Denkmal Anton Bruckner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Lage des Denkmals, Nr. 26, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal des Komponisten Anton Bruckner (1824- 1896) wurde von dem Bildhauer, Münz- und Medaillengraveur Josef Tautenhayn dem Jüngeren (1868-1962) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 11. Februar 1912 enthüllt.[1]

Beschreibung

Das Denkmal für Anton Bruckner wurde aus zwei übereinander gesetzten rechteckigen rötlichen Marmorplatten angefertigt und an der Wand des linken Gangs im Arkadenhof angebracht. Im oberen Drittel befindet sich eine oktogonale Vertiefung, aus der sich das Porträt des Komponisten im Profil im Relief erhebt. Der Bildhauer zeigt Bruckner in fortgeschrittenem Alter mit Falten, kahlem Kopf und vom Betrachter aus nach links blickend. Die Darstellung konzentriert sich auf den Kopf und weist keinerlei Anzeichen von Kleidung auf. In großen vergoldeten Lettern befindet sich unter dem Reliefporträt folgende Inschrift: "Anton Bruckner. Ehrendoktor der Wiener Universität MDCCCXXIV-MDCCCXCVI (1824-1896)." Darunter befindet sich die lateinische Inschrift: "Non confundar in aeterum", übersetzt: "Ich werde nicht zuschanden werden in Ewigkeit." Den Abschluss bildet der Hinweis auf die Stifter der Tafel "Akademischer Gesangsverein Wien."

Die monumentale Marmortafel wird von vier markant hervorstechenden Befestigungsklammern aus Metall an der Wand gehalten. Eine Lorbeergirlande umrahmt die obere Platte an drei Seiten und symbolisiert die Ehrung und Auszeichnung des Komponisten.

Anton Bruckner, 1896. Lithografie von R. Fenzl

Notizen zur dargestellten Person

Der Komponist Anton Bruckner wurde am 4. September 1824 in Ansfelden bei Linz in Oberösterreich geboren und verstarb am 11. Oktober 1896 in Wien. Er gilt als einer der größten Symphoniker Österreichs, war bedeutender Komponist der Romantik und als Organist vor allem für seine Improvisationen bekannt.

Entstehungsgeschichte

Der akademische Gesangverein widmete der Universität Wien anlässlich der 50-jährigen Stiftungsfeier des akademischen Gesangvereins ein Denkmal für Anton Bruckner, welches zuvor vom Bildhauer Josef Tautenhayn ausgeführt worden war. [2] Es wurde gewidmet, um im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt zu werden. Das Professoren-Kollegium der philosophischen Fakultät sprach sich für die Errichtung des Denkmals aus.[3] Vom akademischen Senat wurde die Inschrift „Anton Bruckner, Ehrendoktor der Wiener Universität, geb. am 4. Sept. 1824, gest. am 11.Okt. 1896. Non confundar in aeterum“ beschlossen. Widmung und Zirkel sollten in einer nicht auffallenden Form angebracht werden. Auf Wunsch des Künstlers und des Verbandes wurde als Aufstellungsort das Feld 28 rechts von der Stiege VII bestimmt. [4] Anlässlich der Enthüllung des Denkmals fand am 11. Februar 1912 um 11 Uhr im großen Festsaal der Universität Wien eine Feier statt. Direktor August Göllerich hielt die Festrede, der akademische Gesangverein und der Wiener Konzertverein brachten zwei Werke von Anton Bruckner dar.[5]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Porträtplakette Anton Bruckner von Josef Tautenhayn dem Jüngeren.
Rundmedaillon Anton Bruckner von Josef Tautenhayn dem Jüngeren.

