Denkmal Anton Bruckner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Das Denkmal des Komponisten Anton Bruckner wurde von dem Bildhauer, Münz- und Medaillengraveur Josef Tautenhayn dem Jüngeren ausgeführt. Die in Relief bearbeitete Marmorplatte wurde durch den Akademischen Gesangsverein finanziert und 1912 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.[1]


Beschreibung

Das Denkmal für Anton Bruckner befindet sich im linken Arkadengang, an zweiter Position hinter der Stiege 7. Thomas Maisel hat dem Denkmal die Nummer 26 zugewiesen. Es wurde aus zwei übereinander gesetzten rechteckigen Marmorplatten angefertigt und vertikal an der Wand im Arkadenhof der Universität Wien angebracht. Die vier Befestigungsklammern der Gedenktafel wirken manieristisch. Das Material ist offensichtlich rötlicher Marmor. Eine Lorbeergirlande umrahmt die obere Platte an drei Seiten. Sie symbolisiert die Auszeichnung und Ehrung des Komponisten. Bruckner wurde von dem Bildhauer und Medailleur reliefartig im Profil, vom Betrachter aus nach links blickend, abgebildet. Das Profilrelief hat Josef Tautenhayn in ein Achteck geschlossen. Anton Bruckner wurde in fortgeschrittenem Alter dargestellt, worauf vor allem seine Falten und sein kahler Kopf hindeuten. Die Falten seiner Haut scheinen durch das rissige Marmor unterstrichen zu werden. In großen vergoldeten Blockbuchstaben steht auf der Marmorplatte unter dem Reliefprofil geschrieben: "Anton Bruckner". Darunter die Inschrift: "Ehrendoktor der Wiener Universität MDCCCXXIV-MDCCCXCVI (1824-1896)". Unterhalb befindet sich nun abschließend eine lateinische Inschrift: "Non confudar in aertum", übersetzt: "Ich werde nicht zuschanden werden in Ewigkeit".[2]

Anton Bruckner, 1896. Lithografie von R. Fenzl

Notizen zur dargestellten Person

Der Komponist Anton Bruckner wurde am 4. September 1824 in Ansfelden bei Linz in Oberösterreich geboren und verstarb am 11. Oktober 1896 in Wien. Er gilt als einer der größten Symphoniker Österreichs, war bedeutender Komponist der Romantik und als Organist vor allem für seine Improvisationen bekannt.

Entstehungsgeschichte

Der akademische Gesangverein widmete der Universität Wien anlässlich der 50-jährigen Stiftungsfeier des akademischen Gesangvereins ein Denkmal für Anton Bruckner, welches zuvor vom Bildhauer Josef Tautenhayn ausgeführt worden war. (Brief an … 17. Februar 1911) Es wurde gewidmet, um im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt zu werden. Das Professoren-Kollegium der philosophischen Fakultät sprach sich für die Errichtung des Denkmals aus. (4.Brief an die art. Kommission) Vom akademischen Senat wurde die Inschrift „Anton Bruckner, Ehrendoktor der Wiener Universität, geb. am 4. Sept. 1824, gest. am 11.Okt. 1896. Non confundar in aeterum“ beschlossen. Widmung und Zirkel sollten in einer nicht auffallenden Form angebracht werden. Auf Wunsch des Künstlers und des Verbandes wurde als Aufstellungsort das Feld 28 rechts von der Stiege VII bestimmt. (Brief 6) Anlässlich der Enthüllung des Denkmals fand am 11. Februar 1912 um 11 Uhr im großen Festsaal der Universität Wien eine Feier statt. Direktor August Göllerich hielt die Festrede, der akademische Gesangverein und der Wiener Konzertverein brachten zwei Werke von Anton Bruckner dar. (2)

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Porträtplakette Anton Bruckner von Josef Tautenhayn dem Jüngeren.
Rundmedaillon Anton Bruckner von Josef Tautenhayn dem Jüngeren.

Bei einem Vergleich des Denkmals des Komponisten Anton Bruckners mit Fotos des Dargestellten spielt vor allem das Alter eine große Rolle. Josef Tautenhayn hat sich offensichtlich dazu entschlossen den Komponisten im fortgeschrittenem Alter darzustellen. Es steht uns unter anderem eine Fotografie aus dem Archiv der Universität Wien zum Vergleich zur Verfügung. Das Foto wurde offensichtlich in jüngeren Jahren Anton Bruckners angefertigt. Auf der Fotografie hat Bruckner ein rundliches Gesicht, dunkle sehr kurz geschnittene Haare und einen Schnurrbart an der Oberlippe. Im Relief auf der Denkmalplatte im Arkadenhof der Universität Wien kann man von solchen Details wenig erkennen. Die Kopfform und die Form der Nase weisen zugegeben Ähnlichkeiten auf. Das Denkmal scheint die Aufmerksamkeit nicht in erster Linie auf die Darstellung Anton Bruckners lenken zu wollen, sondern eher auf die prominente vergoldete Inschrift. Hier geht es wohl eher um die Repräsentation der Tatsache, dass Anton Bruckner 1891 ein Ehrendoktorat von der Universität Wien verliehen bekommen hat. Als weiterer Vergleich dient uns eine etwa 7cm lange rechteckige Porträtplakette mit der Darstellung Anton Bruckners. Sie wurde von Josef Tautenhayn dem Jüngeren ausgeführt und stammt aus der Sammlung seines Großneffen Wolfgang Tautenhayn. Anton Bruckner ist auch hier im Profil dargestellt. Der Kopf stimmt mit dem Kopf am Denkmal Anton Bruckners im Arkadenhof der Universität Wien überein. Jedoch ist die Darstellung Bruckners auf der kleinen Porträtplakette nicht nur auf den Kopf reduziert, es handelt sich um eine Darstellung bis zur Brust. Anton Bruckner trägt ein Hemd mit Fliege. Darüber trägt er ein Jaquette, das dynamische Falten schlägt. Meiner Meinung nach könnte man diese Porträtplakette in die selben Jahre der Entstehungszeit des Denkmals um 1912 datieren. Sie könnte als eine Art Vorlage für das Denkmal Anton Bruckners gedient haben. In der Plaketten- bzw. Medaillon-Sammlung von Josef Tautenhayns Großneffen Wolfgang Tautenhayn befindet sich auch ein kleines rundes Medaillon mit der Darstellung des Kopfes Anton Bruckners die auch weitgehend mit dem Denkmalporträt übereinstimmt. Auf diesem kleinen Medaillon wirkt der Komponist jedoch noch ein bisschen jünger als auf der Denkmalplakette.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 43
  2. Maisel 2007, S. 43

Quellen

  • UAW Senat GZ 140 ex 2001/02

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Erhard Oeser, Karl Popper (1902 - 1994). Lebensdaten und wissenschaftlicher Werdegang mit besonderer Berücksichtigung seines Bezuges zu Wien, Wien 2001, in: UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  • Louis 1918: Rudolf Louis, Anton Bruckner, 2012.
Position des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, Maisel 2007, Nr. 26



Alice Hundsdorfer, Katharina Anzböck