Denkmal Andreas Josef von Stifft

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 2, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner und kaiserlichen Leibarzt Andreas Josef von Stifft (1760-1836) wurde 1826 von dem Bildhauer Franz Klein (1777-1840) geschaffen. Die Büste befindet sich seit 1889 im Arkadenhof der Universität Wien, davor war sie im Rektoratszimmer der Alten Universität aufgestellt.

Beschreibung

Abb. 3: Andreas Josef von Stifft, Denkmal Andreas Josef von Stifft, 1889 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt.

Das Denkmal (Abb.1) befindet sich im linken Arkadengang an erster Position rechts nach Eintreten aus Richtung Aula. Auf dem Plan von Thomas Maisel aus dem Jahr 2007 hat das Denkmal die Nummer 2 (Abb.2). Die Büste (Abb. 3) aus Bronze ist auf einem hohen Marmorsockel angebracht. Es ist ein weiter Büstenausschnitt bei der Darstellung gewählt worden, dabei wird die Person vom Kopf bist etwas unter die Brust gezeigt. Rechts und links sind die Schultern mit Ärmelansätzen zu sehen. Der Kopf hat eine leichte Wendung nach links und der gesamte Rumpf ist starr und gerade dargestellt. Er ist in zeitgenössische Tracht gekleidet und eine Vielzahl an Orden und Ehrenzeichen sind an seiner Kleidung befestigt und mit Bändern um den Hals gelegt. Der Kragen des Gewandes ragt bis zum Kopf empor und umschließt somit den gesamten Hals. Die Gesichtsform bildet ein schmales Oval welches an der Stirnpartie breit dargestellt ist und sich zum Kinn hin verschmälert. Er besitzt eine hohe Stirn und an den Stellen über den Schläfen sind Ansätze von Geheimratsecken auszumachen. Die Kurzhaarfrisur ist von vorne nach hinten gerade zurückfrisiert und daher wird ein strenger Ausdruck erzeugt. Dieser bildet sich auch durch die drei Falten zwischen den Augen und über dem Nasenansatz aus. Die Nase ist im Verhältnis zu den Augen relativ kurz und breit und zieht sich an der Nasenwurzel etwas nach innen. Die Augen sind mandelförmig ausgeformt und das untere Lid spring durch ein breites Band hervor, wo hingegen das obere Lid nur durch eine schmales Band angedeutet ist. Der Blick ist in die Ferne gerichtet und wirkt streng und abwesend. Die Augen sind weit geöffnet und erscheinen unbelebt. Der Mund ist schmal und breit und setzt weit unter der Nase an. Aufgrund der angedeuteten Nasalfalten und der von der am Auge innen nach außen führenden Falte wird eine Betonung der oberen Wangenpartie und des Wangenknochen erzielt.

Der Sockel hat die Form eines massiven Quaders aus dunklem Stein. An die breite Basis, die fast ein Drittel der gesamten Sockelhöhe einnimmt, schließt der Schaft mit der Inschrift an. Dieser wird bekrönt von einem relativ schmalem Gesims auf der eine Plinthe aufliegt. Die Büste wirkt im Verhältnis zur massiven Sockelgestaltung klein und verloren.

Die lateinische Inschrift auf dem Sockel lautet (Abb. 5): ANDREAE IOSEPHO I. B. DE STIFFT OB MAGNA IN PRINCIPEM IN PATRIAM IN REM MEDICAM MERITA COLLEGIVM MEDICOR VIENNENSE III CALEND DECEMB MDCCCXXVI

Abb. 4: Ansicht von rechts, Denkmal Andreas Freiherr von Stifft, Franz Klein, 1826 Arkadenhof der Universität Wien

Notizen zur dargestellten Person

Andreas Josef von Stifft wurde am 30. November 1760 in Niederösterreich geboren und starb am 16. Juni 1836 in Wien. Er war Leibarzt des Kaisers und Rektor der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Abb. 5: Sockelinschrift Denkmal Andreas Freiherr von Stifft, Franz Klein, 1826 Arkadenhof der Universität Wien

Das Denkmal wurde zu Ehren des Mediziners Andreas Josef von Stifft geschaffen, jedoch war es nicht für den Arkadenhof gedacht. Es entstand bereits 1826 aus Anlass der Errettung von Kaiser Franz I. durch die Hand seines Leibarztes von Stifft. Der Künstler Franz Klein bekam von den Ärzten in Wien den Auftrag eine Büste auszuführen. Über eine Wettbewerbsausschreibung ist in diesem Zusammenhang nichts bekannt. Zum selben Anlass wurde auch eine Medaille vom Medailleur Nikolaus Lang geprägt (Abb. 6) auf dieser befindet sich auf der Vorderseite ebenfalls ein Porträt von Stifft und auf der Rückseite eine Allegorie.

