Carl Kundmann

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Carl Kundmann, ©ÖNB
Carl Kundmann, Fotografie.
Carl Kundmann, Grab auf dem Zentralfriedhof Wien.

Carl Kundmann oder Karl Kundmann (*15. Juni 1838 in Wien; † 9. Juni 1919 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer, der als einer der Hauptmeister der Ringstraßenepoche gilt. Des Weiteren war er Professor an der Akademie der Bildenden Künste und Träger von allerhöchsten Auszeichnungen und Orden.

Leben

Carl Kundmann wurde als Sohn eines aus Plan in Böhmen stammenden Galanterie- Drechslers geboren, der sich nach längerer Wanderschaft am Schottenfeld Nr. 464 in Wien niedergelassen hatte. Mit seiner Frau Magdalena bekam er in kurzen Abständen zuerst Tochter Lotte, darauf Sohn Eduard und schließlich Sohn Carl. Mit drei Jahren verstarb Eduard. Nachdem drei Jahre vergangen waren, bekam die Familie erneut einen Sohn, den sie ebenfalls Eduard nannten, sowie einen Sohn namens Wilhelm.[1] Kundmann ging bis 1848 auf die öffentliche Schule am Neubau Nr. 206 und anschließend bis 1850 auf die Unterrealschule der Michael von Zoller- und Franz Alois Bernard'schen Hauptschule,[2] wo die Schüler auch im Zeichnen unterrichtet wurden.[3] Von 1850 bis 1853 besuchte er die Zeichen- und Weberschule des Niederösterreichischen Gewerb-Vereins.[4] Auf Grund seiner hervorragenden Leistungen wurde er von dem Gewerbeverein sogar mit einer Geldprämie ausgezeichnet. Seine Zulassung für die Akademie der Bildenden Künste in Wien im zarten Alter von 15 Jahren scheint daher wenig verwunderlich.

Am 8. Oktober 1853 wurde Carl Kundmann in die Akademie aufgenommen und war ab 1854 ein Schüler der Bildhauerklasse von Franz Bauer.[5] Neben Kundmann besuchten unter anderem auch Viktor Tilgner, Johannes Benk, Franz Gastell, Johann Melnitzky, Alois Düll, Anton Wagner, Johann Silbernagel, Anton Schmidgruber, Josef Tautenhayn, der später sein Schwager wurde, und Adolf Loos, der Vater des berühmten Architekten, diese Klasse. Kundmann arbeitete bis 1860 im Atelier von Josef Cesar, der auch Johann Scherpe und Rudolf Weyr unterrichtete.[6] Im Anschluss studierte er fünf Jahre bei Professor Hähnel in Dresden, der seinen Stil sehr prägte. Auch Alois Düll und Johannes Benk wurden nach Dresden gesandt. Nachdem Kundmann in Dresden 14 Monate lang gearbeitet hatte, wurde er am 1. November 1861 als Schüler an der Dresdner Königlichen Akademie der Bildenden Künste aufgenommen.[7] 1865 unternahm er eine Studienreise nach Rom.[8]

Zurück in Wien wurde Kundmann im Frühjahr 1872 zum Professor der allgemeinen Bildhauerschule an der Akademie ernannt. Er heiratete Laura Tautenhayn, die Schwester seines Studienkollegen Josef Tautenhayn. Sie bekamen zusammen vier Töchter.[9]

Im Mai 1878 wurde Kundmann vom Handelsminister zum Juror für die Weltausstellung in Paris ernannt, wofür er vom 1. Juli bis Ende des Semesters von seiner Lehrtätigkeit befreit wurde.[10]

1909 ging Kundmann in den Ruhestand, betätigte sich aber weiterhin künstlerisch.[11] Als Thronfolger Franz Ferdinand die Räumung der Ateliers im botanischen Garten veranlasste, musste auch Kundmann sein Atelier aufgeben und umziehen.[12]

Die letzten Lebensjahre wurden überschattet von gesundheitlichen und finanziellen Problemen. Am 9. Juni 1919 verstarb Carl Kundmann und wurde auf dem Zentralfriedhof im Familiengrab beigesetzt. Sein Grabdenkmal schuf sein Schüler Josef Kassim.

Schaffen

Kundmanns Oeuvre erstreckt sich über eine Vielzahl von großen repräsentativen Denkmälern, Grabmälern, bis hin zu Bauplastiken, Statuen und Porträtbüsten. Stilistisch weisen seine Werke die künstlerischen Tendenzen des Historismus auf, ohne dabei auf radikale Formen des Neobarock und anderer Strömungen seiner Zeit einzugehen. Basierend auf einem klassisch orientierten Typenrepertoire versuchte er die objektiven Bestrebungen des strengen Historismus mit der lebendigen Vielfalt des Licht-Schatten-Modellierens und dem räumlichen Verständnis des Späthistorismus zu kombinieren, ohne dabei eine vorwiegend dekorative Wirkung anzustreben. Diese Synthese beflügelte ihn vor allem zu monumentalen Werken, die stets unbewegliche Strenge und gelassene Lebendigkeit in ruhiger Menschendarstellung ausstrahlen. Flüchtige, Dynamik suggerierende Effekte werden nur unterschwellig spürbar.[13] Carl Kundmann ist einer der großen Künstler der Wiener Ringstraße. Seine Arbeiten entlang dieser Straße verinnerlichten die für diese Künstlergemeinschaft bezeichnende Verschmelzung klassischer und barocker Elemente in Vollkommenheit und zählen sowohl quantitativ als auch qualitativ zu den herausragenden Leistungen der österreichischen Plastik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[14]

Werke

(Werkauswahl)

