Denkmal Adolf Exner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal Adolf Exner von Hans Bitterlich, 1897 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 49, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Juristen Adolf Exner (1841-1894) wurde von dem Bildhauer Hans Bitterlich (1860-1949) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 21. Juni 1896 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3: Aufstellung des Exner Denkmals

Das Denkmal für Adolf Exner von Hans Bitterlich setzt sich aus einer Konsole und der darauf stehenden Porträtbüste zusammen. Es befindet sich gemeinsam mit den Denkmälern für Melchior Neumayr und Ludwig Barth von Barthenau im letzten Wandfeld des linken Arkadenganges. Die Konsole wurde aus dunklem Marmor mit starker heller Maserung gefertigt und besitzt nur wenige Dekorationselemente, lediglich am oberen, sich stark verbreiternden Rand wurde sie mit Voluten verziert. An der Vorderseite befindet sich die Inschrift aus eingravierten und in Gold gefassten Lettern: ADOLF EXNER / 1841 1894 / PROFESSOR / DES ROEMISCHEN RECHTES / MITGLIED / DES HERRENHAUSES UND / REICHSGERICHTES. Die Porträtbüste erscheint über einer ovalen Basis, die mehrfach am Rand profiliert ist. Der Kopf des Dargestellten ist etwas nach rechts ins Dreiviertelprofil gedreht. Sein Blick wirkt nachdenklich und unbestimmt, er entzieht sich seinem Betrachter. Exner ist im fortgeschrittenen Alter festgehalten. Er trägt die für die damalige Zeit übliche Kleidung eines vornehmen Bürgers: Jacke, Weste, Hemd und eine breite, lose gebundene Krawatte, die wie ein Halstuch wirkt. Sein kurzes, an der Stirn gelichtetes Haar sowie sein Bart sind gepflegt und die gesamte Erscheinung entspricht den von Exner überlieferten Darstellungen, wie anhand einer Fotografie aus den frühen 1890er Jahren zu sehen ist (Abb. 9). Die Oberfläche der Büste ist fein gearbeitet und weist eine weiche Modellierung auf, was ihr ein homogenes Aussehen verleiht. Während die Kleidung weicher und flüssiger in ihrem Gesamterscheinungsbild ist, so hat Bitterlich einen realeren und greifbareren Stil für das Haupt des Juristen gewählt. Hans Bitterlich hat sein Werk nicht sichtbar signiert oder datiert.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 4: Exners Linkes Profil

Adolf Exner (1841-1894) habilitierte sich für römisches Recht an der Universität Wien. Er war Professor an den Universitäten in Zürich und Wien, an letzterer zudem Dekan und später Rektor. Exner war Mitglied des Reichsgerichtes und des Herrenhauses,[1] galt als ausgezeichneter Lehrer und unterrichtete unter anderem Kronprinz Rudolf. Er verfasste zahlreiche Abhandlungen zum österreichischen Zivilrecht und war als juridischer Berater hoch geschätzt.[2]

Entstehungsgeschichte

Abb. 5: Exners Rechtes Profil
Abb. 6: Einladungskarte zur Enthüllung des Exner Denkmals
Abb. 7: Adolf Exner, Stich von Ludwig Michalek, 1892.

Der Zeitraum von Beantragung der Büste bis zu ihrer Fertigstellung umfasste die Jahre 1895 bis 1896. Sie wurde somit bereits zwei Jahre nach Exners Ableben errichtet und das war der Mindestzeitraum, der damals verstreichen musste, bis ein Denkmal für einen Verstorbenen errichtet werden durfte.