Abb. 6: Medaille zur Genesung Kaiser Franz I mit einem Porträt von Andreas Josef von Stifft, Nikolaus Lang, 1826

Die Denkmalsenthüllung fand am 26. November 1826 im Konsistorialsaal der Alten Universität, dem heutigen Großen Festsaal der Akademie der Wissenschaften statt. [1] Die Büste wurde dabei zum Namensfest (Andreastag) von Stifft feierlich enthüllt: im Andenken seiner unvergänglichen Verdienste in der Heilkunde, um die medizinische Polizei und um das Sanitätswesen in Österreich, sowie um die Erhaltung des Monarchen.[2]

Das Werk war bis 1889 in der Alten Universität aufgestellt und wurde erst dann in den Arkadenhof verlegt. Die Büste war eine der ersten Denkmäler, die im Arkadenhof aufgestellt wurden. Zur selben Zeit wurden auch die Denkmäler für Josef Quarin, Josef Hyrtl, Gerard van Swieten und jenes für Franz Schuh aufgestellt. Das Denkmal für Quarin wurde aus dem Rektoratszimmer in den Arkadenhof der Universität Wien versetzt. [3] Diese und die Büste für von Stifft waren schon länger im Besitz der Universität Wien, da die Genossenschaft der bildenden Künstler Wien 1880 für eine Leihgabe für eine Ausstellung beim Rektor angefragt hatte. [4] Über eine Erneuerung des Sockels sind keine Aufzeichnungen bekannt, daher ist anzunehmen, dass das Denkmal für Andreas Josef von Stifft in seiner Gesamtheit übertragen wurde.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7: Medaille zum 50jährigem Doktorjubiläum, Joseph Daniel Böhm, Bronze, 1834

Es gibt eine zweite Porträtmedaille von Andreas Josef von Stifft, die von dem Medailleur Joseph Daniel Böhm im Jahr 1834 angefertigt wurde (Abb. 7). Auf der Vorderseite wird das nach rechts blickende Porträt des Arztes im strengen Profil gezeigt, dieses wird vom Namen des Dargestellten umrahmt. Auf der Rückseite ist eine Widmung der Ärzte Wiens in lateinischer Schrift zu sehen, die von einem Kranz, der sich auf der rechten Seite aus Lorbeerblättern und auf der linken Seite aus Eichenblättern zusammensetzt, umgeben ist. Dieser zeichnet die Medaille als Jubiläums- und Ehrungsmedaille aus. Im Vergleich mit der Büste Kleins (Abb. 3) ist klar zu erkennen, dass sich diese in die Zeit und Kunstauffassung des Klassizismus einfügt. Die genaue Nachahmung der Natur wird in antikisierender Weise angestrebt. Die physiognomischen Züge zeigen klare Übereinstimmungen bei Büste und Medaille. Stifft wird mit hoher Stirn und einer Erhebung dieser über der Nase dargestellt. Der Einzug an der Nasenwurzel ist bei beiden Bildnissen klar zu erkennen, als auch der breite, schmale Mund und die ansetzenden Geheimratsecken über der Schläfe. Wenngleich die Medaille acht Jahre später entstanden ist, so sind keine merklichen Altersspuren zu vernehmen. Der Medailleur Böhm stellte den Porträtierten verjüngter und idealisierter dar, als der Bildhauer Klein in seinem Werk. Ein Hang zum klassischen Formengut ist bei beiden Objekten klar ersichtlich und eine Lehre der Anatomie unter Johann Martin Fischer naheliegend. Die genaue und minutiöse Gestaltung ist aber nicht nur bei der Gesichtsdarstellung zu sehen, sondern auch bei den Abzeichen bzw. Orden die Stifft auf seiner Brust trägt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine besonderen Ereignisse, die sich direkt auf das Denkmal beziehen nach der Aufstellung 1889 in den Quellen vermerkt. Die Büste dürfte sich seit dem Zeitpunkt der Versetzung aus dem Rektoratszimmer in den Arkadenhof an derselben Stelle befinden und mit dem ursprünglichen Sockel verblieben sein.

Einzelnachweise

  1. Krasa-Florian 1970, S. 128.
  2. Die Angaben entsprechen einer Eintragung aus dem Taschenbuch der Wiener Universität für das Jahr 1927, zitiert nach Krasa-Florian 1970, S. 128.
  3. UAW, Senat S 87.1.17
  4. UAW, Senat S 87.1.1

Quellen

  • UAW, Senat S 87.1.14, Büsten: Gerhard van Swieten, Sstifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat S 87.1.17, Aufstellung von 5 Portrait-Büsten im Arkadenhof: Van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat S 87.1.1, Leihgaben (Büsten, Gemälde) für Ausstellung der Genossenschaft der Bildenen Künste Wiens.
  • UAW, AT-UAW/CA 1.0.321, Bewilligung von neuen Ehrenzeichen für den Rektor und die vier Dekane sowie Anschaffung von Togen für Feierlichkeiten.

Literatur

  • Krasa-Florian 1970: Selma Krasa-Florian, Franz Klein, ein Wiener Bildhauer des Klassizismus, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Wien, 58, 14, 1970, S. 99-149.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.



Johanna Petrovitsch, Katharina Anzböck