Denkmal Adalbert Duchek

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Adalbert Duchek, Büste von Josef Grünhut, 1901.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 82, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Adalbert Duchek, Denkmal von Josef Grünhut, 1901.
Abb. 4: Adalbert Duchek, Lithographie, Künstler unbekannt.

Das Denkmal für den Mediziner Adalbert Duchek (1842-1882) wurde von dem Bildhauer Josef Grünhut (1867-1939) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7.Juli 1901 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal des Internisten Adalbert Duchek steht am Ende des vom Haupteingang gesehen rechten Arkadenganges in einer farblich akzentuierten Nische mit halbrundem Abschluss. Am Plan Maisel ist es die Nummer 82. (Abb. 2)

Die Büste aus weißem Carrara-Marmor steht auf einem 172 cm hohen, 49 cm breiten und 35 cm tiefen rechteckigen Sockel aus hellbraunem Marmor, der sich nach unten verjüngt (Abb. 1 und 3). Sie zeigt Adalbert Duchek bis knapp unterhalb des Brustbereiches abgebildet. Er trägt die für das Ende des 19. Jahrhunderts typische Kleidung eines gesetzten Bürgers: Jacke mit Weste, hoch geschlossenes Hemd und breite Krawatte. Die Arme sind lediglich im Ansatz dargestellt, sie wirken durch ihre Haltung, als hätte er sie am Rücken verschränkt, dadurch erscheinen sie weniger abgeschnitten als auf anderen Büsten ähnlichen Typs. Die Abschrägung des Oberkörpers setzt sich nahtlos im Ansatz der Arme fort und gibt der Büste dadurch etwas kompaktes, geschlossenes. Jacke und Weste werfen leichte Falten, auch die Krawatte wirkt natürlich gebunden.

Der Kopf des Arztes ist leicht nach rechts gedreht, das Kinn etwas angehoben. Er blickt ernst, nachdenklich aber auch unnachgiebig über den Betrachter hinweg, sein Blick ist in die Ferne gerichtet. Die Pupillen sind ausgeführt, was den naturalistischen Eindruck weiter verstärkt und dem Gesicht des Dargestellten einen sehr wachen Ausdruck verleiht. Insgesamt wirkt er gefestigt und selbstbewusst.

Die Darstellung des Kopfes und die Frisur entsprechen jenen auf dem Foto, wenngleich die Ausführung von Haar und Schnurrbart, der den Mund fast gänzlich verdeckt, etwas fülliger und lockiger wirkt als es offensichtlich tatsächlich der Fall war. Das Gesicht ist detailliert modelliert: das ausgeprägte Kinn, die breite Nase, die Tränensäcke und Falten lassen Duchek, der bereits im Alter von 57 Jahren starb, älter erscheinen, als er ist.

Die Büste ist circa 78 cm hoch und Duchek damit etwas über Lebensgröße dargestellt.

Keinerlei Attribute weisen auf seine Tätigkeit hin. Auch der Sockel ist bis auf eine Reihe Guttae unterhalb der Inschrift ohne Schmuck.

Im oberen Bereich des Sockels befindet sich die Inschrift, mit heute leider teilweise fehlenden Ziffern: ADALBERT DVCHEK / PROFESSOR DER INTERNEN MEDIZIN / IN WIEN / 1858 – 1882 / GEB. 182. – GEST. 1.8.. Auf der linken Seite ist die Büste am unteren Rand mit „JOS. GRÜNHUT / fec. 1901“ und auf der rechten Seite, ebenfalls am unteren Rand, mit „GRÜNHUT 1901“ signiert.

Notizen zur dargestellten Person

Adalbert Duchek (* 1. Dezember 1842 in Prag; † 2. März 1882 in Wien) war Internist und Pathologe der Wiener Medizinischen Schule. Er war Leiter des Lehrstuhls für klinische Medizin an der Wiener Universität und gilt aufgrund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als einer der ersten Laboratoriums-Mediziner.

Entstehungsgeschichte

Abb. 5: Einladung zur Aufstellung des Duchek-Denkmals am 7. Juli 1901.

Adalbert Ducheks Witwe Marie wandte sich brieflich an den Redakteur der Wiener Klinischen Wochenschrift, Dr. Alexander Fraenkel, mit dem Ersuchen, sie hinsichtlich der Genehmigung zur Aufstellung eines Denkmals für ihren verstorbenen Gatten zu unterstützen. Das Denkmal wolle sie der Universität zur Verfügung stellen. Fraenkel kontaktierte den Nachfolger Ducheks, Hermann Nothnagel, mit dem Ansuchen, [1] worüber dieser wiederum den Decan der Medizinischen Fakultät informierte.[2] In der Sitzung des Professoren-Kollegiums der Medizinischen Universität vom 3. März 1900 wurde der Antrag zur Aufstellung eines Denkmals für Adalbert Duchek einstimmig angenommen.[3] In einem Brief vom 20. September 1900 informiert Marie Duchek den akademischen Senat darüber, dass sie eine Aufstellung des Denkmals ihres verstorbenen Gatten in einer Nische schräg gegenüber dem Bamberger-Denkmal wünscht und sie nennt den Bildhauer Josef Grünhut, den sie mit der Herstellung beauftragt hatte.[4] Das Denkmal wurde dann spätestens am 2. Juli 1901 in der Universität abgeliefert.[5] Die oben angeführte Inschrift auf dem Denkmal wurde von der artistischen Kommission genehmigt, ebenso wie die Gestaltung des Denkmals, jedoch wurde Grünhut ersucht, dem Postament eine einfachere Form zu geben, um mit den Denkmälern im Umfeld besser zu harmonieren,[6] wozu sich Marie Duchek auch einverstanden erklärte.[7]

