Arthur Kaan

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Arthur Kaan (auch Artur Kaan, * 24.2.1867 in Klagenfurt - † 9.6.1940 in Wien), war ein österreichischer Bildhauer.

Leben

Artur Kaan wurde am 1867 in Klagenfurt geboren, übersiedelte aber bereits im Alter von acht Jahren nach Wien. Er studierte von 1882 bis 1886 bei dem Bildhauer und Eisengießer Rudolf Dominik Zafouk in Wien, der sich hauptsächlich in der kirchlichen Kunst betätigte (unter anderem an der Ausstattung der Votivkirche), danach absolvierte er 1886 bis 1890 die Bildhauerschule bei Edmund Hellmer an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie anschließend bis 1896 die Spezialschule für höhere Bildhauerei bei Carl Kundmann. Dort war er einige Jahre lang Studienkollege von Othmar Schimkowitz und Josef Grünhut in der nur wenige Schüler umfassenden Spezialklasse von Kundmann.

Er lebte als selbständiger Künstler in Wien, 1896 eröffnete er sein eigenes Atelier in der Währinger Straße 74, zuletzt lebte er in der Schumanngasse 16, im 18. Wiener Gemeindebezirk. Ab 30.10.1896 war er Mitglied des Wiener Künstlerhauses und dort als Funktionär in verschiedenen Aufgaben tätig, vor allem in der Ausstellungskommission, wo er mit seinen Kollegen Klotz, Illitsch, Kundmann, Strasser und Hegele zusammen arbeitete.

Kaan arbeitete vorwiegend im Wiener Raum, allerdings war er auffallend häufig auf internationalen Kunstausstellungen vertreten. So erhielt er Preise von Ausstellungen in Wien, Chicago, St. Louis, Petersburg und London.[1]

Ab 1905 schrieb sich der geborene Arthur als Artur. Kaan war ein Cousin des Malers und Illustrators Julius von Kaan-Albest.

Grab Artur Kaan am Zentralfriedhof Wien.

Er starb nach langer schwerer Krankheit während des 2. Weltkrieges am 9. Juni 1940 in der Schumanngasse 16 im 18. Wiener Gemeindebezirk. Über sein Ableben wurde in der Presse nicht berichtet. Sein Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 34A, Reihe 8, Nr. 29.); es handelt sich um kein Ehrengrab, das Nutzungsrecht des Grabes ist bereits 2004 abgelaufen.[2]

Schaffen

Arthur Kaan fertigte vor allem Kleinplastiken, wie Kinder- und Mädchenbüsten, Reliefs, Heiligenfiguren und Darstellungen des täglichen, vor allem ländlichen, Lebens, aber auch Monumentalplastiken. Eines seiner Spezialgebiete waren Grabdenkmäler.[3] Als Schülerarbeit und stellvertretend für die Schulung unter Kundmann gilt das 1891 geschaffene Grabmal für den Vater Anton Kaan am Zentralfriedhof, eine neoklassizistische Stele mit Bronzerelief und Palmettenaufsätzen am Giebel (Gruppe 39, Reihe 3, Nummer 4).[4]

Artur Kaan beteiligte sich an der Ausstattung einiger Bauwerke der Wiener Ringstraße, seine historistischen Hauptwerke finden sich unter anderem im Rathaus (Achilles und Penthesilea) und dem Parlament (Perikles). Nach dem 1. Weltkrieg schuf er vorwiegend religiöse Plastiken der christlichen Kunst, Grabdenkmäler und vor allem Kinderbüsten.[5] So leitet er 1908 gemeinsam mit Arthur Strasser das Komitee für die Ausstellung christlicher Kunst in Düsseldorf.

Für die Donaufelder Pfarrkirche schuf er diverse Objekte für die Kirchenausstattung, so die Pieta für einen der beiden Seitenaltäre,[6] die Kanzelbüsten Marco d`Aviano, Canisius und Severin, die in Kupfer getriebene Statue des Ecce-Homo-Altars sowie den Herz-Mariä- und den Herz-Jesu-Luster. Keines dieser Kunstwerke ist allerdings signiert, die Zuschreibung basiert auf zeitgenössischen Quellen.[7]