Bereits 1895 ersuchte Exners Witwe Constanze um die Aufstellung eines Denkmals zum Andenken an ihren Gatten. Sie war hierbei sehr präzise in der Ortsangabe, nämlich in dem "rechteckigen Raum", der bereits die Denkmäler für Thun-Hohenstein, Bonitz und Franz Exner enthielt und erbat, sollte das Licht am gewünschten Platz ungünstig sein, die Möglichkeit einer späteren Umversetzung.[3] Nach Genehmigung des Antrags wurde die Büste bei Hans Bitterlich in Auftrag gegeben. Er hielt mehrfach Rücksprache mit der Artistischen Commission sowie mit dem Rektor der Universität bezüglich der Inschrift und der Ausgestaltung im Allgemeinen. Am 23. Mai 1896 teile Otto Benndorf dem Rektor mit, dass eine Aufstellung der Büste im westlichen Flügel, vor dem ursprünglich geplanten Raum - laut Maisel die Nr. 64 - gewünscht werde und übersandte eine entsprechende Skizze (Abb. 8).[4]

Das Denkmal Adolf Exners wurde am 21. Juni 1896 um 12 Uhr mittags im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Die Festrede hielt der Archäologe Otto Benndorf, ein Freund Adolf Exners. Anwesend waren neben der Familie zahlreiche Vertreter der Universitäten und aus der Politik, unter anderem Unterrichtsminister Freiherr von Gautsch.[5] Am selben Tag unterschrieb Constanze Exner einen Vertrag, in welchem die Büste ihres Mannes, gefertigt von Hans Bitterlich, der Universität Wien überschrieben wurde. [6]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Büste Exners wird als die möglicherweise beste Neu-Wiener Porträtleistung angesehen.[7] Zu begründen ist diese Behauptung mit der Tatsache, dass Bitterlich den Juristen lebensnah und sofort erkennbar dargestellt hat, ohne dabei zu verschönern oder zu idealisieren. Als Vorlage könnte eventuell ein Stich von Ludwig Michalek gedient haben, der 1892, also zwei Jahre vor Exners Tod, angefertigt wurde.

Bitterlich, der der Gruppe der späthistoristischen Bildhauer zuzuordnen ist, die in ihren späteren Jahren auch Elemente des Jugendstils aufnahmen, schuf mit der Büste Adolf Exners eines seiner früheren Werke, das in wenigen Details, wie zum Beispiel den Barthaaren, noch Anklänge der neobarocken Tendenzen der Ringstraßenplastik erkennen lassen, wenngleich Haare und Bart vor allem in der Seitenansicht durch die zarten Linien wiederum impressionistisch wirken. Die Gesamtkomposition der Büste folgt aber bereits den klaren Formen, die für sein Werk kennzeichnend sind und deren Oberflächen vor allem durch eine weiche Licht-Schattenmodellierung belebt werden.[8]

Vorbilder für die Gesamtkomposition der Büste mit geradem Abschluss und klarer Form finden sich in der Renaissance. Ein Beispiel einer Büste, die sich in Wien im Kunsthistorischen Museum befindet und die Bitterlich somit gekannt haben musste, ist die Büste eines jungen Mannes von Conrat Meit aus der Zeit um 1540 (Abb. 10). Vergleichbare Darstellungen mit Exners Büste im Arkadenhof sind die Büsten von Ignaz Seipel, Heinrich von Bamberger und Julius von Wiesner, die ebenfalls mit einer glatten Umrandung abschließen.

Neben der Büste für Adolf Exner fertigte Bitterlich noch fünf weitere Denkmäler für den Arkadenhof der Universität an: Joseph Johann von Littrow und Karl von Littrow, Ferdinand von Arlt, Ferdinand Lotheissen und Richard Wettstein von Westersheim. Dabei handelt es sich allerdings jeweils um Reliefs und keine Büsten wie im Falle Adolf Exners.

