Denkmal Adolf Mussafia

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Kaspar Clemens Eduard Zumbusch, Denkmal für Adolf Mussafia, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1912.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 44, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Romanisten Adolf Mussafia (1835-1905) wurde von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch (1830-1915) angefertigt. Die schon zuvor geschaffene Büste wurde von der Witwe Mussafias für den Arkadenhof der Universität Wien zur Verfügung gestellt und am 24. November 1912 enthüllt.

Beschreibung des Denkmals

Abb. 3: Kaspar von Zumbusch, Denkmal für Adolf Mussafia, Büste mit Sockel und Postament, Arkadenhof der Universität Wien,

Das Denkmal befindet sich im linken Arkadengang zwischen den Aufgängen zu den Stiegen 7 und 9 in einer Blendarkade unmittelbar an die linke Lisene anschließend. Laut Maisel 2007 hat das Denkmal die Nummer 44 (Abb. 2).

Die Porträtbüste ist aus Bronze hergestellt und ruht auf einem grauen Sockel (Abb. 1). Montiert ist diese plastische Darstellung auf einem Postament aus Marmor mit einem hohen geradlinigen Schaft mit rechteckigem Grundriss. Das Denkmal hat eine Gesamthöhe von 2 m, wobei die Büste eine Höhe von 65 cm aufweist und die Höhe des Marmorpostaments einschließlich der Basis 135 cm beträgt. Ein profilierter Übergang führt zu einem breiteren Sockel, der die Basis darstellt (Abb. 3).

Die Büste Mussafias erhebt sich in etwa 2 Meter Höhe, so dass der Betrachter emporblicken muss. Die Kopfhaltung ist leicht schräg nach links gerichtet dargestellt und der Blick Mussafias führt in die Ferne. Der Mund ist geschlossen, die Oberlippe ist vom Bart umkränzt, ebenso kennzeichnet ein beidseitig, tiefliegender Backenbart den Übergang zum Hals. Die hohe freiliegende Stirn führt zum dichten Haaransatz, was auch der Realität nach einem Foto Mussafias in fortgeschrittenem Alter entspricht (Abb. 3).Die Büste zeigt im Schulter- und oberen Brustbereich ansatzweise die zeitgenössische Oberbekleidung mit einem breiten Reverskragen. Auf dem Schaft des Postaments ist an der Frontseite im oberen Bereich eine Inschrift in Gold angebracht mit folgenden Daten: "ADOLF MUSSAFIA 1835 - 1905, PROFESSOR DER ROMANISCHEN PHILOLOGIE 1869 - 1905". Eine Signatur des Künstlers ist nicht erkennbar. Das Denkmal weist keine Attribute auf, bringt jedoch Gelehrsamkeit und eine gewisse Einsamkeit zum Ausdruck, was durchaus mit der Persönlichkeit Mussafias vergleichbar ist.[1] In der Blendarkade, in der das Denkmal aufgestellt ist, ist mittig hoch an der Wand das Denkmal des Juristen Anton Hye von Gluneck (Denkmal Anton Josef Hye von Gluneck) angebracht und auf der rechten Seite der Blendarkade ist das Denkmal des Musikwissenschaftlers Eduard Hanslick (Denkmal Eduard Hanslick) aufgestellt (Abb. 6).

Notizen zur dargestellten Person

Adolf Mussafia (* 15. Februar 1835 in Spalato/Split, Dalmatien; † 7. Juni 1905 in Florenz) war Romanist und für die Gründung und den Ausbau der Romanistik an der Universität Wien verantwortlich.

Entstehungsgeschichte

Die Genehmigung zur Aufstellung der Büste von Mussafia wurde am 13. Juli 1910 vom akademischen Senat der Universität Wien erteilt. Die Professoren Meyer-Lübke, Schiper und Becker hatten die Anregung zur Ehrung des Andenkens an den Professor der romanischen Philologie Adolf Mussafia gegeben. Außerdem war die Witwe Mussafias bereit eine Büste, hergestellt vom Bildhauer Caspar von Zumbusch, der Universität zu überlassen. Eine Besichtigung der Büste wurde vereinbart.[2]

Ein Brief vom 16. Nov. 1912 bestätigt, dass Prof. Meyer-Lübke die Festrede bei der Enthüllungsfeier übernehmen würde.[3]

Die Enthüllungsfeier wurde für 24. November 1912 festgesetzt und im kleinen Festsaal der Wiener Universität abgehalten. Neben den Familienmitgliedern, sowie dem Rektor der Universität und des akademischen Senats und einem Vertreter des Unterrichtsministers waren auch der Schöpfer des Mussafia-Denkmals Prof. v. Zumbusch und weitere Professoren erschienen. Hofrat Meyer-Lübke betonte in seiner Festrede die wissenschaftliche Arbeit Mussafias auf dem Gesamtgebiet der Romanistik und seinen großen Erfolg als einer der Begründer des romanischen Sprachstudiums an den Hochschulen.[4]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 3: Adolf Mussafia, Foto vor 1905.

