Arnold Hartig

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Arnold Hartig, Selbstportrait im Alter von 81 Jahren, 1959, Postkarte nach einem Gipsmodell, Dm. 175 mm.

Arnold Hartig (geb. 1878 in Brand bei Tannwald , gest. 1972 in Purkersdorf) war einer der meistbeschäftigten Medailleure Wiens im 20. Jahrhundert und ein mehrfach ausgezeichnetes Mitglied des Künstlerhauses. Für den Arkadenhof der Universität Wien wurde er für mehrere Reliefporträts beauftragt.

Leben

Arnold Hartig wurde als Sohn einer sudetendeutschen Bauernfamilie am 12. August 1878 in Brand (Žďár), heute ein Ortsteil von Tannwald (Tanvald), in Nordböhmen geboren. Als er elf Jahre alt war, verstarb sein Vater. Nach Besuch der Volks- und Bürgerschule in Tannwald folgten vier beschwerliche Lehrjahre beim Graveurmeister Kasper in Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou). Hartig berichtet in seiner Autobiographie, dass er damals abends und am Wochenende lebensgroße Porträts zeichnete, um ein kleines Einkommen zu haben.[1]

Zwei Jahre verbrachte Hartig an der Fachschule in Gablonz bei Prof. Rudolf Zitte, wo sein Interesse für die Medailleurkunst wuchs. Der begabte Schüler erhielt ein Staatsstipendium und wurde 1898 an die Wiener Kunstgewerbeschule zu Prof. Stefan Schwartz geschickt. In Wien lag der Schwerpunkt seines Unterrichts auf dem Kunstgewerbe. Hartig war hauptsächlich mit Kupfertreibarbeiten beschäftigt und wurde mit seinen eigenen Worten "von der Medailleurkunst immer ferngehalten".[2] Im Jahre 1903 verließ er die Schule daher vorzeitig, verlor damit sein Stipendium und etablierte sich folglich als selbständig schaffender Künstler in Wien. 1905 stellte er erstmals im Künstlerhaus aus, ab 1908 war er ordentliches Mitglied dieser Vereinigung.

Zu Beginn des dritten Studienjahres in Wien hatte er seine spätere Frau, Emilie Schmidt, kennengelernt, die er 1905 heiratete. 1907 wurde der einzige Sohn der Familie, Arnold geboren, der Medizin studierte.[3] Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er als Ersatzreservist sofort eingezogen und diente zunächst vier Monate im Sanitätsdienst, danach als Kriegsmedailleur bis 1918.

Hartig arbeitete danach wieder als selbstständiger Künstler bis ins hohe Alter. Als seine letzte Medaille schuf er 1962/63 nach eigenen Angaben ein Porträt Heinrich Gleißners, des Landeshauptmannes von Oberösterreich.[4] Die Sitzungen zogen sich über Monate hin, da sich der Gesundheitszustand und das Sehvermögen des Künstlers zunehmend verschlechterten. Nach der Auflösung seines Ateliers übergab er am 18. Oktober 1965 seinen künstlerischen Vorlass der Stadtgemeinde Enns.[5] Die Hinterlassenschaft seiner 61jährigen künstlerischen Tätigkeit befindet sich heute im Museum Lauriacum in Enns. Der vollständig erblindete Künstler verstarb am 2. Februar 1972 in Purkersdorf in Niederösterreich.

Schaffen

Der Bildhauer Arnold Hartig arbeitete während seiner langen künstlerischen Tätigkeit fast ausschließlich als Medailleur und schuf Medaillen, Plaketten und Münzen für private und staatliche Auftraggeber. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang seine Tätigkeit im Rahmen des Militärdienstes 1914-1918, für die Kriegsfürsorge entwarf er zahlreiche Medaillen von Mitgliedern des Kaiserhauses und Heerführern. Besonders geschätzt wurde seine Fähigkeit, lebensnahe Porträts der dargestellten Personen zu liefern.[6] Bei den Sitzungen modellierte Hartig das Bild unmittelbar in Wachs - ohne Vorzeichnungen - und setzte es danach in Gips und schließlich in Metall um.[7] Im Nachlass des Künstlers befindet sich laut Bernhard Prokisch ein einziges erhaltenes Wachsmodell. Für das Hauptmünzamt (heute Münze Österreich) schuf er ab den 1920er Jahren nicht nur Schilling-Münzen, sondern auch zahlreiche Medaillen, wie beispielsweise seine bekannten Komponistenserien. Hartig arbeitete, wie er 1964 betonte, alleine: "Ich habe mich niemals eines Mitarbeiters bedient, sondern jedes kleinere Gipsmodell selber gegossen, jeden Bronzeguß selber ziseliert und sowohl die Stahlverkleinerungen als auch die Negativ-Prägestempel selbst durchgearbeitet."[8]

