Denkmal Albrecht Schrauf

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 21, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mineralogen Albrecht Schrauf (1837-1897) wurde von dem Bildhauer Franz Seifert (1866-1951) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und gleichzeitig mit dem Denkmal Carl Claus am 18. Dezember 1907 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal (Abb. 1) besteht aus einer hochrechteckigen Steintafel mit zwei konkav eingeschwungenen Ecken an der Oberkante und einem Relief mit dem Porträt des Mineralogen im Typus der Imago Clipeata. In die aus hellrötlichem Stein bestehende Tafel wurde die konkave Schale mit dem Porträt des Geehrten eingefügt. Darunter befindet sich eine in goldenen Lettern ausgeführte Inschrift. Die Tafel ist am äußeren Rand mit einer dünnen Profilierung versehen. Das Porträt ist von einem aus aneinandergereihten Quadraten bestehenden kreisförmigen Schmuckband eingefasst. Das sehr plastisch ausgeführte Relief zeigt ein Brustbild des Gelehrten. Die Gesichtszüge sind detailliert herausgearbeitet. Der Blick des Professors der Mineralogie wendet sich vom Betrachter ab und scheint seitlich in die Ferne zu führen. Weiters ist er in einen zeitgenössischen Anzug mit Krawattenknoten gekleidet dargestellt. Die Inschrift befindet sich auf einer kleineren Steintafel, die durch zwei Befestigungsklammern an der Oberseite besonders hervorgehoben wird. Die in gold gefasste Gravur lautet "Dr. Albrecht Schrauf, Prof der Mineralogie 1874-1897, geb. 1837, gest. 1897" (Abb. 3). Oberhalb der rechten Schulter befindet sich die Signatur des Künstlers Franz Seifert und eine Jahreszahl. Diese ist zwar nur mehr schwer lesbar, könnte aber als 1901 gedeutete werden und auf das tatsächliche Entstehungsjahr des Reliefs hinweisen.

Abb. 3: Inschrift an der Unterseite des Denkmals für Albrecht Schrauf

Notizen zur dargestellten Person

Albrecht Schrauf wurde am 14. Dezember 1837 in Wien geboren und starb am 29. November 1897 ebenfalls in Wien. Er war ein österreichischer Mineraloge und unter anderem Leiter des Mineralogischen Museums an der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Die Aufstellung des Denkmals geschah durch eine Anregung des Professoren Kollegiums der philosophischen Fakultät, darunter auch Gustav Tschermak und Friedrich Becke. Dieses Komitee führte auch eine Sammlung durch, um die Finanzierung zu ermöglichen, konnte jedoch nicht genügend Geld zusammentragen und musste daher einen Antrag an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht stellen, um den weiteren Betrag zur Verfügung zu stellen – dadurch kam es zu einem Budget von 3500 Kronen. Der Bildhauer Franz Seifert wurde mit dem Entwurf und der Ausführung des Denkmals beauftragt und lieferte auch bald mehrere Ausführungsmöglichkeiten. Er schlug 3 Materialkombinationen vor: Carrara-Marmor für das Relief und Umrahmung, das Relief in Bronze mit einer Rossoantico-Marmor-Umrahmung und Kranz in vergoldeter Bronze, oder ein Relief aus Carrara-Marmor in Verbindung mit einer Umrahmung aus Rossoantico Marmor. Die artistische Kommission entschied sich schließlich jedoch für eine Ausführung mit der Kombination aus Carrara-Marmor für das Relief und rötlichem Limbacher-Marmor für die Umrahmung. Franz Seifert erstellte auch ein Tonmodell, das von der artistischen Kommission besichtigt werden konnte. Dieses Modell war in halber Lebensgröße dargestellt und wurde von der Kommission als vollkommen entsprechend befunden und als eine sehr naturgetreue Darstellung empfunden. [1]

Abb. 4: Ölportrait, Universität Wien, Institut für Mineralogie und Kristallographie

Kunsthistorischer Vergleich

Als Vergleich zur Gedenktafel dient ein Ölporträt (Abb. 4) von Schrauf, welches im Institut für Mineralogie und Kristallographie untergebracht ist. Der Bildhauer Franz Seifert könnte das Porträt durchaus als Vorlage genommen haben, da sich Büstenabschnitt im Denkmal und im Gemälde ähneln. Bei beiden Werken ist Schrauf zur linken Seite vom Betrachter aus gedreht. Am Gemälde wurde er bis zur Mitte des Oberkörpers dargestellt, beim Porträtmedaillon gerade einmal bis zur Schulter. Die Kleidung gleicht sich, Schrauf trägt einen Anzug mit Weste und Hemd. Bei der Darstellung am Denkmal als auch im Gemälde dürfte er dasselbe Alter haben, der charakteristische Bart, die hohe Stirn und die Haare sind nahezu ident. Jedoch wirkt Schrauf im Gemälde zurückhaltend, schüchtern und unsicher. Die Gesichtszüge sind weich, der Blick führt ins Leere. Anders wirkt Schrauf im Porträtmedaillon. Der Ausdruck ist stark und bestimmend. Das Porträt an der Gedenktafel wirkt insgesamt erhaben, ehrwürdig und ausdrucksstark. Eine Ähnlichkeit besteht bei beiden Werken, das Ölporträt wirkt jedoch weicher im Gegensatz zu den harten Konturen des Reliefs des Denkmals.

Die Ornamentik des kreisförmigen Schmuckbands, das die konkave Schale mit dem Porträtrelief einfasst, erinnert an aneinandergereihte Steinquader oder quaderförmige Steinblöcke und kann als Hinweis auf das Forschungsgebiet der Mineralogie interpretiert werden. Durch die Betonung in der Umrandung wird der Blick des Betrachters in besonderer Weise auf das Porträt des Geehrten gelenkt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof sind keine Veränderungen bekannt.

Literatur

  • Thomas Maisel: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 41.
  • Kurt Mühlberger: Palast der Wissenschaft. Ein historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina Vindobonensis, Hrsg. Univ. Wien, Böhlau Verlag Wien [u.a.] 2007.
  • Olga Stieglitz (u.a.), Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942): Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule, Frankfurt 2008. Digitalisierte Version auf Google Books

Rezeption in der Presse

Der Enthüllungsfeier der beiden Denkmäler für Carl Claus und Albrecht Schrauf widmete sich ein kleiner Beitrag in der Neuen Freien Presse vom 19.12.1907. Darin werden beide Gelehrten und ihre Verdienste gewürdigt. Dr. Friedrich Becke hielt eine Rede und bezeichnete Schrauf als stillen, bescheidenen, friedliebenden Forscher, der "einsam und ganz eingesponnen in der Welt der Kristalle lebte." [2]

Quellen

  • UAW, Senat S 95.22 Anfertigung und Aufstellung der Karl Claus und Albrecht Schrauf-Denkmäler von Franz Seifert.
  • UAW, Senat S 87.3.13 Kommissionssitzung, 11.6.1906, Wahlberg-, Stoerk-, Schrauf-Denkmal
  • UAW, Senat S 87.3.19 Kommissionssitzung, 21.11.1906, Kastalia-Brunnen, Kerner-, Schrauf-, Stoerk-Denkmäler, Modell des Universitätsgebäudes
  • UAW, Senat S.87.3.21 Kommissionssitzung, 23.1.1907, Claus-, Schrauf-, Kerner-, Stoerk-, Widerhofer-Denkmal
  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 41.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat S 95.22
  2. vgl. Neue Freie Presse, Ausgabe vom 19.12.1907, S. 11 http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19071219&seite=11&zoom=33



Samantha Foki, Katharina Anzböck