Anton Menger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Anton Menger.

Anton Menger von Wolfensgrün (* 12.September 1841, Maniów, Galizien; † 6.Februar 1906 Rom, Italien ) war ein österreichischer Jurist, Sozialtheoretiker und politischer Schriftsteller. Ihm zu Ehren wurde das Denkmal Anton Menger im Arkadenhof der Universität Wien errichtet.

Leben

Junge Jahre

Anton Menger stammt aus einer katholischen Familie. Sein Vater war Advokat und stammte aus einer deutsch-böhmischen Beamten- und Offiziersfamilie. Seine Mutter Caroline Menger war die Tochter des Kaufmanns und Gutbesitzers Josef Gerzabek. Menger hatte zehn Geschwister, darunter den Nationalökonom Carl Menger und den Politiker Max Menger. Nach religiösen Streitigkeiten musste Menger seine Ausbildung im Gymnasium in Teschen 1859 abbrechen. 1860 legte er sein Abitur in Krakau als Externer ab.[1]

Studienzeit und berufliche Laufbahn

Er begann sein Studium in Krakau und wechselte 1860/61 an die Universität Wien wo er Rechtswissenschaften, Philosophie, Geschichte und Mathematik studierte. Nach seiner Promotion 1865 arbeitete er bis 1875 als Anwalt. Von 1870 bis 1907 war er Abgeordneter im Schlesischen Landtag. Bereits 1872 habilitierte er an der Universität Wien als Privatdozent für das Österreichische Zivilprozessrecht. Der Grund hierfür war eine kurzfristig frei gewordene Prozesskanzel an der Juristischen Fakultät. Ab 1874 war er außerordentlicher und ab 1877 ordentlicher Professor für jenes Fach. Diesen Posten behielt er bis 1899 inne. Von 1875 bis 1907 war er außerdem Reichratsabgeordneter.Menger war Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in den Jahren 1880/81 und 1887/88. In der österreichischen Zivilprozessreform von 1895 sind viele seiner Vorstellungen fruchtbar geworden. Ausschlaggebend dafür war sein Schüler Franz Klein (Jurist) welcher zu diesem Zeitpunk der Leiter des Justizministeriums war. [1] Zudem war er von 1895 bis 1896 Rektor an der Universität Wien. Desweiteren war er als Hof- und Gerichtsadvokat in Wien tätig. 1899 trat er vorzeitig in den Ruhestand um sich ganz seiner schriftstellerischen Arbeit widmen zu können.

Schaffen

Juristisches Werk

Sein Werk besteht aus einer Trilogie die weder Aufgrund ihrer Überschriften noch aufgrund der befolgten Methode der Darstellungen auf einen größeren inneren Zusammenhang schließen lassen können. In „Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag in geschichtlicher Darstellung“ geht es zunächst um die möglichst genaue Skizzierung der sogenannten drei ökonomischen Grundrechte des Sozialismus. Die Untersuchung mündet im Gebiet der Rechtspolitik. Dieser hat er das gesamte zweite Werk „Das bürgerliche Recht und die besitzlosen Volksklassen" gewidmet. Er plädiert für eine soziale Korrektur der geltenden bürgerlichen Gesetzbücher und somit für den Erlass eines demokratischen Privatrechts. Die „Neue Staatslehre“ holt in gewisser Weise das Theoriedefizit der bisherigen Schriften nach. Den drei Werken liegt zu Grunde, dass Menger die stattgefundene soziale Machtverschiebung erkennt und somit dem Bedürfnis nach einem entsprechenden Recht nachkommen möchte. Auch wenn die Trilogie auf den ersten Blick widersprüchlich und nicht homogen wirkt, jedoch räumt die „Staatslehre“ mit den Ungereimtheiten auf und bietet somit den Schlüssel zu einem korrekten Verständnis seiner Schriften.[2]

