Denkmal Adam Politzer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Adam Politzer, Büste von József Kampfl, 1983.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 135, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Adam Politzer, Aufnahme von Rudolf Krziwanek. ©ÖNB

Das Denkmal für den Mediziner Adam Politzer (1835-1920) wurde von dem ungarischen Bildhauer József Kampfl (*1939) geschaffen. Das Denkmal wurde am 8. November 1983 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für den Ohrenarzt steht an der Wand des rechten Arkadenganges zwischen den Denkmälern des Kinderarztes Clemens Pirquet von Cesenatico und des Psychiaters Richard von Krafft-Ebing (Abb. 2).[1] Die Bronzebüste ist auf einem 140 cm hohen, rechteckigen Sockel aus weißem Kalkstein (Breite 40 cm, Tiefe 35 cm) angebracht, der wiederum auf einer 12 cm hohen, 70 cm breiten und 65 cm tiefen Sockelbasis aus bräunlichem Stein steht. Der Sockel hat ein Gewicht von etwa 500 kg. Die Büste selbst ist 70 cm hoch, ebenso breit und weist eine Tiefe von 32 cm auf. Ihr Gewicht beträgt etwa 80 kg. Die Gesamthöhe des Denkmals misst somit 222 cm.

Der Dargestellte wird in formaler, zeitgenössischer Kleidung der Zeit um 1900 dargestellt: mit Jacke, Hemd mit steifem Kragen und breiter Krawatte. Die Büste endet unterhalb des Brustbereiches in halbrunder Form, die Arme liegen eng am Körper an und sind lediglich im Ansatz dargestellt, die halbrunde Bewegung setzt sich im unteren Armabschnitt fort.

Auf der Vorderseite des Sockels befindet sich in der oberen Hälfte die Inschrift in goldfarbenen Lettern: ADAM POLITZER / 1835-1920 / PROFESSOR DER OTOLOGIE / 1873-1907 / ARTIS OTOLOGIAE CONDITOR. Auf der linken Seite des Sockels im oberen Bereich eingraviert: Kampfl J. / Budapest.

Notizen zur dargestellten Person

Adam Politzer (1835-1920) war Ohrenarzt und gründete die weltweit erste Universitätsohren-Klinik, deren Vorstand er war. Er entwickelte ein später nach ihm benanntes Verfahren zur Behandlung von Schwerhörigkeit. Unter ihm erlangte das Spezialgebiet der Otologie der Wiener Medizinischen Schule internationale Anerkennung.

Entstehungsgeschichte

Abb. 4: Adam Politzer, Denkmal von József Kampfl, 1983.
Abb. 5: Schema des Denkmals für Adam Politzer.

Adam Politzer scheint ein Beispiel für jenen Propheten zu sein, der im eigenen Land nichts gilt. Während er international höchstes Ansehen genoss und die nach ihm benannte Politzer Society bis heute sein Andenken pflegt, dauerte es über 60 Jahre, bis ihm an der Universität Wien ein Denkmal errichtet wurde.

Die Büste von Adam Politzer für den Arkadenhof der Universität Wien wurde schließlich im Jahr 1981 von der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde initiiert und finanziert.[2]

In einem Brief vom 9.11.1981 verwies deren Präsident Kurt Burian den Rektor der Wiener Universität, Richard Plaschka, darauf, dass die erste Ohrenklinik der Welt im 19. Jahrhundert von Adam Politzer errichtet worden sei, und damit der Anstoß für weitere Kliniken dieser Art gegeben war. Weiters erwähnte er die Bedeutung, die die Wiener Medizinische Schule mit der Gründung der ersten otologischen Schule weltweit erlangte. Er ersuchte nun um die Bewilligung zur Aufstellung einer Büste Politzers im Arkadenhof der Universität. Die Gelegenheit sei insofern günstig, als anlässlich des HNO-Weltkongresses in Budapest eine Büste Politzers in dessen Heimatort Albertirsa, der sich südlich von Budapest befindet, aufgestellt wurde. Der Künstler József Kampfl hatte das Standbild der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde zum Ankauf angeboten. Die Gesellschaft war bereit, einen Beitrag zu leisten, falls das Denkmal an der Universität aufgestellt werden könnte.[3]

In einem Brief vom 28. Jänner 1982 schrieb der Dekan der medizinischen Fakultät, Wilhelm Holczabek an die Universitätsdirektion mit Bezug auf deren Schreiben vom 18.11.1981, dass der Antrag zur Aufstellung des Politzer-Denkmals in der Sitzung des Fakultätskollegiums vom 27. Jänner 1982 einstimmig angenommen worden war. Er ersucht, den Antrag mit dieser Befürwortung an den Akademischen Senat weiter zu leiten.[4] In seiner Sitzumg vom 25. März 1982 beschloss der Akademische Senat einstimmig die Aufstellung einer Büste von Adam Politzer.[5]

