Carl Menger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Carl Menger, Foto, s.d., in jüngeren Jahren

Carl Menger [Edler von Wolfensgrün] (* 23. Februar 1840 in Neusandez, Galizien; † 26. Februar 1921 in Wien) war einer der bedeutendsten europäischen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Nationalökonomie (Abb. 1). Menger wirkte von 1873 bis 1903 als Professor für politische Ökonomie an der Universität Wien und erlangte als Begründer der "Österreichischen Schule der Nationalökonomie" Weltruhm. Dem Gelehrten wurde im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal gewidmet.

Leben

Carl Menger entstammte einer österreichischen Beamten- und Offiziersfamilie. Sein Vater Dr. Anton Menger war Advokat, der sich mit dem Familienprädikat "Edler von Wolfensgrün" schrieb, auf dessen Führung Sohn Carl Menger allerdings verzichtete. Seine Mutter Karoline war die Tochter eines vermögenden Kaufmannes aus Böhmen.

Das Studium der Rechtswissenschaften führte Carl Menger zunächst nach Wien (1859-1860), dann nach Prag (1860-1863) und schließlich nach Krakau, wo er 1867 promovierte. In der Folge war Menger in Lemberg und anschließend neben dem Staatsdienst in Wien journalistisch tätig, worauf sich auch sein weiteres Lebensinteresse konzentrierte. Im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit fand Menger Gelegenheit zu volkswirtschaftlichen Betrachtungen, deren Ergebnisse er 1871 in dem Traktat "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" veröffentlichte und mit dem er sich an der Universität Wien habilitierte. Schon im folgenden Jahr wurde Menger zum außerordentlichen Professor für politische Ökonomie ernannt und im Jahr 1879 zum ordentlichen Professor dieses Fachs berufen, nachdem er Rufe nach Karlsruhe, Basel und Zürich abgelehnt hatte. Von 1876 bis 1878 war Menger einer der Lehrer des österreichischen Kronprinzen Rudolf, den er auf ausgedehnten Studienreisen durch weite Teile Europas begleitete. Im Jahr 1892 war Menger intensiv an den Beratungen der "Währungs-Enquete-Kommission" beteiligt, die den Übergang zur Goldwährung vorbereitete. 1896 wurde er zum Hofrat ernannt, 1900 zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit.

Mengers zunehmender Pessimismus über das österreichische Bildungssystem und die schwierigen politischen Verhältnisse veranlassten ihn im Jahr 1903 seine Lehrtätigkeit zurückzulegen und sich ins Privatleben zurückzuziehen. In seinen Befürchtungen sah sich Menger durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges bestätigt. Fast völlig unbeachtet starb Carl Menger 1921 im hohen Alter von 81 Jahren.

Schaffen

Die bahnbrechenden Denkansätze von Carl Menger, die von der bisherigen klassisch-historischen Volkswirtschaftstheorie vernachlässigt waren, und die darauf aufbauenden Forschungen der beiden um zehn Jahre jüngeren Nationalökonomen Friedrich von Wieser und Eugen von Böhm-Bawerk begründeten ein neues geschlossenes Erklärungsmodell der volkswirtschaftlichen Funktionen, das sich als so genannte "Österreichische Schule der Nationalökonomie" etablierte. Gegenüber den Vertretern der bisher vorherrschenden Volkswirtschaftslehre - insbesondere an deutschen Universitäten, aber auch in anderen europäischen Ländern - mündeten die neuen Sichtweisen in einem heftigen Methodenstreit.

Carl Menger war einer der bedeutendsten Nationalökonomen, er hat jedoch ein relativ schmales schriftliches Werk hinterlassen. Nur drei Arbeiten sind von größerem Umfang: seine 1871 erstmals veröffentlichte Habilitationsarbeit "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre", auf der sein Weltruhm beruht und die als „Erster allgemeiner Teil" eines größeren Werkes angekündigt war. Zentrales Thema dieser Arbeit ist die bisher unbeachtete und zu völlig neuen wirtschaftstheoretischen Überlegungen führende These, dass der Wert eines Gutes durch die subjektive Wertschätzung seiner jeweils letzten Einheit (Grenzeinheit) bestimmt wird (Grenznutzenbetrachtung). Sodann seine 1883 publizieren, bedeutsamen „Untersuchungen", die der Methodologie und Wissenschaftstheorie der Sozialwissenschaften gewidmet sind, und schließlich sein großer Handwörterbuch-Artikel „Geld“, der erstmals 1892 erschien. Der Rest seiner Arbeiten besteht aus kleineren Artikeln, sieht man von den polemisch abgefassten „Irrthümern“ aus 1884 ab.

Schriften

  • Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, 1871
  • Untersuchungen über die Methode der Sozialwissenschaften und der politischen Ökonomie insbesondere, 1883
  • Die Irrthümer des Historismus in der deutschen Nationalökonomie, 1884
  • Geld, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 1892
  • verschiedene wirtschaftstheoretische Beiträge in in- und ausländischen Zeitschriften

Ehrungen

Abb. 2: Portraitmedaille für Carl Menger
Abb. 3: Ehrengrab für Carl Menger auf dem Wiener Zentralfriedhof
  • Ehrendoktorat der Universität Budapest, 1896
  • Ehrendoktorat der Universität Prag, 1899
  • Mitglied der Kaiserlichen (heute Österreichischen) Akademie der Wissenschaften, ab 1903
  • Portraitmedaille zum 80. Geburtstag (Abb. 2), 1920
  • Die Stadt Wien widmete Carl Menger ein Ehrengrab (Abb. 3) am Wiener Zentralfriedhof (Gr 0, R 1, Nr 88)

Literatur

  • Friedrich Wieser, Karl Menger, in: Almanach 71, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1921, S. 241-252
  • Friedrich Wieser, Karl Menger, in: Österreichische Biographie, Wien 1929, S. 84-92
  • H. Abele, Menger (von Wolfensgrün) Karl, in: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1951, VI.Band, Wien 1975, S. 221-222
  • Erich W. Streissler, Menger Carl, in: Neue Deutsche Biographie 17, München 1994, [Onlinefassung abgerufen am 5.1.2014], S. 72-74; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118580841.html
  • Menger von Wolfensgrün Karl, in Austria-Forum (abgerufen am 23.12.2013), URL: http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Menger%2C%20Carl

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