Constantin von Economo

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Constantin von Economo um 1910

Constantin Freiherr Economo von San Serff (* 21. August 1876 in Brăila/Rumänien; † 21. Oktober 1931 in Wien/Österreich) war ein österreichischer Psychiater und Neurologe griechischer Herkunft. Er ist vor allem bekannt für seine Entdeckung der Europäischen Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica) und seinen Atlas der Zytoarchitektonik des menschlichen Gehirns. Ihm zu Ehren wurde im Jahr 1966 im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal gesetzt.

Leben

Frühe Lebensjahre

Der Sohn eines Großgrundbesitzers aus Thessalien und einer, in Budapest niedergelassenen, griechischen Industriellen aus Makedonien, wurde in Brăila, Rumänien geboren.[1] Nachdem seine Familie 1877 nach Triest zog[2], verbrachte der Junge Constantnin seine Schulzeit ebenda und ließ schon dort, durch seine postiven Leistungen, auf sich Aufmerksam machen. Auf Drängen seines Vaters begann von Economo 1893 ein Technikstudium an der Polytechnischen Universität Wien welches er aber bereits 2 Jahre danach zu Gunsten der Medizin aufgab.[2] Zu Economos Lehrern zählte unter anderen Julius Wagner-Jauregg.[3] Seine erste wissenschaftliche Publikation wurde 1899 veröffentlicht und trug den Namen Zur Entwicklung der Vogelhypophyse.

Wissenschaftliche Höhepunkte

Von 1903 bis 1904 hospitierte von Economo in der Klinik für Innere Medizin bei Carl Wilhelm Nothnagel in Wien. Anschließend unternahm er einige Reisen durch Europa um sich in verschiedenen medizinischen Bereichen wie auch Methoden weiterzubilden. Anschließend kam er wieder in die österreichische Bundeshauptstadt zurück, um im Allgemeinen Krankenhaus in Wien als Assistent in der Klinik für Psychiatrie und Nervenkrankheiten zu arbeiten. 1913 wurde er habilitiert, 3 Jahre später, im Alter von 43 Jahren, heiratete er Prinzessin Karoline von Schönburg-Hartenstein. 1921 wurde er Professor für Psychiatrie und Neurologie. Die Klinik für Psychiatrie und Nervenkrankheiten war der Ort, an dem von Economo für den Rest seines Lebens forschen konnte. Er wurde jedoch erst im Mai 1931 Leiter der, eigens für ihn neu eröffneten, Abteilung für Hirnforschung. Von Economo konnte diese Einrichtung allerdings nur kurze Zeit nutzen, er verstarb fünf Monate nach der Eröffnung.[4]

Tod & Ehrungen post mortem

1931 starb von Economo an den Folgen eines Herzinfarktes. Zu seiner Ehren wurde eine Büste von Max Kremser errichtet, die 1966 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt wurde.[5] [6] (Siehe: Denkmal Constantin von Economo) Im Jahre 1976 wurde eine österreichische Briefmarke mit seinem Abbild herausgegeben. [7]

Im Jahr 1932 wurde in Wien Favoriten (10. Bezirk) die Economogasse nach ihm benannt.

Schaffen

Constantin von Economo um 1920
Während seiner Lebenszeit publizierte Constantin von Economo über 150 Artikel und Bücher.[8] Besondere Aufmerksamkeit bekam er allerdings durch die Entdeckung der Encephalitis lethargica (Europäische Schlafkrankheit). Während er im ersten Weltkrieg an der russischen Front und als Pilot in Südtirol tätig war, praktizierte er auf Wunsch seiner Eltern als Militärarzt in Wien, wo er seinen ersten Patienten mit Encephalitis lethargica behandelte.[2] Jene Entdeckung war von großer Bedeutung, da in folgenden Jahren von 1915-1924 eine weltweite Epidemie dieser Krankheit, bei der sich eine akute Entzündung der Großhirnrinde diagnostizieren lässt, auftrat.[9] .Nach dutzenden Patienten und einigen Jahren intensiver Forschung veröffentlichte von Economo seine Befunde unter anderem in einem Artikel von 1917: Die Encephalitis lethargica, und in der Monografie „Die Encephalitis lethargica, ihre Nachkrankheiten und ihre Behandlung“ im Jahre 1929. Diese Krankheit inspirierte ihn auch, sich mit dem Thema Schlaf zu beschäftigen.