Ereignisse nach der Aufstellung im Arkadenhof

In einem Schreiben vom 6.November 1897 ersucht Sigmund Exner im Namen seiner Schwägerin Constanze um die Versetzung der Büste rechts unterhalb des Denkmals von Melchior Neumayr, wo es als Gegenstück zur Herme Ludwig Barths aufgestellt werden sollte.[9] Dieses Ansuchen wurde vom Rektor bereits am 8.November 1897 an die artistische Kommission weiter geleitet. [10] Heute befindet sich das Denkmal am jenem Standort den sich Constanze Exner für das Denkmal vorgestellt hatte. (Abb. 2)

Quellen

Abb. 8: Skizze von Otto Benndorf zur gewünschten Aufstellung.
  • UAW Inv. 107.82, Stiftungsurkunde.
  • UAW Senat S 93.25, Brief Konstanze Exners an die artistische Kommission mit Bitte um Genehmigung der Aufstellung eines Denkmals für ihren verstorbenen Mann, 6.6.1895.
  • UAW Senat S 93.25, undatierte Einladung zur Enthüllungsfeier.
  • UAW Senat S 93.25, Notiz zur Enthüllungsfeier, 23.5.1896.
  • UAW Senat S 93.25, Notiz zur Aufstellung mit beigelegter Skizze, 23.5.1896.
  • UAW Senat S 93.25, Brief Hans Bitterlichs an Anton Menger zur Konsolitierung betreffend der Inschrift des Sockels, 19.6.1896.
  • UAW Senat S 93.25, Brief Hans Bitterlichs an den Rector der Universität, 21.6.1896.
  • UAW Senat S 93.25, Übereignung der Büste in den Besitz der Universität Wien, 21.6.1896.
  • UAW Senat S 93.25, Brief Sigmund Exners: Bitte von Constanze Exner um Versetzung der Büste, 6.11.1897.
  • UAW Senat S 93.25, Brief des Rektors an die artistische Kommission, Weiterleitung des Ansuchen Sigmund Exners, 8.11.1897.
  • UAW Senat S 93.25, Antrag auf Besprechung der Umversetzung des Exners Denkmals durch die Artistische Kommission, 20.1.1898.
  • UAW Senat S 93.25, handschriftlicher Brief zur Umversetzung der Büste, 21.1.1898.

UAW = Universitätsarchiv Wien

  • Benndorf 1896: Otto Benndorf, Adolf Exner. Worte zu seinem Gedächtnis bei der Aufstellung seiner Büste in den Arkaden der Universität Wien am 21.Juni 1896, Wien 1896.

Rezeption in der Presse

Detaillierte Berichte über die Enthüllungsfeier der Büste sowie Auszüge der Festrede von Benndorf vom 21.6.1896 erschienen unter anderem in:

  • Abend-Presse 1896: Enthüllung der Büste Adolph Exner's, in: Abend-Presse, No.171, 22.6.1896, S.1 Sp.4, S.2 Sp.1. [1]
  • Neue Freie Presse 1896: Enthüllung der Büste Adolph Exners, in: Neue Freie Presse, No. 11433, 22.6.1896, S. 2. [2]

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S.55.
  • Hoyer 1987: Hans Hoyer, Adolf Exner 1841-1894, in: Wilhelm Brauneder (Hg.), Juristen in Österreich 1200-1980, Wien 1987, S.205-208, S.317-318.
  • Saur 1995: Hans Bitterlich, in: Saur, Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 11, Leipzig 1995, S. 260.
  • Thieme-Becker 1989: Hans Bitterlich, in: Ulrich Thieme / Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 4, Leipzig 1989.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hoyer 1987, S. 317-318.
  2. Abend-Presse 1896, S.2, Sp.1.
  3. UAW, Senat S 93,25, 6.7.1895.
  4. UAW, Senat S 93.25.
  5. Neue Freie Presse 1896, S. 2.
  6. UAW, Senat S 93.25.
  7. Thieme-Becker 1989, S. 73.
  8. Saur 1995, S. 260.
  9. UAW, Senat 93.25, 6.11.1897.
  10. UAW, Senat 93.25, 8.11.1897.

Darstellungen


Kristina Kogler, Sarah Geschwandtner, Gabriele Böhm-Nevole