Die Porträtbüste Mussafias weist eine starke Ähnlichkeit mit einem Foto auf, das aus seinem späteren Leben stammt (Abb. 3). Die hohe Stirn, die Haare, die Barttracht und die Oberbekleidung sind nahezu identisch und eine realistische Darstellung ist hier wiedergegeben. Stilistisch kann das Denkmal von Adolf Mussafia in die späthistoristische Zeit des Wiener Ringstraßenstils am Ende des 19. Jahrhunderts eingeordnet werden. Der Bildhauer Caspar von Zumbusch hat diese Büste Mussafias geschaffen und ist insgesamt mit neun Denkmälern im Arkadenhof der Universität Wien vertreten.[5]

Rechts neben dem Denkmal Mussafias ist die Porträtbüste des Juristen Anton Josef Hye von Gluneck, die ebenfalls von Zumbusch stammt, hoch in der Mitte der Blendarkade angebracht und wurde 1899 aufgestellt (Abb. 4).

Abb. 4: Kaspar von Zumbusch, Denkmal Anton Josef Hye von Gluneck, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1899.
Die Porträtbüste des Musikwissenschaftlers Eduard Hanslick stammt von Viktor Tilgner, steht an der rechten Seite der Blendarkade und wurde 1913 aufgestellt (Abb. 5). Diese drei Porträtbüsten sind kunsthistorisch in die späthistoristische Zeit einzuordnen. Sie weisen sehr starke Ähnlichkeiten auf sowohl in ihrer Materialität als auch im Ausschnitt der Darstellung ihrer Person. Die Büsten Mussafias und Glunecks sind aus Bronze hergestellt und enden im oberen Brustbereich. Mussafia blickt in die Ferne, Gluneck ist frontal dargestellt und blickt direkt dem Betrachter entgegen, ist aber weit höher an der Wand montiert. Gluneck strahlt mehr Lebendigkeit aus, hingegen vermittelt Mussafia einen ernsten Gesichtsausdruck. Die Kleidung ist bei beiden Figuren nahezu identisch. Die Dreierkomposition in dieser Blendarkade wirken durch ihre Ähnlichkeit der Darstellungsweise sehr homogen und ausgeglichen. Obwohl zwei verschiedene Künstler diese Büsten geschaffen haben und die geehrten Personen in drei unterschiedlichen Bereichen tätig waren, vermitteln sie für den Betrachter eine geschlossene Gruppe, da sie durch die Blendarkade eine Einheit bilden. (Abb. 6) Die Komposition wirkt durch vollkommene Symmetrie.

Die Büste Eduard Hanslicks (Abb. 5) hat ebenso starke Ähnlichkeit zu Mussafia, ist aus Bronze hergestellt, ruht auf einem gleich hohen Marmorsockel, zeigt Natürlichkeit und sein Blick ist streng nach rechts gerichtet. Allerdings ist die Kleidung faltenreicher dargestellt und bringt dadurch weniger Strenge zum Ausdruck.

Ereignisse im Zusammenhang mit der Aufstellung im Arkadenhof

Italienische Studenten beabsichtigten anlässlich der Enthüllungsfeier am 23. November 1912 einen Kranz mit Schleifen in den italienischen Nationalfarben und eine in italienischer Sprache verfassten Widmung niederzulegen. Dies wurde vom Rektorat abgelehnt. Zwei Tage später kam es trotzdem zu einer Kranzniederlegung. Der Kranz mitsamt Schleifen wurde umgehend entfernt, was eine Demonstration italienischer Studenten auslöste. Die Würdigung Mussafis seitens der italienischen Studenten war vor allem als Forderung nach einer italienischen Universität zu sehen.[6] [7]

Zu einem weiteren politischen Ereignis kam es am 5. November 1938. Nationalsozialistische Studenten führten eine "wilde" Arisierung im Arkadenhof der Universität durch, sie beschädigten mehrere Denkmäler, darunter auch jenes von Mussafia. Dieser Gewaltakt und die Überprüfung der Konformität nach den NS-Rassengesetzen veranlasste die Universitätsleitung insgesamt 16 Denkmäler in Depots zu lagern, darunter befand sich auch das Denkmal für Adolf Mussafia. Nach dem Kriegsende und erfolgter Restaurierung wurden 1947 alle Denkmäler wieder im Arkadenhof aufgestellt.[8]

Einzelnachweise

  1. Richter 1932.
  2. UAW Senat S 95.10 Denkmalakt, Brief: Rektor Universität Wien an Artistische Kommission, 29. September 1910.
  3. UAW Senat S 95.10 Denkmalakt, Brief: Rektor Universität Wien an Prof. Dr. Meyer-Lübke, 16. November 1912.
  4. NFP 24. November 1912, S. 12 - 13.
  5. Maisel 2007, S. 16.
  6. UAW Senat S 95.10 Denkmalakt, Brief: Circolo Academico Italiano an Rektorat Universität Wien, 21. November 1912.
  7. NFP 25. November 1912, S. 8.
  8. Maisel 2007, S. 14 - 15.

(UAW = Universitätsarchiv Wien) (NFP = Neue Freie Presse)

Quellen

  • UAW (= Universitätsarchiv Wien) Denkmalakt Mussafia Adolf, Signatur: Senat S 95.10

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Enthüllungsfeier für Mussafia-Denkmal, in: Neue Freie Presse, 24. November 1912, S. 12-13.
  • Neue Freie Presse: Demonstration der italienischen Studenten, in: Neue Freie Presse, 25. November 1912, S. 8.

Literatur

  • Dehio Wien 2007: Dehio-Handbuch Wien, I. Bezirk-Innere Stadt, S. 602 - 608.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.
  • Richter 1932: Elise Richter, Adolf Mussafia. Zur 25. Wiederkehr seines Todestages, in: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Band 55, Jena/Leipzig 1932, S. 169 - 193.

Christa Dobrzanski, Katharina Anzböck