Kaan wird heute zu Unrecht als Bildhauer traditioneller Ordnung rezipiert, denn er stand durchaus in engem Kontakt mit den Künstlern der Sezessionsbewegung. Unter anderem schuf er zwei Monumente gemeinsam mit Joseph Maria Olbrich: Die Statue Kaiser Franz Joseph (heute Stadtpark Baden) und das Grabmal für Isidor Ritter von Klarwill am Döblinger Friedhof (israelitische Abteilung), für das er nach Olbrichs Entwürfen das Relief „Genius mit Blume“ schuf und das Hevesi als „Sehenswürdigkeit Wiens“ bezeichnete.[8]

Ab 1909 schuf er diverse Figuren für die von Otto Wagner erbaute Kirche am Steinhof , Max Hegeles Gedächtniskirche am Zentralfriedhof und die Donaufelder Pfarrkirche von Franz von Neumann. Zu dieser Zeit hatte er sich bereits vom Historismus gelöst und dem Stil der Sezession angenähert. Damals entstand auch das Relief für Eduard Albert für den Arkadenhof der Universität Wien.

Werke

  • Bronzebüste Louis Jacques Daguerre, 1889 für das Ministerium für Unterricht und Kultus.[9]
  • Grabdenkmal für seinen Vater Anton Kaan, Zentralfriedhof Wien, 1891.
  • Achilles und Penthesilea, Festsaal Rathaus Wien, 1895.
  • Eva mit Kain und Abel, St. Anna Kinderspital Wien, 1895.
  • Denkmal Kaiser Franz Joseph I. (gemeinsam mit Josef Maria Olbrich), Kurpark Baden bei Wien, 1898.
  • Grabdenkmal Richard Flesch, Ober-St.-Veiter-Friedhof, 1898.
  • Erzengel Gabriel, Pfarre Breitenfeld in Wien, 1902
  • Büste Heinrich von Ferstel, Technische Universität Wien, 1903.
  • Grabmal der Familie Klarwill, (gemeinsam mit Joseph Maria Olbrich), Döblinger Friedhof, vor 1906.
  • Grabdenkmal des Alpinisten Thomas Oberwalder, Zentralfriedhof, 1907.
  • Marmorstatue Perikles, Parlament Wien, 1907.
  • Engelgruppe, Kirche am Steinhof, 1909.
  • Kolossal-Fassadenfigur des Evangelisten Markus und Bronze-Kruzifix für die Dr. Karl Lueger Gedächtniskirche am Zentralfriedhof Wien, 1908.
  • Pietá und Kanzel-Relief, Pfarre St. Leopold in Wien-Floridsdorf, 1908.
  • Denkmal Eduard Albert, Bronzerelief, Arkadenhof der Universität Wien, 1909.
  • Mamorstatue Merkur, eh. Börse-Gebäude Wien, 1912 (1956 zerstört)[10]
  • Bronzerelief Alexander von Krobatin, Heeresgeschichtliches Museum Wien, 1917
  • Diverse Bronze-Statuetten für das Heeresgeschichtliche Museum Wien (Schütze, Tambour, Hornist, Ulan, Infanterist, Österreichischer Soldat), 1917-1918

Einzelnachweise

  1. Griesser-Stermscheg 2009, S. 98.
  2. Zentralfriedhof
  3. Vollmer 1908, S. 400.
  4. Griesser-Stermscheg 2009, S. 98.
  5. Obermayer-Marnach 1965, S. 160.
  6. Reichspost 1914, S. 10.
  7. Griesser-Stermscheg 2009, S. 97.
  8. Griesser-Stermscheg 2009, S. 99, Anm. 369.
  9. Czeike 2004, S. 406.
  10. Obermayer-Marnach 1965, S. 160.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 3, Wien 2004.
  • Griesser-Stermscheg 2009: Martina Griesser-Stermscheg, Buntmetalle und elektrische Glühbirnen. Die Kirchenausstattung der Donaufelder Kirche im Zeichen des Wiener Sezessionismus, Wien 2009.
  • Obermayer-Marnach 1965: Eva Obermayer-Marnach, Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 3, Wien 1965.
  • Reichspost 1914: Reichspost, XXI. Jahrgang, Nr. 249, 30. Mai 1914, S. 10.
  • Vollmer 1908: Hans Vollmer (Hg), Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler. Von der Antike bis zur Gegenwart, Band 14, Leipzig 1908.
  • Zentralfriedhof: Online-Gräbersuche: [[1]]

Darstellungen


Gabriele Böhm-Nevole, Angelina Illes, Leo Czernin