Sozialpolitische Tätigkeit

Neben seiner Hochschul-Tätigkeit widmete er sich vorwiegend der Propagierung von sozialistischen Schriften welche auf juristischem Hintergrund basierten. Seine Thesen sind im Kontext zu der sich verändernden Gesellschaftsordnung zu sehen, welche besonders nach Gerechtigkeit sucht. Auslöser dafür waren die Wirtschaftskrise sowie die soziale Frage nach Antworten auf eine liberale Politik. Anders als jedoch Karl Marx und Friedrich Engels setzte er sich dabei mit rechts theoretischen Problemen auseinander. In dieser Rechtstheorie lehnt Menger die Begründung von Rechtsgrundsätze durch das Naturrecht ab, vielmehr solle die Geltung des Rechts an dessen Übereinstimmung mit dem gegebenen sozialen Machtverhältnissen gemessen werden.[3] Bereits in den frühen 1870er Jahren lag Mengers Hauptinteresse auf dem Schwerpunkt der Durchforschung des sozialistischen Gedankenkreises vom juristischen Standpunkt aus. Er war jedoch nie Mitglied einer Partei und betätigte sich auch nie aktiv an der Politik. 1886 veröffentlichte M. als Vorstudie zu seinem geplanten Hauptwerk, der „Neuen Staatslehre“, ein Buch unter dem Titel „Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag in geschichtlicher Darstellung“, das ursprünglich „Über den Ursprung der sozialen Grundideen unserer Zeit“ hatte heißen sollen. Die Arbeit an der „Neuen Staatslehre“ wurde unterbrochen, als 1887 der Entwurf eines Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich erschien. M. veröffentlichte eine vehemente Kritik an diesem Entwurf, die weite Verbreitung fand. Insbesondere in den 90er Jahren beschäftigte er sich auch intensiv mit mathematischen Problemen und publizierte darüber unter dem Pseudonym „Dr. Julius Bergbohm“. 1902 schloss er die „Neue Staatslehre ab“, jedoch verzögerte sich das Erscheinen aufgrund des sozialdemokratischen Inhalts. Menger wechselte schließlich den Verlang, so dass das Manuskript 1903 erschien. 1905 veröffentlichte er die „Neue Sittenlehre“. Als Abschluss dieser Arbeiten sollte eine „Erkenntnislehre“ vom sozialistischen Standpunkt aus dienen, jedoch schloss er diese nie ab.[1] Menger war zwar ein konsequenter, privateigentumsfeindlicher Sozialist, jedoch kehrte er sich bewusst vom Kathedersozialismus sowie vom Marxismus ab. Mit seiner Forderung nach einer legislativ-politischen Jurisprudenz war er zwar im Ansatz soziologisch, hielt sich jedoch bewusst von außerjuristischen Bezügen fern. Dies führte zu einer Übereinstimmung dem staatsrechtlichen Positivismus seiner Zeit. Er war mit der Propagierung ökonomischer Grundrechte in der naturrechtlichen Tradition verhaftet. Sein Denken war vor allem durch seinen sozialen Impetus bestimmt. Dadurch wurde er zu einem scharfen Kritiker der Missstände seiner Zeit. Vielmehr durch seine konkrete Vorschläge zur Zivilprozess- und BGB-Reform als durch seine sozialistischen Ideen hat er für eine bleibende Wirkung gesorgt. [1] Menger unternahm desweiteren spezielle Bücherreisen nach Paris, London und Berlin um sozialistische Spezialliteratur zu sammeln. Seine Privatbibliothek die 16.000 Bände umfasste wurde Anfang der 1920er Jahre von der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien erworben. [3] Bald nach Mengers Tod brach die Diskussion um den „Juristensozialismus“ ab und wurde erst in den 1970er Jahren wieder aufgenommen. Menger wurde am Wiener Zentralfriedhof bestattet. [4]

Ehrungen

Schriften (Auswahl)

  • Beitrag zur Lehre von der Exekution. In: Archiv für die civilst. Praxis. Bd. 55, 1872.
  • Die Zulässigkeit neuen thatsächlichen Vorbringens in den höheren Instanzen. Eine civilprocessualische Abhandlung. 1873.
  • System des österr. Zivilprozeßrechts. 1876.
  • Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag in geschichtlicher Darstellung. Cotta, Stuttgart 1886.
  • Gutachten über die Vorschläge zur Errichtung einer eidgenössischen Hochschule für Rechts- und Staatswissenschaft. Zürich, J. J. Schabelitz. 1889.
  • Das Bürgerliche Recht und die besitzlosen Volksklassen. Eine Kritik des Entwurfs eines Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich. 1890.
  • Neue Rechnungsmethoden der höheren Mathematik. 1891.
  • Neue Integrationsmethoden auf Grund der Potenzial-, Logarithmal- und Numeralrechnung. 1892.
  • Entwurf einer neuen Integralrechnung auf Grund der Potenzial-, Logarithmal- und Numeralrechnung. 1892/3.
  • Über die sozialen Aufgaben der Rechtswissenschaft. ( Antrittsrede bei Übernahme des Rektorates der Universität Wien ). 1896 ( 2. Auflage Wien, Braumüller 1905 )
  • Neue Staatslehre. 1902/3.
  • Neue Sittenlehre. Jena, G. Fischer, 1905.
  • Volkspolitik. 1906. (postum)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Eintrag zu Anton Menger auf NDB [1]
  2. Caroni 1987, S. 212 – 215.
  3. 3,0 3,1 Eintrag zu Anton Menger auf Wikipedia [2]
  4. Eintrag zu Anton Menger im austria-forum.org [3]

Literatur

  • Caroni: Anton Menger, 1841 - 1906. In: Juristen in Österreich 1200 – 1980. Hg..Wilhelm Brauneder, Wien 1987. S. 212 – 216.
  • Hörner: Menger (von Wolfensgrün) Anton. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Wien 1975. Band 6, S. 220 f. S. 220, S.221.
  • Müller: Menger, Anton. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Berlin 1994. Band 17. S. 71 f. Digitale Version.
  • Oberkofler: Anton Menger (1841-1906). In: Bewahren Verbreiten Aufklären. Hrsg. Günter Benser und Michael Schneider. Bonn-Bad Godesberg 2009. S. 196-201 Digitale Version.

Weblinks

Darstellungen


Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Katharina Anzböck