
  5. UAW, Senat 88.19, 21.12.1918.
  6. UAW, Senat 88.19, undatierter Brief des Rektors der Universität Wien.
  7. UAW, Senat 88.19, 28.7.1919.
  8. UAW, Senat 88.19.
  9. Maisel 2007, S. 14-15.
  10. UAW, Senat 88.19.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 10 + 36-37.

Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Katharina Anzböck