Denkmal Anton Josef Hye von Gluneck

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Kaspar von Zumbusch, Denkmal für Anton Josef Hye von Gluneck, 1899, Arkadenhof der Universität Wien.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 45, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Detailansicht Denkmal Hye von Gluneck: Wappen mit Inschrift
Abb. 4: Inschrifttafel Denkmal Hye von Gluneck
Abb. 5: Christian Griepenkerl, Anton Hye von Glunek, 1885, Öl auf Leinwand
Abb. 6: Detailansicht Büste Hye von Gluneck
Abb. 7: Seitenansicht Denkmal Hye von Gluneck, Blick in den Arkadengang

Das Denkmal für den Juristen und Politiker Anton Josef Hye von Gluneck (1807-1894) wurde von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch (1830-1915) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 5. November 1899 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal steht im linken Arkadengang Arkadenhof der Universität Wien zwischen dem Denkmal Adolf Mussafia sowie dem Denkmal Eduard Hanslick und trägt laut Maisel 2007 die laufende Nummer 45 (Abb. 2). Es handelt sich um eine Bronzebüste des Juristen, die auf einer monumentalen Marmorplatte mit einer bronzenen Inschrifttafel thront. Es hängt über Augenhöhe an der Wandseite.

Der untere Teil besteht aus einer Marmorplatte, in deren Mitte sich eine rechteckige, bronzene Inschrifttafel befindet. Auf dieser Tafel werden die Lebensdaten und wichtigsten Ämter Glunecks beschrieben (Abb. 4): „Dr. Anton Freiherr Hye von Glunek. Professor der Rechte an der Universität Wien 1842-1854, Justizminister und Leiter des Ministeriums für Cultus u. Unterricht 1867, Rector der Universität 1871-1872, Mitglied des Herrenhauses 1869-1894, Mitglied u. ständiger Referent d. Reichsgerichts 1869-1894, Präsident d. juristischen Doctorencollegiums und dessen Witwen- und Waisen-Societät 1874-1894. Geboren am 26. Mai 1807, gestorben am 8. December 1894.“

Die Marmorplatte wird an den Seiten von je einem Pilaster gesäumt und weist nach unten eine Krümmung auf, in der sich ein reliefiertes Wappen befindet. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um das Familienwappen Glunecks (Abb. 3). In der oberen rechten sowie in der unteren linken Ecke befindet sich jeweils ein Vogel, bei dem es sich um einen Kranich handelt, der symbolisch für die Wachsamkeit steht. Dieses Symbol geht auf den "grus vigilans" zurück. Der Kranich hält einen Stein mit der Klaue hoch, damit er im Falle des Einschlafens vom Geräusch des fallenden Steins geweckt wird.[1] In der Mitte sind zwei sich überkreuzende Eisenketten zu sehen. Das Wappen wird von Eichenlaub hinterfangen, das ebenfalls eine symbolische Bedeutung aufweist: Das Eichenblatt ist ein Zeichen von Kraft und Beständigkeit. Unterhalb des Wappens ist eine in goldenen Lettern eingemeißelte lateinische Inschrift zu sehen: „Fiat iustitia ne pereat mundus“ („Gerechtigkeit geschehe, damit die Welt nicht untergeht“). Es handelt sich dabei um eine Paraphrase eines bekannten römischen Ausspruchs: „Fiat iustitia et pereat mundus“ („Gerechtigkeit geschehe, auch wenn die Welt untergeht“).[2] Oberhalb der Inschriften geht die Marmorplatte in ein zweistufiges Gesims über, auf dem eine Konsole von zwei Voluten umsäumt wird. Auf dieser befindet sich – auf einer kapitellartigen Basis – die Büste Anton Hye von Glunecks.

Glunecks Abbild wurde in Bronze gegossen und zeigt den Verstorbenen bis zum Brustbein und den Schulteransätzen (Abb. 6). Erblickt man das Denkmal von der Seite fällt auf, dass der Körper hinten bereits im Nacken abgeschnitten ist und - aufgrund der einseitigen Ansicht - nur von vorne ausgearbeitet wurde (Abb. 7). Der Dargestellte trägt einen Anzug mit breitem Revers und eine Fliege um den Hals. Hye von Gluneck ist als älterer Herr mit Backenbart, hoher Stirn und einem strengen Blick dargestellt. Vergleicht man die Büste beispielsweise mit einem Porträt in Öl von 1885 so fällt auf, dass die Bronze sich stark an den charakteristischen körperlichen Merkmalen des Abgebildeten orientiert (Abb. 5). Gluneck ist gut erkennbar; einzelne typische Kennzeichen, wie der strenge Blick, die stark ausgeprägte Nasolabialfalte oder die in Falten gelegte Stirn, sind übernommen worden. Es handelt sich weniger um ein geschöntes Abbild, sondern um eine naturgetreue Darstellung des Juristen. Da das Denkmal eine sehr hohe Position an der Wand besitzt, scheint Gluneck über den Betrachter, würdevoll in die Ferne, hinwegzublicken.

