Berta Karlik

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Berta Karlik (* 24. Jänner 1904 in Wien; † 4. Februar 1990 ebenda) war Physikerin. 2016 wurde ihr ein von dem Künstler Thomas Baumann gestaltetes Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien gewidmet: Denkmal Berta Karlik

Leben

Berta Karlik wurde am 24. Jänner 1904 in Wien geboren. Ihr Vater Carl Karlik war der Direktor der Landeshypothekenanstalten für Niederösterreich und Burgenland.[1] Karlik erhielt während der zwei ersten Volksschulklassen Privatunterricht, besuchte danach mehrere unterschiedliche Schulen und legte ihre Matura am 27. Mai 1923 am Realgymnasium in Wien Hietzing ab.[2] Ab 1923 studierte sie an der Universität Wien Mathematik und Physik. Am 10. Oktober 1927 erfolgte ihre Dissertation mit dem Titel Über die Abhängigkeit der Szintillationen von der Beschaffenheit des Zinksulfides und das Wesen der Szintillationsvorganges" bei Stefan Meyer (1872-1949), dem Direktor des Instituts für Radiumforschung, und Hans Thirring (1888-1976), Direktor des Instituts für Theoretische Physik.[3] Daran anschließend absolvierte Karlik ein Probejahr als Mittelschullehrerin und war kurzzeitig auch an ihrem ehemaligen Realgymnasium tätig. Durch Unterstützung der International Federation of University Women konnte Karlik Anfang der 1930er-Jahre Forschungsaufenthalte außerhalb von Wien wahrnehmen. 1930 bis 1931 war sie am Labor von William Bragg in London, wo sie sich mit röntgenographischen Untersuchungen von Kristallstrukturen auseinandersetzte,[4] darauf verbrachte sie einige Zeit am Cavendish Laboratorium in Cambridge und besuchte das Institut Curie in Paris.[5] Zurück in Wien arbeitete sie am Institut als wissenschaftliche Hilfskraft und habilitierte sich 1937 in Physik mit der Schrift Die Grenzen der Nachweisbarkeit der schweren Edelgase in Helium". Es folgten Anstellungen als Assistentin (1940), als Diätdozentin" (1942) und als provisorische Institutsleiterin (nach 1945). 1946 erhielt sie den Titel der tit. a. o. Professorin. Im darauf folgenden Jahr wurde sie zur Institutsleitern bestimmt. 1950 erfolgte die Berufung zur Extraordinaria und 1956, als erste Frau an der Universität Wien, die Ernennung zur ordentlichen Professorin, die sie bis zu ihrer Emeritierung 1973 innehatte.[6] Dass Karlik auch in den Kriegsjahren ihre universitäre Laufbahn relativ nahtlos fortsetzen konnte, war sicherlich auch ihrer nicht-jüdischen Herkunft und der Einberufung männlicher Kollegen in den Krieg geschuldet.[7] Den Zenit ihrer Forschung erreichte Berta Karlik 1942 und 1943, als sie mit Traude Bernert-Cless (1915-1998) den Nachweis des Elementes 85 (Astatin) in der Natur erbringen und so das letzte fehlende Element im Periodensystem ergänzt werden konnte.[8] 1950 wurde sie zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göteborg ernannt – auch hier war Karlik nach Marie Curie und Lise Meitner eine der ersten Frauen. Vier Jahre später erfolgte der Eintritt in die Österreichische Akademie der Wissenschaften als korrespondierendes Mitglied. Erst 1973 wurde Karlik wirkliches Mitglied.[9]

Schaffen

1942/1943 konnten Berta Karlik und Traude Bernert-Cless mit der Erbringung des Nachweises des Elementes 85 (Astatin) einen Höhepunkt in ihrer wissenschaftlichen Karriere verzeichnen. Mit dem Nachweis wurde die letzte bestehende Leerstelle/Fehlstelle im Periodensystem geschlossen werden.

Schriften (Auswahl)

  • Über die Abhängigkeit der Szintillationen von der Beschaffenheit des Zinksulfides und das Wesen des Szintillationsvorganges, Wien 1927.
  • mit E. Karamichailova, Zur Kenntnis der Szintillationsmethode. Zeitschr. f. Physik 48, 1928, S. 765-783.
  • Richard G. Bader/Nils Jerlov/Berta Karlik/Anitra Thorhaug, Friedrich Frans Koczy, in: Nature, 1967, Vol.215(5100), S. 563.
  • mit T. Bernert, Über eine vermutete ß-Strahlung des Ra A und die natürliche Existenz des Elementes 85. Naturw. 30, 1942, S. 685.
  • H. Haberlandt/Berta Karlik/K. Przibram, Artificial Production of the Blue Fluorescence of Fluorite, in: Nature, 1934, Vol.133(3351), S. 99.
  • Ernst Föyn/Berta Karlik/Hans Pettersson/Elisabeth Rona, Physical Sciences. Radioactivity of Sea Water, in: Nature, 1939, Vol.143(3616), S. 275.
  • Fortschritte auf dem Gebiete der natürlichen Radioaktivität seit der Entdeckung der Uranspaltung. Nukleonik, Mai 1966.

Auszeichnungen

  • mit Elisabeth Rona Wilhelm-Haitinger-Preis 1933
  • Preis der Stadt Wien für Naturwissenschaften 1951
  • Wilhelm-Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbeverbandes 1954
  • Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold 1964
  • Erwin-Schrödinger-Preis 1967

Literatur

  • ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013), Eintrag zu Berta Karlik von B. Strohmaier, http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_K/Karlik_Berta-Emilie_1904, 29.07.2016.
  • Maria Rentetzi, Berta Karlik. 1904-1990, in: Jan Apotheker/Livia Simon Sarkadi (Hg.), European Women in Chemistry, Weinheim 2011, S. 161-164.
  • Daniela Angetter/Michael Martischnig, Biografien österreichischer [Physiker]innen. Eine Auswahl, hg. von Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2005, S. 58-60.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Maria Rentetzi, Berta Karlik. 1904-1990, in: Jan Apotheker/Livia Simon Sarkadi (Hg.), European Women in Chemistry, Weinheim 2011, S. 161.
  2. https://lise.univie.ac.at/physikerinnen/historisch/berta-karlik.htm
  3. Maria Rentetzi, Berta Karlik. 1904-1990, in: Jan Apotheker/Livia Simon Sarkadi (Hg.), European Women in Chemistry, Weinheim 2011, S. 161.
  4. Maria Rentetzi, Berta Karlik. 1904-1990, in: Jan Apotheker/Livia Simon Sarkadi (Hg.), European Women in Chemistry, Weinheim 2011, S. 161.
  5. https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/berta-karlik-o-prof-dr, aufgerufen am 16.12.2018.
  6. https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/berta-karlik-o-prof-dr, aufgerufen am 12.12.2018.
  7. https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/berta-karlik-o-prof-dr, aufgerufen am 12.12.2018.
  8. Daniela Angetter/Michael Martischnig, Biografien österreichischer [Physiker]innen. Eine Auswahl, hg. von Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2005, S. 59.
  9. Daniela Angetter/Michael Martischnig, Biografien österreichischer [Physiker]innen. Eine Auswahl, hg. von Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2005, S. 59.

Darstellungen


Charlotte Reuß