Denkmal Anton Kerner von Marilaun

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 31, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Botaniker Anton Kerner von Marilaun (1831-1898) wurde von dem Bildhauer Edmund Hofmann von Aspernburg (1847-1930) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 14. Jänner 1908 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal befindet sich im linken Arkadengang zwischen dem Denkmal für Stephan Endlicher und dem Denkmal für Franz Unger (Abb. 2). Die hochformatige, rechteckige Gedenktafel für den Botaniker ist dreiteilig aufgebaut, das Porträt des Geehrten wird im Typus der Imago Clipeata von einer konkaven Schale eingefasst. Das gesamte Denkmal wurde aus hellem Marmor gefertigt. Es handelt sich hier um einen streng symmetrischen Aufbau mit zentral eingefügten Porträt. Der Büstenabschnitt mit Kopf hebt sich vollplastisch aus der konkaven Schale ab. Der profilierte Rahmen wird in der oberen Hälfte von einer üppig mit floralen Elementen ausgestatteten Blumenranke umrahmt, die mittig die Kartusche von Anton Kerner trägt. Die üppige Ranke dient als symbolischer Verweis auf Kerners Profession als Botaniker. Da Anton Kerner einer der besten Kenner der Alpenflora war, kommen in der Ranke einige Alpenblumen, wie Enzian, Edelweiß oder Alpenrosen vor. Weiters zugeordnet werden können außerdem noch Primeln, Rosen und Rosenknospen. Das Porträt ist in strenger Frontalität ausgerichtet, Kerner blickt gerade heraus über den Betrachter hinweg. Er ist in fortgeschrittenem Alter dargestellt, was an den tiefen Falten im Gesicht erkennbar ist. Sein detailgetreu herausgearbeitetes Gesicht wirkt trotz des fixierenden Blicks ausdruckslos. Er trägt zeitgenössische Kleidung mit Mantel über einer Weste und Hemd. Unter dem Büstenabschnitt ist ein Lorbeerzweig zu erkennen, der als Zeichen der Ehre zu deuten ist und Anton Kerners Würdigung unterstreicht. Der Zweig bekrönt die auf einer herausgearbeiteten querrechteckigen Tafel befindliche, goldene Inschrift „Anton Kerner Ritter v. Marilaun Geb. 1831 Gest. 1898 Professor der Botanik 1878-1898“.

Notizen zur dargestellten Person

Anton Kerner von Marilaun (* 12. November 1831 in Mautern, Niederösterreich; † 21. Juni 1898 in Wien) war ein österreichischer Botaniker und Universitätsprofessor. Er gilt als einer der Mitbegründer der Pflanzensoziologie.

Entstehungsgeschichte

Erstmals wurde im März 1903 ein Antrag vom Dekan der philosophischen Fakultät - nach Beschluss vom Kollegium - für die Errichtung eines Denkmals für Anton Kerner von Marilaun gestellt.[1] Dieser wurde vorerst vom k.k Ministerium für Kultus und Unterricht abgelehnt. 1906 wurde der Antrag erneut vom Rektor gestellt. Daraufhin finanzierte das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht die Erstellung des Denkmals und ermöglichte dadurch seine Aufstellung im Arkadenhof der Universität Wien.[2] Als Bildhauer wurde Edmund Hofmann von Aspernburg gewählt, der zuvor schon das Reliefporträt am Wiener Zentralfriedhof (Abb. 3) und den Gipsabguss dieses Reliefs im Vestibül des botanischen Instituts (Abb. 4) für Anton Kerner hergestellt hatte.[3] Der Künstler war gut mit dem Botaniker befreundet, weshalb er ebenfalls für das Denkmal im Arkadenhof ausgewählt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Bildhauer noch kein Denkmal im Arkadenhof aufgestellt.[4] Edmund Hofmann von Aspernburg wurde für diesen Auftrag mit 4000 Kronen vergütet, inbegriffen waren dabei Material, Herstellung und Aufstellung der Gedenktafel.[5] Der akademische Senat beschloss dass die Umrahmung des Kopfes in Form eines geschlossenen ovalen Medaillons hergestellt werden solle. Weiters wurde beschlossen, dass die Verkröpfung an der Oberkante des Rahmens, sowie die kleinen Voluten an den seitlichen Kröpfen entfernt werden müssen; die Kartusche sollte vergrößert und mit der Blumenranke verbunden werden.[6] Die Enthüllung des Denkmals war für den 12. November angesetzt, diese wurde immer wieder verschoben. Grund dafür war, dass am 18. Dezember das Denkmal Carl Claus und das Denkmal Albrecht Schrauf enthüllt wurden, daher wurde die Enthüllung des Kerner Denkmals auf den 14. Jänner 1908 verschoben.[7] Als Anlass der Aufstellung des Denkmals fand im kleinen Festsaal der Universität Wien eine Feier statt, diese wurde von Richard Wettstein – dem Nachfolger Anton Kerners – mit einer Festrede eröffnet.[8][9]