Es ist keine Signatur des Künstlers Kaspar Clemens Eduard Zumbusch zu sehen. Möglicherweise signierte er die Bronze, welche aus der Position des Betrachters nur von weiter Entfernung erkennbar ist.

Notizen zur dargestellten Person

Anton Josef Hye von Gluneck war ein österreichischer Jurist und Politiker sowie ordentlicher Professor an der Universität Wien. Er wirkte während der Studentenproteste als Überbringer der Petitionen an Kaiser Franz Joseph I., distanzierte sich aber schnell wieder von der Protestbewegung. Er war Verfasser zahlreicher Gesetzestexte.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Anton Josef Hye von Gluneck ist im Jahre 1894 – zwei Wochen nach seinem Tod – vom juristischen Doctoren-Collegium in einem Schreiben an den akademischen Senat vom 25. Dezember für die Aufstellung im Arkadenhof vorgeschlagen worden.[3] In diesem Brief heißt es, dass das juristische Collegium die Anfertigung eines Denkmals zum Andenken an Hye von Gluneck beschlossen habe und nun um die Aufstellungserlaubnis im Arkadenhof der Universität Wien ersuche. Die Kosten sollten mit den Mitteln des Collegiums getragen werden und das fertige Denkmal dem Rektor der Universität als Geschenk übergeben werden.[4] Des Weiteren heben die Bittsteller hervor, dass Hye von Gluneck für die Universität ein verdienter Mann war und eine Denkmalaufstellung den „Dank der Allgemeinheit [...] zum Ausdruck bringen“ solle.[5] Aus den Unterlagen des Universitätsarchives geht zwar hervor, dass der Antrag bereits am selben Tag eingegangen ist und gesichtet wurde; eine Zusage schickte der Universitäts-Rektor jedoch erst nach seiner Sitzung des akademischen Senats am 15. Februar 1895 an das juristische Doctoren-Collegium.[6] Das Arkadendenkmal wird „mit Dank“ angenommen. Des Weiteren verweist der Rektor auf die artistische Commission unter der Leitung von Prof. Hofrath Dr. Gustav Tschernak, welche den Aufstellungsort bestimmen sollte.[7] Am 25. März 1895 teilen das juristische Doctoren-Collegium sowie die juristische Fakultät dem akademischen Senat mit, dass sie eine Gedenkfeier für Hye von Gluneck in den Räumlichkeiten der Universität abhalten möchten. Termin war der 28. April 1895 um 12 Uhr Mittags.[8]

Zwischen den Jahren 1895 und 1899 existieren keine Akten zur Aufstellung und weiteren Planung des Denkmals. Es kann somit nicht nachvollzogen werden, wie Kaspar Zumbusch an den Auftrag gelangte und welche Bedingungen ihm von der artistischen Commission gestellt worden sind. Gegen Ende des Jahres 1898 muss das juristische Doctoren-Collegium jedoch Prof. Otto Benndorf, Direktor des österreichischen Archäologischen Instituts, mit der Überprüfung der Lebensdaten und Vita Hye von Glunecks beauftragt haben, um eine Inschrifttafel in Auftrag geben zu können. Am 11. Februar 1899 übermittelte Benndorf schließlich die fehlenden Daten und erwähnte, dass diese Überprüfung einige Zeit in Anspruch genommen habe.[9] Möglicherweise kam es dadurch zu Verzögerungen bei der Entstehung des Denkmals, das bereits vier Jahre zuvor beschlossen worden war. Ein Dokument aus Gleink, dem Geburtsort Glunecks, bestätigt schließlich die korrekten Vornamen des Verstorbenen: Anton Josef.[10]