Gemeinsam mit Georg N. Koskinas veröffentlichte er 1925 das monumentale Werk: Die Cytorarchitektonik der Hirnrinde des erwachsenen Menschen, welches eine detaillierte Beschreibung der, bisher zusammengetragenen, Studien und eine Einführung in die Geschichte der zytoarchitektonischen Forschung bot. Mit jenem monumentalen Werk erhofften sich die beiden Forscher eine Basis für zukünftige Hirnforschung und Lokalisierung von Hirnfunktionen geben zu können, da sie annahmen, dass zytoarchitektonische Unterschiede funktionale Unterschiede reflektieren würden.[8] Von Economo sind außerdem wichtige Beiträge zur Wilson Krankheit zu verdanken.

Schriften (Auswahl)

  • Über dissoziierte Empfindungslähmung bei Ponstumoren und über die zentralen Bahnen des sensiblen Trigerminus, Jahrbuch der Psychiatrie und Neurologie, Leipzig 1911.
  • Encephalitis lethargica. Wiener Klinik Wochenschrift, 1917.
  • Die Encephalitis lethargica. Franz Deutike (Hg.), Leipzig/Wien, 1918.
  • Die Cytoarchitektonik der Hirnrinde des erwachsenen Menschen. Textband und Atlas. gemeinsam mit Koskinas G.N., Julius Springer Verlag, Wien/Berlin 1925.
  • Zellaufbau der Grosshirnrinde des Menschen, Julius Springer Verlag, Berlin, 1927.
  • Wie sollen wir Elitegehirne verarbeiten, in: Zeitschrift der Neurolologie und Psychiatrie, 1929.
  • Schlaftheorie, München 1929.
  • Der Zellaufbau der Grosshirnrinde und die progressive Cerebration, München 1929.
  • Die Encephalitis lethargica, ihre Nachkrankheiten und ihre Behandlung. Urban&Schwarzenberg (Hg.), Berlin/Wien, 1929.
  • Probleme der Hirnforschung. Medizinische Klinik, Berlin, 1931.

Außergewöhnliche Informationen

  • Constantin von Economo war ein leidenschaftlicher Pilot und wurde 1912 der erste Österreicher mit einem internationalen Pilotenzeugnis.[2]
  • Der Begriff "Von Economo-Neuronen" bezeichnet große bipolare Neuronen, die von Economo erstmals identifizerte.[8]
  • Die Europäische Schlafkrankheit wird auch Economo Enzephalitis genannt.

Einzelnachweise

  1. Pilleri 1959, S. 306-307.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Economo 1932.
  3. Wolfgang Regal/Michael Nanut, Ärzte Woche 1/2004
  4. Eintrag zu Constantin von Economo auf Wikipedia
  5. Bogaert/Théodoridès 1979, S.116 ff.
  6. Maisel 2007, S. 99.
  7. Haas, S. 81.
  8. 8,0 8,1 8,2 Triarhou 2006, S. 223-243.
  9. Reid 2001. S. 663-670.

Literatur

  • Bogaert/Théodoridès 1979: Ludo van Bogaert/Jean Théodoridès, Constantin von Economo, The man an the Scientist. Wien 1979.
  • Economo 1932: Constatnin von Economo, Constantin Freiherr von Economo (Autobiographie), Wien 1932.
  • Economo 1934: Economo Lili, Constantin Freiherr von Economo: sein Leben und Wirken, erzählt von seiner Frau und von J. von Wagner-Jauregg. Wien 1934.
  • Haas 2002: L. F. Haas, Neurological stamp, Constantin von Economo, in: Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry, Bd. 73, S. 81.
  • Pilleri 1959: Georg Pilleri, Eintrag zu Constantin von Economo, in: Neue Deutsche Biographie Band 4., Berlin 1959, S. 306-307. (digitalisierte Version)
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrten Porträt in Stein und Bronze, Die Denkmälder im Arkadenhof der Universität Wien. Wien/Köln/Weimar 2007, S. 99.
  • ÖBL 1956: Eintrag zu Constantin von Economo (1815-1950) in: Österreichisches biographisches Lexikon und biographische Dokumentationen, Wien Bd. 1 1956, S. 215. [PDF-Version]
  • Reid 2001: A.H. Reid, Experimenting on the Past: The Enigma of von Economo’s Encephalitis Lethargica, in: Journal of Neuropathology and Experimental Neurology Bd. 60, S. 663-670.
  • Tshisuka 2005: Barbara I.Tshiskuka, Eintrag zu Constantin von Economo in: Enzyklopädische Medizingeschichte, Werner Gerabek/Bernard D. Haage/u.A. (Hg.), Berlin 2005, S. 333. [digitalisierte Version]
  • Triarhou 2006: L.C. Trarhou, The signalling contributions of Constantin von Economo to basic clinical and evolutionary neuroscience, in: Brain Research Bulletin, Bd: 69, S.223-243.

Weblinks

Darstellungen