Die Darstellung des Komponisten im Denkmal kann gut mit einem s/w-Foto aus dem Archiv der Universität Wien verglichen werden: Josef Tautenhayn hat sich wohl entschlossen Anton Bruckner in fortgeschrittenem Alter darzustellen. Das Foto wurde wahrscheinlich in jüngeren Jahren Anton Bruckners angefertigt. Auf der Fotografie hat Bruckner ein rundliches Gesicht und sehr kurz geschnittene Haare. Im Relief auf der Denkmalplatte im Arkadenhof der Universität Wien kann man von solchen Details nur wenig erkennen. Die Kopfform und die Form der Nase weisen zwar Ähnlichkeiten auf, insgesamt wirkt er aber deutlich älter, was vor allem auf die prägnanten Stirnfalten zurückzuführen ist. In der Fotografie ist der Komponist als Brustbild wiedergegeben, er trägt Jackett, Hemd und gebundene Fliege.

Als weiterer Vergleich dient eine etwa 7 cm hohe rechteckige Porträtplakette mit der Darstellung Anton Bruckners im Profil. Sie wurde von Josef Tautenhayn dem Jüngeren ausgeführt und stammt aus der Sammlung seines Großneffen Wolfgang Tautenhayn. Die Plakette trägt die Signatur des Künstlers "JOS. TAUTENHAYN JUN." Parallelen zur Fotografie sind eindeutig erkennbar, was sowohl das Porträt betrifft, als auch die Wiedergabe von Kleidung. Die Kopfform stimmt mit jener am Denkmal Anton Bruckners überein, aber wirkt er in der Plakette wesentlich jünger. Anton Bruckner trägt wie auf der Fotografie ein Hemd mit Fliege, darüber ein Jackett und er hat ebenfalls sehr kurz geschnittene Haare. Grundsätzlich könnte die Plakette eine Vorstufe zum Denkmal sein, da die Modellierung der Kopfform durchaus Parallelen zu jener im Denkmal aufweist. Die Plakette wurde um die Lebensdaten des Komponisten ergänzt.

In der Plaketten- bzw. Medaillon-Sammlung von Josef Tautenhayns Großneffen Wolfgang Tautenhayn befindet sich auch ein kleines rundes Medaillon mit der Darstellung des Kopfes Anton Bruckners die auch weitgehend mit dem Denkmalporträt übereinstimmt. Auf diesem kleinen Medaillon wirkt der Komponist jedoch noch ein bisschen jünger als auf der Denkmalplakette, da der Umriss des Haaransatzes fein und deutlich herausgearbeitet wurde. Knapp unterhalb des Halsansatzes befindet sich die Signatur des Künstlers.

Zur Datierung des Medaillons, wie auch zur Plakette, ist nichts bekannt. Beides könnte noch vor der Arbeit am Denkmal entstanden sein und zur Erarbeitung des Porträts des Komponisten beigetragen haben. Im Denkmal konzentrierte sich Josef Tautenhayn dJ besonders auf das Profilporträt, das er ohne Kleidung und ergänzender Umschrift herausarbeitete. Erst unterhalb des Porträts werden Name, Titel und Lebensdaten in gold gefassten Versalien sichtbar.

Besonders auffällig an diesem Denkmal ist die Maserung des rötlichen Marmors, die das Porträt in die Oberfläche einbindet und deren Verlauf die individuellen Gesichtszüge des Komponisten beeinflussen. Das Porträt wirkt durch diese Linienführung besonders weich modellierung und fein herausgearbeitet.

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 43
  2. Brief an den Dekan der philosophischen Fakultät, 17. Februar 1911
  3. Brief an die artistische Kommission des akademischen Senates, 21. Juni 1911
  4. Brief an den Verband der alten Herren des akademischen Gesangvereines, 18. Juli 1911
  5. Einladung zur Enthüllung des Anton Bruckner Denkmals

Quellen

  • UAW (Archiv der Universität Wien): Senat S 93.12, Bruckner, Anton, Denkmal im Arkadenhof, 1911 - 1912

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Erhard Oeser, Karl Popper (1902 - 1994). Lebensdaten und wissenschaftlicher Werdegang mit besonderer Berücksichtigung seines Bezuges zu Wien, Wien 2001, in: UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  • Louis 1918: Rudolf Louis, Anton Bruckner, 2012.

Alice Hundsdorfer, Katharina Anzböck