Bereits am 24. April 1899 übersendete der Rektor der Universität der artistischen Commission einen Zeitungsartikel, welcher das aus dem Atelier Zumbusch berichtet. Dort wird der Grund für die Verzögerungen der Denkmal-Aufstellung angegeben: Der Bildhauer wurde nach Straßburg berufen, um dort ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. zu schaffen. Die eigentlich für den Monat Mai geplante Enthüllung Hye von Glunecks musste auf einen späteren Termin verschoben werden. Eine genaue Beschreibung der Bronze-Büste im Atelier deutet jedoch darauf hin, dass diese bereits fertig war.[11]

Der Wortlaut der Inschrift hingegen wurde vom juristischen Doctoren-Collegium erst am 11. Juli 1899 bekannt gegeben.[12]

Im Auftrag der artistischen Commission teilt Dr. Pfaff schließlich dem akademischen Senat am 12. Mai 1899 mit, dass das Denkmal für Gluneck in der linken Arkade zwischen Ludwig Barth von Barthenau, Melchior Neumayr und Adolf Exner aufgrund seiner Ausgestaltung am besten passen würde.[13] Dies wurde am 9. Juni durch einen Senatsbeschluss bestätigt.[14]

Im Oktober 1899 wurde das Denkmal schließlich im Arkadenhof aufgestellt, wie die Universität-Gebäudeinspektion am 2. November mitteilte.[15] Da bereits eine Gedenkfeier für Gluneck im April 1895 stattgefunden hatte, sollte im Rahmen der Enthüllung des Denkmals keine Wiederholung eben dieser stattfinden. Die Einweihung und Übergabe am 5. November 1899 an den Direktor fand deshalb nicht im Festsaal, sondern direkt im Arkadenhof statt.[16] Am selben Tag wurde auch das Denkmal Josef Loschmidt enthüllt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 9: Viktor Tilgner, Denkmal Eduard Hanslick, 1913.

Das Denkmal für Anton Josef Hye von Gluneck ist vergleichbar mit anderen Werken vom Künstler Kaspar Clemens Eduard Zumbusch. Vor allem die im Arkadenhof aufgestellten Denkmal Josef Unger, Denkmal Adolf Mussafia (Abb. 8) oder das benachbarte Denkmal Eduard Hanslick (Abb. 9) vom Künstler Viktor Tilgner sind im Hinblick auf Material, Ausschnitt der Figur und Darstellungsweise sehr ähnlich.

Ausschnitt und Bearbeitung der Bronze ähneln stark dem Denkmal Josef Unger aus dem Jahr 1928. In beiden Fällen sind die Abgebildeten naturgetreu dargestellt und nicht beschönigt worden. Als ältere Herren verkörpern sie Weisheit und Wissen, und legitimieren somit ihren Platz im Arkadenhof. Beide Bronzen sind im Nacken beziehungsweise am oberen Rückenbereich abgeschnitten und nur auf Vorderansicht ausgearbeitet. Während Gluneck jedoch weit oberhalb des Betrachters thront, befindet sich Unger knapp über Augenhöhe. Auch die Basen für die Büsten könnten nicht unterschiedlicher sein: Die bronzene Gedenktafel mit marmorner Umfassung des Hye-Denkmals ist monumental gestaltet und leitet den Blick des Beschauers vor allem auf die den Dargestellten umschreibende Inschrift. Der einfache rechteckige Pfeiler Ungers lenkt im Gegensatz dazu nicht von der Büste ab, sondern stellt diese in den Mittelpunkt. Die monumentale Bronzetafel auf der Glunecks Abbild thront findet keinen vergleichbaren Sockel im Arkadenhof. Im Gegensatz zu vielen anderen Büsten im Arkadenhof wird das Hauptaugenmerk bei Hye von Gluneck nicht auf das eigentliche Porträt gelegt, sondern vor allem auf seine Verdienste, die auf der Tafel beschrieben sind. Der Verstorbene selber ist mit bloßem Auge schlecht zu erfassen und thront etwas abwesend oberhalb seiner Lebensdaten.