Abb. 3: Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Als Vergleich für das Denkmal im Arkadenhof kann Anton Kerners Grabmal am Zentralfriedhof (Abb. 3) herangezogen werden, das ebenfalls von Kerners Freund dem Bildhauer Edmund Hofmann von Aspernburg gefertigt wurde. Wie bei der Gedenktafel im Arkadenhof der Universität Wien, wurde das Porträt Anton Kerners beim Grab in ein Medaillon gefasst. Jedoch ist das Medaillon an der Gedenktafel oval, am Grab ist es rund. Das Porträtrelief ist bei beiden nahezu identisch, auf dem Zentralfriedhof ist es aber vom Betrachter aus nach rechts gedreht. Das Porträt am Denkmal im Arkadenhof ist streng symmetrisch und Kerner blickt gerade aus. Bei beiden Reliefs blickt der Botaniker über den Betrachter hinweg. An der Ausführung beider Porträts merkt man, dass es sich um denselben Künstler handelt. Anton Kerner ist sowohl bei der Gedenktafel als auch am Grab in fortgeschrittenem Alter dargestellt. Gesichtszüge, Bart und Haare sehen beinahe gleich aus. Auch beim Grab verweist der Künstler auf den Beruf des Botanikers. Unter das Porträt hat Edmund Hofmann von Aspernburg einen reliefartigen Blumenstrauß appliziert, der aus Zweigen von Laubbäumen, einem Palmenzweig und wie bei der Gedenktafel aus Alpenblumen besteht. Dieser ist mit einer Schleife zusammengebunden. Der Palmenzweig, sowie der Lorbeer bei der Gedenktafel,sollen Anton Kerner ehren. Im Dreiecksgiebel im oberen Teil des Grabsteins ist ebenfalls ein Blumenbukett zu sehen, dieses ähnelt den Blumenranken am Denkmal sehr. Am Ehrengrab hat der Bildhauer zu beiden Seiten der Inschrift Voluten eingefügt, die wiederum in Pflanzenteilen enden. Ähnliche Voluten findet man auch bei der Gedenktafel, dort enden die Lorbeerzweige unter der Inschrift in Voluten. Zusammenfassend kann man also feststellen, dass der Künstler bei der Gedenktafel einen sehr ähnlichen Stil wie zuvor beim Ehrengrab am Zentralfriedhof gewählt hat. Anhand der Ausführung von Büstenabschnitt, Medaillon und Blumenranken ist die Handschrift von Edmund Hofmann von Aspernburg zu erkennen.

Abb. 4: Porträtrelief im alten Foyer des Botanischen Instituts

Rezeption in der Presse

  • Wiener Abendpost, Das Kerner-Denkmal an der Wiener Universität, 11. September 1907
  • Neues Wiener Journal, Das Kerner-Denkmal an der Universität, 12. September 1907
  • Bote für Tirol und Vorarlberg, Das Kerner-Denkmal an der Wiener Universität, 12. September 1907

Einzelnachweis

  1. UAW, S 94.18: Brief an die artistische Komission des akademischen Senates vom Rektor, 5. Jänner 1907
  2. Maisel 2007, S.45
  3. UAW, S 94.18: Brief an das k.k Ministerium für Kultus und Unterricht vom Rektor, 5. Februar 1907.
  4. UAW, S 94.18: Brief an das k.k Ministerium für Kultus und Unterricht vom Rektor, 19. Mai 1906.
  5. UAW, S 94.18: Brief an die artistische Komission des akademischen Senates vom Rektor, 30. Juni 1906
  6. UAW, S 94.18: Brief an den Bildhauer Edmund Hofmann von Aspernburg vom Rektor, 30. Jänner 1907
  7. UAW, S 94.19: Brief vom Rektor, 10. Dezember 1907
  8. UAW, S 94.18: Brief an das Universitäts-Pedellenamt vom Rektor, 3. Jänner 1908.
  9. Zur Feierlichkeit siehe auch: Kronfeld 1908, S. 308

Quellen

UAW (Archiv der Universität Wien): Senat S 94.18, Kerner v. Marilaun, Anton, Denkmal im Arkadenhof, 1903 - 1908.

Literatur

Kronfeld 1908: E. M. Kronfeld, Anton Kerner von Marilaun, Leben und Arbeit eines deutschen Naturforschers, Leipzig 1908. Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.


Stefanie Pernicka, Katharina Anzböck