Der Kunsthistoriker Hermann Fillitz schrieb in einem Brief vom 19. Mai 1983 an den Universitätsdirektor Franz Skacel, dass eine Aufstellung zwischen den Büsten der Professoren Pirquet und Krafft-Ebing sinnvoll erscheine. Er erwog auch eine Verschiebung der Pirquet-Büste in die Mitte der Arkadenwand und dafür an deren Stelle die Politzer-Büste aufzustellen.[6]

Das ungarische Außenhandelsunternehmen „Artex“ wurde beauftragt, eine schematische Zeichnung des Denkmals zu übermitteln und diese nach Wien zu senden (Abb. 5). Dafür wurde ein Vorschuss von ATS 50.000,- bezahlt und ein weiterer Betrag von ATS 32.000,-- binnen 30 Tagen nach der Aufstellung des Denkmals vereinbart.[7] Die Enthüllung des Denkmals fand am Sonntag, den 8. November 1983, um 12 Uhr mittags im Arkadenhof der Universität Wien statt.[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Adam Politzer, Ex libris.
Abb. 7: Adam Politzer, Büste von József Kampfl, 1983, Seitenansicht.

József Kampfl musste bei der Anfertigung der Büste naturgemäß auf eine Vorlage zurückgreifen, da sie erst mehr als 60 Jahre nach dem Ableben Adam Politzers angefertigt wurde. Vergleicht man die Büste mit den Porträts Politzers, kann man relativ wenig Ähnlichkeit feststellen. Am ähnlichsten scheint eine Darstellung zu sein, die Politzer selbst für sein ex libris verwendete (Abb. 6). Die beiden Seitenansichten sind in Bezug auf Haare und Bart durchaus vergleichbar. Auch die Kopfhaltung und der leicht gesenkte Blick stimmen überein. Möglicherweise diente diese Abbildung Politzers als eine der Vorlagen für die Anfertigung der Büste, die – zumindest nach dieser Darstellung – als wirklichkeitsgetreu angesehen werden kann.

Politzer ist bis knapp unterhalb des Brustbereiches dargestellt, Armabschnitt und Oberkörper bilden am unteren Rand eine zusammenhängende Rundung. Der Kopf ist frontal auf den Betrachter ausgerichtet. Der Dargestellte wirkt dadurch sehr gefestigt, kompakt, aber auch etwas klobig. Eine ähnliche Rundung als unterer Abschluss ist bei der ebenfalls in Bronze ausgeführten Büste von Adolf Mussafia von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch gegeben, die 1912 enthüllt wurde. Wenngleich die Oberflächengestaltung wesentlich glatter ausgeführt ist, als bei jener von Politzer. Die relativ grobe Ausführung gibt aber gerade dem Gesicht etwas sehr Natürliches, das die Darstellung eines älteren Herren glaubhaft macht.

Weder auf der Büste noch am Sockel weisen Attribute auf die Tätigkeit des Dargestellten hin – eine Form, die im 20. Jahrhundert wieder zunehmend üblich wird.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal steht seit der Aufstellung unverändert am gleichen Platz, Informationen über Beschädigungen oder Veränderungen liegen nicht vor.

Quellen

  • UAW Senat S 304.979: Personalakt Politzer
  • UAW Denkmalakt Politzer: Anmerkung: Der Denkmalakt Politzer ist auf Nachfrage im Universitätsarchiv angeblich nicht mehr vorhanden (Anfrage am 16.6.2014). Da der Briefwechsel zwischen den einzelnen Stellen der Österreichischen Geselllschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und der Universität Wien jedoch von der Erstellerin dieses Artikels wörtlich zitiert wurde, muß es diesen Akt geben und es bleibt zu hoffen, dass er eines Tages wieder auftauchen wird.

UAW = Universitäts-Archiv-Wien

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 97.
  2. Maisel 2007, S. 97.
  3. UAW Denkmalakt Politzer, 1.9.11.81.II.H.N.O.-Klinik; Antrag.
  4. UAW Denkmalakt Politzer, 28./29.1.82, Zl.9-81/82 Med. Fak. Stellungnahme.
  5. UAW Denkmalakt Politzer, Auszug aus dem Protokoll über die 4.Sitzung des Akadem. Senates am 25. März 1982.
  6. UAW Denkmalakt Politzer, 17.5./6.6.83 Institut für Kunstgeschichte Dr. H. Fillitz, Stellungnahme betr. Aufstellung der Büste.
  7. UAW Denkmalakt Politzer.
  8. UAW Denkmalakt Politzer.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 97.

Darstellungen

  • Büste Adam Politzer des ungarischen Bildhauers József Kampfl, Bronze, 1983. © UAW Denkmalakt Politzer, s. Anmerkung unter Quelle.

Angela Libal, Gabriele Böhm-Nevole