Die Büste des Romanisten Adolf Mussafia ist ebenfalls sehr gut mit dem Denkmal für Anton Hye von Gluneck zu vergleichen. Die 1912 enthüllte, auch von Zumbusch gearbeitete, Bronze weist in Oberflächenbehandlung und Ausschnitt große Parallelen zu den beiden bereits verglichenen Arbeiten auf. Des Weiteren ist das Denkmal Eduard Hanslick, welches sich direkt neben Hye von Gluneck befindet, vergleichbar. Auch hier lasse sich Parallelen in Ausschnitt und Materialität sowie der naturalistischen Darstellungsweise ziehen. Man könnte vermuten, dass diese beiden Büsten aufgrund ihrer Ähnlichkeit 1912 und 1913 neben dem bereits dort befindlichen Denkmal für Hye von Gluneck platziert worden sind, um eine homogene und passende Aufstellung zu erreichen.

Laut einem Beschluss der artistischen Commission vom 12. Mai 1899 sollte das Denkmal zwischen dem Denkmal Adolf Exner, Denkmal Melchior Neumayr sowie dem Denkmal Ludwig Barth von Barthenau hängen, da es "in seiner ganzen Gestalt ziemlich viel Ähnlichkeit mit Neumayrs habe"[17] und beide "den Eindruck zusammengehörender Wandzieren" machen.[18] Der Aufbau der Büste mit der Konsole sowie den antikisierenden Voluten als Verzierungen weißt zwar große Ähnlichkeit auf, der größte Unterschied besteht jedoch in dem monumentalen Unterbau des Hye Denkmals mit Inschrifttafel im Gegensatz zu dem vom einem Tondo umgebenen Neumayr. Neumayr thront nicht wie Hye oberhalb seiner Taten sondern befindet sich im Mittelpunkt des Denkmals. Des Weiteren ist dieses vollständig aus Marmor gefertigt, während Hye von Glunecks Abbild und die Inschrift aus Bronze bestehen und von Marmor gesäumt werden.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal wurde ursprünglich nach einem Beschluss der artistischen Commission zwischen den Büsten von Neumayr, Exner und Barth aufgehängt, da es aufgrund der Ähnlichkeit mit Neumayr "harmonisch zusammen wirken" würde.[19] Heute befindet sich das Ehrenmal jedoch links neben den drei erwähnten Büsten und wird von diesen durch einen Treppenaufgang getrennt. Es ist nicht bekannt, warum Hye von Gluneck einen anderen Platz fand. Weitere Ereignisse sind seit der Aufstellung im Arkadenhof nicht bekannt.

Einzelnachweise

  1. Enenkel/Landtsheer/Jong 2002, S. 280
  2. Maisel 2007, S. 52.
  3. Senat S 94.7, Schreiben des juristischen Doctoren-Collegiums vom 25.12.1894.
  4. Ebd.
  5. Ebd.
  6. Senat S 94.7, Schreiben des Rektors vom 16.02.1895
  7. Ebd.
  8. Senat S 94.7, Schreiben an den akademischen Senat vom 25.03.1895
  9. Senat S 94.7, Schreiben Otto Benndorfs, 11.02.1899.
  10. Senat S 94.7, Schreiben aus Gleink
  11. Senat S 94.7, Schreiben des Rektors mit Zeitungsartikel vom 24.04.1899.
  12. Senat S 94.7, Schreiben des Doctoren-Collegiums vom 11.07.1899.
  13. Senat S 94.7, Schreiben Dr. Pfaff vom 12.05.1899.
  14. Senat S 94.7, Senatsbeschluss vom 09.06.1988.
  15. Senat S 94.7, Schreiben der Gebäudeinspektion vom 02.11.1899.
  16. Senat S 94.7, Schreiben des Rektors vom 25.10.1899.
  17. Senat S 94.7, Schreiben Dr. Pfaff vom 12.05.1899.
  18. Ebd.
  19. Senat S 94.7, Schreiben Dr. Pfaff vom 12.05.1899.

Quellen

  • Universitätsarchiv, Wien: Senat S 94.7, Schachtel 60.

Rezeption in der Presse

  • WT, A, Nr. 290, 21.10.1899, S. 3, Spalte 1.
  • WT, 49. Jg, Nr. 66, 7.3.1899, S. 5, Spalte 3.
  • Wiener Bauindustrie-Zeitung, Jg. 17, 1899, Bd. 1, Nr. 6, S. 40.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Enenkel/Landtsheer/Jong 2002: Karl A. E. Enenkel, Jeanine de Landtsheer, Jan L. de Jong, Recreating Ancient History: Episodes from the Greek and Roman Past in the Arts & Literature of the Early Modern Period, Boston 2002.

Sarah Lange, Verena S. Göbel, Katharina Anzböck