Die Enthüllung des Denkmals fand mit den üblichen Feierlichkeiten[8] am Sonntag, den 7.Juli 1901 gemeinsam mit jenem für Johann Dumreicher im Arkadenhof der Universität statt. (Abb. 5). Die Festansprache für Adalbert Duchek hielt August Emil Ritter von Vogl.[9]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Büste Ducheks (Abb. 1) schließt unten gerade ab, nimmt aber die Stufenform des Sockels auf, wie unter anderem bei der Büste von Anton Menger, die allerdings erst 1919 aufgestellt wurde (Abb. 9). Die Armanschnitte reichen nicht bis zum unteren Rand der Büste, wie dies zum Beispiel bei der schräg gegenüber stehenden und zwei Jahre davor enthüllten Büste von Heinrich von Bamberger der Fall ist, sondern setzen sich in einer direkten Linie zum Oberkörper fort. Vergleichbare zeitnahe Beispiele dieser Ausführung sind etwa die Büste von Wilhelm Emil Wahlberg, die von Melanie Horsetzky von Hornthal angefertigt und 1908 aufgestellt wurde (Abb. 11), oder jene von Robert von Zimmermann, die 1908 von Edmund Klotz angefertigt wurde (Abb. 12).

Adalbert Ducheks Büste ist naturalistisch, im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Büsten wirkt sie aber dennoch idealisiert. Gegenüber seiner Darstellung auf einer Lithographie (Abb. 4), auf der seine ausgeprägten Backen, sein dünn am Kopf liegendes Haar und sein etwas wässriger Blick die ganze Person eher unattraktiv und passiv erscheinen lassen, wirkt er in der Büste durch die dicken Augenbrauen, die schlankeren Gesichtszüge und einen geradezu herrischen Blick wesentlich dynamischer. Leider existieren keine weiteren Fotos von Duchek. Auch die Abbildung, die anlässlich seines Ablebens publiziert wurde, zeigt jene Fotografie, nach der die vorhandene Lithographie angefertigt worden sein dürfte. Ein direkter Vergleich mit einer Abbildung des älteren Internisten ist also nicht möglich, auch ist nicht bekannt, welche Vorlage der Bildhauer für die Anfertigung der Büste verwendete.

Ein Vergleich mit der 1897 entstandenen Büste von Franz von Miklosich, die von Johann Scherpe gestaltet wurde (Abb. 10), zeigt die beiden Wissenschaftler mit ungefähr gleicher Haar- und Barttracht. Während Scherpe allerdings den antikisierenden Typus wählt, indem er lediglich Hals und Brustansatz in unbekleideter Form darstellt ist Duchek in zeitgenössischer Kleidung dargestellt. In beiden Fällen weisen keinerlei Attribute auf die Tätigkeit des Dargestellten hin. Während Scherpe alle Details des Gesichtes herausarbeitet fällt bei Grünhuts Darstellung die oben erwähnte Idealisierung der Gesichtszüge ins Auge.

Ein Vergleich mit weiteren Werken Grünhuts scheint wenig zielführend, da die Porträtbüste Ducheks die einzig mir bekannte des Künstlers ist, während seine anderen Werke, wie zum Beispiel Grabmonumente, durch die unterschiedliche Verwendung auch eine völlig andere Darstellung haben.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal steht seit seiner Enthüllung unverändert an demselben Platz. Informationen über besondere Ereignisse oder Beschädigungen - mit Ausnahme der unten angeführten - liegen nicht vor.

Quellen

  • UAW Senat S 93.20
  • UAW Senat S 87.2.29

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

In der Presse wurde die Enthüllung des Adalbert-Duchek-Denkmals, das gemeinsam mit jenem von Johann Dumreicher von Österreicher stattfand, entsprechend gewürdigt, die Besucher und Festredner der Feier erwähnt und die qualitätsvolle Ausführung der Denkmäler gepriesen. Pressemeldungen (Auswahl):

  • Dumreicher- und Duchek-Feier an der Universität, in: Neue Freie Presse, 8. Juli 1901, S. 4.
  • Denkmal-Enthüllungen an der Universität, in: Arbeiter Zeitung, Nr. 184, 8.Juli 1901, S. 2.
  • Die neuen Denkmäler in der Universität, in: Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie, Nr. 184, 8.Juli 1901, S. 2.
  • Eine zweifache Feier an der Universität, in: Deutsches Volksblatt, Nr. 4492, 8.Juli 1901, S. 3.
  • Zwei Denkmal-Enthüllungen an der Universität, in: Neues Wiener Journal, Nr. 2765, 8.Juli 1901, S. 2.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 1624, Schreiben von Alexander Fraenkel an Hermann Nothnagel vom 6.11.1899.
  2. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 1624, Schreiben von Herrmann Nothnagel an den Decan der Medizinischen Fakultät vom 12.11.1899.
  3. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. ad 2239, Schreiben ohne Datum.
  4. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 52, Schreiben Marie Ducheks vom 20.9.1900 an den akademischen Senat.
  5. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 2490, Schreiben des Rektors vom 22.5.1901 an die Gebäude-Inspection.
  6. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 626, Schreiben des Rektors vom 12.11.1900 an Marie Duchek.
  7. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 626, Schreiben Marie Ducheks vom 15.11.1900 an den akademischen Senat.
  8. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 2490, Schreiben des Rektors vom 22.5.1901.
  9. UAW Senat S 93.20, Prot.Nr. 2490 vom 26.4.1901.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Galerie


Dragana Ivic, Gabriele Böhm-Nevole