Carl von Rokitansky

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Carl Rokitansky, © ÖNB

Carl Freiherr von Rokitansky (*19. Februar 1804 in Königgrätz, Böhmen; † 23. Juli 1878 in Wien) war Pathologe, Philosoph und Politiker. Ihm zu Ehren wurde im Jahr 1898 im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal errichtet

Leben

Carl Rokitansky wurde am 19. Februar 1804 in Königgrätz geboren und stammte aus einer Beamtenfamilie. Als sein Vater unerwartet verstarb, war er acht Jahre alt.[1] Obwohl Rokitansky mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen lebte, schloss er das Gymnasium in Königgrätz ab und nahm 1822 in Prag das Studium der Medizin auf. Da es damals üblich war, davor drei Semester Philosophie zu studieren, kam der angehende Mediziner schon früh mit philosophischem Gedankengut in Kontakt.[2] Er beschäftigte sich weiterhin mit der Philosophie, vor allem mit Kant und Schopenhauer.[3] Ab 1824 setzte er sein Studium in Wien fort, wohin er kurz davor umgezogen war. Vier Jahre darauf schloss er schließlich sein Studium ab. Während seiner Studienzeit hatte er ein starkes Interesse an der Anatomie entwickelt. Deshalb nahm er eine Stelle als unbezahlter Praktikant in der Pathologisch-Anatomischen Anstalt des Wiener Allgemeinen Krankenhauses an.[4] Die Anstalt entsprach nicht den erforderlichen Standards und befand sich in einem abgelegenen Teil des Krankenhauses, da die Pathologie kein großes Ansehen genoss. Oftmals wurde die Örtlichkeit als „Baracke“ bezeichnet.[5] 1830 wurde Rokitansky Assistent der Pathologisch-Anatomischen Anstalt und nur zwei Jahre danach supplierender ao. Professor und Kustos des Pathologischen Museums. Er übernahm im Laufe der Zeit die Leitung über die Pathologisch-Anatomische Anstalt und wandelte sie schließlich 1862 in das Pathologisch-Anatomische Institut um.[6] Da er fachlicher Berater des liberalen Kabinetts Anton von Schmerlings war, konnte er an der Organisation des Medizinstudiums und auch an der Neugründung der medizinischen Fakultäten in Graz und Innsbruck mitwirken. Zudem hatte er auch starken Einfluss auf die Berufung Theodor Billroths nach Wien. Im Laufe seines Lebens übte Rokitansky mehrmals die Position des Dekans der Medizinischen Universität Wiens aus. 1852/53 wurde er der erste frei gewählte Rektor der Universität Wien.[7] Mit seiner Frau Marie Anna Weiss hatte er vier Söhne, von denen zwei sich ebenfalls der Medizin widmeten.[8] Rokitansky verstarb am 23. Juli 1878 an einem Herzanfall in Wien.[9]

Schaffen

Rokitansky hatte für die Pathologie und Gerichtsmedizin viel Einfluss. Er thematisierte als einer der ersten das Problem der Ethik in der Medizin. Er beschäftigte sich dabei vor allem mit der Würde der Patienten, aber auch mit Tierversuchen.[10] Während seiner Tätigkeit als Pathologe beschrieb er unter anderem die Veränderungen an den Leichen und dokumentierte den Krankheitsverlauf zusammen mit Josef von Skoda. Damit schuf er die Grundlage der Krankheitslehre. Er wurde der Begründer der pathologischen Physiologie, weil er die organischen Veränderungen mit ihrer Funktion in Verbindung brachte.[11] Zudem brachte er in die Sprache der Pathologen Wortneuschöpfungen, wie „himbeergeleeartig“ oder „erbsenpüreeähnlich“ ein, um die Konsistenz und Beschaffenheit der erkrankten Organe besser beschreiben zu können.[12]

Werke und Schriften (Auswahl)

  • 1839: Über das perforierende Magengeschwür (Artikel)
  • 1842-1846: Handbuch der pathologischen Anatomie in 3 Bänden
  • 1855-1861: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie in 3 Bänden
  • 1869: Die Solidarität alles Thierlebens (Vortrag)
  • 1875: Die Defecte der Scheidewände des Herzens. Pathologische anatomische Abhandlung

Auszeichnungen

  • Ab 1848: Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (1866 Vizepräsident, ab 1869 Präsident)
  • 1867: Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit
  • 1870: Präsident der Pathologischen Gesellschaft
  • 1874: in den erblichen Freiherrenstand gehoben
  • Gesellschaft der Ärzte 28 Jahre lang unter seiner Leitung
  • Ritter- und Komturkreuz des Franz-Josephs-Ordens mit dem Stern
  • Ehrendoktorate der Universitäten Prag und Jena
  • Korrespondierendes Mitglied der Academie des Sciences in Paris
  • Träger mehrerer hoher ausländischer Auszeichnungen[13]
  • Rokitansky-Preis[14]
  • Rokitanskygasse in Hernals[15]

Literatur

  • Matis 2005: Herbert Matis, Der Wissenschafter Carl von Rokitansky: Pathologe-Philosoph-Politiker, in: Helmut Rumpler/Helmut Denk (Hg.), Carl Freiherr von Rokitansky, Wien/Köln/Weimar 2005, S. 33 – S. 38.
  • Rokitansky 2005: Ottokar Rokitansky, Carl Freiherr von Rokitansky (1804-1878), Das Lebensbild eines großen Österreichers, in: Helmut Rumpler/Helmut Denk (Hg.), Carl Freiherr von Rokitansky, Wien/Köln/Weimar 2005, S. 15-28.

Weblinks

Einzelnachweis

  1. Matis 2005, S. 33.
  2. Rokitansky 2005, S. 16.
  3. Matis 2005, S. 35.
  4. Matis 2005, S. 33-34.
  5. Rokitansky 2005, S. 16.
  6. Matis 2005, S. 34.
  7. Matis 2005, S. 37.
  8. Rokitansky 2005, S. 22-23.
  9. Matis 2005, S. 37.
  10. Matis 2005, S. 35.
  11. Matis 2005, S.36.
  12. Matis 2005, S. 34.
  13. Matis 2005, S. 37.
  14. http://www.pathology.at/pathologinnen/preise-oegpath/323-rokitansky-preis.
  15. http://maps.google.at/maps?q=rokitansky&bav=on.2,or.r_qf.&bvm=bv.45175338,d.Yms&biw=1600&bih=752&um=1&ie=UTF-8&hl=de&sa=N&tab=wl.

Magdalena Fleming, Hanna Sumislawska-Glessner, Leo Czernin