  • 1858 „Ecce Homo“
  • 1860- 65 Basrelief „Chiron und Achilles“
  • 1864 Gipsgruppe „Der barmherzige Samariter“
  • 1864 „Rudolf von Habsburg“ für das Arsenal in Wien
  • 1872-73 „Graf Buquoy“ für die Ruhmeshalle des Arsenals in Wien
  • 1868- 72 Denkmal Franz Schubert, Stadtpark Wien
  • 1876 Gruppen für das naturhistorische Hofmuseum: „Forschung entschleiert die Natur“ und „Inspiration gestützt auf Mathematik“
  • 1876 Gruppen für das kunsthistorische Hofmuseum: „Kunstindustrie“ und „Architektur“
  • 1871- 77 Tegetthoff- Denkmal in Pola
  • 1886 Denkmal Admiral Tegetthoff, Praterstern, Wien
  • 1880- 89 Statue Franz Grillparzer, Volksgarten Wien
  • 1894- 96 Hermenbüste A. Ritter von Schmerling für den Festsaal des Reichsratsgebäudes
  • 1898 Pallas Athene oder Minerva- Brunnen vor dem Wiener Parlament
  • 1906- 08 überlebensgroße Büste des Erzherzogs Rainer für den Festsaal der Akademie der Wissenschaften
  • 1878 Grabdenkmal H. Széchényi-Erdödy, Groß Zinkendorf
  • 1882 Grabdenkmal für Graf Moriz Esterhazy in Rede bei Kisber (Ungarn)
  • 1885- 87 Grabdenkmal für Franz Schubert am Wiener Zentralfriedhof
  • 1888 Grabdenkmal St. u. M. Dumba,
  • 1892-96 Grabdenkmal für Theophil Hansen am Wiener Zentralfriehof
  • 1895 Grabdenkmal für die Familie Mautner- Markhof am Wiener Zentralfriedhof
  • 1896 Grabdenkmal Fr. Suess
  • 1902 Grabdenkmal M. Kaposi
  • 1904 Grabdenkmal Adolf Lehmann am Wiener Zentralfriedhof

Orden und Auszeichnungen

  • 1872 Ritterkreuz des Franz Josef- Ordens anlässlich der Vollendung des Schubert- Denkmals.
  • 1877 Orden der Eisernen Krone III. Klasse anlässlich der Vollendung des Tegetthoff- Denkmals in Pola.
  • 1878 Ritterkreuz des Ordens der Französischen Ehrenlogion.
  • 1886 Komturkreuz des Franz Josef- Ordens und Bürgerrecht der Stadt Wien anlässlich der Vollendung des Tegetthoff- Denkmals in Wien.
  • 1888 Allerhöchste Anerkennung aus Anlass der Mitwirkung bei der künstlerischen Ausschmückung des neuen Hofburg- Theaters.
  • 1889 Allerhöchste Anerkennung anlässlich der Vollendung des Grillparzer- Denkmals.
  • 1889 Große goldene Medaille für Kunst, verliehen von der kaiserlich deutschen Botschaft in Wien.
  • 1891 Allerhöchste Anerkennung für seine Leistung beim Bau der Hof- Museen.
  • 1893 Anerkennung des Ministers anlässlich der Denkmalvollendung für Graf Thun, Exner und Bonitz.
  • 1895 Commandeurkreuz III. Klasse des dänischen Danebrog- Ordens.
  • 1897 Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft.
  • 1909 Stern zum Komturkreuz des Franz Josef- Ordens.
  • 1911 Prinzregent Luitpold- Medaille.
  • 1917 Ehrenmitglied der Akademie.

Quellen

Literatur

  • Berggruen 1883: O. Berggruen, Kundmanns Bildhauerwerke, in: Die Graphischen Künste, V, 1883, S. 9 ff.
  • Beier 1994: I. Beier, Carl Kundmann, Dipl. Wien, 1994
  • Feuchtmüller 1973: Rupert Feuchtmüller, Kunst in Österreich, II, Wien 1973.
  • Kapner/ Krause 1973: Gerhard Kapner / W. Krause u. a., Ringstraßendenkmäler, 1973.
  • Krause 1980: W. Krause, Die Plastik der Wiener Ringstraße von der Spätromantik bis zur Wende um 1900, Wien 1980
  • Poch-Kalous 1970: M. Poch-Kalous u. a., Geschichte der bildenden Kunst in Wien: Plastik in Wien, 1970.
  • Wagner 1967: W. Wagner, Die Geschichte der Akademie der Bildenden Künste in Wien, Wien 1967.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Beier 1994, S. 2
  2. Wr.Stb.Hss.IN 91094
  3. Wagner 1976, S. 176.
  4. Wr.Stb.Hss.IN 91096
  5. Wr.Stb.Hss.IN 91096
  6. Beier 1994, S. 5
  7. Wr.Stb.Hss.IN 91097
  8. UAAbKW, Akten der Akademie, 1865, Nr.79, Nr.205, Nr.223, Nr. 329, Nr. 336
  9. Beier 1994, S.11
  10. UAAbKW, Akten der Akademie 1878, Nr. 210, 234
  11. UAAbKW, Akten der Akademie 1909, Nr. 469
  12. Wr.Stb.Hss.IN 90907
  13. www.deutsche-biographie.de- Karl Kundmann
  14. Krause 1980

Abbildungen


Magdalena Fleming, Verena Simone Göbel, Hanna Sumislawska-Glessner, Sarah Lange, Christa Dobrzanzski, Evelyn Haspl, Cigdem Özel, Michaela Pilat, Katharina Dirnberger, Kerstin Hitzenhammer, Theresa Rosner, Gabriele Böhm-Nevole