Hartig selbst führt in seinem Werkverzeichnis insgesamt nur vier Großplastiken an: die monumentale Christusfigur in Bronzeguß für die Gablonzer Kirche, ein Bronzerelief (die "Bergpredigt") in Aussig, eine lebensgroße Gedenktafel für Kommerzialrat Koffmahn in Atzgersdorf und als einziges Werk in Kunststein, das Pallas-Athene-Relief in Reichenberg."[9] Als einzige Treibarbeit nennt Prokisch ein Jugendwerk Hartigs nach Alexandre Charpentier, das nur als Photographie erhalten ist.[10]

Der Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit ist durch den Wiener Secessions-Stil geprägt, neben den Jugenstilformen im Frühwerk bleibt aber der durch alle Schaffensjahre konstante Realismus der Darstellungen erkennbar.[11]. Gerade in der Zeit des Ersten Weltkriegs kommen in seinen Werken zudem ein gewisses Pathos sowie expressionistische Tendenzen zum Ausdruck.[12] Die Zwischenkriegszeit bringt eine neue Sachlichkeit und in der Zeit des Ständestaats folgt laut Prokisch "eine Hinwendung zur religiösen Medaille." Er beurteilt das Spätwerk Hartigs zudem als recht konventionell und bemerkt zurecht, dass die jeweils notwendige Anpassung an potentielle Auftraggeber die Bildformulierung bestimmte. In diesem Sinne ist wohl auch die von Prokisch ursprünglich konstatierte Konstante, die realistische Darstellungsweise, neu zu bewerten. Ein Vergleich der Portraits und Medaillen mit den monumentalplastischen Arbeiten Hartigs in Gablonz, Aussig und Reichenberg, wäre unbedingt notwendig, um zu einer umfassenderen Einschätzung seiner stilistischen Entwicklung zu gelangen.[13]

Werke

Großplastik

  • Kolossale Christusfigur, 3,20 m Höhe, Bronzeguß, Hochaltar der Herz-Jesu-Kirche, um 1930/31, Gablonz a.d. Neiße (Jablonec ad Nisou)
  • Bronzerelief "Bergpredigt" für die Familie Wolfrum in Aussig
  • Pallas-Athene-Relief in Kunststein im Stiegenhaus der Webschule in Reichenberg (lebensgroß)
  • Gedenktafel für Kommerzialrat Koffmahn, Atzgersdorf (lebensgroß)
  • Reliefporträts im Arkadenhof der Universität Wien: Franz Martin Schindler (1951), Rudolf von Scherer (1951), Gustav Riehl (1954), Karl Landsteiner, Enthüllung 28.8.1961.[14], Alfons Dopsch, Enthüllung 24. Nov.1964, im Rahmen einer Gedenkfeier.[15]
  • Denkmal Rudolf Maresch (01.08.1868-16.01.1936; Patholog. Anatomie und Histologie), Relief, Entstehungszeitraum: 1931-1932

Medaillen

  • Flottenvereinsmedaille (um 1915)
  • Medaille Conrad v. Hötzendorf (um 1915)
  • 25 Schilling - Wiedereröffnung der Bundestheater (1955)
  • Plakette Ludwig van Beethoven (1920er)
  • Medaille Ludwig van Beethoven (1927)
  • Medaille Wolfgang Amadeus Mozart (1927)
  • Medaille Franz Schubert (1927)
  • 25 Schilling Münzen: Wolfgang Amadeus Mozart (1956), Mariazell (1957), Carl Auer v. Welsbach (1958), Kärntner Volksabstimmung (1960), 40 Jahre Burgenland (1961), Anton Bruckner (1962), Prinz Eugen von Savoyen (1963)
  • 50 Schilling Münzen: 600 Jahre Tirol bei Österreich (1963), IX. Olympische Winterspiele 1964 Innsbruck (1964)

Ein ausführliches Werkverzeichnis des Künstlers befindet sich in: Arnold Hartig, Aus meinem Leben. Vom Bauernjungen zum Künstler. Erlebnisse mit Porträtierten Persönlichkeiten, Wien 1964, S. 70-81.

