Clemens Pirquet von Cesenatico

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Clemens Pirquet von Cesenatico.[1]

Clemens Peter Freiherr von Pirquet, eigentlich: Clemens Peter Freiherr Pirquet von Cesenatico, (*12.05.1874 in Hirschstetten bei Wien, † 28.02.1929 in Wien) war ein österreichischer Kinderarzt und Universitätsprofessor. Ihm zu Ehren wurde im Jahr 1961 im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal gesetzt

Leben

Er absolvierte seine Schulausbildung im Schottengymnasium in Wien, im Kollegium Kalksburg und am Theresianum, wo er 1892 maturierte. Er studierte zunächst zwei Jahre Theologie an der Universität Innsbruck und ab 1893 Philosophie in Löwen. Er schloss seine Studien mit einem Magister ab, wechselte aber seinen Berufswunsch und begann 1895 mit dem Studium der Medizin in Wien, welches er an der Universität in Königsberg und an der Karl-Franzens-Universität in Graz fortsetzte, wo er 1900 promovierte. Nach Abschluss des Studiums begann Clemens von Pirquet bei Otto Heubner (1843–1926) an der Berliner Charité seine pädiatrische Ausbildung. In Berlin lernte er auch seine spätere, aus Hannover stammende Frau, Maria Christine van Husen, kennen. Er wurde 1902 am Wiener St. Anna Kinderspital Assistenzarzt unter Theodor Escherich (1857–1911). Gleichzeitig arbeitete er unter Rudolf Kraus (1868-1932) am Universitätsinstitut für Serotherapie. Nach seiner Habilitation 1908 wirkte er für zwei Jahre als Professor der Kinderheilkunde an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. 1910 wechselte er an den Pädiatrie-Lehrstuhl in Breslau. 1911 wurde er Nachfolger des verstorbenen Theodor Escherich und übernahm den Lehrstuhl für Kinderheilkunde an der Wiener Universitäts-Kinderklinik, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Am Höhepunkt seiner Karriere nahm sich Clemens Freiherr von Pirquet am 28. Februar 1929 in Wien das Leben durch die Einnahme von Zyanid.

Schaffen

Er beschrieb 1905 gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Béla Schick (1877–1967) erstmals die Serumkrankheit. In ihrer klassischen Monographie „Die Serumkrankheit“ beschäftigten sie sich auch intensiv mit dem „Zeitfaktor“ (Inkubationszeit). 1906 führte Clemens von Pirquet den Begriff „Allergie“ in die medizinische Fachsprache ein. Er erkannte dabei als erster, dass Antikörper nicht nur schützende Immunantworten vermitteln können, sondern auch Ursache von Überempfindlichkeitsreaktionen sein können. Im Jahr 1907 entwickelte von Pirquet eine Methode zur (Früh-)Diagnose der Tuberkulose, den Tuberkulin-Test, der auch als Pirquet-Reaktion bezeichnet wurde. Für diese Leistung wurde er fünf Mal für den Nobelpreis nominiert, den er aber nie erhalten hat. 1911 übernahm Clemens von Pirquet die neuerbaute Universitäts-Kinderklinik in Wien, an der er im selben Jahr eine heilpädagogische Abteilung gründete, die sich als erste weltweit mit der klinischen Forschung und Behandlung von hirnorganischen Schädigungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern beschäftigte. Aufgrund seines Interesses für Fragen der Säuglingsernährung und seinen guten Kontakten organisierte er zwischen 1919 und 1921 österreichweit die Ausspeisungen der amerikanischen Kinderhilfsorganisation und wurde Vorsitzender des Völkerbundkomitees für Säuglingsfürsorge. Im Zuge seiner Beschäftigung mit Ernährung entwickelte er ein eigenes Ernährungssystem, das sogenannte NEM-System.'.[2]

Werke (Auswahl)

  • –, Béla Schick: Die Serumkrankheit. Deuticke, Wien 1905.
  • Allergie. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 30.1906, {ZDB|200445-8}. Finsterlin, München 1906, S. 1457–1458. (Die erste Erwähnung des Begriffs „Allergie“).
  • Die frühzeitige Reaktion bei der Schutzpockenimpfung ,1906.
  • Tuberkulindiagnose durch cutane Impfung. In: Berliner Klinische Wochenschrift. Band 44.1907, ZDB|200441-0. Hirschwald, Berlin 1907, S. 644–645.
  • Der diagnostische Wert der kutanen Tuberkulinreaktion bei der Tuberkulose des Kindesalters. 1908
  • Schematische Darstellung der Säuglingsernährung ,1912.
  • Theodor Escherich, –: Ernährung des Kindes während des Krieges,1915.
  • System der Ernährung. 1917–1920
  • Ernst Mayerhofer (Hrsg.), – (Hrsg.), Josef Heussler (Bearb.): Lehrbuch der Volksernährung nach dem Pirquet’schen System, 1920.
  • Volksgesundheit im Krieg. Zwei Bände, 1926.
  • Ernst Mayerhofer (Hrsg.), – (Hrsg.): Lexikon der Ernährungskunde,1926.
  • Allergie des Lebensalters. Die bösartigen Geschwülste, 1930.
  • Handbuch der Kindertuberkulose, 1930.

Literatur

  • ÖBL 1983:Pirquet von Cesenatico, Klemens Frh in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, 8, Wien 1983, S. 95-96.
  • Gabriele Dorffner, Clemens Freiherr von Pirquet. Ein begnadeter Arzt und genialer Geist, Wien 2004.
  • Elsbeth Hoff: Das Leben und Wirken des Wiener Klinikers Clemens Freiherr von Pirquet, Düsseldorf 1938.

Quellen

  • UAW Senat S 222.35.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Quelle: http://www.oegai.org/html/index.php?module=ContentExpress&func=display&btitle=CE&mid=&ceid=36
  2. ÖBL 1983, S.95.

Darstellungen


Anna-Angela Libal, Sibylle Zelger, Leo Czernin