Ehrungen und Preise

  • Preis des Unterrichtsministeriums 1908
  • Medaillenausschreibung 500-Jahr-Feier der Wiener Universität Leipzig 1908
  • Mitgliedschaft Künstlerhaus 1908
  • Goldene Staatsmedaille bei der Frühjahrsausstellung 1909
  • Dumba-Ehrenpreis des Künstlerhauses 1910
  • Wiener-Jagdausstellungs-Medaille 1910
  • 1. Preis im Wettbewerb 50 Jahre Künstlerhaus 1911
  • Preis der Gesellschaft der Musikfreunde 1912
  • "Wien im Blumenschmuck" - Preise 1912 und 1913
  • Ehrenpreis der Stadt Wien 1913
  • Silberne Ehrenmedaille des Roten Kreuzes 1914
  • Kriegskreuz für Zivilverdienste II. Klasse 1918
  • Ehrenmedaille der Medailleurvereinigung
  • Mozartmedaille des Mozarteums in Salzburg
  • Österreichischer Staatspreis für Medailleurkunst 1937
  • Verleihung des Goldenen Lorbeers des Künstlerhauses anlässlich des 70. Geburtstages 1948
  • Ernennung zum Professor (h.c.) 1954
  • Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse anlässlich des 80. Geburtstages 1958
  • Goldene Nadel des Künstlerhauses für 50jährige Mitgliedschaft 1958
  • Große Goldene Ehrenmedille des Künstlerhauses 1963

Literatur

  • ALBK 1955: Hans Vollmer (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, 2, Leipzig 1955.
  • Czeike 1994: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994.
  • DBE 1996: Walther Killy/Rudolf Vierhaus (Hg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie, 4, München u.a. 1996.
  • Hartig 1964: Arnold Hartig, Aus meinem Leben. Vom Bauernjungen zum Künstler. Erlebnisse mit Porträtierten Persönlichkeiten, Wien 1964.
  • Koch 1972, B. Koch, Prof. Arnold Hartig +, in: Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft 17, 1971/72, S. 73.
  • Planer 1929: Franz Planer (Hg.), Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte, Wien 1929.
  • Prokisch 2005a: Bernhard Prokisch, Der Nachlass des Medailleurs Arnold Hartig (1878–1972), in: Mitteilungsblatt 30/2005, hg. v. Inst. f. Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, S. 20-31.
  • Prokisch 2005b: Bernhard Prokisch (Hg.), Der Nachlass Arnold Hartigs im Museum Lauriacum in Enns, 1. Das Medaillenwerk, Linz/Wien 2005.
  • Teichl 1951: Robert Teichl (Hg.), Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen, Wien 1951.
  • Thieme/Becker 1923: Ulrich Thieme/Felix Becker (Hg.), AllgemeinesLexikon der Bildenden Künstler, 16, Leipzig 1923.
  • WWÖ 1953: Wilhelm W. Orgel (Hg.), Wer ist wer in Österreich. Das österreichische "Who's Who", Wien 1953.

Weblinks

  • Eintrag "Arnold Hartig", Münze Österreich, Künstlerarchiv [1]
  • Eintrag Arnold Hartig auf Wikipedia [2]
  • Verzeichnis der Beethoven-Plaketten im Beethoven-Haus Bonn [3]

Einzelnachweise

  1. Hartig 1964, S. 16.
  2. Hartig 1964, S. 18.
  3. Planer 1929, Hartig 1964, S. 27.
  4. Hartig 1964, S. 63, Prokisch 2005a, S. 20-21.
  5. Übergeben wurden laut Prokisch Mappen mit Schriftgut (Briefe, handschriftliche Notizen, Zeitungsausschnitte, Photographien, ...), etwa 60 Arbeiten auf Papier, (Aquarelle und Handzeichnungen). Der Numismatische Teil (ca. 400 Objekte: Prägemedaillen und Gipsmodelle) wurde bereits in Katalogform (siehe Prokisch 2005b) publiziert. Prokisch 2005a, S. 21.
  6. Hartig 1964, S. 20-24.
  7. Erhalten blieb das Wachsmodell für die Kriegsfürsorge-Medaille auf Erzherzogin Isabella. - Als Metalle verwendete Hartig Bronze und bronziertes Eisen; während des 2. Weltkrieges auch Zinn und eine nicht identifizierte Legierung. Prokisch 2005a, S. 21-22.
  8. Hartig 1964, S. 81.
  9. Hartig 1964, S. 70-81. Zu Medaillen vgl. Prokisch 2005b.
  10. Prokisch 20005a, S. 22.
  11. Prokisch 2005a, S. 26.
  12. Prokisch nennt hier die Georgs-Medaille auf Conrad Hötzendorf.
  13. Für die genannten Monumentalplastiken Arnold Hartigs war bisher kein Bildmaterial zugänglich.
  14. UAW, Senat S 222.36 Landsteiner, Karl: Errichtung einer Gedenktafel im Arkadenhof der Universität Wien, 1960.12.12 - 1961.07.27 (Akt), Med.Dekanat.66/60.61, 12./16.5.61
  15. UAW, Senat S 222.40 Dopsch, Alfons: Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 1963.12.06 - 1965.09.22 (Akt), Brief der philosophischen Fakultät der Universität Wien an den Akademischen Senat der Universität Wien con 6.12.1963.

Julia Strobl, Verena Sulzbachner, Caroline Mang